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Dong-Open-Air 2010 - Neukirchen-Vluyn

03.08.2010 | 14:36

23.07.2010, Halde Norddeutschland

Wenn ein großartiges Festival seinen zehnjährigen Geburtstag feiert, kann das nur zu einem Wochenende voller Spaß, guter Laune und passender Musik führen.

Das D:O:A 2010 ist nicht etwa eine Neuauflage des Klassikers "Dead Or Alive", sondern ein kleines, gemütliches Festival, welches aufgrund seiner Lage auf dem Dong-Berg der Halde Norddeutschland "Dong-Open-Air" getauft wurde und dieses Jahr seinen zehnten Geburtstag feierte. Anlässlich des besonderen Datums orderte man unter dem diesjährigen Motto "In Dong We Trust" ein Best-of-Programm der vergangenen Jahre, um so manches Revue passieren zu lassen. Mit dabei waren u. a. die Headliner der ersten drei Jahre, BLOOD RED ANGEL, ADORNED BROOD und SKYCLAD, zusätzlich noch DIE APOKALYPTISCHEN REITER und DARK TRANQUILLITY sowie die beiden Orgabands FOLKEDUDL und CHAINHEART von 2003 und 2004. Hieß es im Vorfeld, dass das diesjährige Dong-Open-Air von einem kräftigen Sturm und heftigen Windböen heimgesucht werden solle, wunderte man sich doch etwas über die zwei Tage voller Sonnenschein, perfekter Festivaltemperaturen um die 28 Grad und lauer Lüftchen. Um es kurz zu fassen: Die großartigen Rahmenbedingungen sorgten dafür, dass auch das diesjährige Dong-Open-Air ein voller Erfolg wurde.

Pünktlich um die Mittagszeit öffneten sich die Tore sowie die Imbissbude und Bierstände, und FOLKEDUDL sowie CHAINHEART läuteten das Festival ein und sorgten ab der ersten Minute für eine fulminante und großartige Stimmung im Zelt. Angereichert mit einem Saxophon und jeder Menge Spaß wurde der knapp sechzigminütige Auftritt der Dong-Organisatoren ein perfekter Anheizer für das Thrash-Feuerwerk, welches GUERILLA und ALL WE HATE aus Köln um 13.30 Uhr in jeweils einer halben Stunde entfachten. Kompromisslos und knüppelhart war dies genau das Richtige, um die knapp 2000 Festivalbesucher auf ein Wochenende voller Party und guter Musik einzustimmen.

Danach standen die Grevenbroicher Pagan-Metal-Pioniere ADORNED BROOD auf den Brettern. Mit einem leicht wässrigen Sound und einem kleinen Vorgeschmack auf das im Herbst erscheinende siebte Album wurden sie von der Menge gefeiert.

Um 16.00 Uhr enterten die Death-Metaller von HATE FACTOR die Bühne, die sich extra für das D:O:A reformiert hatten und ein Feuerwerk vom Stapel ließen, das lediglich vom Sound etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nichtsdestrotrotz bebte der Berg bei den sympathischen Dong-Veteranen aus Krefeld, und die Band war ein gelungener und erfrischender Vorbote der Rocker von MOTORJESUS, deren Auftritt leider etwas verklemmt und gehemmt wirkte. Der Funke wollte nicht so recht überspringen, und sie hatten zudem nach HATE FACTOR und vor dem nachfolgenden Programm einen schlechten Stand beim Publikum. Dennoch war dies eine gute Gelegenheit, den Bierwagen aufzusuchen und bei dem leider selten gewordenen Angebot von 1,50 Euro für 0,5 Liter Bier zuzugreifen. Generell konnten die Preise einem Festivalanhänger die Freudentränen in die Augen treiben: T-Shirts für fünfzehn Euro sowie Getränke und Speisen in einem bezahlbaren Rahmen machen das D:O:A Jahr für Jahr zusätzlich sympathisch.

Nach MOTORJESUS standen mit BLOOD RED ANGEL erneut Veteranen des Dong-Open-Airs auf dem Programm. Die Vorreiter des Rhein-Area-Thrash waren die Headliner im Geburtsjahr des Festivals und machten schon damals live eine Menge Spaß. Leider wurde dieser Auftritt als der letzte für unbestimmte Zeit angekündigt, wodurch die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und ein explosiver Auftritt dargeboten wurde. Die Zuschauer dankten es ihnen, und BLOOD RED ANGEL machten sich mit dem SACRED REICH-Cover 'Independent' meiner Meinung nach unsterblich. Jede weitere Band hätte nachher einen schweren Stand gehabt - außer THE EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, die mit ihrem neuen Album "Headliner der Herzen“ im Gepäck die folgenden sechzig Minuten in Spaß, Spannung und jede Menge Grindcore verpackten. Schließlich bezeichnen sich die Hannoveraner als "eine Loge von fünf Trotteln, die sich zum Ziel gemacht hat, die ach so ernste Metalszene mit Schlager-ähnlichem Krach komplett zu verhorsten", und genau dies zeigten sie auch ihren Fans auf dem Dong-Berg. Bei diesem Auftritt blieb kein Auge trocken, und zu Recht konnten sich die GRINDFUCKERS als "Headliner der Herzen" fühlen.

Aufgrund einer kurzfristigen Änderung der Running Order wechselten die Hamburger von DARK AGE und VAN CANTO die Plätze.

Bei der nächsten Band verwandelte sich in ein wahres Feuer. Lediglich mit einem Schlagzeug und ihren Stimmen ausgestattet, enterten VAN CANTO die Bühne, um uns neben Eigenkompositionen auch die eine oder andere Coverversion vorzustellen, die lautstark mitgesungen wurde. Mit u. a. NIGHTSWISHs 'Wishmaster', 'The Bard's Song' der Krefelder Gardinen, GRAVE DIGGERs 'Rebellion' und ihrem neuen Album "Hero" im Gepäck verstand es das Sextett, seine Fans einmal mehr in seinen Bann zu ziehen und das Zelt auch ohne Gitarren zum Beben zu bringen.

Die Dark-Metaller von DARK AGE gingen aufgrund des Auftritts der vorigen Band leider etwas unter. Die Jungs aus Hamburg feierten dennoch einen gelungenen Auftritt und wurde in den ersten Reihen voll und ganz gefeiert, was sich dann besonders am Ende auch lautstark bemerkbar machte. Mit Songs wie 'Outside The Inside' und 'Zero' kamen die Fans auf ihre Kosten und machten durchaus Appetit auf den restlichen Abend.

Um 22.00 Uhr wurde es dann langsam dunkel, das Zelt färbte sich blutrot, eine Gänsehautatmosphäre war spürbar, und Griechenlands Exportschlager ROTTING CHRIST war nun an der Reihe. Obwohl sich Sänger Sakis Tolis das Bein gebrochen hatte und den Auftritt somit auf einem Hocker absolvieren musste, war die Zeit für teuflisch-guten Death Metal genau richtig. Die Band überzeugte, das Publikum wurde in ihren Bann gezogen, und ROTTING CHRIST haben mit mir nun einen Anhänger mehr.

Um kurz vor Mitternacht wurde es nun Zeit für den Headliner des ersten Tages: DARK TRANQUILLITY. Obwohl sie einen soliden, aber für mich relativ unspektakulären Auftritt auf die Beine stellten, fragte man sich, ob die Schweden ihrem Headlinerstatus gerecht wurden. Meiner Meinung nach nicht, fragt man jedoch das proppenvolle Zelt, welches die Melodic-Deather und Quasi-Gründerväter der Göteborger Schule bis tief in die Nacht feierte, wird dieses etwas anderes antworten. Dennoch waren DARK TRANQUILLITY sowohl vom Namen als auch vom Auftritt her ein würdiger Headliner, wie bereits zwei Jahre zuvor.

Nach diesem fulminanten ersten Tag verschwand man dann auch gut angetrunken und mit BON JOVIs 'You Give Love A Bad Name' im Kopf, welches von morgens bis abends in regelmäßigen Abständen von uns über den kompletten Berg gegrölt wurde, im Zelt und freute sich wie ein kleines Kind an Heiligabend auf den zweiten Tag des Dong-Open-Airs. Im Übrigen wurde dieser kultige, aber eigenwillige Ohrwurm nur getoppt von der sogenannten "Müll-Man-Group": Einem Kollegen ging der Campingstuhl zu Bruch, woraufhin mit den einzelnen Stangen auf den zusammengebundenen Mülltonnen in der Umgebung getrommelt wurde. Selbst nach einer Dreiviertelstunde war dies noch hörenswert, und der Kultcharakter ist nur sehr schwer zu übertreffen, auch wenn der Takt nicht immer eingehalten wurde.

Der nächste Tag sollte mit einem Ausrufezeichen beginnen. Anfangs von der Band nicht sonderlich beeindruckt, sollten GUN BARREL den mit Abstand besten Gig des gesamten Festivals absolvieren. Der mit Doublebass verfeinerte Heavy Metal der sympathischen Band ging sofort ins Ohr. Leider war das Zelt zu diesem Zeitpunkt nur zur Hälfte gefüllt, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Gegen 13.45 Uhr war dieser sensationelle Auftritt schon vorbei, doch um Trübsal zu blasen, blieb keine Zeit, da bereits die Hochgeschwindigkeits-Death-Metaller von JACK SLATER in der Startlöchern standen. Um spätestens 13.00 Uhr sollte dann auch jeder wach gewesen sein, da die Kölner einmal mehr den Berg zum Beben brachten und eine unterhaltsame und äußerst sehenswerte Show auf die Beine stellten. "Die Rocky Horror Picture Show" soll hier als Stichwort genannt werden.

Nahtlos ging es dann mit den vier Hagenern von INSIGNIUM und SYNASTASIA aus Duisburg weiter. Beide Bands gaben Vollgas, waren kaum zu bremsen und verbuchten einen Erfolg auf der ganzen Linie. Viel Zeit zum Verschnaufen gab es jedoch nicht, da sich bereits um 16.00 Uhr meine persönliche Überraschung des vergangenen Jahres anbahnte. Die Rede ist von den Berlinern ORPHAN HATE, die mit ihrem dynamischen Thrash Metal und ihrer Frontfrau Sina die Menge sofort in ihren Bann zogen. Wie bereits 2009 gingen sie sofort in die Vollen und machten es für die folgenden Bands äußerst schwer, die jetzt schon sensationellen Auftritte noch mal zu übertreffen. Dies gelang RAINTIME auch leider nicht. Zwar boten sie mit ihrem progressiven Power Metal eine Abwechslung im Billing, ließen jedoch die Spritzigkeit und Dynamik irgendwie im Regen stehen. Die von mir mit Vorfreude erwarteten ELVENKING sollten einen ähnlichen Stand wie RAINTIME haben. Zusätzlich mit einem sehr schlechten Sound kämpfend, hatten die italienischen Folk-Metaller zwar ihre Fans, jedoch nicht das gesamte Zelt auf ihrer Seite. Schade, da sie dennoch einen soliden Gig mit einigen guten Ansätzen auf die Beine stellten.

Gegen 19.00 Uhr stellten sich dann viele die Frage, ob gute Musik überhaupt aus Andorra kommen kann. Kaum wurde diese Frage laut ausgesprochen, legten PERSEFONE auch schon los wie die berühmte Feuerwehr. Auch die Andorraner versuchten, die Menge mit ihrem Prog Metal zu begeistern, was ihnen in meinen Augen besser gelang als RAINTIME oder ELVENKING. Mit ohrwurmtauglichen Melodien heizten sie dem Publikum ordentlich ein.

 

 

Obwohl die folgende Band um Sänger Thomas Gurrath in den vergangenen Monaten doch häufiger in den Medien vertreten war, wusste man genau, was man von DEBAUCHERY erwarten kann: eine einmalige Show mit viel Kunstblut. Und die Menge sollte von dieser Death-Metal-Dampfwalze auch nicht enttäuscht werden. Wie bereits einige Jahre zuvor geriet ihr Siegeszug auch auf dem Dong-Open-Air nicht ins Stocken, und die Fans dankten es ihnen mit lautstarken Sprechchören und zufriedenen Gesichtern. Aber wer meinte, dass das Zelt nicht voller werden kann, der hatte wohl vorher noch nie einen Auftritt unserer Lieblingssuperhelden aus Niedersachsen miterleben dürfen. Die Veteranen des D:O:A, GRAILKNIGHTS, suchten auch 2010 den heiligen Gral auf dem Dong-Berg und verbanden diese Mission mit vielen Mitgrölnummern und einer Menge Spaß. Mit ihren schrägen Outfits und ihrem noch schrägeren Humor gelang es ihnen, auch dem Letzten Besucher zu gefallen und einen Erfolg auf der ganzen Linie einzuheimsen.

Nach diesem Auftritt wurde es langsam Gewissheit, dass auch dieses Festival zu Ende gehen musste. Es wurde langsam dunkel, doch die Stimmung war auf ihrem Höhepunkt, als um 22.00 Uhr dann der nächste Hauptact auf die Bühne kam. Mit einer langen Historie und dem Ruf als "Lieblingsband der Dong-Orgas" versuchten SKYCLAD, die Stimmung aufrechtzuerhalten. Mit ihrem Folk-Metal und insgesamt zwölf Alben im Gepäck gelang ihnen dies auch, und somit konnten sie ihren zwanzigsten Bandgeburtstag standesgemäß feiern. Die Band, die sich damals aus der NWoBHM-Formation SATAN und den Thrashern SABBAT zusammensetzte, war der passende Anheizer für die folgende, letzte Band des Festivals: DIE APOKALYPTISCHEN REITER. In mehr als zwei Stunden ließen sie ein Best-of ihrer Diskographie vom Stapel. Das Beste aus insgesamt fünfzehn Jahren, sieben Studioalben und unzähligen Liveshows wurde auf die Menge losgelassen. Die Mannen um Fuchs und Dr. Pest wurden ihrem Headlinerstatus absolut gerecht. Kein Klassiker wurde vermisst, und der negative Beigeschmack, dass die Herren einmal mehr äußerst lange für den Soundcheck brauchten, war nach ihrem Auftritt auch verschwunden. Auf den einzelnen Campgrounds ging die große Party danach weiter und endete erst in den frühen Morgenstunden. Die Bierbuden wurden oft angesteuert und sorgten neben den Auftritten der Bands für eine ausgelassene Stimmung.

Es bleibt festzuhalten, dass auch die zehnte Auflage des Dong-Open-Airs als Erfolg verbucht werden kann und die Rahmenbedingungen (Musik, Preise, Atmosphäre, Wetter) für ein Festival perfekt waren. Um ehrlich zu sein, ist solch ein kleines Festival mit einer Besucherzahl von knapp 2000 um einiges gemütlicher als das Wacken Open Air mit dem fünfzigfachen Besucheransturm. Das D:O:A hat großen Spaß bereitet und konnte einmal mehr das halten, was es im Vorfeld versprach.

Es sei noch angemerkt, dass der Verfasser dieses Artikels seinen Rucksack samt Inhalt auf dem Dong-Berg vergaß. In der Hoffnung, ihn wiederzufinden, und voller Vorfreude auf nächstes Jahr bin ich auch 2011 wieder dabei, wenn es heißt: Der Dong-Berg ruft.

Redakteur:
Marcel Rapp

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