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Children Of Bodom, Primal Fear - Offenbach

05.03.2001 | 03:06

02.03.2001, Hafenbahn

Dieses Tourpackage war nun wirklich ungewöhnlich - Teutonischer Treumetall meets finnische Fiedelfraktion meets brettharten Powermetal...das versprach ein mehr als interessanter Abend zu werden.

Es gibt Bands, die sich durch ihre Einstellung lächerlich machen, aber trotzdem, gerade aufgrund musikalischer Qualitäten, einen gewissen Erfolg feiern können. Und es gibt Bands, die sich lächerlich machen und auf diesem Niveau steckenbleiben. SACRED STEEL gehören zur letzteren Kategorie: Zwar kann man das Ganze als durchaus musikalisch standfest bezeichnen, wirklich überzeugend oder gar ernstzunehmend kam der Fünfer aber nicht rüber. Das lag zum Einen daran, dass alle Songs vorhersehbar und völlig uninnovativ aus der P.A. quäkten, und zum Anderen, dass man - allen voran Sänger Gerrit P. Mutz - dermaßen mit Klischees um sich schmiss, dass es nicht mehr schön war. Alleine schon das erhobene Spielzeugschwert in Gerrits Hand bei ‘Stormhammer’ löste nicht nur bei mir Lachkrämpfe aus. Abgesehen davon war die - erstaunlicherweise schon sehr gut gefüllte - Hafenbahn nur zur Hälfte „wahrer Metal\" (O-Ton G. Mutz), weil die andere Hälfte weder bangte noch applaudierte...
In einer sehr amüsanten halben Stunde gab’s neben ‘Blood On My Steel’, ‘Metal Is War’ und ‘Dark Forces Lead Me To The Brimstone’ vom aktuellen „Bloodlust\"-Output auch noch das obligatorische ‘Wargods Of Metal’ und sogar eine Nummer vom „Reborn in Steel\"-Debut. Im Prinzip war’s aber egal, um welchen Song es sich handelte, selbst ein Tauber hätte jegliche Breaks und Soli voraussagen können. Und letztere hatten nur eine Alibifunktion - schliesslich ist nach dem zweimaligen Wiederholen des Refrains ein Fiedelsolo an der Reihe.
Jungs, ihr könnt doch spielen. Stellt einfach mal die Musik und nicht den heiligen Stahl in den Vordergrund...

Zustände wie sie dann schon vor dem Auftritt von CHILDREN OF BODOM herrschten, habe ich in der Hafenbahn ausser beim alljährlichen No Mercy-Overkill noch nicht erlebt: Die Halle war mehr als rammelvoll, und als die Jungspunde mit dem Titeltrack des neuen Albums, „Follow The Reaper\" loslegten, bildete sich ein Mosh- und Hüpfpit, vor dem selbst die unumstrittenen Moshpit-Kings SIX FEET UNDER anerkennend den Hut gezogen hätten. Alexi „Wildchild\" Laiho sah sich sogar dazu gezwungen, die versammelte Menge zu bitten, etwas weniger wild abzugehen, um Verletzungen im Publikum auszuschliessen.
Fast schon unmöglich, aber wahr: Als es mit ‘Towards Dead End’ dann den ersten Track vom überragenden „Hatebreeder\"-Album gab, war die Meute gar nicht mehr zu halten, die Hafenbahn glich eher einem Irrenhaus auf Speed als einem Metalclub. Überhaupt lag der Stimmungspegel bei älteren Songs wie ‘Downfall’, ‘Warheart’, ‘Lake Bodom’, ‘Deadnight Warrior’oder der Bandhymmne \'Children Of Bodom\' spürbar höher als bei den neuen Nummern, die besonders live nicht annäherend die Klasse der ersten beiden Scheiben besaßen.
Noch imposanter als die völlig durchgedrehte Menge war jedoch die musikalische Performance der fünf Finnen: Die Rhythmusfraktion um Basser Henkka (der wie aus dem Bilderbuch Rhythmus und Melodie zu verbinden wusste) und Drummer Jaska Raatikainen agierte so sicher und präzise wie ein schweizer Uhrwerk, während Tastenmann Janne sowie die beiden Gitarreros Alex und Alexi Song für Song neue Geschwindigkeitsschallmauern durchbrachen und nebenher noch Griffbrett- bzw. Tastenwichserei vom Allerfeinsten boten. Beängstigend perfekt, verspielt und doch wie ein Orkan nach vorne lospeitschend, so durfte man CHILDREN OF BODOM eine gute Stunde lang bewundern.
Dieser Gig war nicht nur eine Bestätigung für alle eingefleischten COB-Fans, nein, ganz besonders auch eine Ohrfeige für alle Kritiker - hingehen, anschauen, glücklich sein!
Einziger Kritikpunkt eines rundum genialen Auftritts war das Fehlen des Nackenzwirblers ‘Silent Night, Bodom Night’ - denn wer solch einen Killer auf Lager hat, muss ihn auch bringen. Trotzdem: Geil war’s!

Die Bands, die den Auftritt von CHILDREN OF BODOM noch hätten toppen können, lassen sich problemlos an zwei Händen abzählen. PRIMAL FEAR gehören definitiv nicht dazu, machten ihre Sache jedoch mehr als ordentlich. Nach den zwei ersten Alben \"Primal Fear\" und \"Jaws Of Death\", die beide größtenteils nicht mehr als stumpfen \"Druff uff die Köpp\"-Metal boten, hätte wohl kaum jemand mit einem absoluten Killer wie \"Nuclear Fire\" gerechnet. Durch ein ausgereiftes Songwriting und vor allem durch das faszinierende Gitarrenspiel von Neuzugang Henny Wolter hat PRIMAL FEAR endlich eine eigene Identität gefunden.
Mit einer gelungenen Bühnendekoration, sowie einer eigenen Lightshow und die Zunahme von Pyro-Effekten wurde der Zuschauer optisch verwöhnt und reagierte somit nicht mehr allzu schreckhaft auf die Tatsache, daß Ralf Scheepers anstelle der früher vorhandenen Haarpracht nun auf Glatze umstiegen ist. However...
PRIMAL FEAR wurden vom Offenbacher Publikum mit Jubel und Begeisterung empfangen. Die von CHILDREN OF BODOM noch völlig ausgepowerten Konzertbesucher wurden schnell durch den Opener \"Angel In Black\" revitalisiert und bangten sich ins Nirvana. Zwar konnten Scheepers und Co. den Stimmungspegel nicht erreichen, den die finnischen Kiddies gesetzt hatten, aber das konnte man auch nicht erwarten. Mit einer gelungenen Songauswahl, die das Beste vom neuen Alben (\"Fight The Fire\", \"Eye Of An Eagle\") mit altem Material (\"Chainbreaker\", \"Silver And Gold\", \"Batallions Of Hate\") kombinierte und einer enormen Spielfreude sorgten die Schwaben für eine erfolgreiche Vorstellung.
Die Gitarristen Henny Wolter und Stefan Leibing, sowie Drummer Klaus Sperling durften für jeweils ca. 5 Minuten ihre Können durch eine Solo-Einlage unter Beweis stellen. Hierbei konnte vor allem Neuzugang Henny überzeugen, der sich, ohne mit der Wimper zu zucken, einen abfiedelte, daß es eine wahre Freude war. Nach dem schätzungsweise 90-minütigen Auftritt (inklusive der obligatorischen Zugabe) verabschiedeten sich die Schwaben unter großem Applaus. Hinterlassen wurde ein Publikum, das dank CHILDREN OF BODOM und PRIMAL FEAR gerade noch dazu imstande war, aufrecht zu gehen und den Weg nach draussen zu finden (und selbst das nur mit erheblichen Schwierigkeiten).
An diesem Killerpackage werden sich die künftigen Konzerte in diesem Jahr messen müssen.
(Christian)


Redakteur:
Rouven Dorn

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