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Celle Rock City - Celle

29.06.2009 | 17:47

05.06.2009, CD-Kaserne

Das vierte Celle-Rock-City-Festival wartet mir einer guten Bandauswahl auf und bietet vor allem jüngerem Publikum ein gelungenes Wochenende.

Unter dem Motto "Support der regionalen Szene durch erfahrene Größen aus Rock und Metal" fand das Celle-Rock-City-Festival am 5. und 6. Juni zum vierten Mal statt. Die Veranstalter haben es sich zur Aufgabe gemacht, regionalen Bands eine Plattform für ihre Musik zu geben. Die Internetseite www.cellerockcity.de bietet sowohl Fans als auch Musikern die Möglichkeit, sich über Bands und kommende Events im Raum Celle zu informieren. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf Metal, Rock und Punk. Auch der Mehrverdienst aus dem Festival fließt in die Unterstützung von Bands in Form von günstigen Proberaummieten oder weiteren Veranstaltungen.

Ort des Geschehens ist die CD-Kaserne in Celle. Das Gebäude ist großzügig, was Vorraum und Backstagebereich betrifft, und lässt eigentlich auf einen großen Konzersaal schließen. Dieser fällt im Vergleich allerdings eher klein aus, reicht aber völlig aus. Auch die Akustik in der Halle ist super. Wenn man nicht gerade schräg neben der Bühne steht, klingt alles einwandfrei. Leider haben die Tontechniker an beiden Tagen mit Problemen zu kämpfen, was zu Verzögerungen der Auftritte und einigen wenigen Kürzungen führt.

Wie es bei Lokalevents eben so ist, befindet sich etwas über die Hälfte des Publikums unterhalb der Altersgrenze für harten Alkohol. Trotzdem sind einige von ihnen am Abend ziemlich betrunken. Schade ist, dass die Allzweckfressbude (Döner, halbe Hähnchen, Currywurst-Pommes, Salat) erst Samstag auf dem Vorplatz steht. Freitag müssen die warmen Brezeln und Baguettestangen zur Verköstigung reichen.

Doch kommen wir zum Wesentlichen: den Bands, die größtenteils aus Celle, Braunschweig und Hannover kommen und an diesem Wochenende gemeinsam mit den Fans feiern wollen.


Den Anfang machen CAPTIVITY aus Hannover. Früher trat die Band unter dem Namen SYLENT GREEN mit einem anderen Sänger auf. Seit etwa einem Jahr steht jetzt Marc hinter dem Mikro. Obwohl vor dem Eingang eine lange Schlange steht, ist das Innere der CD-Kaserne noch nicht so gut gefüllt. Etwa 25 Leute tummeln sich in der Halle. Marc schafft es jedoch, die verhaltenen Zuschauer mit Gratis-CDs nach vorne zu locken. Ab der Mitte des Auftritts wacht das Publikum aber langsam auf, lässt die Haare kreisen und feuert die Band an. Diese gibt auf der Bühne alles und wird ihrer Aufgabe als Anheizer durchaus gerecht.

Setlist CAPTIVITY:
Wrong Idol
Regency
Cutting Edge
Chasm
Captivity
Deconstructive Design
Your Pain Remains




Bei SCARNIVAL ist anfangs zwar auch nicht viel mehr los, aber nach und nach strömen die Leute in die Halle. SCARNIVAL springen für die ausgefallenen BLUEWATER FOG ein, die aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten können. Der korpulente Sänger Niklas scherzt, dass die Veranstalter nach diesem Ausfall gleich an die Band mit der "dicken Frau am Mikro" gedacht haben. SCARNIVAL gehen gut ab. Vor allem Niklas sorgt für gute Stimmung, obwohl (oder gerade weil?) er sich nicht ausziehen will. Den Song 'God-Given' widmen SCARNIVAL dem heutigen Headliner DRONE. Das Highlight des Auftritts ist das IN FLAMES-Cover 'Episode 666'.

Setlist SCARNIVAL:
Diarist
In Dying Days
God-Given
Fear The Dead Travel Past
Eyes Of The Mara
King Fury
In Flames-Cover Episode 666



Mit Soundproblemen zu kämpfen haben MANDALA. Der Bass ist anfangs viel zu laut eingestellt, dementsprechend basslastig fallen die ersten Songs aus. Auch die Rockmusik kommt nicht bei allen gut an. In der Halle tummeln sich weniger Leute als noch bei SCARNIVAL. Vielleicht zieht Sänger Christoph deshalb komische Grimassen. Oder es liegt daran, dass MANDALA erst mit zehn Minuten Verspätung auf die Bühne kommen konnten. Wenigstens schwingen ab 'Lost My Shoes' einige Fans das Tanzbein.

Es dauert seine Zeit, bis die Veranstalter die technischen Probleme in den Griff kriegen – der Bass bleibt noch ein paar Songs zu laut. MANDALA lassen es sich aber nicht nehmen, ihr Set bis zum Ende zu spielen. Nach ihrem Auftritt werden sie mit wohlwollendem Applaus verabschiedet.

Setlist MANDALA:
Tragedy
Get It Out
Lost My Shoes
Bahama Beige
Prophet For A Day
Crack Sister
Head Against Belly
Domination
Thin White Dude
The Toucher




HEADSHOT treffen schon eher den Geschmack des Publikums. Die Braunschweiger um die charismatische Sängerin Daniela lassen Headbanger-Herzen höher schlagen. Beim Song 'Old Patterns' bildet sich sogar ein kleiner Pogo. Die Band spielt einwandfrei, hat aber ebenfalls Probleme mit der Technik. HEADSHOT lassen sich davon aber nicht beirren. Bei 'Isolation' vergrößert sich der Pogo etwas. Daniela macht bei der rhythmischen Headbangnummer 'Rotten To The Core' den Propeller, und die ersten drei Reihen lassen ebenfalls die Haare kreisen. Beim "Liebeslied" 'Second To None' fordert Daniela das Publikum zum Kuscheln auf. Gitarrist Olaf singt sogar die Gitarrenläufe mit. Bei dem PANTERA-Cover 'Mouth For A War' und dem letzten Song 'Denial Of Life' bebt die CD-Kaserne noch mal richtig .

Setlist HEADSHOT:
In Your Face
Old Patterns
Isolation
Bound To Fail
Rotten To The Core
Second To None
We Disintegrate
Quest For The Sun
Mouth For A War
Denial Of Life










Jetzt folgt die Band, auf die (fast) alle gewartet haben: die Lokalmatadoren DRONE. Wie immer kommen sie mit der Titelmelodie von "Fluch der Karibik" auf die Bühne und spielen die letzten Takte mit. Die Celler werden mit viel Jubel empfangen, und gleich bei 'Stampmark' startet ein Moshpit. Band und Fans machen gleichermaßen Party. Gleich beim ersten Song sind schon die ersten Stagesdiver unterwegs. Bei 'Grow A Storm' vergrößert sich die Partymeile auf die knappe vordere Hälfte der Halle. Die weiter hinten stehenden Fans nicken aber auch mit dem Kopf. Sänger Mutz reicht das aber noch nicht. Für die Moshpit-Nummer 'Welcome To The Pit' fordert er noch mehr Bewegung. Und er wird erhört. Es kommt noch mehr Bewegung in die CD-Kaserne, die Fans feuern ihre Helden an. Nach dieser Übernummer, die eigentlich etwas zu früh kommt, versuchen sich die Fans an einer Wall Of Death. Sie stehen jedoch nur links und rechts am Rand rum und warten auf ein Signal. Dieses kommt erst zum nächsten Song 'Done & Dusted'. Mutz' Lieblingssong 'Motör-Heavy Piss Take' klatschen alle mit.

Langsam ist bei den jungen Fans die Luft raus. Die meisten beschränken sich aufs Headbangen oder stehen rum. Dadurch entsteht vorne ein großes Loch. Auf Klatschanimation gehen sie aber noch ein. Frontmann Mutz macht zwischendurch etwas Werbung für einen Videodreh zum Song 'Riding On My Motorbike'. Er ruft vor allem die weiblichen Fans auf, leicht bekleidet in die Innenstadt zu kommen, um bei diesem Trashvideo mitzuspielen. Ob daraus was geworden ist, ist fraglich. Am nächsten Tag hat es ununterbrochen geregnet. 

Diese Verschnaufpause haben die Jungen vorne anscheinend gebraucht, denn es kommt wieder etwas Bewegung rein. Mutz fordert zu einem Circle Pit auf, die Fans wollen lieber eine Wall Of Death. Nach einer kurzen Diskussion muss sich der Sänger geschlagen geben, bekommt aber später doch noch seinen Circle Pit. So ganz fit ist das Publikum aber nicht. Danach ist nämlich wieder Schluss, und die Lücke klafft erneut zwischen Bühne und Fans. Beim Saufsong 'Piss Drunk' und der Zugabe 'Juggernaut' geben zumindest DRONE noch mal alles. Alles in allem scheinen sich vor allem die jüngeren Zuschauer etwas übernommen zu haben.

Setlist DRONE:
Stampmark
Grow A Storm
Welcome To The Pit
Done & Dusted
The Set-Up
Chainsaw Symphony
Motör-Heavy Piss Take
T.i.A.
Life Of Riley
Boneless
Theopractical
Piss Drunk
Juggernaut

Dass viele nach dem DRONE-Auftritt nach Hause müssen, merkt man an der leeren Halle. Beim Gig von MAGNA MORTALIS befinden sich nur noch etwa dreißig Leute in der CD-Kaserne. Die Todesmetaller scheinen daher nicht sehr motiviert und agieren sehr statisch. Die Band spielt gut, macht aber wenig Show. Einzig Sänger Arnheim gibt mit seinen Dreadlocks vorne den Derwisch und geht ab.



Mit dem Spruch "Wir sind besoffen, laut und schnell!" kommen DYNAMITE ROADKILL auf die Bühne. Angeführt von DRONE-Sänger Mutz spielt diese Spaßband immerhin vor etwa fünfzig Leuten. Trotzdem ist allen die Freitagsmüdigkeit anzumerken. Ein paar Fans tanzen, der Rest ist gedanklich schon im Bett. Die Musiker auf der Bühne haben trotzdem Spaß und liefern einen unterhaltsamen Auftritt ab.

Der erste Tag des Celle-Rock-City-Festivals bestach mit einer guten Bandmischung und einem gut aufgelegten Headliner. Die Atmosphäre würde ich als durchwachsen beschreiben. Es ist schade, dass sich die Jungspunde im Moshpit so verausgaben, dass ihnen später die Luft ausgeht. Durch das brutale Rumschubsen verdrängen sie das übrige Publikum in den hinteren Teil der Halle, wo diese leider auch bleiben. Viel angenehmer wäre doch der gute, alte, kuschelige Pogo, bei dem man nicht gleich auf die Fresse fliegt und den man bis zum Ende durchhält. Doch schauen wir, was der nächste Tag bringt.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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