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Children Of Bodom - Langen

20.02.2006 | 16:29

31.01.2006, Stadthalle

Kinner vom Bodensee

Um mich bei den Kindern vom Bodensee im Fotograben verschanzen zu können, überlasse ich das Schreiben diesmal unserem Gastautor Chris:

Die verrückten Finnen um Mastermind Alexi Laiho sind wieder auf Tour und beehren an diesem Abend auch die Stadthalle Langen. Mit dabei sind EKTOMORF und die ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTETT, die ich leider aufgrund einiger Orientierungsprobleme meines Kollegen Carsten in der Weltmetropole Langen verpasse. (Jaja, so kleine Landstraßenabfahrten kann man schon mal verpassen - augenzwinkernd, Carsten)
Sehr schade, aber man darf davon ausgehen, dass Johan Lindstrand mit seinem UNDEAD QUARTETT nach der Veröffentlichung des Killeralbums "21st Century Killing Machine" nicht das letzte Mal auf Tour war.

EKTOMORF
Pünktlich zu EKTOMORF sind wir aber in der Halle, und es bleibt sogar noch Zeit, um sich nach der lagen Wartezeit in einer Scheißkälte mit einem Bier aufzuwärmen bevor die vier Ungarn loslegen. (Als Bierausschenker fungiert übrigens kein Geringerer als der Bundesweit bekannte Turbanträger Sing - Anm. v. Carsten) Obwohl EKTOMORF in den letzten Jahren wirklich permanent live zu sehen waren und auch das Rhein-Main-Gebiet häufiger besuchten, ist die Begeisterung der Fans für die groovenden Thrasher nicht abgeklungen. Schon beim Intro sind erstaunlich laute "Ektomorf!"-Sprechchöre zu hören. Angespornt von einem solchen Empfang legt die Band auch direkt los und jagt mit 'Set Me Free', 'Show Your Fist' und 'Instinct' gleich drei Kracher des letzten Albums durch die Boxen. Spätestens bei dem vierten Track 'Fuck You All' gibt es vor der Bühne kein Halten mehr und im Moshpit geht's zur Sache. Den Track widmet Sänger Zoltan erwartungsgemäß der verhassten, intoleranten Gesellschaft, und es bleibt nicht das einzige Mal an diesem Abend, dass er "against this fucking society" ins Mikro brüllt. Ist zwar alles nicht besonders tiefgründig, aber wie bei einer bekannten brasilianischen Band, verfehlt das live niemals sein Ziel und sorgt für wilde Mosh- und Hüpforgien des Publikums. EKTOMORF spielen ihr Set solide, aber trotzdem auch mit großer Begeisterung herunter, wobei gerade die etwas schnelleren Songs für mich immer wieder herausstechen. Den gelungenen Auftritt beendet die Band mit dem älteren Track 'Serial Man' und vergisst es dann auch nicht, sich respektvoll mit den fast schon legendären "Réspèèkt, Réspèèkt"-Bekundungen vom Publikum zu verabschieden.

CHILDREN OF BODOM
Obwohl zahlreiche COB-Fans den Weg nach Langen gefunden haben und somit beinahe jeder Zweite ein "Hatecrew"-Shirt anhat, ist doch erstaunlich, wie viel Platz in der Stadthalle noch ist. Alles in allem ist das nicht mit der übervollen Batschkapp bei der letzten Tour der Finnen vergleichbar, aber man darf gespannt sein, wie die Band die wesentlich größere Bühne ausnutzt. Dank einer fast 40-minütigen Umbaupause bleibt somit auch ausgiebig Zeit, das durchaus interessante Bühnenbild zu begutachten. In der Mitte steht heute mal nicht das Schlagzeug von Jaska Raatikainen, sondern ein verdammt großes Auto, das ein bisschen wie ein alter Dodge Charger aussieht (Na ja, jedenfalls ein ordentliches Schlachtschiff). Auch die drei Metallplatten, die anstelle eines Banners an der Bühnenwand hängen, sind auffällig. "Die sind halt so was von Metal, aber das Auto erinnert doch eher an cruisende Ami-Rapper." Diese Befürchtung erweist sich zum Glück als unbegründet, als die fünf Finnen kurz nach 22 Uhr die Bühne entern. Los geht's mit dem Opener des aktuellen Albums, 'Living Dead Beat'. Ohne Unterbrechung lassen sie dann direkt im Anschluss den 'Sixpounder' aus den Boxen krachen. Der Sound ist bereits bei den ersten Songs ziemlich klar, weshalb sowohl Keyboard- als auch Gitarrensoli begeistert abgefeiert werden. (Nur gelegentlich brummelt's mal etwas im Sound - Anm. v. Carsten) Dass Alexis Zehenbruch erst zehn Tage zurückliegt, merkt man ihm in keinster Weise an. Der Frontman rennt von einer Bühnenecke in die andere, steigt auf die Motorhaube des Wagens, post in bester Rockstar-Manier und schreit sich die Seele aus dem Leib. Der Rest der Band, mit Ausnahme von Keyboarder Janne Warman, wirkt dagegen fast etwas farblos, spielt aber ohne Fehl und Tadel und doch mit einiger Spielfreude alte und neue Hits der Bandgeschichte. Spätestens als Janne mit schrillen Keyboardklängen 'Hate Me' anstimmt, ist vor der Bühne richtig was los. Bei der Ballade 'Angels Don't kill' vom "Hate Crew Deathroll"-Album erklimmt Alexi zum ersten Mal die Motorhaube des Autos, und auf den Metallplatten im Hintergrund leuchtet in grellen Lichtern immer wieder das Bandkürzel COB auf. Die Meute nimmt das begeistert auf und man sieht eine Menge Haare fliegen. Danach ist erst mal Pause, zumindest für die Saiten- und Tastenfraktion der Band. Das Drumsolo von Janka wird dabei beinahe so abgefeiert wie der anschließende Mix von 'Bodom After Midnight' und 'Bodom Beach Terror' (Erstaunlich wie viele Titel mittlerweile den finnischen See zum Thema haben). Die Forderung nach einem richtigen Moshpit, die Alexi dem Kracher 'Needled 24/7' vorwegschickt, war zwar unnötig, weil vor der Bühne eh schon die Hölle los ist, aber trotzdem geht's danach noch mal richtig zu Sache. Was jetzt folgt, kennt man von COB-Auftritten, denn die obligatorischen Guitar- vs. Keyboard-Duelle sind ja schon legendär. (Mit dem anschließenden 'In Your Face' zocken die Jungs den meiner Meinung nach geilsten Song vom neuen Album, was auch ein Großteil der übrigen Anwesenden so zu sehen scheint. Jedenfalls geht die Menge richtig ab und nicht nur die Blondine neben mir singt die Nummer Textsicher mit - Anm. v. Carsten)
Insgesamt spielen die Jungs auf dieser Tour ein ordentliches Mischprogramm, wobei so ziemlich alle Alben berücksichtigt werden. Vom "Are You Dead Yet"-Album werden gar nur vier Stücke gespielt (sollte man mal OBITUARY empfehlen!), was bei der Klasse der aktuellen Scheibe eigentlich ein bisschen schade ist. Dafür gibt's aber gegen Ende noch mal das volle BODOM-Programm. Bei 'Hate Crew Deathroll' animiert Frontmann Laiho beinahe jeden zum mitsingen ("You're our fucking Hate Crew!" - Anm. v. Carsten) und den Abschlusssong 'Are You Dead Yet' muss man einfach mal live gehört haben. Für mich der absolute Hit, mit was für einem Druck die Band ihre durchaus komplexe Musik - im Vergleich zu mancher "stumpfsinnigen Prügelkapelle" - live rüberbringen kann. Das Publikum sieht das auch so, weshalb die fünf Finnen unter frenetischem Applaus noch mal zurückkommen und ihrer Hate Crew die Klassiker 'Lake Bodom' und 'Downfall' mit auf den Heimweg geben. Nach knapp 80 Minuten ist dann Schluss, und obwohl die Band durchaus einige Hits unterschlagen hat (man denke nur an den groovenden Nackenbrecher 'Everytime I Die'), gehen die meisten begeistert nach Hause oder zum Bierstand.

Setlist:
Living Dead Beat
Sixpunder
Silent Night Bodom Night
Hate Me
We're Not Gonna Fall
Angels Don't Kill
Drum Solo
Bodom After Midnight/Bodom Beach Terror
Follow The Reaper
Needled 24/7
Guitar vs. Keyboard-Solo
In Your Face
Hate Crew Deathroll
---
Lake Bodom
Downfall

Gastautor Chris Gaum

Redakteur:
Carsten Praeg

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