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Deep Purple/Alice Cooper - Mannheim

21.04.2006 | 10:11

17.02.2006, SAP-Arena

Bei meinem Eintreffen gegen 19 Uhr in der ca. 12.500 Besucher fassenden SAP-Arena entgleisen mir mehrfach die Gesichtszüge. Zum einen hätte ich nicht gedacht, dass dieses Package so viele Zuschauer anziehen würde und die Arena nahezu ausverkauft ist, zum anderen bin ich von der Location nahezu erschlagen. Was für ein Palast! Der richtige Ort also, um Musikgeschichte zu schreiben. Ok, ganz so arg war es dann auch nicht...

ALICE COOPER begleitet mich musikalisch seit Anfang der Achtziger, in erster Linie natürlich aufgrund seiner Klassiker älteren Datums wie etwa 'School's Out' oder 'No More Mr. Nice Guy' und nicht erst seit 'Poison', wie bei den meisten Metalheads. Unvergessen ist sicherlich die erste livehaftige Begegnung mit Vincent Damon Furnier - wie der "Fürst der Dunkelheit' in seiner ursprünglichen, sterblichen Hülle getauft wurde - im Jahre 1989 anlässlich des "Trash"-Albums. Nach dem meiner Meinung nach mittelprächtigen Auftritt beim 2004er BYH-Festival ist die Erwartungshaltung meinerseits nicht allzu groß, was sich aber nach einem kurzen, über die Bühne schweifenden Blick meinerseits bessert, da diese wie zu alten Zeiten mit allerlei Spielzeug des Meisters, wie etwa Blechmülltonnen, Guillotine, Sarg und sonstigem Schnickschnack dekoriert ist. Pünktlich um 20 Uhr betritt dann der Mann die Bühne, der schon vor 20 Jahren aussah wie heute, als wäre er erst aus einem Sarg geklettert. Musikalisch wird eine Best-Of-Show dargeboten, die von 'Welcome To My Nightmare', 'No More Mr. Nice Guy' und 'School's Out' die alten Zeiten aufleben lässt und mit 'Poison', 'Feed My Frankenstein' oder der aktuellen Nummer 'Dirty Diamonds' die jüngste Schaffensphase berücksichtigt. Nett untermalt mit allem was traditionell dazugehört, aber heutzutage Niemanden mehr wirklich schockt: die peitschenschwingende Domina, Frankenstein'sche Körperteile, Kunstblut, die Enthauptung mit der Guillotine, Zwangsjacke, Mord auf der Bühne, etc.
Alles in allem ein besonders pädagogisch wertvoller Auftritt also, bei dem alle ihren Spaß haben, wozu auch die äußerst engagiert agierenden Weggefährten ihrem Beitrag leisteten und ich eigentlich nur den "König der Poser" Mr. Ryan Roxie an der Gitarre hervorheben möchte. In dieser Verfassung freue ich mich schon auf die nächste Rundreise von ALICE COOPER.

Die vier Akkorde von 'Smoke On the Water' haben DEEP PURPLE unsterblich gemacht und sorgt mitunter noch heutzutage dafür, das man trotz durchwachsener Veröffentlichungen in den letzten Jahren, noch immer in großen Arenen auftreten darf. Von der klassischen Mark II-Besetzung sind nur noch Bassist Roger Glover, Drummer Ian Paice und Sänger Ian Gillan übrig geblieben, die sich jedoch mit Gitarrist Steve Morse und Organist Don Airey jugendliche Frische in die Band geholt haben. Ok, zumindest Steve Morse ist um die zehn Jahre jünger als die alten Hasen in der Band. Musikalisch brennt auch bei DEEP PURPLE nichts an. Unterstützt von einer effektiven und stimmungsvollen Lichtshow zelebriert man eine Zeitreise durch den PURPLE-Katalog. Den größten Zuspruch findet wie gewohnt das Material aus den seligen "In Rock" und "Machine Head"-Zeiten, wobei gerade 'Space Truckin'' einen ähnlichen Kultstatus hat wie 'Child In Time', jedoch mit dem Unterschied, dass letztgenanntes an diesem Abend erst gar nicht den Weg ins Programm gefunden hat und erstgenanntes erstaunlich kurz ausfällt und nicht, wie gewohnt, sich in einer Klangorgie zwischen Orgel und Gitarre verstrickt. Geschickt überspielt der bestens aufgelegte Ian Gillan seine unüberhörbaren stimmlichen Differenzen, in dem er keinen Hehl daraus macht und das Publikum darum bittet, bei den hohen Passagen mit einem "Squeeking" einzusetzen. Es sollte nicht als persönliche Niederlage gewertet werden, wenn jemand nach weit über 30 Jahren auf der Bühne nicht mehr so singt wie zu Beginn der Karriere. Ian Gillan zeigt sich am heutigen Abend einmal mehr als sympatischer und höflicher Entertainer, der sehr viel Wert auf Konversation mit dem Publikum legt. Die Rhythmussektion harmoniert erneut prächtig, auch wenn sich Roger Glover sehr zurückhält und nur für einen kurzen Moment sein Können bei einem Duell mit Steve Morse aufblitzen lässt. Während sich Don Airey hinter seinem mächtigen schwarzen Klangkasten versteckt, blüht Drummer Ian Paice immer mehr auf. Im Gegensatz zu seinen Kollegen scheint er immer jünger zu werden und sorgt mit seinem filigranen Spiel für glänzende Augen. Gerade das Abrücken vom stupiden, kraftvollen Spiel in Richtung finessenreichen, groovenden Drumming sorgt für Abwechslung, zu der Steve Morse an der Gitarre hier und da auch beiträgt, obwohl er für seine Verhältnisse sehr zurückhaltend am heutigen Abend agiert. Dennoch wird er nach seinem umwerfenden Solo von der Menge frenetisch abgefeiert.

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer Abend, der mit 'Smoke On The Water', einem Medley aus 'Hush/Speedking' und 'Black Night' standesgemäß endet.


Setliste:
Pictures of Home
Things I Never Said
Wrong Man
Eduardo the Mechanic
Living Wreck
Rapture of the Deep
Before Time Began
Mary Long
Contact Lost (Guitar Solo)
Well Dressed Guitar
Lazy
Perfect Strangers (Keyboard Solo)
Kiss Tomorrow Goodbye
Space Truckin’
Highway Star
Smoke on the Water
Hush
Black Night

Redakteur:
Frank Hameister

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