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Bolt Thrower, Benediction - Stuttgart

27.01.2002 | 07:05

23.01.2002, Röhre

Dieses Billing liess Erinnerungen an die frühen 90er wach werden: Vier mal Death Metal der Extraklasse, dargeboten von zwei alten britischen Hasen, komplettiert von deutschen Frischlingen, die der Szene in absehbarer Zeit ihren Stempel ausdrücken dürften. Diese Zusammenstellung war definitiv eine der Stärksten in den letzten Jahren, und auch wenn ich im ersten Monat des neuen Jahres nicht unbedingt vom "Gig des Jahres" sprechen möchte, so liess sich nach diesem Konzert leichthin behaupten, dass 2002 kaum besser hätte anfangen können.
Wäre noch zu bemerken, dass die Stuttgarter Röhre prall gefüllt war und vor allem mit einem absoluten Hammersound glänzen konnte: Egal ob zu Beginn bei DISBELIEF oder zum Schluss von BOLT THROWER, sehr differenziert, druckvoll und trotzdem nicht zu laut war das Ganze - daran sollten sich einige Soundtechniker mal ein Beispiel nehmen...

Die Dieburger DISBELIEF eröffneten den düsteren Reigen recht pünktlich, und nach der formidablen "Worst Enemy"-Scheibe aus dem letzten Jahr durfte man gespannt sein, wie sich die Südhessen auf den Brettern schlagen würden. Nach guten 30 Minuten konnte als Fazit nur ein "mehr als respektabel!" stehen - unbändige Energie, Spielfreude pur sowie eine gute Songauswahl machten den Gig von DISBELIEF zu einem kleinen Erlebnis. Dabei kam den Jungs der unglaublich fette Sound zugute, denn dank diesem mähten die brachialen Gitarrenwände sowie eine tödlich groovende Rhythmusfraktion die ersten Reihen gnadenlos nieder.
Zu bewundern gab´s u.a. "Misery" und "Believe" von der noch aktuellen Scheibe, aber auch das neu vorgestellte "On The Killing" vom in Kürze erscheinenden "Shine"-Album wusste zu überzeugen. Bleibt neben zwei nach oben gereckten Daumen noch festzustellen, dass DISBELIEF auf der Bühne nicht einmal ansatzweise monoton, geschweige denn langweilig rüberkamen - diese Abnutzungserscheinungen stellten sich meiner Meinung nach teilweise auf Konserve ein. Live hingegen ist das Quintett auf jeden Fall äusserst empfehlenswert.

FLESHCRAWL waren so etwas wie die Lokalmatadoren des Abends: Von Ulm aus ist´s nach Stuttgart ja nur ein Katzensprung. War bei DISBELIEF noch angenehm wenig los, so war spätestens bei FLESHCRAWL klar, dass die Röhre an diesem Abend alles andere als gähnende Leere vorzuweisen haben würde.
Die Ulmer legten los wie die Feuerwehr, die ersten Reihen waren in wildes Propellerbanging verfallen, und zu technisch perfekt dargebotenen, tödlichen Geschossen wie "Impure", "Soulskinner", "As Blood Rains From The Sky" oder "Embraced By Evil" fühlte man sich wahrlich im Death Metal-Olymp wohl. FLESHCRAWL boten eine makellose Performance, welche insbesondere im Highspeed-Bereich absolut keine Wünsche offen liess. Leider war genau dies auch das grösste Manko des Auftritts: Jonglierten die restlichen Bands zumeist gekonnt mit dem Tempo, so bolzten sich FLESHCRAWL ohne Rücksicht auf Verluste durch´s Set. Ist sicherlich auch was Feines, ich persönlich hätte mir ein wenig mehr Abwechslungsreichtum gewünscht.
Nichtsdestotrotz ein richtig guter Gig, bei dem FLESHCRAWL ordentlich abgefeiert wurden. Auch ohne die Probleme, die man immer wieder mit der Bass-Anlage hatte war der Sound ein wenig zu schwachbrüstig im direkten Vergleich mit DISBELIEF - sei´s drum, das änderte sich schlagartig...

...bei BENEDICTION. Hier stimmte einfach alles: Sound, Songauswahl, Power, Spielfreude, Performance - die Briten waren an diesem Abend unschlagbar stark. Ich habe noch nie einen derart energiegeladenen Death Metal-Gig erlebt, das war der schiere Wahnsinn. NAPALM DEATH mit Bühnen-Terrier-Auf-Acid Barney Greenway waren im Vergleich dazu ein laues Lüftchen. Sicherlich können BENEDICTION alleine schon in puncto Geschwindigkeit nicht mithalten, aber das spielte keine Rolle. Dank Neu-Shouter David Hunt versprühte die Combo eine knappe Stunde lang räudigen Hardcore-Charme gepaart mit einigen der Bandklassikern schlechthin. Wer auch immer BENEDICTION nach den letzten beiden Studioalben anhängen möchte, diese Band würde nichts mehr zustande bringen, nun...der dürfte an diesem Abend unter einer Maulsperre gelitten haben.
Von den beiden letzten Outputs ("Grind Bastard" und "Organised Chaos") gab´s ausschliesslich die schnellsten Stücke auf die Brezel, angefangen mit "Agonised" und "Stigmata", bevor es mit Todesblei-Perlen wie "Subconscious Terror", "The Grotesque" oder dem überragenden "Nightfear" weit zurück in der Bandgeschichte ging. Dabei merkte man es Mr. Hunt keinen Millimeter an, dass er erst seit dem aktuellen Album für BENEDICTION röcheln darf - das war die perfekte Hingabe. Auch die restliche Band konnte auf der vollen Distanz überzeugen, wobei die Rhythmusfraktion erstaunlich tight und dabei noch um einiges schneller als auf Konserve agierte. Gitarrero Darren war total Begeistert von der Resonanz der Fans (Welche wirklich keine Wünsche offen liess: Stagediving, ein Moshpit mit den Ausmassen der halben Halle und eine absolut gutgelaunte, friedliche Atmosphäre), forderte mehrmals zum wilden Abmoshen auf und konnte sich nach dem Ende des Gigs nur noch schwer auf den Beinen halten - dafür allerdings mit einem fetten, zufriedenen Grinsen im Gesicht.
Nach dem abschliessenden "I" inklusive einer ergreifenden Widmung an Chuck Schuldiner war dann Schluss. Wenn es nach mir ginge, hätten BENEDICTION auch noch die komplette Spielzeit von BOLT THROWER in Anspruch nehmen können, dieser Gig war einfach unglaublich. Welche Death Metal-Band dies in der nächsten Zeit toppen möchte: Leute, spielt in der Form eures Lebens, sonst könnt ihr das gleich vergessen. Müßig zu erwähnen, dass BENEDICTION die klaren Gewinner des Abends waren.

Nein, selbst BOLT THROWER konnten den grandiosen Gig ihrer Landsmänner nicht mehr übertreffen. Zwar sorgte auch hier Dave Ingram, neu am Mikro hinzugekommen, für eine Extra-Portion Power, welche dem Auftritt der Panzergrenadiere genau die Aggressivität verlieh, die man von ihnen erwartet - aber eben auch nicht mehr. Dem Publikum war´s herzlich egal, jetzt gab es kein Halten mehr. War die Stimmung bei BENEDICTION schon wirklich grossartig gewesen, so feierten BOLT THROWER zumindest in dieser Hinsicht einen wahren Triumphzug. Hinsichtlich der Songs gab´s ´nen feinen Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Inselrecken, wobei festzustellen ist, dass auch brandneue Kaliber wie "Contact Wait Out" oder insbesondere "Inside The Wire" verdammt ordentlich zündeten.
Nun, der Rest war Routine - und derer haben BOLT THROWER mittlerweile en masse vorzuweisen, weshalb man den Gig mehr oder weniger gemütlich (Der Moshpit nahm teilweise bedrohliche Ausmasse an) nach Hause schaukelte. Weitere Höhepunkte waren noch die Tracks vom "Mercenary"-Longplayer sowie das unvermeidliche und aus vielen Kehlen geforderte "...For Victory".
Auf jeden Fall ein guter Gig von BOLT THROWER - aber Hand auf´s Herz, das war zu erwarten gewesen.

Vollkommen und absolut positiv überraschend war da doch eher der begnadete Auftritt von BENEDICTION - wer hätte damit noch gerechnet? Mit Dave Hunt hat man sich, allem Anschein nach, wieder die musikalische Zukunft ins Boot geholt. Weiter so!
Als Fazit bliebe noch zu bemerken, dass sich der Abend zu jeder Sekunde gelohnt hat, und man wirklich hoffen kann, in Zukunft wieder vermehrt ein solches Billing zu bewundern. Faire Eintrittspreise, ordentliche Spielzeiten, geiler Sound und eine wirklich friedliche Atmosphäre - da geht man doch gerne Back to the Roots!

Redakteur:
Rouven Dorn

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