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DR. LIVING DEAD!, COMANIAC & REZET - Stuttgart

02.03.2018 | 21:08

11.02.2018, Keller Klub

Ein sensationeller Tourabschluss.

Sonntag Abend in Stuttgart, dunkle Gestalten schleichen verschämt um die Häuser, wer hat denn gestern die Kehrwoche nicht ordnungsgemäß ausgeführt? Nichts ist dem Schwaben so heilig wie die Kehrwoche. Doch am Rotebühlplatz herrscht noch Leben. Hier, nahe dem geographischem Mittelpunkt Stuttgarts, haben alle großen Handelsketten ihre Filialen und relativ unscheinbar ist hier auch der Eingang zum Keller Klub zu finden. Ein Club, der 2017 sein 10jähriges Jubiläum feiern konnte, aber auch mal für ein paar Monate in die Insolvenz musste. Und auch heute scheint sich der Zuspruch des Stuttgarter Publikums in Grenzen zu halten, knappe 20 Nasen tummeln sich zu Showbeginn im Gewölbe.

Den Anfang macht heute die Band REZET aus dem Norden Deutschlands, die doch schon ein paar Leute zum Bangen animieren kann. Sänger Ricky wirkt optisch wie eine Mischung aus Tom Angelripper und Klaus Meine und so schnell wie REZET auf der Bühne standen, so schnell ist sie auch wieder verschwunden: Fünf eigene Songs und mit 'Chemical Warfare' ein DEAD KENNEDYS-Cover geben die Schleswiger zum Besten. Da heute übrigens der letzte Tourtag ist, turnen die Musiker der anderen Bands während des Gigs vor und auf der Bühne rum, spielen sich gegenseitig Streiche oder singen beim Cover mit. Das Verhältnis aller drei Bands scheint aber sehr gut zu sein, man reicht sich gegenseitig die Bierflaschen und hilft sofort wenn z.B. der Mikroständer umfällt.

Bei COMANIAC geht es gleich weiter mit der guten Laune, Sänger Jonas Schmid versucht sich bei den Ansagen auf französisch, italienisch und englisch und vergisst zwischendurch, dass man statt aus Finnland ja eigentlich aus Schweden ist. Auch mit den Schweizern wurde eine gute Vorgruppe gefunden, die man sich durchaus merken sollte, nur warum gibt es heute Abend die Musiker alle in Einheitsgröße?

Bei DR. LIVING DEAD! wird es dann plötzlich voll und die Zuschauerzahl ist auf gut 200 Personen an einem Sonntagabend angewachsen. Respekt, in Stuttgart geht doch noch was. Ich hätte nicht gedacht, dass die Schweden so einen guten Ruf haben, aber von Anfang an wird gemosht, getanzt und gesurft. Die Band hat zwar nicht den perfekten Sound wie die beiden Vorgruppen, aber dafür einige Hummeln mehr im Hintern und Band und Publikum stecken sich gegenseitig mit der guten Laune an. Wann sonst kann man einfach so viel Spaß mit einem orangenen Handtuch haben oder sich so daran erfreuen, dass plötzlich "Fucking Spiderman" vor der Bühne steht. Letzter Tourtag halt. Nach ungefähr 90 Minuten sind Band und Publikum ausgepowert  und man stellt fest, dass man einen großartigen Tourabschluss erleben durfte und gleichzeitig die Chance hat Sonntags um 23 Uhr wieder zu Hause sein zu können.

Redakteur:
Björn Gieseler

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