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Bauhaus Live - KELEVRA, EXARION, DRAUPNIR - Troisdorf

23.07.2017 | 18:37

21.07.2017, Bauhaus

So geht Underground-Support!

Bei den vielen Touren, mit denen dieser Tage die großen Vertreter der Metalszene unsere Lande beehren, ist es nur allzu leicht, die Konzerte im lokalen Underground komplett zu vergessen. Eigentlich sehr schade, denn gerade im Ruhrgebiet und um Köln herum blüht die Szene und bringt immer wieder frische Newcomer hervor, die sich durchaus hören lassen können. Eine der besten Anlaufstellen für junge Musiker ist dabei die Konzertreihe "Bauhaus Live", die mittlerweile seit fast 10 Jahren von Torsten Schramm (SOBER TRUTH) mit seiner One-Man-Booking-Agentur Takt Art im Monatsrhythmus veranstaltet wird. Die Shows bestechen dabei nicht nur mit einer gemütlichen Atmosphäre, moderaten Preisen und einem großartigen Sound, für den Michael "Freio" Haas vom Big Easy Studio in Hennef verantwortlich zeichnet, sondern bieten vor allem auch faire Konditionen für die Bands, was heutzutage ja schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Also insgesamt mehr als genug Gründe, um an diesem lauen Freitagabend den Weg zum Pfarrer-Kenntemich-Platz anzutreten und uns vor Ort mal einen Eindruck zu verschaffen.


Als Opener konnte Herr Schramm für den heutigen Abend die Kölner EXARION verpflichten, die pünktlich zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr die Bühne im Jugendzentrum Bauhaus entern. Musikalisch hat sich der Vierer, der im Jahr 2014 gegründet wurde, dem Thrash Metal verschrieben, den die Jungs in halsbrecherischem Tempo und mit den Genre-typischen dystopischen Lyrics im Stile von MEGADETH zelebrieren. Rein optisch liefert die junge Truppe dabei eher ein kurioses Bild ab, denn während Basser Fouad Azar und Gitarrist Peter Szemenyel eher stoisch ihre Parts herunterspielen und ihre Köpfe zum Riff-Gewitter kreisen lassen, wirkt Fronter Alex Baron wie ein Duracell-Häschen, dem man gerade frische Batterien eingesetzt hat. So nutzt er jede Pause beim Gesang dazu, um wahlweise verrückte Grimassen zu schneiden oder wie eine Mischung aus Angus Young und Eddie Van Halen über die Bühne zu springen. Leider sieht das Bild bei der technischen Performance ähnlich geteilt aus. Einerseits überzeugen die beiden Jungs an den Sechsaitern mit genialen Soli, bei denen sie auch gerne mal ein ausladendes Gitarren-Duell zelebrieren, andererseits passt ihre Rhythmus-Arbeit oftmals nicht so recht zusammen und stellenweise wirkt das Quartett so, als würden sie etwas zu schnell durch ihre Songs galoppieren. Der guten Stimmung im Bauhaus tut das jedoch keinen Abbruch, denn die gute Laune der Band überträgt sich schnell auf die Zuhörer und so werden die Kölner schließlich nach guten vierzig Minuten mit einem stattlichen Applaus verabschiedet. Zurück bleibt der Eindruck, dass der Vierer einiges an Potential mitbringt, die Performance auf der Bühne allerdings noch verbesserungswürdig ist.

Als nächstes steht dann eine Premiere auf dem Programm, denn die im Kloster Heisterbach in Königswinter probenden Jungs von KELEVRA spielen heute Abend ihr erstes Konzert vor Publikum. Augenscheinlich ist ihnen die Nervosität angesichts dieser Tatsache auch deutlich anzumerken. Die Ansagen sind noch sehr reduziert und auch das Auftreten der Truppe wirkt noch etwas steif, was aber durchaus nachvollziehbar ist. Nötig hat der Vierer das aber eigentlich nicht, denn musikalisch ist das hier allererste Sahne und auch so lässt die technische Darbietung hier zu keiner Zeit erahnen, dass man es mit einem Debüt zu tun hat. Stattdessen vermischt das Quartett packende Drum-Grooves, progressives Riffing im Stile von OPETH oder GOJIRA und Post Rock-Anleihen in bester LONG DISTANCE CALLING-Manier zu einem ganz eigenen Gebräu, das auch schnell die ersten Headbanger in die vorderste Reihe befördert. Als Bonus gibt es noch Synthesizer und Samples von Soundtüftler Niko oben drauf, die dem Prog-Metal-Mix schließlich eine ganz eigene Note verleihen und mit denen auch die Pausen zwischen den einzelnen Tracks gekonnt überbrückt werden. Da ist es auch kein Wunder, dass das Publikum die Jungs nach der regulären Spielzeit nicht direkt gehen lassen will, sondern nach einer Zugabe verlangt. Leider gibt das aktuelle Repertoir allerdings keine weiteren Songs her, doch auch diese Situation meistert KELEVRA gekonnt und so wird stattdessen kurzerhand ein gelungener kleiner Jam kredenzt, der schließlich das erste Konzert standesgemäß beendet. Alles in allem war das ein überraschend starkes Debüt, bei dem die Königswinterer in großen Teilen restlos überzeugen konnten. Stellenweise fehlen den Tracks aber noch ein wenig die ganz großen Highlights, doch mit ein bisschen Feinschliff lässt sich das sicher problemlos korrigieren, weshalb man sich den Namen KELEVRA als Prog-Fan trotzdem schon jetzt einmal notieren sollte.

Die nächste Umbaupause bietet uns dann ein wenig Gelegenheit dazu, uns im Bauhaus umzuschauen, das abseits der Konzertabende als Jugendzentrum dient. Schnell wird dann auch klar, warum Torsten die Location gerne als Kuschelclub bezeichnet, denn der Laden ist nicht nur angenehm klein im Vergleich zu anderen Konzerthallen, sondern wartet auch mit einer schicken kleinen Theke und gemütlichen Sitzgelegenheiten auf. Doch zum Sitzen sind wir nicht hier und so geht es schnell zurück in den Saal, wo gerade der Headliner DRAUPNIR mit seinem Set beginnt. Die Münsteraner treiben bereits seit dem Jahr 2008 ihr Unwesen in der hiesigen Szene und komplettieren mit ihrer Interpretation von Folk Metal den bunten Stilmix, der den Zuhörern heute Abend geboten wird. Entgegen der sonstigen Gepflogenheiten innerhalb des Genres präsentiert sich das Sextett aber nicht in mittelalterlicher Gewandung, sondern wirkt mit einem Dresscode aus schwarzen Jeans und Hemden eher so, als wären sie auf dem Weg zu einer Beerdigung. In Sachen Stimmung bietet die Truppe aber so ziemlich das Gegenteil, denn mit ihren tanzbaren Rhythmen und eingängigen Melodien ziehen die Münsteraner schnell das Publikum auf ihre Seite. Da dauert es auch nicht lange, bis sich erste kleine Moshpits bilden und einige Herren in vorderster Reihe gepflegt die Mähne kreisen lassen. Einzig die Performance von Katharina bleibt Geschmackssache, denn mit ihren operettenhaften Vocals und ihrer Blockflöte dominiert sie heute Abend doch recht deutlich den Sound der Band. Für meine Ohren wollen diese beiden Dinge aber nicht so recht zum eher an Bands wie ENSIFERUM orientierten musikalischen Fundament passen, weshalb der Funke bei mir auch bis zum Ende der Show nicht so richtig überspringt. Doch damit stelle ich ganz offensichtlich die Ausnahme dar, die übrigen Zuhörer haben nämlich sichtbar ihren Spaß und so wird das Sextett schließlich am Ende seines Sets mit einem zünftigen Applaus auf die Heimreise geschickt.

Alles in allem hat der Abend also all das gehalten, was im Vorfeld versprochen wurde. Mit EXARION und KELEVRA haben zwei Newcomer mitreißende Shows abgeliefert, während der erfahrenere Headliner DRAUPNIR den Abend schließlich standesgemäß beendet hat. Das alles bei moderaten Getränke- und Eintrittspreisen und in gemütlicher Atmosphäre, was will man mehr. Hoffen wir also, dass Torsten Schramm hier auch weiterhin dranbleibt und mit seinen Bemühungen die lokale Metalszene am Leben erhält, wie er es schon in den vergangenen Jahren getan hat. Ich jedenfalls ziehe meinen Hut vor dieser Leistung.

Redakteur:
Tobias Dahs

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