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CLUTCH / KYLESA - Berlin

24.11.2009 | 17:51

11.11.2009, Lido

Filigranes Krachbummpeng zwischen groovigem Stoner und erdigem Blues Rock: Welcome to CLUTCH!

Was für ein cooles Package! Die völlig unterbewertete Stoner-Rock-Institution CLUTCH und die mit zwei Drummern angereisten Krachmacher von KYLESA - wenn das mal keine Garantie für einen tollen Konzertabend ist. Oder wie Olaf Schubert dazu sagen würde: eine Mast. Demgegenüber fielen die Opener KAMCHATKA qualitativ deutlich ab, deren Stoner recht träge und eintönig daherkam. Auch der Gesang mochte nicht so recht dazu passen. Das melodisch-stampfende Geknatter wirkte insgesamt zu identitätslos und ließ etwas den nötigen Biss vermissen.

Bei KYLESA sah die Sache schon ganz anders aus. Die trommelnde Doppel-Attacke sorgte für ein Beben, das definitiv von allen seismologischen Messstationen in der Nähe registriert wurde. Auch die Gitarrenfraktion beteiligte sich am akustischen Holzhacken, ohne jedoch eine filigrane Melodieführung vermissen zu lassen. Ein gediegenes Sludge-Monster mit viel Wucht und auch einer gewissen Portion Ruppigkeit in der klanglichen Darbietung - das waren KYLESA an jenem Abend. Und wenn so richtig wüstes, verzerrtes Geschrei an die Lauschlappen drang, dann konnte man sich sicher sein, dass selbiges ausgerechnet vom weiblichen Part der Band, von Gitarristin Laura Pleasants, intoniert wurde. Vor allem aber waren es die beiden Drum-Derwische und der bratzige Gitarrensound, die ein ekstatisches Beben auf der Bühne entfachten und die Zuschauer berauschten. Euphorisierend, wa?
[Stephan Voigtländer]

Die treten! In die Fresse und in den Arsch. Okay, eine Band wie BLACK COBRA schafft die gleiche Donnerwand mit lediglich zwei Musikern/Instrumenten. Drauf geschissen, Personaleinsparungen sind nicht KYLESAs Sache und ganz ehrlich, wir finden mindestens zwei Drumsets auf der Bühne doch alle irgendwie geil.
[Jenny Höfers]

Dennoch sollte sich die Begeisterung noch steigern lassen. Nun braucht man über CLUTCH eigentlich nicht viele Worte zu verlieren. Mitreißender Stoner Rock, der vor allem live seine ganze Faszination entfaltet - so kraftvoll und gleichzeitig eingängig ist die Mucke der Amis um Frontröhre Neil Fallon. Der bärtige Barde warf mal wieder sein ganzes Charisma in die Schau und intonierte bratzig und unverwechselbar die groovigen Songs. Zwischen dem staubtrockenen Wüstenrock wurden immer mal wieder Stücke, die sich deutlich am Blues orientieren, zum Besten gegeben (exemplarisch sei das formidable 'Gravel Road' genannt), zu denen Neil Fallons voluminöse Röhre natürlich perfekt passt. Und da darf dann logischerweise auch eine bluesig quietschende Gitarre nicht fehlen, eben ganz die alte Schule. Auch wenn die populärsten Gassenhauer der feurigen Vier nicht so offensichtlich in Richtung klassischer Blues gehen, sondern schnittig losfetzen ('The Mob Goes Wild' - yeahhh!), sorgt das sporadische Einflechten von Blues-Klängen für angenehm entspannte Zwischentöne im ansonsten groovig-heißblütigen musikalischen Treiben. Von Abnutzungserscheinungen seitens der Musiker war auch nicht das Geringste zu spüren, diese Truppe möchte man einfach immer wieder sehen. Zumal man CLUTCH mittlerweile auch nicht mehr als Geheimtipp bezeichnen kann.
[Stephan Voigtländer]

In Amiland längst Mainstream, sind CLUTCH seit wenigen Jahren nun auch in Deutschland als "hippe Band" anerkannt. Mit ihrem catchy 'Electric Worry' vom "Beale Street To Oblivion"-Album (2007) lieferten sie sogar den Titel-Song für den deutschen TV-Spot zum Kult-Spiel-Nachfolger "Left 4 Dead 2". Auch das Publikum spiegelte die jüngsten Entwicklungen in der Erfolgsgeschichte der Band wider und honorierte vor allem aktuellere Mitgröhl-Garanten wie 'The Mob Goes Wild', 'Pure Rock Fury' und eben obengenannten. CLUTCH wissen das sehr wohl einzuschätzen: Nicht minder großartige Eierschaukler von älteren Alben ('Smoke Banshee', 'Careful With That Mic...' z.B.) spielen sie daher nie bis selten bei sowieso schon seltenen Deutschland-Auftritten. Wie ungerecht! Aber auch nachvollziehbar, denn Deutschland hat eh schon viel zu lange gebraucht, um diese Band für sich zu entdecken. Bleibt nur zu hoffen, dass die älteren Herren nicht eher müde werden, als der Hype anhalten soll.
[Jenny Höfers]

Wobei von Müdigkeit nun wirklich gar nichts zu spüren war. Ein Besuch bei einer Show von CLUTCH lohnt sich definitiv immer - wer staubtrockenes Gedröhn mit einer ordentlichen Portion Schmackes serviert haben möchte, kann hier absolut nichts falsch machen.
[Stephan Voigtländer]

Setlist CLUTCH:

I Have The Body Of John Wilkes Booth
Pure Rock Fury
50,000 Unstoppable Watts
Witchdoctor
The Elephant Riders
Immortal
The Incomparable Mr. Flannery
Burning Beard
Gravel Road
The Mob Goes Wild
Profits Of Doom
Abraham Lincoln
The Soapmakers
Minotaur
Freakonomics
Electric Worry
Texan Book Of The Dead

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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