CHAOSBAY und ARTIFIQ - Hamburg

13.02.2020 | 20:03

17.01.2020, UweReeperbahn

Ein überraschender Konzertabend in Hamburg mit zwei aufstrebenden Bands im modernen Prog-Metal: CHAOSBAY und ARTIFIQ!

Wenn man nichts erwartet und viel bekommt, ist die Überraschung umso größer. So ergeht es mir bei dem heutigen Konzertabend im UweReeperbahn (ehemals Kukuun), zu dem die Progger  CHAOSBAY aus Kaiserslautern und Berlin geladen haben. Als lokalen Act hat man sich die Band ARTIFIQ hinzugeholt, die mich ordentlich mit den Ohren schlackern lässt. Denn was die Hamburger hier in den ersten 30 Minuten kredenzen, ist ziemlich großes Progressive-Metalcore-Kino, kombiniert mit Djent- und Prog-Dramatik. Der Sound ist sehr brachial und definitiv keine leichte Kost, doch das Quintett um Sänger Jannis, Bassist Noschka, den Gitarristen Norman und Florian und Schlagzeuger Niclas weiß entgegen des doch leicht irritierten Publikums genau, was es spielt, jede Rhythmusverschiebung ist tight und der Sound dick. Dass ARTIFIQ heute den ersten Auftritt begeht, mag man kaum glauben. Die Vocals von Jannis finde ich sehr interessant, da sie für die Musik nicht ganz typisch sind, mal anklagend, mal sprechend, mal shoutend, mal  eine Mischung aus allem, bringt er Screamo-, Punk- und Post-Metal-Momente in die Songs. Das Gitarrenduo  versucht immer wieder, mit Gitarrenmelodien Struktur und Eingängigkeit einzuimpfen, was aber nur angedeutet bleibt, die Songstrukturen werden ordentlich dekonstruiert. ARTIFIQ öffnet mit Songs wie 'Limitless Longing',  'Conditioned Conditioning', 'Mind Dis-ease' und 'Everwhite' eine Wundertüte voller Synkopen, dass selbst MESHUGGAH stolz wären. Sind die Jungs zu Beginn noch etwas steif auf der Bühne, was an der Aufregung oder der Natur der Songs liegen mag, tauen sie im Verlauf des Sets immer mehr auf, was sich auch im Publikum bemerkbar macht, einige Mutige nicken wohlwollend im Takt, beziehungsweise beim Versuch, ihn zu finden, sogar einige Tänzer sind zu beobachten. Die Debüt-EP ist in Arbeit, die Band sollte man im Auge behalten, denn da kann noch einiges kommen!

Mit CHAOSBAY betritt nun einer der Hoffnungsträger des Prog-Metal der letzten Jahre die Bühne. Wer frühe PAIN OF SALVATION oder HAKEN mag, sollte hier auf Gefallen stoßen. Sofort fällt der sehr cleane, ausgewogene und transparente Sound auf, aber auch die starke Bühnenpräsenz vom Frontmann Jan ist nicht zu übersehen. Gespielt wird moderner Progressive Metal, der seine traditionellen Wurzeln jedoch nicht vergessen hat und eine perfekte Balance aus Anspruch und Eingängigkeit schafft. Der neue Song 'Soldiers' ist absolut hitverdächtig. Dennoch ist die Stimmung im Vergleich zum Opener interessanterweise etwas gedämpfter, auch ist das UweReeperbahn nicht mehr so gut gefüllt wie zuvor. Jan spricht über ihren "40-minütigen Song" (der eigentlich das ganze Album "Vasilisa" umfasst, wenn ich es richtig verstanden habe), der ihnen viel bedeutet und deshalb jetzt zumindest zum Teil gespielt wird. Ich habe nicht auf die Uhr geguckt, aber die nächsten gefühlten 20 Minuten sind voller toller Musik, die jedoch zumindest heute nicht so richtig ankommen will und leider etwas Langatmigkeit aufkommen lässt. Dennoch hat mich CHAOSBAY  heute positiv überrascht, das nächste Album soll im Herbst 2020 erscheinen, darauf kann man sehr gespannt sein!

Vielen Dank an die Live-Fotos Mike Golach!

Redakteur:
Jakob Ehmke

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