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Darkness Over X-Mas - Leipzig

04.01.2010 | 12:50

25.12.2009, Werk 2

Eine bunte Mischung aus Metalcore- und Death-Metal-Bands verschafft uns eine nachweihnachtliche Bescherung. Als Erstes wird Leipzig im Werk 2 beschenkt.

Die "Darkness Over X-Mas"-Festival-Tour startet in Leipzig. Nach einem hoffentlich schönen Weihnachtsfest haben HEAVEN SHALL BURN, DARK TRANQUILLITY, SWASHBUCKLE und DEADLOCK wieder den Weg auf die Straße gefunden. Am Gabentisch hängen geblieben sind allerdings CALIBAN, die durch NEAERA ersetzt wurden. Der hohe Anteil an Metalcore-Formationen lockt vor allem junge Zuschauer ins Werk 2 und zwar so viele, dass Fotograph Felix und ich draußen in der Schlange stehen, während drinnen DEADLOCK der Halle einheizen. Zum Glück waren aber noch Enrico und Tine da und liefern uns Bilder und Bericht vom Auftritt der deutschen Kombo.

Tja Pia – wie sag ich immer: Wer sich anstellt, ist nur zu faul zum Vordrängeln. Immerhin gilt es, die Online-Gemeinde mit Bildern und Senf zu versorgen. Aufgrund eines verzögerten Soundchecks schiebt sich der Auftritt der Straight Edger von DEADLOCK noch ein Stück nach hinten, was für alle Beteiligten nur gut sein kann, immerhin kommen so mehr Fans in den Genuss der Truppe. Seit zwölf Jahren unterwegs und auch dieses Jahr zum wiederholten Male auf den großen Festivalbühne der Welt zuhause, haben sie die zweifelhafte Ehre, den Abend zu eröffnen. Stimmungstechnisch macht die Metalcore-Combo Sinn, doch wenn es um Qualität ginge, müssten hier zwei andere Bands den Abend eröffnen. Mit einem Techno-Intro mag der Spaß beginnen. 'Martyr To Science' jagt aus den Boxen, das einem Hören und Sehen vergeht. Was für ein wuchtiger Sound! Und was noch eindrucksvoller ist – Sabines zarte Stimme kann sich eindrucksvoll gegen diese Wand durchsetzen. Johannes und Sabine harmonieren prächtig und heizen dem leider noch spärlich besetzten Werk 2 kräftig ein. Die Setlist ist mit fünf Songs recht übersichtlich und überraschungsarm. Denn genau diese Anordnung hat man schon in so manchem Club Deutschlands gehört. Egal – 'Awakened By Sirens' oder das abschließende 'End Begins' strotzen vor Energie, so dass die ersten Reihen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ins Schwitzen geraten. Prima Opener! [Enrico Ahlig]

01. Discoboys / Manifesto Intro
02. Martyr To Science
03. Code Of Honor
04. The Brave / Agony Applause
05. Awakened By Sirens
06. End Begins

Danke Enrico! Ich werd's beim nächsten Mal beherzigen ;). Mit einem Rapintro kommen SWASHBUCKLE auf die Bühne. In Piratenoutfit und mit Papagei auf der Schulter legen die Amis sofort alles in Schutt und Asche. Die Halle ist schon gut gefüllt und die Band längst keine Unbekannte mehr: Viele Arme gehen in die Luft und vorne bildet sich ziemlich früh ein kleiner Circle Pit. Das Papageienthema wird ausgereizt, als ein Fan sich in Papageienkostüm Richtung Bühne tragen lässt, sie erklimmt und um die Band herumtanzt. So ganz da ist Sänger und Bassist Admiral Nobeard allerdings noch nicht; vom Bandwechsel CALIBAN-NEAERA hat er noch nichts mitgekriegt. Was die Musik – abgesehen von den Texten – mit Piraten zu tun hat, ist mir allerdings nicht ganz klar. Sie spielen Thrash Metal ohne jegliche musikalische Einflüsse, die ich mit Piraten verbinden würde. Einzig die Bühnenoutfits und gelegentliche "Jo-ho!"-Rufe passen zum Image. Als Schlagzeuger Captain Crashride allerdings seine Kluft auszieht und sein durch und durch tätowierter Oberkörper zum Vorschein kommt, ist es eigentlich nur noch lächerlich. Die Fans stört's nicht, sie haben die Weihnachtsstimmung von zu Hause mitgebracht und wollen nur noch feiern und zwar mit einer Wall Of Death und einem anschließenden Moshpit. Später fordern SWASHBUCKLE selbst auch noch eine Wall Of Death, die den vorderen Teil der Halle durchzieht. Backstage schwärmen die drei Piraten noch von dieser Aktion, weshalb die anderen Bands versuchen, sie zu toppen.

Allen voran die Metalcoreler NEAERA, die sich offensichtlich sehr darüber freuen, hier heute spielen zu können. Sänger Benny Hilleke fordert das Publikum gleich zu etwas Sport auf und möchte auch selbst mitmachen, da er und seine Mitspieler an Weihnachten etwas zu viel gegessen haben. NEAERAs Wall Of Death geht fast durch die ganze Halle. Ein paar mutige Stagediver lassen sich davon allerdings nicht aufhalten und segeln über den Moshpit. Die überschüssigen Pfunde scheinen sich bei Benny schnell bemerkbar zu machen – er wirkt etwas außer Atem. Trotzdem bangen er und seine Mitstreiter, was bei ihren Kurzhaarfrisuren recht seltsam aussieht. Auch ein paar Fans headbangen, andere tanzen. Nach der gelungenen Wall Of Death will es Benny ausreizen und fordert einen Circle Pit durch die gesamte Halle. Das ist den Anwesenden allerdings doch zu bunt, die sportlichen unter ihnen laufen nur vorne ihre Runden. Trotz Erschöpfungserscheinungen geben NEAERA alles vor voller Halle – selbst die Garderobe ist voll. Obwohl sie eingesprungen sind, finden sich doch ein paar Fans mit NEAERA-Shirt im Werk 2. Ihre Helden fordern mehr und mehr Crowdsurfer, obwohl sich für einen Supportact schon viele über die Menge tragen lassen. Am Ende steht unterm Strich ein gelungenes Konzert, findet auch Benny. Ihm hat es hier besser gefallen als Heiligabend mit der Familie.

Stilbruch – Zeitreise – DARK TRANQUILLITY! Wie auch auf der kürzlich erschienenen DVD "Where Death Is Most Alive" kommen sie zu 'Treason Wall' auf die Bühne – hier singt allerdings niemand die Gitarrenlinie mit wie beim Konzert in Mailand. Die Schweden kommen nach und nach auf die Bühne und zocken ihren Stil runter. Mit diesem sind die jungen Fans scheinbar nicht ganz vertraut, langsam tauen sie aber auf und sind zu 'Focus Shift' voll da. Allerdings fehlt Keyboarder Martin Brändström. Schlagzeuger Anders Jivarp spielt seine Parts via MacBook ein. Die Violent Dancer können sich erholen, es ist die Stunde der Headbanger. Auch die Arme, die in die Höhe gereckt werden, werden immer mehr. Sänger Mikael Stanne betont, dass DARK TRANQUILLITY sich sehr freuen, wieder in Deutschland zu spielen. Hier seien die Fans einfach klasse und nicht 'Lost To Apathy'. Das ist das Stichwort – die Fans feiern, auch ohne Circle Pit oder Wall Of Death. Als Weihnachtsgeschenk spielen die sechs minus eins Schweden ein Lied vom im Februar erscheinenden Album "We Are The Void" und zwar 'Dream Oblivion'. Anschließend kündigen sie an, bald mit dem neuen Album im Gepäck wieder nach Deutschland zu kommen.  Mit 'Misery's Crown' und 'Final Resistance' (die kommt später auch noch mal) packen DARK TRANQUILLITY noch zwei Kracher aus, bis der 'Terminus' den Schlusspunkt setzt. Die Schweden liefern zwar keinen brillanten, aber einen guten Auftritt ab, der für die nötige Abwechslung und Erholung sorgt. Einziges Manko: Der Gitarrensound ist nicht sauber – es klingt, als seien Niklas Sundins (der sich übrigens mit rotem Hemd von der schwarz gekleideten Band absetzt) Boxen ausgefallen.

Setlist:
01. Treason Wall
02. Lesser Faith
03. Focus Shift
04. Wonders
05. Lost To Apathy
06. Dream Oblivion
07. Misery's Crown
08. Final Resistance
09. Terminus (Where Death Is Most Alive)

Vorhang auf für HEAVEN SHALL BURN, die heute ein Heimspiel haben. Das merkt man auch sofort – die Metalcoreler werden gefeiert wie der Heiland selbst. Die Halle ist voll und alle Hände gehen nach oben. HSB fahren eine tolle Lichtshow auf und schaffen damit zu jedem Song die passende Atmosphäre. Bei 'Voice Of The Voiceless' fordert Sänger Marcus Bischoff (welch passender Name) mehr Bewegung im Publikum. Die Fans lassen sich natürlich nicht lange bitten, aber auch nicht aus der Mitte vertreiben, wodurch der Moshpit wahrhaft kuschelig wird. Marcus bittet die Tänzer, richtig abzugehen, aber dabei aufeinander zu achten. So viel Besinnlichkeit hat man selten auf einem Metal-Konzert. Leider ist der Sound nicht optimal, sondern dröhnt ein bisschen von den hohen Wänden des Werk 2 wieder. Und was ist überhaupt mit Marcus los? Normalerweise hüpft er doch wie ein Flummie über die Bühne und heizt der Menge ein. Hat er gestern etwa zu viel gegessen? Die Verdauung setzt erst beim 'Endzeit'-Intro ein, danach ist er wie ausgewechselt. Der Überhit 'Endzeit' wird natürlich ohne Ende abgefeiert; die Halle grölt: "We are the final resistance!" Auch bei 'Unleash Enlightment' erweisen sich die Fans als textsicher. Gesurft wird auch wieder viel und natürlich darf ein Circle Pit nicht fehlen. Marcus ist sehr bemüht und fragt immer wieder, ob die Zuschauer auch auf ihre Kosten kommen. Bei 0,4l Bier für 2,50 Euro kann man doch nicht meckern! Er selbst scheint aber noch unzufrieden zu sein – er fordert mehr weibliche Stagediver. Was HEAVEN SHALL BURN hier als Lichtshow abliefern ist wirklich gigantisch. Sie finden immer die passende Farbkombination, frei nach dem Motto: Das Auge hört mit! Den Schlusspunkt dieses gelungenen Abends setzt wie immer das EDGE OF SANITY-Cover 'Black Tears'. Danach verabschiedet sich der Tross, um weiter weihnachtliche Stimmung zu verbreiten.

Setlist:
01. Counterweight
02. Murderers Of All Murderers
03. Voice Of The Voiceless
04. Endzeit
05. The Disease
06. Forlorn Skies
07. Unleash Enlightment
08. The Dream Is Dead
09. Of No Avail
10. Ecowar
11. To Inherit Guilt
12. Black Tears (EDGE OF SANITY-Cover)

 

Dank geht an Christin Kersten für die Bilder!

Redakteur:
Pia-Kim Schaper
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