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Battle Of Metal - Geiselwind

26.07.2006 | 23:25

21.07.2006, Autohof Strohofer

Am Freitag erlaubt der freundliche Dienstherr, dass wir bereits mittags um halb eins den Stift fallen lassen, und so können wir uns frühzeitig zum Battle Of Metal Festival nach Geiselwind aufmachen.
Herr K. aus M. und ich fahren zweieinhalb Stunden durch hessische Ortschaften voller deutscher Gemütlichkeit und ölen uns bei Temperaturen über 30 Grad im unklimatisierten Auto. Als wir in Geiselwind ankommen, sind wir überrascht. Im Straßenbild ist kein einziger Metaller zu sehen. Kein einziger!
Und am etwas außerhalb des Ortes liegenden Festivalgelände ist sozusagen ebenfalls tote Socke. Deshalb erkundige ich mich bei einer der Securitydamen, ob das Festival auch tatsächlich stattfindet. Sie nimmt's pikiert auf und meint, es sei ja noch früh morgens, die Leute werden schon noch kommen.
Nun, früh morgens ist es nicht gerade, sondern bereits halb fünf nachmittags, aber wir entschließen uns trotzdem zum Kauf eines gerade noch erschwinglichen Tagestickets für 42 Mäuse.

Auf dem Festivalgelände harren die Letzten von 110. Oh je!
Dass auf dem Battle Of Metal sicherlich nicht der Mob toben würde, hatten wir wohl vermutet, aber dass es so schlimm sein würde, hätten wir nun doch nicht gedacht.
Vor der Bühne, auf der gerade SALTATIO MORTIS ihre Kunst unter Beweis stellen, verlieren sich ein paar wenige Metaller und Gothics.
SALTATIO MORTIS gehören zu jenen Formationen, die sich im sogenannten Mittelalter-Metal-Genre bewegen. Und so bekommen wir das gängige Dudelsackgetöse zu hören und auch das immer wieder auch von vergleichbaren Bands präsentierte 'Palästinalied'. Ganz nett, aber nicht besonders innovativ, denken wir und beschließen, erst mal etwas essen zu gehen.
Da uns das Strohofer'sche Catering nicht lockt, verlassen wir das Festivalgelände wieder und entscheiden uns zwischen McD's "Los Wochos" und Burger Kings Zwiebelringen für Zwiebelringe, die's bei McD nicht gibt.
Während wir gediegen speisen, verpassen wir auf dem Festivalgelände den Auftritt von VADER. Nur noch die letzten drei Takte hören wir, was ich wirklich bedaure, denn die klingen ganz gut.

Nun, nach einer unerquicklichen Umbaupause während der wir uns im prallen Sonnenschein auf dem asphaltierten Boden mopsen und viel Cola trinken, erscheinen ATROCITY auf der Bühne, jene Band, deren Sänger Alexander Krull so unglaublich lange Haare hat, dass ich mich immer wieder wundere.
Als Backgroundsängerin bringt sich Liv Kristin in Positur. Als Solokünstlerin scheint sie aktuell mit ihrem Projekt LEAVES' EYES recht erfolgreich zu sein.
Bei ATROCITY hat sie keine tragende Rolle. Ihre Stimme ist kaum zu hören, lediglich beim gegen Ende vorgetragenen 'Shout', der Coverversion von TEARS FOR FEARS' altem Hit, versucht das Livchen, etwas kräftigere Töne anzuschlagen. Es gelingt nur mäßig.
Überhaupt ist der ganze Gig von ATROCITY nur als mäßig zu bewerten. Der Fairness halber muss man sagen, dass die Band sich redlich Mühe gibt, die traurigen Reihen vor der Bühne in Bewegung zu bringen. Und es ist sicher ihrer professionellen Haltung zu verdanken, dass man ihnen selbst nicht anmerkt, ob sie über diese zaghaften Publikumsreaktionen enttäuscht sind oder nicht.

Als nächstes erwarten wir HAGGARD. Gemeinsam mit dem Headliner des heutigen Tages, DIMMU BORGIR, waren HAGGARD die Triebfeder für unsere Entscheidung, das Battle Of Metal zu besuchen.
Und so gelingt es der Band als einer der ersten am heutigen Tage, das Publikum etwas mehr in Wallung zu bringen. Die Letzten von 110 sind inzwischen dankenswerterweise auf 115 angewachsen, da ist's nicht mehr ganz so fad.
HAGGARD präsentieren im wesentlichen Songs von ihrer aktuellen CD "Eppur Si Muove".
Sänger Asis Nasseri lässt uns wissen, dass die Band heute leider um einige Mitglieder reduziert sei. "Der Rest spielt auf dem anderen Festival. Nein, Sommergrippe", scherzt er.
Nun, das tut dem Gig aber keinen Abbruch. Die Death-Metal-Klassik-Fusion weiß auch in halber Besetzung zu begeistern. Insbesondere Sopranistin Susanne bezaubert mit ihrer Stimme, die sie in faszinierende Höhen treibt.
Ich halte sie für eine der herausragenden Sängerinnen in der
Metal-/Gothic-Szene. Liv Kristine könnte sich bei ihr ein Scheibchen abschneiden. Leider dürfen HAGGARD keine Zugabe geben und so verlassen sie - für heutige Verhältnisse lautstark - umjubelt nach dem traditionell letzten Stück 'Awaking The Centuries' die Bühne, um für THE 69 EYES Platz zu machen, die fast eine fette Dreiviertelstunde Umbaupause für sich in Anspruch nehmen.

Wir nutzen die Zeit und vertreten uns ein bisschen die Beine. Am mageren Merchandisingstand erwirbt Herr K. aus M. ein Höschen im DIMMU BORGIR-Design.
Neben mir torkelt ein junger Mann mit bunten Hosenträgern ins grüne, grüne Gras.

Wir trinken wieder viel Cola und dann endlich stürmen THE 69 EYES die Bühne, die mir schon von so vielen als brillante Band empfohlen wurden, die ich aber noch nie zu Gesicht bekommen habe. Nun überraschen sie mich. Mit ihren skelettierten Lederjacken und toupierten Haaren erinnern sie ein bisschen an eine Glamrock-Band der 80er Jahre. Das soll wohl so sein.
Die ersten paar Songs kommen etwas langatmig rüber. Nach dem dritten verlangt im Publikum jemand nach SLAYER. Aber so schlimm ist es nicht. Im Gegenteil: THE 69 EYES verstehen es, die inzwischen erneut etwas angewachsene Publikumsmenge ebenfalls in Bewegung zu versetzen. Mit ihren leicht morbiden Gitarrensounds erinnern sie ein wenig an Bands a la SISTERS OF MERCY, TYPE 0 NEGATIVE und SENTENCED. Einen Moment träume ich von den im vergangenen Jahr zu Grabe getragenen SENTENCED. Ach ja...
Aber wir sind ja nun bei THE 69 EYES, und die können sich durchaus hören lassen. Nach rund einer Stunde Programm verabschieden sie sich und ich fasse ins Auge, vielleicht mal in eine ihrer CDs reinzuhören.
Auf dem Programm stehen nun SOULFLY. Die Umbaupause nutzen wir, um doch noch einmal das vorzügliche Festival-Catering zu kosten. Herr K. aus M. kommt am Wurststand nicht vorbei und ich entscheide mich für steinhart panierte Pilze und bereue es sogleich. Aber was man bezahlt hat, wird aufgegessen, und so quäle ich mich gut eine halbe Stunde mit den heißen, fettigen Pilzchen und denke mir, dass ich lange nicht so gesund gegessen habe wie heute ;-)

SOULFLY dürften den erfolgreichsten Gig des Tages auf die Bühne gebracht haben. Die Reihen im Publikum haben sich erneut gefüllt und tatsächlich finden wir mittlerweile eine beträchtliche Menge munterer Metaller vor, die sich zu kräftigem Metalgebolze austoben.
Die Bühnendekoration erinnert hier ein wenig an die soeben vergangene Fußballweltmeisterschaft, sind doch Maxls Gitarre und einer der Lautsprechertürme mit der brasilianischen Fahne geschmückt.
SOULFLY mähen alles nieder. Die Fans machen mit. Nach dem dritten Song wird uns ein feinsinniges, folkrockig anmutendes Gitarrensolo präsentiert und bei einem späteren Drumsolo gelingt es den Brasilianern, mit dem richtigen Offbeat südamerikanisches Flair zu verbreiten.
Irgendwann dann huldigen die Jungs den wiedererstarkten CELTIC FROST mit einer Coverversion von 'Into The Crypts Of Rays'. Dann noch mal ein paar Riffs von METALLICA und nach einer guten Stunde Knüppeln und guter Laune machen SOULFLY Platz für den Headliner des heutigen Abends.
Mit ihnen verschwinden allerdings auch wieder einige der Fans, so dass es trotz des tendenziell eher gothiclastigen Publikums zum Hauptakt wieder etwas leerer vor der Bühne wird.

DIMMU BORGIR hissen das Banner von "Death Cult Armageddon". Und diesmal brauchen wir gar nicht so lange zu warten, bis die ersten Töne der Bombast-Black-Metaller erklingen.
Die Show bietet keine Überraschungen. Vorgestellt wird uns lediglich als neues Bandmitglied Hellhammer, den wir mit Applaus begrüßen dürfen.
Dann brausen die Norweger durchs Programm und bieten im üblichen Outfit und weißgeschminkten Gesichtern alle erwarteten Hits.
Über mangelnde Unterhaltung können wir uns nicht beklagen, dennoch ist die Stimmung wieder erschlafft und die einstündige Spielzeit schnell vorüber.
Auf die übliche Zugabe in Form von 'Mourning Palace' müssen wir natürlich nicht verzichten. Und so verlassen wir gegen kurz vor zwei Uhr nachts das Festivalgelände und segeln im Tiefflug in knapp anderthalb Stunden über die leeren Autobahnen ins heimisch weiße Bett.

Resümee?
Dass es keine glückliche Wahl war, am selben Wochenende gleich mehrere Festivals hierzulande für die gleiche Zielgruppe anzusetzen, dürfte jedem klar sein und bedarf kaum der weiteren Diskussion.
Klein aber fein macht sich immer gut, wenn jedoch so recht keine Stimmung aufkommen will, geht auch beim Konzert der erfolgreichsten Band etwas verloren.
Das Battle Of Metal wird somit sicherlich zumindest in diesem Jahr nicht in die Annalen der Metalgeschichte eingehen, gerechterweise müssen wir aber feststellen, dass es gleichwohl ein entspannter Nachmittag war.
Nett in der Sonne gesessen haben wir und ohne großen Aufwand mal wieder ein paar unserer favorisierten Bands zu Gehör bekommen.
Also - weiterkämpfen!

Redakteur:
Erika Becker

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