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Black Trolls Over Europe - Hannover

17.10.2010 | 12:14

12.10.2010, Musiktheater Bad

Durch den Stadtwechsel kommen nur wenige Zuschauer in den Genuss dieses Spektakels.

Die Verlegung eines Konzertes ist für alle Beteiligten anstrengend und wirkt sich zumeist negativ auf die Besucherzahl aus – zumindest, wenn aufgrund einer Schließung der Veranstaltungsort verlegt werden muss, noch dazu in eine andere Stadt. Dieser unglückliche Umstand traf die "Black Trolls Over Europe"-Tour mit voller Breitseite. Der Hamburger Ballroom, DIE Szenekneipe in Norddeutschland, schloss überraschend seine Tore bereits ein halbes Jahr nach dem Umzug im März auf die Reeperbahn. Die meisten Konzerte wurden auf die umliegenden Clubs – Docks, Grünspan, Logo – verteilt, die schwarzen Trolle mussten jedoch nach Hannover ausweichen. Damit jedoch nicht genug: Die neue Location – das Musiktheater Bad – befindet sich weit abseits, umgeben von Wald und Wiesen. Die Anbindung ist denkbar schlecht und ohne Vorwarnung würden wir hier hinten keine Konzerthalle vermuten. Der Eingang ist zudem versteckt um die Hausecke herum. Viel Werbung konnten die Veranstalter kaum noch machen, und so kommen an diesem Abend nur etwa 25 Gäste ins Musiktheater.

Den Opener DYRATHOR trifft es besonders hart. Zusätzlich zu den genannten Umständen hat sich Sänger Morguul erkältet und quält sich mehr oder weniger durch den Gig – vielleicht sollte er einmal über Oberbekleidung nachdenken.

Vor der Bühne ist anfangs nichts los, doch die Klänge des Intros dringen allmählich nach draußen und locken die wenigen Gäste in den Innenraum. DYRATHOR lassen sich nicht demotivieren und bitten das Publikum immer wieder nach vorne. Nach und nach werden die Zuschauer warm und nicken zum Takt mit dem Kopf. Die langen Songs mit vielen Tempowechseln kommen gut an, leider hat die Band nicht genug Platz auf der Bühne, um zur Höchstform aufzulaufen, und so fällt die Performance sehr statisch aus.

Als HEATHEN FORAY die Bühne betreten, ist der Saal erneut leer. Die Österreicher erfreuen sich bei den Pagan-Metallern großer Beliebtheit, was wahrscheinlich an ihren melodischen Riffs liegt, mit denen sie auch heute zu überzeugen wissen. Mit 'The Blight' und 'Fading Tree' locken sie die Zuschauer an und machen das Musiktheater so voll wie nur möglich. Beim Versuch, die Musik noch etwas lauter zu machen, fällt die Anlage kurz aus, doch HEATHEN FORAY ziehen ihr Ding weiter durch und feiern. Endlich kommt Bewegung in den Laden, die Band heimst weitere Sympathien ein.

Für NOMANS LAND sind dann alle aufgewärmt. Der Bass dröhnt hier etwas lauter aus den Boxen, was aber durchaus angenehm ist. Die Growls erinnern mal an UNLEASHED, dann wieder an ETERNAL TEARS OF SORROW. Auch die schwarzmetallisch angehauchten Riffs wissen zu gefallen. Die Russen animieren ihre Zuschauer zum Headbangen und bekommen auch ihre geforderten Sprechchöre. 'Prophecy Of Ruins', 'Father North' und das rhythmische 'Storm Of Steel' bringen das Publikum zum Tanzen, bis NOMANS LAND die Bühne für den heimlichen Headliner freimachen.

ADORNED BROOD stürmen das Musiktheater mit 'Hammerfeste' und haben das Publikum sogleich auf ihrer Seite. So gut wie alle Gäste schauen sich den Auftritt an und feiern mit. Mit 'Am Grunde des Meeres' geht es ebenso erfolgreich weiter. Vor der Bühne wird getanzt und mitgesungen, die Fans stoßen mit den Musikern an. Als einzige Band des Abends machen sich ADORNED BROOD die Mühe, das Schlagzeug mit einem großen Thorshammer zu schmücken, und auch die Kleidung der Musiker passt zum Thema des Abends. Der Höhepunkt des Sets ist natürlich das Cover 'Sieben Tage', für das Sänger Frost alle Anwesenden nach vorne bittet. Jetzt wird kräftig das Tanzbein geschwungen und natürlich dem Alkohol gefrönt.

Danach haben es BLACK MESSIAH denkbar schwer, dem Ganzen noch einen draufzusetzen. Musikalisch geht es wieder in Richtung Black Metal. Zwar kann man dazu nicht so gut feiern, aber BLACK MESSIAH haben einen kleinen Fanpulk dabei und auch die übrigen Zuschauer sind willens, ihre Nackenmuskulatur weiter zu beanspruchen. Zwischendurch gibt es auch was zum Schunkeln. Auf Lieder wie 'Blutsbruder' und natürlich 'Söldnerschwein' haben die Fans nur gewartet und feuern die Musiker kräftig an.

Die Pause vor NEGURA BUNGET ist ungewöhnlich lang. Etwa die Hälfte der Gäste hat bereits den Heimweg angetreten, dafür schauen sich die anderen Bands den Auftritt der Rumänen an. Die Mischung aus epischen, sphärischen Parts, progressiven Anteilen und Black Metal ist zu dieser späten Stunde und nach der vorangegangenen Party schwer verdaulich, so dass die Luft allmählich raus ist. Gefeiert wird nicht mehr, dafür sehen sich die verbliebenen Fans das musikalische Schauspiel mit Flöten, Xylophon und Kuhglocken interessiert an. Um die Atmosphäre nicht zu zerstören, sparen sich NEGURA BUNGET die Publikumsansprache – als negativer Nebeneffekt vergrößert das natürlich die Distanz zwischen Band und Fans. So klingt der Abend im Musiktheater ruhig aus. Hoffen wir, dass dieses Paket aus feierwütigen und anspruchsvollen Combos in anderen Städten vor mehr Zuschauern begeistern kann.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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