DIE APOKALYPTISCHEN REITER, EQUILIBRIUM und DOMINUM - Köln

07.01.2024 | 11:36

28.12.2023, Essigfabrik

Die Kraft des Schreis!

Gleich vorweg, ich werde hier keinen objektiven Bericht liefern. Ich bin tatsächlich voreingenommen! Noch nie, also wirklich niemals, habe ich ein schlechtes Reiterkonzert erlebt. Wahrlich lange habe ich auf diese Gelegenheit gewartet! Die SCHREI!NACHTEN-Konzerte waren stets das absoluten Highlight zum Jahresende.

2018 gab's die letzte SCHREI!NACHTEN Clubtour zwischen den Feiertagen. Über fünf Jahre ist das her, eine verdammt lange Zeit. Die vergangenen Jahre scheinen auch die Reiter etwas gebeutelt zu haben. Ich erinnere mich, dass es eine (der leider vielen) Veranstaltungen war, wo ich das Konzertticket schon lange in der Schublade hatte und das Ticket am Ende dann doch zurückgeben musste. Nach einigen Versuchen, die Tour zu verschieben, wurde die Veranstaltung abgesagt. Was soll man dazu noch schreiben, wir haben gelitten, die Bands leiden noch. Schwer planbare Events, schleppende Ticketverkäufe. Aus eben diesen Gründen ist es mittlerweile ja gängige Praxis, dass drei, vier Bands an einem Abend gebündelt werden. Ich schätze mal, um das Risiko zu minimieren. Das kann ich natürlich schon nachvollziehen, ärgern tue ich mich allerdings, wenn das musikalisch so gar nicht zusammengeht. Heute würde ich sagen, ist die Bandbreite der auftretenden Bands durchaus auch weit gefasst, aber okay.

Den Anfang machen die Powermetaler DOMINUM – einen Tag vor dem Release ihres ersten Albums "Hey Living People". So kann man später am Merch auch schon exklusiv das Album ergattern, direkt signiert von Dr. Dead. Auch wenn die Band nagelneu ist, so hat man sofort den Eindruck, dass da alles Profis auf der Bühne stehen. Souverän und mit Spaß legen die Metal-Zombies einen gelungenen Auftritt hin. Das Material ist natürlich noch weitestgehend unbekannt, aber Dr. Dead und seine Zombies schaffen es durchaus, das Publikum zum Mitmachen anzustacheln. Da hilft ein gecoverter Klassiker zwischendurch natürlich – auf 'You Spin Me Round' von DEAD OR ALIVE wird tatsächlich schon kräftig mitgesungen. Power Metal ist ironischerweise nicht meine bevorzugte Spielart, aber der Auftritt ist gekonnt und es macht durchaus Spaß. Musikalisch eingängiger Power Metal. Nicht verwunderlich, dass die Metal-Zombies es direkt in die deutschen Album Charts geschafft haben – Glückwunsch an die Untoten!

EQUILIBRIUM hatte tatsächlich schon vor 14 Jahren das erste Mal mit den Reitern die Raunächte unsicher gemacht. In diesem Jahr allerdings darf man gespannt sein, der neue Sänger Fabian Getto ist erst seit Sommer diesen Jahres dabei und so mancher langjährige Fan erwartet den Auftritt vielleicht mit gemischten Gefühlen. Bedenken sind aber völlig unbegründet, EQUILIBIRUM eröffnet stark mit der neuen Single 'Shelter'. Zwei großen Trommeln im Vordergrund flankieren die Drums und geben dem Song ordentlich Wums. Aus Fansicht würde ich sagen eine gelungene Songauswahl! Ein Highlight jagt das nächste von 'Rise Again' bis 'Heimat' ist alles dabei. Die Interpretation mit neuem Sänger ist hart, schnell und mitreißend. Der Moshpit geht auf und es wird gefeiert bis zum letzten Takt. Der Fokus liegt zwar eher auf den neueren Alben, aber auch die alten Fan-Girls and -Boys werden nicht enttäuscht, mit 'Blut im Auge' und 'Apokalypse' werden uns zum Schluss noch zwei alte Schätzchen um die Ohren gehauen.

Setliste: Shelter; Renegades - A Lost Generation; Rise Again; Tornado; Prey; Born To Be Epic; Heimat; Revolution; Cerulean Skies; Blut im Auge; Apokalypse

Das Publikum ist ordentlich aufgeheizt – und ganz am Rande, überraschend jung?!? … Euphorisch werden DIE APOKALPYPTISCHEN REITER erwartet und diese Freude erwarte ich im Grunde auch von der Band. Etwas gespannt bin ich schon. Die Nachrichten von abgesagten Konzerten und der Weggang langjährigen Bandmitglieder haben etwas verunsichert. Und dann sind sie da – mit neuer Besetzung und alter Wucht! Die Reiter liefern ab! Die Brüder Titus und Rhogarr, ganz neu an Gitarre und Drums, sind wie die beiden Reiter-Urgesteine Fuchs und Volk-Man mit Herzblut dabei. Auch sie habe erst diesen Sommer ihre ersten Reiter-Auftritte gemeistert. Die Energie und die Empathie, die da ins Publikum schwappt, einfach stark. Und die Fans danken mit absoluter Feierlaune. Der erste Song 'Friede sei mit dir' wird direkt vom Publikum übernommen, alle sind textsicher vom Anfang bis Ende. Nebenbei ist ein absoluter Crowdsurfing-Contest im Gange und die Fans lassen sich auf äußerst kreative Weise im Minutentakt von der Meute vor zur Bühne tragen. Die obligatorische Schlauchboot-Fahrt von Fuchs wird an diesem Abend sogar an eine junge Seemannsbraut verschenkt und im schwarzen Schlauchboot geht die Rundfahrt über die wogenden Köpfe. Die Setliste ist ein Querschnitt durch die Diskografie, alte Songs, neue Songs – und ganz neue Songs. Die EP mit fünf neuen Songs steht für Januar in den Startlöchern und die Zugabe endet mit dem neuen Stück 'Adler fliegen'.

Setliste: Friede sei mit dir; Der Adler; Es wird schlimmer; Herz in Flammen; Revolution; Riders On The Storm; Die Sonne scheint; Auf und nieder; Du kleiner Wicht; Volle Kraft; Wir reiten; Erhelle meine Seele; Wilde Kinder; Seemann; Nach der Ebbe; Zugabe: We Will Never Die; Reitermania; Adler fliegen


Love it or hate it, die Reiter sind eine Band, die polarisiert. Nicht jeder mag da einen Zugang finden, aber darum geht es auch nicht. Sich als Künstler immer wieder auszuprobieren und auch mal ungewohnte Pfade zu gehen ist großartig. Und ja, sie sind absolut eine meiner liebsten Livebands. Wenn man einen Abend zum Tanzen, Loslassen, Mitschreien möchte, bei dem man schweißgebadet und aufgetankt mit Endorphinen die Halle verlässt, dann ist man hier richtig. Selbst schuld, wer hier in der Ecke stehen bleibt.

Redakteur:
Barbara Sopart

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