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Break The Ground - Ahnsbeck

16.07.2010 | 16:13

17.06.2010, Festivalgelände

Drei Tage lang wird ganz Ahnsbeck umgepflügt!

Im schönen Ahnsbeck in der Nähe von Celle wächst allmählich eine Festival-Perle heran. Das Break The Ground geht erst ins zweite Jahr und hat schon Größen wie DIE APOKALYPTISCHEN REITER und EQUILIBRIUM sowie die aufstrebenden Bands DRONE, CRIPPER und BLOODWORK verpflichtet. Doch die Veranstalter heben keinesfalls ab und öffnen ihre Tore bereits am Donnerstag für einen Newcomer Contest.

Das Publikum klafft altersmäßig stark auseinander; viele sehr junge Gäste tummeln sich vor der Bühne, ein paar Ü-Vierziger trinken hinten genüsslich ihr Bier. Das Dorf kommt zusammen, um einen gemütlichen Abend zu verbringen, dabei schauen die Eltern, was ihre Kinder so machen.

Acht Bands spielen jeweils 25 Minuten, danach wird abgestimmt. Das Publikum kreuzt eine Band an und hat einen Wertungsanteil von 50 Prozent. Jury und Veranstalter nummerieren die Bands von eins bis acht durch. Die Stimmen der Juroren fallen mit 30 Prozent ins Gewicht, den Veranstaltern stehen die restlichen 20 Prozent zu. Der Sieger und der Zweitplatzierte dürfen dann am Freitag beziehungsweise Samstag noch mal ran. Wer wann spielt, entscheidet der Gewinner. Die Reihenfolge der Auftritte wird kurz vorher ausgelost.

Als Erstes müssen COLLATERAL DAMAGE ran, die einen klaren Heimvorteil haben. Sie stammen nämlich aus Ahnsbeck. Vor einem Jahr habe ich die Thrash-Metaller auf dem Celle-Rock-City-Festival gesehen, mittlerweile haben sie scheinbar einen neuen Sänger, dessen Englisch stark akzentbehaftet ist. Die Musik ist nicht zu verachten, vor allem die Gitarristen glänzen mit einigen Soli. Viele Zuschauer haben sie nicht, aber immerhin stehen ein paar Fans direkt vor der Bühne und feiern. Am Ende ernten COLLATERAL DAMAGE nur mäßigen Applaus. Schade, aber das ist der Nachteil, wenn man eröffnet, denn ein paar Gäste kommen gerade erst an.

ETECC aus Wolfsburg haben es da etwas besser und ziehen ebenfalls ein paar Anhänger vor die Bühne. Die Musiker bewegen sich viel und posen auch gern mal zusammen, sie klingen allerdings etwas rumpelig. Jeder aus der Band darf hier mal singen. Komisch ist nur, dass sie viel Englisch mit dem Publikum reden. Dieses lässt sich nicht beirren und die Haare kreisen. So richtig Stimmung will allerdings nicht aufkommen.

PERSONAL DISORDER
sind schnell! Kein Wunder, dass da immerhin zwei Leute ein Tänzchen, genauer gesagt einen Pogo wagen. Zum späteren Circle Pit lassen sich doch ein paar mehr erwärmen – natürlich unter den Augen der lieben Eltern. Die Wolfenbüttler haben sich einen kleinen Fanclub mitgebracht und sind auch wirklich bemüht, so richtig springt der Funke aber trotzdem nicht über. Musikalisch können sie zwar überzeugen, sie benutzen allerdings nicht nur Black-Metal-Elemente, sondern klauen auch ganze Gitarrenriffs – vornehmlich von AMON AMARTH.

Ohne lange Haarpracht machen sich HUMAN SUIT auf, das Publikum zu überzeugen. Das versuchen sie mit viel Laufarbeit und Danksagungen an den Veranstalter. Der Sänger kommt sogar einmal kurz in den Fotograben. Ihre Musik ist durchaus headbangtauglich – und genau das machen auch ein paar Zuschauer. Sie stellen sogar eine kleine Wall Of Death auf die Beine, bei der sich der Sänger in den Pit gesellt. Das hebt die Stimmung, und auch die Band freut sich über "endlich mal vernünftige Leute." Ein ausgelutschter Spruch, aber vielleicht kennen ihn hier einige noch nicht.

Bei DISCORD ist es hingegen wieder fast leer, ihr punkig-rhythmischer Sound lockt jedoch wieder ein paar Gäste vor die Bühne. Einige headbangen sogar. Die Celler posen zwar viel, agieren sonst aber eher statisch. Scherzhaft grüßen sie die Griller auf dem Campingplatz und – schwupps! – füllt es sich noch ein bisschen. Der Ruf des tätowierten Sängers scheint erhört worden zu sein.

Der Sänger von CAPTIVITY hat sich von seiner Matte getrennt. Der Musik tut das keinen Abbruch, und scheinbar sind die Hannoveraner nicht nur mir bekannt, kommen sie doch ursprünglich aus meiner Heimatstadt. Auch sie machen sich ein Späßchen und begrüßen das Publikum mit: "Guten Abend, Wacken!" Einige Zuschauer trauen sich in die erste Reihe und lassen die Haare kreisen, viele bleiben aber auch an den Bierständen stehen. CAPTIVITY mischen neues Material mit alten Songs aus der SYLENT GREEN-Zeit und spielen in die Dämmerung hinein.

EMPIRESFALL kommen mit Flying Vs auf die Bühne. Die Hamburger spielen Thrash Metal, der nicht zu verachten ist. Das merkt auch das Publikum, und das Spiel geht von vorne los: freie Fläche vor der Bühne, Band spielt, Fläche füllt sich langsam. Viele Melodien kommen mir verdächtig bekannt vor, aber EMPIRESFALL bestechen vor allem durch ihre Gitarrensoli. Inzwischen lohnt sich auch die Lichtanlage, und so wird die Band in Blau gehüllt. Die Zuschauer lassen sich indes zu einem Circle Pit hinreißen.

Den Abschluss nach einem längeren Soundcheck machen CRIMSON FROST. Vom Namen her erwarte ich Black Metal, und die in Fahrt kommende Nebelmaschine scheint diesen Verdacht zu bestätigen, doch die Soltauer haben sich dem Todesblei verschrieben. Vorn stehen wieder einmal die Headbanger, und so ist es nur höflich, dass sich CRIMSON FROST bei den vorherigen Bands bedanken. Die Musik ist eher langsam, aber die Musiker posen viel. Die Nebelmaschine wird bis zum Ende ausgereizt.



Am Ende machen EMPIRESFALL und COLLATERAL DAMAGE das Rennen. Letztere dürfen ihren Slot wählen und spielen am kommenden Tag nach DRONE. Die Ahnsbecker haben aber nicht durch das Publikumsvoting gewonnen, sondern weil sie in der Gesamtheit überzeugt haben. Keine der Bewertungsgruppen wählte die Band auf den ersten Platz.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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