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Christmas Bash 2017 - Geiselwind

22.02.2018 | 17:10

01.12.2017, Eventzentrum

Geiselwind zum Jahresausklang!

Ihr kennt das: kaum ist der Festivalsommer vorüber, dauert es nicht mehr lange und man findet sich in der Vorweihnachtszeit wieder, die für das Nervenkostüm jedes Jahr aufs Neue den absoluten Belastungstest darstellt. Überfüllte Geschäfte, im Radio laufen die gleichen nervigen Songs wie schon vor 20 Jahren zu dieser Zeit, an jeder Ecke Weihnachtsmärkte, auf denen man, begleitet von denselben unsäglichen Klängen, überteuerten Glühwein in sich reinschütten kann. Und keine Chance, diesem Wahnsinn zu entkommen? Nicht ganz, denn im kleinen beschaulichen unterfränkischen Städtchen Geiselwind findet auch in diesem Jahr wieder der fast schon traditionelle Christmas Bash statt, das zweitägige Indoor-Festival im Winter. Wie schon in den letzten Jahren setzt sich der erste Tag aus den Bands der MTV Headbanger's Ball Tour zusammen, was eher die Freunde der härteren Klänge anspricht. Am zweiten Tag ist das Lineup dann gemischter, so treten neben diversen Power- und Heavy-Metal-Acts in diesem Jahr auch KREATOR auf. Wie in jedem Jahr ist das Angebot an Bands recht vielseitig und somit dürfte für jeden etwas dabei sein.

Kurz nach 17 Uhr geht es los, die Metalcore-Truppe APRIL IN FLAMES macht den Anfang. Obwohl Metalcore jetzt nicht zu meinen bevorzugten Stilen gehört, muss ich zugeben, dass die Band ihre Sache gut macht und auch die Mucke weit davon entfernt ist, nervig zu sein. Vor der Bühne ist noch nicht sonderlich viel los, aber die geschätzt maximal 100 Besucher finden das Dargebotene für den Anfang schon nicht schlecht, und so gibt es auch ordentlich Applaus.

Nun folgt die erste positive Überraschung des Tages, denn ADDICT aus Koblenz betritt die Bühne und heizt den Besuchern mit oldschooligen Thrash Metal ordentlich ein. Schön schnell und rotzig, so muss das. Das registrieren auch die übrigen Besucher, denn vor der Bühne wird es zunehmend voller. Diese Band sollte man im Auge behalten, denn das ist bereits ein erster Höhepunkt des noch recht jungen Festivals. So darf es gerne weitergehen. Meckern kann man hier nur über die zu kurze Spielzeit, aber dafür kann ja die Band nix.

Bei den Finnen WOLFHEART wird es zum ersten Mal ziemlich voll vor der Bühne. Kein Wunder, denn die Jungs sind richtig gut drauf und haben sichtlich Spaß daran, dem Publikum ihren Melodic Death um die Ohren zu hauen. Den Zuschauern gefällt es auch sehr gut, denn die tauen nun immer mehr auf und die Stimmung wird von Song zu Song besser. Wie schon bei ADDICT ist auch hier mein einziger Kritikpunkt, dass der Auftritt viel zu kurz ist.

Weiter geht es mit den deutschen Deathern DESERTED FEAR, auf die ich mich im Vorfeld besonders gefreut habe, denn das aktuelle Album "Dead Shores Rising" ist für mich eines der Highlights im ohnehin starken Veröffentlichungsjahr 2017. Mit dieser Meinung bin ich offenbar nicht alleine, denn auch bei den anderen Besuchern kommen die Jungs sehr gut an. Nicht nur für mich zählt DESERTED FEAR derzeit wohl zu den vielversprechendsten Bands im Death Metal. Sie legen aber auch einen geilen Auftritt hin, was vom Publikum mit großem Applaus honoriert wird.

Als nächstes steht der Auftritt der Finnen INSOMNIUM auf dem Programm. Wie erwartet geben sich die Jungs aus dem Land der tausend Flüsse keine Blöße und bringen ihren Melodic-Death auch in Geiselwind amtlich auf die Bühne. Die Band bewegt sich sehr viel und bezieht auch das Publikum gut mit ein. Während der Show wird mir bewusst, dass die aktuelle Scheibe der Finnen bei mir aus unerfindlichen Gründen irgendwie untergegangen ist und ich nehme mir vor, das schnellstmöglich zu ändern. Kurz noch mal die Merchstände in der Halle begutachtet, da gibt es neben dem üblichen Festival- und Bandmerch auch Stände mit CDs, Vinyl und vielem mehr von Gruppen, die an diesem Wochenende nicht in Geiselwind spielen. Die Auswahl erscheint auf den ersten Blick recht ordentlich, und viele Besucher werden hier auch bei der Suche nach Weihnachtsgeschenken fündig.

Was nun folgt, ist nur schwer in Worte zu fassen. OVERKILL betritt die Bühne und zeigt vom ersten bis zum letzten Moment, dass die Band noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Ihr Set beinhaltet eine gesunde Mischung aus Songs der aktuellen Scheibe "The Grinding Wheel" und Klassikern aus allen Phasen der Bandgeschichte. Die Energie, welche die Tracks transportieren, ist von Beginn an spürbar und sichtbar, denn der Pit, der sich vor der Bühne bildet, will sich bis zum Ende der Show nicht mehr auflösen. Mit jedem Song scheint die Menge noch aufgeheizter zu sein als zuvor, und Blitz gießt mit seinen Ansagen noch zusätzlich Öl ins Feuer. Als das Ganze dann im letzten Song 'Fuck You' gipfelt und gefühlt die komplette Halle lautstark mitgrölt, ist die Stimmung auf dem absoluten Höhenpunkt angelangt. Wow, was für eine intensive Show!

Nach diesem furiosen Auftritt von OVERKILL ist so ziemlich jedem Anwesenden klar, dass das nur noch schwer zu toppen sein wird. Aber es steht ja noch der Auftritt des heutigen Headliners an. Die beiden Cavalera Brüder Max und Iggor kehren zu ihren "Roots" zurück und perfomen eben jenes legendäre SEPULTURA-Album komplett und am Stück. Obwohl die Band sichtlich bemüht ist und einige Songs sogar besser klingen als auf der Scheibe, schaffen die Gebrüder Cavalera es nicht mal annähernd, eine derartige Stimmung zu erzeugen wie vor ihnen OVERKILL. Viele Zuschauer wirken genau wie der gelegentlich aufkommende Pit ziemlich müde und einige verlassen auch bereits nach wenigen Songs die Halle. Es ist aber auch eine wirklich undankbare Aufgabe, nach einem derartigen Showstealer auf die Bühne zu müssen. Insgesamt zwar ein ordentlich bis guter Auftritt, der aber trotzdem nicht aus dem Schatten von OVERKILL hervortreten kann.

Fazit Freitag: Nach einem langen und ereignisreichen Tag freue ich mich auf mein Bett in einer nahegelegenen Pension. Bei insgesamt sieben Auftritten gab es keinen schlechten zu sehen, dafür aber mit OVERKILL einen überragenden. Das darf am Samstag gerne so weitergehen, das Programm ist ja zumindest sehr vielversprechend.

 

Redakteur:
Hermann Wunner

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