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CRIPPLED BLACK PHOENIX - München

12.06.2014 | 12:48

14.05.2014, Backstage Werk

CRIPPLED BLACK PHOENIX präsentiert "White Light Generator" und den neuen Sänger Daniel Änghede.

Juhu! Mein erstes CRIPPLED BLACK PHOENIX-Konzert steht an. Schon ein paar Mal waren sie in München, nur war ich immer woanders. Doch ist diese Band für mich eine der tollsten Entdeckungen der letzten Jahre und Vorfreude ist angesagt.

Zunächst jedoch spielt A LIQUID LANDSCAPE, eine vielversprechende junge Band aus Groningen, Holland. Sie spielen modernen Prog, allerdings nicht sehr hart oder gar djentig, ihre Musik ist eher feinfühlig-verspielt und hin und wieder sogar mit einem catchy Refrain ausgestattet. Vor allem Sänger Fonds Herder fällt hier durch seine saubere, klare, in den Höhen aber etwas dünne Stimme auf. Leider hat die Band ansonsten keine außergewöhnliche Aura, sie agiert relativ brav und unauffällig, und so fällt es mir schon während des Gigs schwer, besondere Worte zu dieser Band für ein Review zu finden. Drei Wochen später ist leider die Erinnerung verblasst.

Ganz anders bei CRIPPLED BLACK PHOENIX. Diese Band hat Bühnenpräsenz. Allein schon die grobschlächtige, irgendwie schon sehr verbraucht wirkende Gestalt von Bandkopf Justin Greaves ist ein Hingucker: voll tätowiert, zerzauster Vollbart, schwarzes Käppi. Ein Prog-Lemmy? Auf der anderen Seite ist Gitarrist Karl Demata voll in seine Sounds vertieft. Auch dieser kleine Mann mit Bart und Kopfsocke sieht von Leben (oder Drogen?) gezeichnet aus. Dazwischen dann der große Kontrast: Der neue Sänger Daniel Änghede. So geschniegelt und mit schwarzgerandeter Brille passt er so gar nicht zu seinen Nachbarn und ist vielleicht gerade deshalb Blickfang. Es heisst, er musste sich nach einer verlorenen Wette rasieren. Ganz links, beinahe unsichtbar sitzt die sympathische Daisy Chapman hinter ihren Synthie-Türmen.

Es soll ein langer Abend werden. Fast drei Stunden steht die Band auf der Bühne. So etwas ist heute sehr selten geworden. Los geht es mit etwas Flottem, ja, vor allem mit etwas, das ich nicht kenne. Klar, 'I wanna live' ist vom Debüt "A Love Of Shared Desasters". Schön, jetzt lerne ich also auch die wüstenrockige Facette der Band kennen. Danach jedoch steht der Gig erst einmal im Zeichen des neuen Albums "White Light Generator" und das wirkt auf einige hier mitunter etwas schleppend. So gut hat man die Songs noch nicht inkorporiert und sie sind zwar nicht allzu komplex, doch sperrig. Aber spätestens mit dem gewaltigen "The Brain/Poznan" (diese unglaubliche Melodie am Schluss!) löst sich die Verkrampfung bei Band und Publikum. Vor allem Änghede wirkt auf einmal nicht mehr so distanziert und taut auf, auch stimmlich. Kenner wissen, dass der Gesangsposten bei CRIPPLED BLACK PHOENIX bislang nur kurzzeitige Vertragslaufzeiten hatte. Doch Änghede ist ein Guter, macht seine Sache sehr professionell und souverän. Eine bessere Bewerbung für eine längerfristige Verpflichtung gibt es nicht. Aber dann bitte mit Bart.

Mir wurde von Leuten, die den schwarzen Vogel schon öfter gesehen haben, gesagt, dass teilweise Welten zwischen diesem heutigen und früheren Auftritten liegen. Sie haben die Band schon hackedicht und kaum mehr spielfähig gesehen, klangtechnisch durchwachsen aber mit viel Rock 'n' Roll-Spirit. Heute allerdings wird Wasser getrunken und die Band wirkt extrem tight, mit drei Gitarren auch sehr druckvoll und klangtechnisch monumental. Etwas Besonderes sind bei CRIPPLED BLACK PHOENIX auch immer die weiblichen Stimmen. Neben Daisy Chapman ist die schwedische Sängerin Belinda Kordic als Gast mit dabei und diese macht eine tolle Figur bei den neuen Tracks (das 'No!'-Doppel und 'Caring Breeds Of Horror'). Sexy ist sie mit ihrem schwarzen Herzchen im Haar.

Besonders herausragend finde ich indes Dematas floydiges Leadgitarrenspiel. Der Mann hat gute Hände und einen geilen Sound. Und der Gig wird mit steigender Spielzeit immer intensiver. Das Abschluss-Trio 'We Forgotten Who We Are' ("I, Vigilante"), '444' und das unverzichtbare 'Burnt Reynolds' (beide "200 Tons Of Bad Luck") bringen das Backstage-Prog-Publikum zum schwitzen und jubeln. In der Zugaben-Session wird dann die Stilgrenze gesprengt und CRIPPLED BLACK PHOENIX wird zu einer wilden Punkband. Erst das SAMHAIN-Cover (SAMHAIN ist die Band von Glenn Danzig vor DANZIG) 'Let The Day Begin', danach die Partisanen-Hymne 'Bella Ciao', und auf einmal haben wir Pogo bei einem Progkonzert. Bei CRIPPLED BLACK PHOENIX ist alles möglich!

Großer Dank geht an Daniel Sohmen für die Fotos!



Setlist: Rise Up and Fight, Black Light Generator, Let's Have an Apocalypse Now!, Jonestown Martin, NO!, Caring Breeds the Horror, The Brain/Poznan, Born in a Hurricane, We Remember You, The Heart of Every Country, Song for the Loved, Of a Lifetime (JOURNEY cover), Fantastic Justice, Troublemaker, 444, We Forgotten Who We Are, Burnt Reynolds
Zugabe: Burnt Reynolds (Reprise), Let the Day Begin (SAMHAIN cover), Bella Ciao/El Pueblo Unido Jamas Sera Vencido

Redakteur:
Thomas Becker
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