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Children Of Bodom - Ludwigsburg

27.05.2003 | 07:23

18.05.2003, Rockfabrik

Bei einem derartigen Package dürfte sich bereits im Vorfeld jeder Melodic Death-Fan sämtliche zehn schwieligen Finger geleckt haben: SUIDAKRA, SOILWORK und CHILDREN OF BODOM, hochkarätiges Trio Infernale, angetreten um die Rockfabrik Ludwigsburg mit hämmernden Riffs, flinken Gitarrenläufen und aggressiven Growlausbrüchen in Schutt und Asche zu legen. Da verwunderte es nur wenig, dass der Ort des Geschehens vor Todesjüngern nur so aus allen Nähten platzte, die dicht aneinander gedrängt und in fiebriger Erwartung des Startschusses harrten. Dieser fiel fast pünktlich um kurz nach 20 Uhr, willkommen zur schwermetallischen Kracher-Show.


SUIDAKRA

Durften auf vorangegangenen Terminen der Tour noch SHADOWS FALL für den Abend einstimmen, so stand selbiger Job diesmal den Black-/Death-Metallern von SUIDAKRA zu. Dass die neuerdings wieder als Quartett agierende Truppe auch in Ludwigsburger Breitengraden längst keine Unbekannten mehr sind, bewiesen eindeutig die Zuschauerreaktionen - SUIDAKRA wurden von Anfang an mit offenen Armen und ausgeprägten Kopfschüttler-Ambitionen empfangen, das versprach, ein guter Einstieg in die todesmetallisch geprägte Nacht zu werden.
Live noch ein gutes Stück härter und direkter als auf Album zeigten sich Frontröhre Arkadius und seine Kumpanen denn auch bei bester Spiel- und Bang-Laune. Mit 'Wartunes', 'Pendragon's Fall' oder 'Darkane Times' packte man nicht nur Songs der Scheiben "The Arcanum" und "Emprise To Avalon" aus, sondern lieferte gleich drei brandneue Ableger des Ende Juli erscheinenden Neuwerks "Signs For The Fallen" mit. Die standen dem bereits bekannten SUIDAKRA-Liedgut in punkto straighter Härte gepaart mit passender Melodik in nichts nach und wurden dementsprechend auch gut von der anwesenden Menge aufgenommen - da steht uns, sollte sich das gesamte neue Material auf diesem Niveau bewegen, im Sommer ein feiner Silberling ins Haus.
Nach einer knappen halben Stunde hieß es für den Vierer das Feld für die bereits in den Startlöchern stehenden SOILWORK räumen. Klasse Auftakt einer sympathischen Band, Daumen hoch für SUIDAKRA.


SOILWORK

Ihre Vorgänger hatten schon gut abgeräumt - doch SOILWORK setzen noch einen drauf: Die Schweden legten sich, kaum die Bühne gestürmt, mächtig ins Zeug und feuerten eine melodische Todesgranate nach der anderen aufs begeisterte Publikum ab. Ob nun neue Kaliber à la 'Rejection Role' und 'Figure Number Five' aus dem gleichnamigen aktuellen Album oder bereits gestandene Kracher wie 'The Bringer' und 'Needlefeast' - die Jungs aus dem hohen Norden ließen sich alles andere als lumpen. Besonders Fronter Björn Strid, angetan im ferrariroten Michael Schumacher-Gedächtnisshirt, gebärdete sich, als wolle er einen sich selbst gesteckten Rekord in Sachen Stageacting brechen: Von Umhertoben über inbrünstiges Schreien und Brüllen bis aggressives Anfeuern der Menge reichte sein Spektrum, passend dazu wartete der gute Mann mit der Miene eines frisch aus der Psychiatrie entflohenen Gemeingefährlichen im Gesicht auf. Dem Herrn möchte man nicht im Dunkeln begegnen..., als aber spätestens zu 'Follow The Hollow' sowohl auf als auch vor der Bühne endgültig mördermäßig die Post abging, entspannten sich ebenfalls die Züge des kahlköpfigen Sängers zu einem zufriedenen Grinsen.
Nach gut einer dreiviertel Stunde brettharter Riffs plus melodischer Einsprengsel machten sich auch SOILWORK unter großem Beifall wieder von dannen. Ebenfalls eine geile Show, rasanter Abschädel-Metal mit Spaßfaktor pur, noch einen Tick zündender als SUIDAKRA.
Wenn sich der Basser aber noch mal in einem so geschmacklosen Hemd (lila mit rosa Punkten) blicken lässt, gehört er deftigst von der Bühne gepfiffen :-).


CHILDREN OF BODOM

Mit einigen Minuten Verzögerung - Janne, Henkka, Alexi, Alexander und Jaska mussten Backstage unbedingt noch ein angemessenes Quantum an Hochprozentigem vernichten, bevor es losgehen konnte - enterten die unumstrittenen Stars des Abends die Bretter. Hatte ich anfangs noch Bedenken, ob CHILDREN OF BODOM angesichts des klasse Gigs ihrer schwedischen Kollegen SOILWORK die Stimmung genauso wie sie würden aufpeitschen können, wurde ich gleich mit dem Einmarsch der Finnen eines Besseren belehrt: Schon während des Intros begann ein wahrer Sturm der Begeisterung vor der Bühne, noch vor dem ersten Song überhaupt gerieten die Leute komplett aus dem Häuschen. Fast wie bei einem Boyband-Konzert..., und als mit 'Needled 24/7' des aktuellen Longplayers "Hate Crew Deathroll" die erste Todeswelle über die Rockfabrik hinwegrollte, gab es kein Halten mehr, da wurde gebangt was der Schädel hergab und nach Lungenkräften mitgegröhlt. Kein Wunder, zeigten CHILDREN OF BODOM doch von Anfang an, was für eine superbe Live-Band sie sind, allen voran Alexi Laiho an Lead-Klampfe und Mikro. Heiser-kreischig in selbiges röhren, dazu mit unglaublich flinken Fingern die Saiten bearbeiten und obendrein mit Bangen und Posen an der Monitorbox nicht sparen - das muss ihm erst mal einer nachmachen. Doch auch die restlichen Bodomskinder hielt es nicht lange auf ihren Ausgangsposten, ständige Positionswechsel und nicht minder wildes Stageacting wie ihr blondbemähnter Frontmann machten den Gig auch optisch zu einem actiongeladenen Vergnügen. Vergnüglich ebenfalls die Ansagen von Alexi zwischen den Songs, scheint doch "fucking" das allerliebste Wort des Kinderanführers zu sein (da befindet er sich mit Kimberly Goss und Ozzy Osbourne ja in guter Gesellschaft), und so wurde lautstark "fucking heavy metal" in Wort und Sound propagiert und jegliche Rockerattitüden-Klischees zur vollen Befriedigung erfüllt.
Nach der Fast-Ballade 'Angels Don't Kill' und dem "Hatebreeder"-Geschoss 'Towards Dead End' lieferten sich zur allgemeinen Freude Alexi und Janne Warman ein ausgedehntes Gitarre-Keyboard-Duell (wer hat hier die schnelleren Griffel?), und im Anschluss an 'Kissing The Shadows' konnte auch Schlagwerker Jaska Raatikainen ausgiebig beweisen, wozu er hinter seiner Schießbude fähig ist. Das Drum-Solo läutete jedoch langsam aber sicher auch das baldige Ende des Konzerts ein: Nachdem in Gedenken an den vor Kurzem verstorbenen FINNTROLL-Gitarristen Teemu "Somnium" Raimoranta 'Everytime I Die' zum Besten gegeben wurde, kündigte man mit 'Hate Crew Deathroll' den letzten Titel des regulären Sets an, in dessen Verlauf sich COB als hautnahe Band zum Anfassen zeigte: Die Fans in den vorderen Reihen durften Alexi und dem properen Alexander in die Gitarrensaiten greifen, letzterem durch die wilde Matte wuscheln und sich über High-Five mit allen COB-Mitgliedern freuen.
Die erhoffte und lautstark geforderte Zugabe folgte zwar auf dem Fuße, war aber mit nur einem einzigen Song in Form von 'Downfall' äußerst knapp bemessen - Verständnislosigkeit im Publikum, hatte es an kochender Stimmung doch nun wirklich nicht gemangelt. Aber sei's drum: Trotzdem ein gnadenlos genialer Auftritt der CHILDREN OF BODOM - auf Platte schon gewaltig, aber live ein absoluter Orkan.

Setlist CHILDREN OF BODOM:

Needled 24/7
Hate Me!
Chokehold
Silent Night, Bodom Night
Lake Bodom
You're Better Off Dead!
Bodom After Midnight
Sixpounder
Angels Don't Kill
Towards Dead End
Solo Battle
Kissing The Shadows
Drum Solo
Bodom Beach Terror
Everytime I Die
Hate Crew Deathroll
-----------------------------
Downfall

Redakteur:
Kathy Schütte

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