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Blastfest - Kaiserslautern

19.11.2012 | 20:33

03.11.2012, Kramladen

Der Kramladen auf dem Campus der TU Kaiserslautern hat dieses Jahr als Schauplatz der Geisterasche-Konzertreihe einiges an Schwarzkitteln anlocken können. Nun gibt es mit dem Blastfest auch endlich Futter für Death-Metal-Fans. Neben dem Headliner DEAD sind mit REVEL IN FLESH und OBSCURE INFINITY unter anderem auch richtige Leckerbissen des Undergrounds mit an Board.

Es regnet schon den ganzen Samstag über und die Sonne ist auch bereits untergegangen, als der Kramladen um 19 Uhr seine Pforten öffnet. Trotz des schlechten Wetters finden sich einige Metaller ein, um den Opener beziehungsweise Veranstalter DAWN OF ANGER zu sehen. Ihrem Namen machen die Lokalhelden aber nur begrenzt Ehre. Denn vor allem Fronter Olli ist nicht sonderlich verärgert, sondern im Gegenteil ein richtig netter und sympathischer Mainman, der charmant durch das Programm seiner Kapelle führt. neben vielen eigenen Songs wie 'The Sorrow Of A Reptile' oder 'For My Enemies', die irgendwo im Grenzbereich zwischen Brutal Death Metal und Old School Death liegen, gibt es auch ein paar Coverversionen von unter anderem SADUS und DEATH auf die Ohren. Aber gerade die Evil-Chuck-Huldigung 'Beyond The Unholy Grave' klingt nur rudimentär nach Schuldiners Band und wurde stark vom eigenen Stil der Pfälzer vereinnahmt. Das gefällt den einen sehr, was sie konsequent mit Headbanging zum Ausdruck bringen, während einige andere diese Version leicht chaotisch finden. Geschmäcker sind eben verschieden. Insgesamt hat es der Opener auch aufgrund des lokalen Bezugs leicht, die Meute auf die eigene Seite zu ziehen und bekommt ordentliche Reaktionen. Auch wenn die Spielzeit mit knapp 20 Minuten happig überzogen wird.

Die Westerwälder OBSCURE INFINIY müssen so etwas später auf die Bühne als gedacht. Das hält aber vor allem Sänger Jules nicht davon ab, eine amtliche Show abzuziehen und die Frontsau gnadenlos heraushängen zu lassen. Der Growler hat einen Totenschädel dabei, mit dem er stilecht auf der Bühne posiert und eine morbide Stimmung erzeugt. Mitreißend wird die Show aber vor allem durch seine agile Art und seine sehr direkte Interaktion mit dem Publikum, das er auch gern mal persönlich zum Mitmachen animiert. Jedoch soll an dieser Stelle die Instrumentalfraktion nicht vergessen werden, die einen sauberen Job macht. Das Drumming ist aggressiv und schnell, wodurch manche Lieder eine höhere BPM-Zahl bekommen als man es von den Platten her gewohnt ist. Auch schade ist, dass die Soundverhältnisse direkt vor der Bühne etwas undifferenziert sind und die tollen Gitarrensoli von Lead-Gitarrist Stefan etwas untergehen. Zum Beispiel bei 'Sign Of The Nightsky' geht das virtuose Solo-Spiel im wuchtigen Drumming unter. Schade! Dennoch liefert die Band einen tighten Job ab und beendet ihr Set mit dem fast schon obligatorischen 'Maniac Destroyer'.

Danach geht es ohne große Umschweife weiter mit REVEL IN FLESH. Eine der Senkrechtstarter-Bands bei FDA Rekotz, das mit drei von fünf Bands mehr als die Hälfte des Line-Up stellt. Wie eine Urgewalt bricht das Todesblei-Feuerwerk über einen herein. Frontmann Haubersson growlt und kreischt, was das Zeug hält, und hat mit beispielsweise 'Slavish Obedience' und 'Black Paled Elegy' einige Granaten an den Anfang der Setlist gepackt. Die Songs gehen gut ins Ohr, die Instrumentalisten leisten hervorragende Arbeit und auch das Publikum hat Bock auf die Schwaben. Hier stimmt eigentlich alles. Mit der Bandhymne 'Revel In Flesh' gibt es sogar einen neuen Hammer auf die Ohren, der sich wunderbar in das Soundgewand der Süddeutschen einfügt. Das BENEDICTION-Cover 'Subconscious (T)Error' ist da eigentlich nur die Kirsche auf dem Sahnebecher. Dass auch viele Zuschauer begeistert sind, zeigt auch die Frequentierung des Merchandise-Stands, der schon bald nicht mehr alle T-Shirt-Größen anbieten kann.

Danach fällt der Spannungsbogen etwas ab. TOMBTHROAT sind nämlich mit ihrem Brutal Death Metal im Vergleich zum Restprogramm doch etwas sehr hart und so wollen die Lieder nicht direkt in den Gehörgang einziehen. Allerdings bietet die Gruppe generell nicht so viel, was in Erinnerung bleiben will. Der Sound von Stücken wie zum Beispiel 'Bleed For Me' oder 'Soultrade' ist ein stückweit austauschbar und so richtig will der Funke auch nicht überspringen. Es gibt zwar einige Leute, die den Sound dann doch abfeiern, aber so intensiv wie zuvor wird die Stimmung nicht mehr. Auf einem vornehmlich traditionell geprägten Abend sind die Brutalos etwas deplatziert.

Als die Franken DEAD auf die Bühne kommen sieht es direkt ganz anders aus. Die Leute, die noch nicht gegangen sind, freuen sich sehr auf den Gig der Extreme-Metal-Urgesteine, die im vergangen Jahr mit "Hardnaked... But Dead" eine sehr starke Platte vorgelegt haben. Nun zeigt das Trio eindrucksvoll, dass diese Songs auch live funktionieren, und auch wenn Titel wie 'Tits' oder 'Liquor Store Goddess' etwas plump klingen mögen, sind sie dennoch großartige Live-Granaten, die es ebenso wie ältere Hits schaffen, die inzwischen leicht müde Crowd (immerhin ist es bereits nach ein Uhr nachts) zu begeistern. Verständlicherweise beschränken sich viele auf entspanntes Kopfnicken, aber dennoch merkt man, dass die sympatische Art der Grind-Traditionalisten gut ankommt und einen wunderbaren Ausklang für diesen Abend bildet. Es bleibt den Veranstaltern in jedem Fall zu wünschen, dass sich auch weiterhin die Möglichkeit ergibt, im Kramladen neue Auflagen des Blastfests abzuhalten. Die Location ist gut, das Bier mit 1,50 für 0,33 Liter nicht zu teuer und in der Pfalz geht momentan ohnehin viel zu wenig im Bereich Death Metal. Lediglich die Uhrzeit sollte angepasst werden, denn nach Mitternacht noch eine Band auf die Bühne zu schicken, nachdem schon vier Kapellen davor gezockt haben, ist dann doch zuviel für den einen oder anderen Besucher.

Redakteur:
Adrian Wagner

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