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CEREMONY - Mülheim/Ruhr

16.10.2010 | 13:28

10.10.2010, AZ

CEREMONY sind eine der gefährlichsten Bands im Hardcore. Mit ihrem neuen Album "Rohnert Park" wenden sie sich aber dem Punkrock und psychedelischen Siebziger-Sounds zu. Wie ihr Stammpublikum darauf wohl reagiert?

Mülheim an der Ruhr ist keine Metropole wie Köln, Hamburg, München oder Berlin. Ich weiß das. Ich wohne immerhin dort. Bands, die man kennt, kommen nicht oft hierhin. BLAZE BAYLEY war mal da. TOMTE 2009 auch. Die Post-Hardcore-Helden von AT THE DRIVE-IN spielten einst sogar vor ihrem Durchbruch hier. Viel mehr gibt es abgesehen von lokalen und kleinen Bands von außerhalb, die nur zwanzig Nasen kennen, allerdings nicht. Wenn sich dann schon mal eine relativ bekannte Band wie die amerikanischen CEREMONY hierhin verirrt, ist man natürlich anwesend. Zumal das AZ gerade mal zehn Fußminuten von meiner Haustür entfernt ist.

18.00 Uhr soll das Konzert laut Homepage des AZ beginnen, 18.30 Uhr steht auf dem Flyer. Als ich um 18.40 Uhr auftauche, hat man immer noch nicht angefangen. Es könne noch eine Stunde dauern, höre ich. Warum, weiß keiner. Die Bude ist voll, und "ausverkauft" liest man an der Abendkasse. Also noch mal nach Hause etwas essen. Als ich wiederkomme, hat die erste Band ANT schon gespielt. Nicht wirklich schlimm, da die Songs auf MySpace nicht so mein Geschmack waren.

Nach einer ewig langen und für Hardcore-Shows ungewöhnlich langen Umbaupause von über dreißig (!) Minuten betritt dann mit DEATH IS NOT GLAMOROUS der beste Support der CEREMONY-Shows die Bühne. Die Norweger spielen ihren melodischen Hardcore, der mit einem ordentlichen Schuss BAD RELIGION versehen ist, mehr als tight und mit sehr viel Spielfreude herunter. Man powert sich absolut aus, was vor allem bei dem Sänger zu merken ist, der zwischen den Ansagen dermaßen nach Luft schnappt, dass man sich Sorgen machen muss, dass er umkippt. Doch mit seinem Einsatz überzeugt er das Publikum, welches sich immer zahlreicher vor der Bühne sammelt. Dreißig Minuten geben die Norweger Vollgas und spielen sogar noch eine Zugabe, obwohl sie eigentlich keine Zeit mehr haben. DEATH IS NOT GLAMOROUS spielen eine Super-Show, die richtig frisch wirkt und Spaß bereitet. Zumal ich gar nicht damit gerechnet habe, dass die Band live so gut ist.

SABERTOOTH ZOMBIE stehen dann immerhin nach nur 25 Minuten Umbaupause auf der Bühne. Die kleine heruntergekommene Halle des AZ ist nicht mehr so gut gefüllt wie noch bei DEATH IS NOT GLAMOROUS. Der Sound der Band erinnert stark an die CANCER BATS nur mit wesentlich mehr Siebziger- und BLACK SABBATH-Einflüssen. Irgendwie will das Ganze allerdings nicht zünden. Die Band braucht zwei, drei Songs um sich einzufinden, und das Publikum benötigt ebenfalls etwas Zeit, sich in dem schleppenden und dröhnenden Hardcore von SABERTOOTH ZOMBIE zurechtzufinden. Als dann die Fußmaschine des Drummers kaputtgeht, überbrückt man die Zeit mit einem ordentlichen Schluck Schnaps und einem recht guten Witz, bevor man wieder ins Set zurückfindet. Kurz gesagt sind SABERTOOTH ZOMBIE eine relativ nette Band, die man allerdings nicht unbedingt braucht.

Nach erneut dreißig Minuten unnötiger Umbaupause - immerhin passiert lange gar nichts und dann wird alles in fünf Minuten abgemischt - erscheinen endlich CEREMONY. Früher erinnerte man mit dem brutalen und Thrash-lastigen Hardcore an TRASH TALK: kurze Songs, die einfach nur alles auseinandernehmen. Das aktuelle Album "Rohnert Park" klingt da komplett anders: immer noch wütend, aber wesentlich mehr nach Punkrock gepaart mit einem ordentlichen Schuss Siebziger-Rock und psychedelischen Einsprengseln. Ungewohnt, dennoch total interessant und gut.

Man beginnt mit dem Opener der aktuellen Platte, 'Sick', bei dem das Publikum schon ziemlich steil geht. Die meisten Fans türmen sich dennoch bei alten Krachern auf. Die Bühne wird so von den Kids überrannt, dass die Band oft keinen Platz hat, sich zu bewegen. CEREMONY bieten eine total intensive Performance, die so ziemlich jeden mitreißt. Im Pit geht einiges vor der Bühne, und die Anwesenden reißen sich um das Mikro für den nächsten Singalong. Das Schöne ist, dass neues Material genauso gut aufgenommen wird wie altbekannte Songs. CEREMONY liefern hier heute eine der besten Hardcore-Shows 2010 ab. Top, aber die Umbaupausen waren einfach viel zu lang und nervig.

Redakteur:
Sebastian Berning

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