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DIARY OF DREAMS & DIORAMA - Königstein

23.07.2019 | 20:38

06.07.2019, Festung Königstein

Ein emotionaler Klassiker-Abend hoch oben auf der Festung.

Die Veranstaltungsreihe "Festung Königstein Open Air" findet auch in diesem Jahr wieder auf besagter Lokalität statt. Den Auftakt machen 2019 die zwei Bands DIORAMA und DIARY OF DREAMS. Zu bestem Open Air Wetter geht es also in die Sächsische Schweiz. Wer vom Parkhaus nicht zur Festung laufen will oder kann, der nimmt einfach die kleine Bahn. Allerdings kann so kein Zwischenstopp am Imbiss einlegt werden. Der bietet sich nämlich super an, um sich für den Weg und den Abend ordentlich zu stärken. Auf die Festung selbst geht es dann nur per Großraum-Fahrstuhl, inklusive standesgemäßem Bedienpersonal. Oben angekommen erwarten die Besucher die dicken Festungsmauern und eine historische Kulisse. Der Platz vor der Bühne wirkt auf den ersten Blick gar nicht so groß, doch das täuscht ein wenig. Bei der malerischen Kulisse können die Besucher ihre Getränke genießen und selbstredend den Blick von oben in das Tal. Ein paar Stufen hinauf und schon steht man hoch oben. Leider bleibt der schönste Blick auf den Lilienstein und die Elbe verwehrt, da dieser Bereich nicht mehr zum Konzertgelände gehört und somit abgesperrt ist. Neben der furchtbaren Pausenmusik sind das auch schon die einzigen Kritikpunkte.

FESTUNG KOENIGSTEIN

Gegen 19:30 Uhr betreten die Musiker von DIORAMA recht frühzeitig die Bühne. Es ist zwar noch ganz schön hell, doch das tut der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Fans freuen sich lautstark über den Beginn des Konzertes und begrüßen die Band standesgemäß. Als Intro erklingt das Instrumentalstück 'Nebulus', Sänger Torben begrüßt das Publikum zur "Mikro-Tour von DIORAMA und DIARY OF DREAMS" und erklärt auch gleich, dass es sich DIORAMAum das einzige Konzert auf der Tour handelt. So kennt man ihn, immer mal den Schalk im Nacken, trotz nicht immer einfacher Texte. Musikalisch zieht sich das ebenso durch das Repertoire der Band, denn von harten elektronischen Klängen bis hin zu melancholisch-zerbrechlichen Tönen hat DIORAMA alles im Gepäck. Mit 'Beta', das ebenfalls vom 2016er Album "Zero Soldier Army" stammt, geht es weiter. Die Gemäuer rund um die Bühne sind den Musikern vertraut, denn 2015 traten die beiden Bands hier ebenfalls schon auf. Und deswegen hat DIORAMA auch ein paar Songs dabei, die bei anderen Konzerten eher seltener gespielt werden. So zum Beispiel 'Belle?', das mittlerweile auch gut 20 Jahre alt ist. Gepaart mit Klassikern wie 'Child Of Entertainment' oder 'Kein Mord' ergibt das Ganze eine wunderbare und kurzweilige Mischung mit sehr viel Gefühl.

Leider ist der Sound nicht optimal und die Jungs haben immer mal wieder mit technischen Problemen zu kämpfen. Das nervt den Sänger mehr als das Publikum, denn das ist trotzdem in bester Laune. Der Frontmann tritt die Flucht nach vorn an und meint: "Beim Soundcheck hat noch alles super funktioniert! Ja, ich weiß, eine der größten Musikerlügen überhaupt. Wie die Sache mit dem besten Publikum." Und so meint er lachend weiter: "Ihr seid das beste Publikum! - heute Abend." Da er seinem Notebook angedroht hat, es auszutauschen, sollte es noch einmal Ärger machen, hat dieses ihn wohl erhört und arbeitet danach ohne größeren Ärger und Eskapaden weiter. Vor der Bühne wird fleißig getanzt und als Torben noch verrät, dass die Band gerade an einem neuen Album arbeitet, ist die Freude bei den Fans umso größer. Diese wird nur getrübt, als er mit 'Synthesize Me' das baldige Ende des Konzertes ankündigt. Mit einer Reise in die Vergangenheit endet das heutige Konzert in Form von 'Leaving Hollywood'. Der Song, der auch vom Album "Pale" stammt, wird unglaublich gefühlvoll vorgetragen und wirkt sehr intensiv, was nur schwer in Worte zu fassen ist. Was für ein genialer Anschluss! Dieser Ausflug in die Vergangenheit hat sich mehr als gelohnt.

Die Besucher freut es und als sich die Musiker verabschieden, erhalten sie sehr viel Beifall. Die technischen Probleme sind längst vergessen. Vielmehr überwiegt die Freude über die dargebotene Songauswahl. Und bereits jetzt steht fest: Die Band muss bald hierher zurück kommen. Eine Zugabe gibt es leider nicht und so begeben sich die Anwesenden in guter Stimmung in die Umbaupause. Wer es bis dato nicht getan hat, sollte schnell noch einmal den Ausblick genießen, ehe es dunkel wird. Wer nicht ganz so nahe am Konzertgeschehen dabei sein möchte, der kann das gleichzeitig, denn von oben lässt es sich gut in die Ferne schweifen und auch das Geschehen auf der Bühne beobachten.

Setliste: Nebulus; Beta; Odyssey Into The Vacuum; Said But True; Kein Mord; Advance; Child Of Entertainment; Exit The Grey; Belle?; Friends We Used To Know; Ignite; Synthesize Me; Leaving Hollywood3

 

Auch jetzt passt die Hintergrundmusik nicht wirklich zur Veranstaltung. So gut es geht, muss das einfach DIARY OF DREAMSausgeblendet und mit einem Besuch am Merchandise-Stand überbrückt werden. Dieser befindet sich in den Gemäuern der Festung. Solch ein Verkaufsambiente gibt es auch nicht alle Tage. Langsam dämmert es und hinter der großen Bandfahne auf der Bühne steht schon bald DIARY OF DREAMS in den Startlöchern, denn einer der Bühnenarbeiter hält den Vorhang zur Seite, damit die Musiker ungehindert vor ihr Publikum treten können. Das bemerken natürlich auch die Zuschauer in den ersten Reihen und der Sänger animiert sie von weit weg zu den ersten Beifallsbekundungen. Das klappt schon einmal super und so könnte die Stimmung nicht besser sein, als mit 'Made In Shame' vom letzten Album "Hell in Eden" das Konzert eröffnet wird. Auch das Trio um Frontmann Adrian Hates ist in bester Spiellaune und greift heute tief in die Hitkiste. Präsentiert wird ein bunter Blumenstrauß von Melodien. Ähm, halt. Falsche Veranstaltung. Aber wenn einem durch den Sänger so das Alter vorgehalten wird, dann kann so eine Äußerung schon mal passieren. Natürlich serviert die Band im typischen Sound ihre Songs und reißt das Publikum mit. Beim folgenden 'The Wedding' wird schon mal fleißig das Mitsingen geübt. Das muss nämlich klappen, denn nach dem 'Giftraum' folgt schon der 'Traumtänzer'. Eigentlich hat dieser Song in der Vergangenheit immer ein DIARY OF DREAMS-Konzert beendet. Heute ist das aber nicht so und die Fans können sich damit gut anfreunden und singen den Refrain ordentlich mit - dirigiert vom Sänger.

Der hat sich übrigens eine Flasche Weißwein kredenzen lassen und prostet mit seinem Glas des Öfteren den Besuchern zu. Eine Erfrischung können seine beiden Kollegen ebenfalls gebrauchen, denn sie kommen auch ordentlich ins Schwitzen und machen einen tollen Job. Der Sound ist jetzt noch ein wenig besser und von technischen Problemen bleibt die Band größtenteils verschont. Nur DIARY OF DREAMSder Gitarrensound streikt einmal, was aber schnell behoben ist. Zu 'Charma Sleeper' oder 'Chemicals' muss nicht viel gesagt werden, außer dass sie ungemein ins Ohr gehen und im Publikum das Tanzbein geschwungen wird. Immer wieder stachelt der Sänger sein Publikum an, damit es in kollektive Ekstase verfallen kann. Dennoch erfolgt das gut dosiert, damit das Ganze nicht in einer Bierzelt-Atmosphäre verendet. Für den ehemaligen Gitarristen Gaun:A spielt die Band den Song 'Charma Sleeper' und entzündet ein weiteres Hitfeuerwerk an diesem Abend. Wenn neben dem genialen 'Chemicals' noch 'MenschFeind' käme, wäre es perfekt. Leider ist dieses Stück heute nicht im Programm.

Dafür aber 'Butterfly:dance!', das vom 2000er Album "One Of 18 Angels" stammt. Doch zuvor bemerkt der Sänger: "Man sollte nie vergessen wo man her kommt. Danke dass ihr diesen Moment mit uns teilt!" Dem ist nichts hinzuzufügen. Nur seinem weiteren Einwurf, dass er wohl alt geworden ist, da der Song ja nun auch schon 19 Jahre auf dem Buckel hat, ist natürlich deutlich zu widersprechen! Alt ist doch hier keiner. Wir sind doch alle noch jung! Und wenn überhaupt, dann wird gemeinsam mit seinen Idolen gealtert und die mit ihren Fans. Nein, Spaß beiseite. Es ist schon bemerkenswert, wie dieser Output über die Jahre die Fans immer wieder aufs Neue fesselt. Und dabei wird deutlich, wie schnell doch die Zeit vergangen ist. Denn es fühlt sich nicht wirklich wie knapp zwanzig Jahre an, als der Song das erste Mal durch die Boxen hallte.

DIARY OF DREAMSMit 'Kindrom' wird kurze Zeit später schon der letzte Song des Konzertes angekündigt. Noch einmal feiern die Fans ihre Band und bedanken sich am Ende mit viel Applaus. Selbstredend wird nach weiteren Stücken gerufen, als die Band erst einmal von der Bühne geht. Doch es dauert nicht lang und die Musiker sind wieder an Ort und Stelle und präsentieren 'Undividable'. Dazu können die Besucher wieder ausgelassen tanzen und feiern. Während sich die beiden Musiker verabschieden, wird eilig ein Keyboard auf die Bühne gebracht. In der Zwischenzeit bemerkt Adrian Hates: "2015 habe ich schon das gleiche gesagt. Ich geh doch nicht von der Bühne, ohne gemeinsam mit Torben einen Song zu spielen!" Selbiger erscheint dann auch gleich zu lautem Beifall vor dem Publikum. 'She And Her Darkness' wird von den beiden dargeboten und sorgt für pure Gänsehaut. Einige Textpassagen richtet der Sänger direkt an Torben, der am Ende scheinbar mit den Tränen zu kämpfen hat. Tja, was ist dazu noch sagen? In einem DIARY OF DREAMS-Song ist immer Hoffnung, egal wie schwer er auch ist. Besser kann das Szenario und die tiefe Verbundenheit der beiden wohl nicht zum Ausdruck gebracht werden. Das Lied geht vielen sehr nah und es dauert auch einen Moment, bis am Ende der tosende Beifall einsetzt. Unter diesem verabschieden sich alle Musiker von ihren Fans, die natürlich gerne noch mehr hören möchten, doch irgendwann ist nun mal Schluss. Als dann auf der Bühne das Licht angeht, ist es endgültig und die Besucher machen sich langsam auf den Heimweg.

Während die Besucher nun logischerweise am Fahrstuhl anstehen müssen, gibt es aus der Konserve mit THE CURE und SISTERS OF MERCY endlich mal passende Musik. Schade, dass das jetzt erst den Musikverantwortlichen einfällt. So geht es für die meisten entspannt nach Hause von einem tollen und emotionalen Konzertabend. Beide Bands haben tolle Auftritte abgeliefert, die für die Besucher in sehr guter Erinnerung bleiben, und damit ist die Vorfreude auf die nächsten Gigs auf jeden Fall hoch.

Setliste: Made In Shame; Epicon; The Wedding; Malum; Listen And Scream; Giftraum; Traumtänzer; King Of Nowhere; The Curse; Soul Stripper; Sinferno; Charma Sleeper; Chemicals; Endless Nights; Butterfly:dance!; Decipher Me; Kindrom
Zugabe: Undividable; She And Her Darkness

Redakteur:
Swen Reuter

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