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Campaign For Musical Destruction Tour 2020 - Leipzig

27.02.2020 | 14:27

13.02.2020, Werk 2

Das ist ein Paket: BAT, ROTTING SOUND, MISERY INDEX, EYEHATEGOD und NAPALM DEATH. Da muss man doch hin!

Mit großer Vorfreude. Mit Erwartungen. So finde ich mich ein im Werk 2, am Connewitzer Kreuz, im Leipziger Süden. Dem besonders wilden, linksextremen Süden. So ein Blödsinn. Am Vortag dieses unsäglichen und absägbaren Valentinstag. Hier treffen sich mehrere einladende Konzertorte auf recht engem Raum. Hier ist der Platz für gute, beste Musik. Erst gestern hat Kollege Hermann Wunner HAMMERFALL hier besehen. Und das sollten wir doch gutheißen und hochleben lassen.

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Genau wie die Vernstalter und Kreateure dieser Tour, die Sludge, Grindcore und (Modern) Death Metal so vereint, als wäre das noch nie ein Problem gewesen. Schaut man sich im Publikum des Abends um, so ist das auch kein Problem, weil die Schnittmengen recht schwermassiv sind. Leztendlich moshen die allermeisten bei NAPALM DEATH ab und die Sludger stehen mindestens in Brüllweite des Herrn Barney. Im kurzen Nachhinein danach sehe und höre ich niemanden meckern und motzen – das hat dies Tour auch nicht verdient.

Pünktlich beginnt BAT mit dem Thrash Punk Rock 'n' Roll-Zirkus. Schlag auf Schlag, Schlagzahl ist hoch, cooles Logo – ich kaufe mir eine Basecap. So MOTÖRHEAD, ich wippe mit. Gerade hatte ich mich an Oppi erinnert, in meinem Jahresrückblick spielt er eine nicht ungroße Rolle, da sehe ich ihn in granatapfelrotem ND-Hoodie spannend herumstehen. Gleich sind wir wieder am Plaudern. Die Fachkompetenz hat nicht nachgelassen, wie ich freudig bemerke.

ROTTEN SOUND ist einer der Hauptgründe, warum der Crustfan hier ist, als die Vier beginnen, loszubersten, frage ich schreiend, ob das denn Schweden seien, da mich die Gitarre sehr an DISMEMBER erinnert. Oppi lacht: "Hört man doch!" Genau. Stimmt. Sind aber Finnen, sagt Oppi. Wiedererkennbar rollt da Stück für Stück die skandinavische Grollgitarre durch die schnell gespielten Songs. Es gibt mindestens fünfzehnmal die Grindkeule, inklusive eines bemerkenswerten Männerspagatausfallschritts des dauergrinsenden Bassspielers. Die Band hat Spaß daran, dem nun gefüllten Saal ihre Attacken um die Ohren zu jagen. Gefällt. Entspannung danach.

Dann ist MISERY INDEX dran, eine Band, auf die ich mich gefreut habe, und sehr gespannt bin, was die so in persona bringen. Ergebnis: plättend. Geplättet bin ich auch in der verblassenden Rückschau noch, denn das war eine sehr kurzweiliges, famoses, abwechslungsreiches Set, das den Ruf der vier Musiker als eine hervorragende Liveband untermauert hat. Klar im Sound, frisch, fromm an die Stücke herangewagt, ich hatte das Gefühl, das, was die Band tut, ist nicht Reißbrett Nacht für Nacht, sondern echter Spaß an technischem, lauten und anspruchsvollen Death Metal. Ein Gewinner. Sie und ich.

Dann mit Spannung, EYEHATEGOD: Eine Band, der ich schon seit Teenietagen folge. Bei der es aber sehr, sehr stimmungsabhängig ist, wie man sie erwischt. An diesem Abend scheinen sie aufgeräumt zu sein, zu Scherzen aufgelegt, Gitarrist und Sänger schnmunzeln sich zu und machen Witze, ein paarmal sieht es wie ein Ältere-Herren-Ausflug aus. Jimmy Bower wackelt öfters karnevalesk mit der Hüfte und schubst die so typischen Schwerlavariffs aus dem Gitarrenkörper, während Sänger Mike so langsam die Contenance verliert und aufgrund von Texten und Stimmung immer mehr entrückt. Das war aber zu erwarten. Der manchmal etwas zu dünne Sound, der ja unbedingt ein Markenzeichen der Band aus dem NOLA ist, verbessert sich jedoch merklich. Die Bewegungen der ersten fünfzehn Reihen zeigen freudige Reaktionen an. Ja, nach anfänglicher Skepsis finde auch ich mich vorn wieder und kann mich freuen, einem meiner größten musikalischen Einflüsse so nahe zu sein.

Raus, Luft schnappen, rein, Soundscheck geht nämlich fix. Wie überhaupt dieser Ritt durch die Hartkerngenres sehr fließend vonstattengeht. Keine Allüren, keine Pausen, alles sehr entspannt und aufgeräumt. Und dann: NAPALM DEATH, fünfundzwanzig Reihen in Bewegung. Ein sichtlich bestens gelaunter Barney stürmt auf die Bühne, ein, zwei Zwinkerer in Richtung seiner gestandenden Mitgrinder der letzten Jahrzehnte und schon hottet der Mann, der eine Legende ist, in ausschweifenden Runden über die Bühne. Part um Part geht es rasant durch das Schaffen des Vierers, der mal ein Quintett war. Barney nimmt sich für Ansagen Zeit, mal politisch, mal Menschen lobend, ist sichtlich sehr gut in Form und hat immer noch viel Spaß an seiner Sache. Es gibt auf die berühmte Zwölf, was sehr gern aufgenommen wird. Hier unten. Die nächsten fünf Reihen hintendran lassen sich anstecken, bald ist alles im Getümmel, was sich zu nah herangewagt hat, freudig werden Neulinge mit eingesaugt und dabei ist es eine sehr faire und vom Lachen bestimmte Schubserei. Ich bin auch in Gänze bedient und sehr froh, hier gewesen zu sein. Die Kampagne hat gewirkt.

Redakteur:
Mathias Freiesleben
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