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CASTLE ROCK - Mülheim an der Ruhr

09.07.2017 | 17:19

01.01.1970, Schloss Broich

Acts der Düster-Szene in stilvollem Ambiente? Bereits im achten Jahr steht das CASTLE ROCK auf dem Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr für ein herzliches, intimes Miteinander, welches Künstler, Veranstalter und Organisator so nahe zusammenbringt, wie kaum ein anderes Event der schwarzen Szene...


Die Eröffnung der diesjährigen Ausgabe gebührt dabei den Herren von MAERZFELD. Heli Reißenweber und seine Jungs sind dabei an diesem Tag gleich in mehrfacher Hinsicht spendabel und guter Laune. So kündigt MAERZFELD auf dem CASTLE ROCK FESTIVAL gleich erst einmal ein neues Album für den Herbst an, aus dem die Band den zahlreichen Besuchern, die schon jetzt vor der Bühne stehen, natürlich die ein oder andere Kostprobe beschert. Mit Songs wie 'Zweifel' regt die NDH-Kombo den Hunger auf die neue Scheibe, die den Titel "Nackt" tragen wird, schon jetzt ordentlich an und heizt den Festivalgängern schon als Opener mit mächtigen Riffs und brachial-melodischen Stücken ein. Eine grundsolide Show ohne Affektiertheit oder Effekthascherei, MAERZFELD überzeugt an diesem Tag durch die schiere Bühnenpräsenz von Heli Reißenweber und seinen Saitenhexern Mike und Matthias Sitzman, Bora Öksüz sowie Schlagzeuger Michael Frischbier. Bei diesen gestandenen Kerlen wirkt selbst die Aufforderung zum Mitklatschen nicht wie eine gezwungene Party-Animation!

Nach den harten Klängen von MAERZFELD bedient der nachfolgende Act symphonische Spielarten par excellence – so sorgt SERENITY erst mit einem stimmungsvollen Bühnenbild und schließlich den epischen Klängen des "Codex Atlanticus" für einen Hauch Mystik zwischen den alten Gemäuern. Nach dem sehr gediegenen Intro setzt Sänger Georg Neuhauser gleich mit dem ersten Titel 'Follow Me' für einen neuen Standard an Agilität und Dynamik: Es wird gesprungen, gebangt und gefeiert, sodass der Funke über den virtuosen Chris Hermsdörfer an der Gitarre quer durch die Band geht. SERENITY präsentiert sich am Freitag wahlweise als Geschichtenerzähler, Heroen mit Titeln wie 'Leonardo' oder einfach nur als grandiose Partymacher. Den Sympathiebonus des Publikums erspielen sich die Österreicher mühelos innerhalb weniger Stücke: Man möchte SERENITY am liebsten gar nicht mehr von der Bühne lassen. Nur noch eine Geschichte... äh... ein Lied. Gänsehautfaktor pur beim CASTLE ROCK und Symphonic Metal, der den Zusatz "Epic" tatsächlich verdient hat.

Noch weiter gereist als SERENITY sind Bandmitglieder der folgenden Band – neben Rupert Keplinger und Paul Keller an Gitarre und Schlagzeug haben Marshall Stephens, Gary Meskil (PRO-PAIN) und Ken Hanlon den Weg aus den Vereinigten Staaten auf sich genommen, um mit DARKHAUS für Stimmung auf dem mittlerweile dunklen Schlosshof zu sorgen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Gothic Rocker auf dem CASTLE ROCK zu Gast sind, doch bringen sie in diesem Jahr mit 'All Of Nothing' oder dem genialen Livebrecher 'Bye Bye Blue Skies' neues Material mit auf die Bühne, welches den Partyfaktor auf dem Festival endgültig auf den Siedepunkt hebt. Sichtlich zum Spielen aufgelegt beweist jeder der fünf DARKHAUS-Musiker an diesem Abend, dass die Band im Vergleich zu ihrem letzten Besuch auf Schloss Broich sich in musikalisch ganz neue Höhen begeben hat. Mit einer schier endlosen Energie auf der Bühne schenken die Jungs dem Publikum neben den Songs der aktuellen Platte "When Sparks Ignite" auch Nummern wie 'Grace Divine' oder 'Side Effects Of Love' – Lieder, die die Besucher nicht nur zum Tanzen, sondern tatsächlich auch zum konsequenten Mitsingen durch die kompletten Stücke bewegen. Eine ganz klare Empfehlung für Top-Positionen im Line-Up der Veranstaltungen der Schwarzen Szene.

THE DARK TENOR beendet schließlich als Headliner den Bandreigen des Festival-Freitags. Schon vor dem Auftritt des mysteriösen Klassiksängers sorgt er auf dem Schloss Broich für reichlich Gesprächsstoff. Beziehungsweise seine Anhänger, die ihre Fanliebe mit einem roten Kringel und dem "TDT"-Logo bezeugen sowie die ewige "Main Act oder nicht?"-Debatte. Doch dass er die begehrte Pole Position des Abends verdient hat, beweist THE DARK TENOR über die gesamte Spielzeit seines Slots mühelos. Klassische Stücke verwoben in düster-romantische Dark Pop/Rock-Melodien, für Klassik-Freunde eine Art "Ostereier-Suchen", während sich Liebhaber der zeitgenössischen Musik an Neuinterpretationen von Oldies wie 'The Power Of Love' erfreuen. Optisch setzt sich THE DARK TENOR wie in den Anfangstagen seines Schaffens zwar nicht mehr mit der schwarzen Maske in Szene, doch die dezent gehaltene Show (sieht man von dem Goldkonfetti ab, das noch tags darauf in den Bäumen hängt) unterstreicht den stimmungsvollen Charakter der Performance des dunklen Tenors umso mehr. Ein grandioser Einstand von THE DARK TENOR auf dem CASTLE ROCK, der die Wiederholung desselbigen schon jetzt in Aussicht stellt.

Redakteur:
Leoni Dowidat

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