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Bauhaus Live - TEMPRAGE, HEREDITARY, TYRON - Troisdorf

20.06.2018 | 08:54

15.06.2018, Bauhaus

TaktArt Booking bietet im kleinen Club wie immer beste Schwermetall-Unterhaltung!

Sommer, Sonne, Fußball-WM und  auch noch Festival-Saison – da gibt es nicht wenige Liveclubs, die angesichts dieser Konkurrenz direkt in eine ausgedehnte Sommerpause gehen. Doch nicht so die von uns präsentierte Konzertreihe "Bauhaus Live", bei der SOBER TRUTH-Fronter Torsten Schramm regelmäßig feinste Underground-Musik im Troisdorfer Jugendzentrum Bauhaus präsentiert. Hier umgeht man das Problem mit der WM ganz pragmatisch mit einer großen Video-Leinwand, auf der das Duell zwischen Portugal und Spanien an diesem Freitagabend im gemütlichen Vorraum der Konzertlocation einfach kurzerhand übertragen wird. Gebrauch machen die angereisten Metalheads allerdings nur in den Pausen zwischen den Konzerten davon, denn angesichts der interessanten Bandmischung, die Herr Schramm heute eingeladen hat, wird König Fußball dann doch eher zur Nebensache.

Den Anfang machen heute die Thrash-Metaller TEMPRAGE, die aus Bergisch Gladbach angereist sind und heute Abend ihre erste EP "Holy Arise" präsentieren wollen, die im vergangenen Jahr erschienen ist. Musikalisch hat die Truppe dabei nicht nur klassische High-Speed-Thrash-Riffs im Gepäck, sondern schielt mit einigen Dual-Gitarren und akustischen Passagen auch gerne mal in Richtung NWOBHM, wobei insbesondere die britischen Titanen IRON MAIDEN für einige Ideen Pate gestanden haben dürften. Eigentlich also eine Mischung, die bei den Anwesenden auf offene Ohren stoßen sollte – doch so recht will der Funke nicht überspringen. Das mag zum Teil daran liegen, dass Sänger Sven heute krankheitsbedingt ausgefallen ist und Gitarrist Kai damit kurzerhand auch die Rolle des Frontmanns übernehmen muss. Mehr noch sorgt aber wahrscheinlich das recht verhaltene Auftreten des Vierers dafür, dass nur zögerlich die ersten Matten in den vorderen Reihen kreisen. Ganz besonders fallen hier Bassistin Lea und Klampfer Felix auf, die zumeist wie versteinert auf ihren Posten stehen und damit eher das Bild einer nervösen Schülerband vermitteln. Normalerweise würde so etwas sicher unter den Welpenschutz fallen, doch eigentlich sollte das Quartett, dass bereits im Jahr 2011 unter dem Namen METALFACE gegründet wurde, inzwischen genügend Bühnenerfahrung mitbringen, um seine Songs auch ein bisschen extrovertierter an den Mann oder die Frau zu bringen. Zu spüren ist davon heute allerdings nichts, weswegen ich den Jungs und ihrem Mädel am Bass auch abschließend dazu raten würde, einfach mit ein bisschen mehr Selbstvertrauen auf die Bretter zu gehen. Rein musikalisch hat der Vierer nämlich alles beisammen, um Hörer mit einer Vorliebe für Thrash und Heavy Metal ordentlich zu unterhalten.

Im Anschluss gibt es dann mit den Jungs von HEREDITARY das komplette Kontrastprogramm, denn das Quintett aus dem benachbarten Sankt Augustin bewegt sich nicht nur musikalisch in ganz anderen Gefilden, sondern ist auch bei seinen Fans für extrem unterhaltsame und schweißtreibende Bühnenshows bekannt. Wichtigster Teil darin ist auch heute Abend  wieder einmal Fronter Nils, der das Publikum mit markigen Sprüchen und witzigen Ansagen bei Laune hält. Der Typ ist einfach eine absolute Rampensau im allerbesten Sinne. Doch der Fünfer verlässt sich beileibe nicht nur auf die Präsenz seines Sängers, auch musikalisch wird hier einiges geboten. Immerhin haben die Jungs mit "Sin" ein bärenstarkes Debüt im Gepäck, das munter in sämtlichen Spielarten des schwedischen Todesstahls wildert und dabei wohl am meisten Inspiration aus dem Werk der Szene-Väter AT THE GATES zieht. Da ist es kein Wunder, dass schon bei der aktuellen Single 'Resurrected Persecutor' die ersten Matten kreisen und sich später bei der Abrissbirne 'Vengeance', die von Nils ironisch als die Ballade des heutigen Abends angekündigt wird, auch ein erster Moshpit bildet. Die HEREDITARY-Dampfwalze lässt sich auf ihrer Fahrt durchs Bauhaus dabei auch nicht von kleineren Pannen aufhalten. Gitarrist Jesco hat zu Beginn nämlich mit einigen technischen Problemen zu kämpfen, die sich erst mit dem Wechsel seines Kabels lösen lassen. Doch auch diese Situation meistern die Jungs souverän und so übernimmt Basser Marcel einfach kurzerhand mit seinem wuchtigen Sound, was dazu führt, dass akustisch kaum der zwischenzeitliche Ausfall eines Sechsaiters zu bemerken ist. Angesichts der beeindruckenden Performance kommen die Zugaben-Rufe am Ende des knapp vierzigminütigen Sets nicht unerwartet. Natürlich werden diese auch erhöhrt und so gibt es dem engen Zeitplan geschuldet zum Abschied noch eine blitzschnelle Version von 'Buried In Exploited Flesh', bevor sich die Herrschaften in den verdienten Feierabend verabschieden.

Nach dieser mitreißenden Performance tut sich der nominelle Headliner TYRON im Anschluss dann etwas schwer damit, das hohe Energieniveau zu halten. An der Erfahrung der Jungs kann das auf jeden Fall nicht liegen, denn vor der Umbenennung und dem Debüt "Rebels Shall Conquer" war Fronter Paul Batzikas mit anderen Mitmusikern bereits unter dem Namen LILITH LAYING DOWN seit dem Jahr 2008 unterwegs. Seither hat sich das Bandkarussel allerdings einige Male gedreht und so merkt man dem Quartett auch heute an, dass in Sachen Performance noch nicht alles rund läuft. Als Zuschauer wird man das Gefühl nicht los, dass eher jeder der Musiker sein eigenes Ding durchzieht, worunter irgendwie ein bisschen die Chemie untereinander zu leiden scheint. Glücklichweise bezieht sich das allerdings nur auf den optischen Eindruck, denn technisch liefert das Quartett eine blitzsaubere Performance ab und schmettert dem Publikum seinen Mix aus thrashigen Riffs im Stile der 90er-Hochphase von METALLICA und eher Prog-inspirierten Songaufbauten und Vocals nachdrücklich entgegen. Dass die einzelnen Tracks dabei ab und an noch etwas zu gleichförmig daherkommen, ist am Ende nur eine Randnotiz, die dank der feinen Leads von Gitarrist Andrey Shefer und der variablen Gesangsleitung von Fronter Paul nicht so sehr ins Gewicht fällt. Einziger wirklicher Kritikpunkt meinerseits bleibt damit schlussendlich das viel zu ausladende Intro vom Band, mit dem die Jungs ihren Auftritt heute eröffnet haben. Ein gefühlt zweiminütiges Intro führt zumeist einfach doch eher zu gähnender Langeweile im Publikum als zu gesteigerter Spannung auf das Folgende. Aber ihr merkt schon, dass ich hier auf allerhöchstem Niveau meckere, denn ansonsten ist der Gig musikalisch wirklich gelungen und unterhält die noch immer anwesenden Zuhörer bestens.

Unter dem Strich hinterlässt für mich persönlich allerdings am Ende trotzdem HEREDITARY mit einer energiegeladenen Show den besten Eindruck an einem wie immer rundum gelungenen Abend im gemütlichen Jugendzentrum Bauhaus. Bleibt mir am Ende eigentlich nur, meinen fast schon üblichen Aufruf zu wiederholen: Supportet den Underground! Klar fällt das angesichts der "großen" Bands, die inzwischen mit beständiger Regelmäßigkeit die Hallen hierzulande bespielen, sicherlich manchmal schwer, aber auch ein Abend in einem kleinen Club vor eurer Haustür kann beste Schwermetall-Unterhaltung bieten und belastet den Geldbeutel mit schmalen 5 € auch deutlich weniger als etwa die nächste Revival-Tour von GUNS'N'ROSES.

Redakteur:
Tobias Dahs

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