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Dark Tranquillity/Chimaira - Köln

08.01.2006 | 14:58

13.12.2005, Live Music Hall

Gibt es eigentlich etwas Ärgerlicheres, als zu einem Konzert zu fahren und dann die Band die man sehen wollte zu verpassen? Nein, für mich gab es das am 13.12. nicht! Nach einer äußerst stressigen Fahrt und der endlosen Suche nach der Live Music Hall in Köln (ist super wenn jeder schon mal da war, aber auch jeder einen anderen Weg zu kennen glaubt) erreichten wir den Ort des Geschehens, sprich das Konzert von CHIMAIRA, DARK TRANQUILLITY und HATESPHERE, gerade zum Beginn des Sets der schwedischen Melo-Deather. Von HATESPHERE, meinen klaren Favs des Abends, bekam ich nur noch Gitarrist Henrik zu sehen, der fleißig und mit guter Laune Merchandise vertickte. Nach einem sympathischen Schwätzchen widmete ich mich leicht grummelig den Vorgängen auf der Bühne.

DARK TRANQUILLITY, mit denen ich mich nie wirklich beschäftigt habe, fackelten dort ihr Feuerwerk aus urtypischem Göteborg-Riffing und Midtempo-Death ab. Das gut gefüllte Haus ging gut mit, spendete frenetisch Applaus und zollte der absolut livefesten Band gebührenden Respekt. Bei mir sprang der Funke jedoch gar nicht über. Auf CD mögen DARK TRANQULLITY durchaus Spaß machen ("Damage Done" durfte auch bei mir einige Runden drehen), aber live kamen die Schweden bei mir gar nicht an. Durchgängige Musik ohne großartig hervorstechende Höhepunkte, solide, aber nichts Besonderes. Da schien ich "global" gesehen jedoch recht allein zu sein. Nichtsdestotrotz war ich froh, als ich dann kurzerhand als Ersatz für einen nicht erschienen Meet-&-Greet-Gewinner backstage durfte, um ein wenig mit CHIMAIRA zu plaudern.

Die Amis waren fit wie der berühmte Turnschuh, gut gelaunt und ziemlich auskunftsfreudig. Da wurden Riffs verraten, Fotos gemacht und über Gott und die Welt geschnackt. Wie immer sehr sympathisch! Nach einem kurzen Blick auf die Setlist ging es dann wieder hinunter unters Volk, wo DARK TRANQUILITY in den letzten Atemzügen lagen. Die Umbaupause für CHIMAIRA war dann erfreulich kurz, und mit den donnernden Klängen von 'Nothing Remains' eröffneten die Jungs ihr Set. Mark Hunter, backstage noch mit wilder Afrofrisur unterwegs, präsentierte sich offensiv wie immer, und die Drei-Axt-Front Matt DeVries, Rob Arnold und Jim LaMarca bildeten den passenden Rahmen. CHIMAIRA werden, was ihre Bühnenpräsenz angeht, von mal zu mal selbstbewusster, was auch den Songs nochmal mehr Druck verlieh. Höchst spielfreudig zersägte die Band mit einem geilen Mix aus ihren drei Top-Alben die Live Music Hall. 'Power Trip', 'Salvation', 'Severed' – alles dabei. Und mit 'Jade' gab es dazu noch eine für mich sehr wichtige Live-Premiere, die ich mit geschlossenen Augen und heiser mitschreiend genoss. Was mich jedoch arg verwunderte und auch ärgerte war, dass die Kölner irgendwie nicht in die Puschen kamen. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass hier mein lahmstes Konzert-Publikum ever stand. Denn bis auf einige Mosh-Bewegungen bei 'The Dehumanizing Process' und 'Power Trip' hätte man in Reihe Fünf noch bequem ein Buch lesen können. Peinlich – und gemein für CHIMAIRA! Die spielten sich da oben nämlich die sprichwörtliche Seele aus dem Leib – und bekamen es nur schwach gedankt. Kein Wunder, dass die Jungs die Zugabe 'Lazarus' nicht spielten – was mich ziemlich ärgerte. Aber okay, verständlich ist es, schließlich schien auch keiner im Publikum eine zu wollen. Ein etwas getrübter Abschluss eines eigentlich geilen Konzertes, dass mit der richtigen Stimmung noch mehr Eindruck hinterlassen hätte. Dickes "Hui!" für CHIMAIRA, dickes "Pfui!" für Köln!

Redakteur:
Dennis Hirth

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