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Dornenreich - München

29.09.2009 | 11:02

18.09.2009, Metropolis

Episch, düster, symphonisch, majestätisch - LAUT! DORNENREICH, AHAB und FJOERGYN machen die Nacht zum Tage.

Eine Tour der Extraklasse haben sich die Nachbarn aus Österreich da ausgedacht: DORNENREICH lassen sich am heutigen Abend nämlich von den tollen Doomern von AHAB und den absolut außergewöhnlichen FJOERGYN begleiten. Nach einem knapp zweistündigen Interviewmarathon schaffen wir es direkt zur ersten Note von FJOERGYN, die mit einer Überraschung aufwarten, nicht wahr, Tim?
[Julian Rohrer]

Ganz genau, wenn ich an FJOERGYN denke, dann denke ich meistens an gute Musik und leider schlechten Live-Sound. So bin ich sehr überrascht, als FJOERGYN den ersten Song anstimmen und dieser richtig gut rüberkommt. Was folgt, ist eines der besten Konzerte dieser Band, das ich gesehen habe. Gleich zu Beginn geben sie Einblicke in das neue Album "Jahreszeiten" und bringen dessen rockigeren Sound voller Energie auf die Bühne. Daran muss sich das Publikum allerdings erst noch gewöhnen, und so entsteht am Anfang des Konzerts noch relativ wenig Bewegung, was sich mit dem Song 'Fjoergyn' allerdings schlagartig ändert.
[Tim Starck]

Mit einer verdammt starken Leistung überzeugt das Quartett aus dem wunderschönen Thüringen restlos. Stimmlich ist Stephan heute topfit, und das, ja wie bei einem derart komplexen Sound-Gefüge nicht anders zu erwarten, tut der Atmosphäre im Metropolis an diesem Abend einfach richtig gut. Umso überraschender ist es für die Anwesenden, dass sich FJOERGYN nach knapp zwanzig Minuten auch schon wieder von der Bühne verabschieden – allerdings nicht, ohne die Quasi-Bandhymne 'Narziss(t)' vom 2007er "Sade Et Masoch" gespielt zu haben. Mit einer derart starken Leistung wüsste ich nicht, was FJOERGYN in Zukunft von den Brettern dieser Welt abhalten sollte – und das Publikum dankt dem Einsatz entsprechend: haltlos.

Deutlich gesetzter, dunkler, doomiger und ... nasser geht es bei den nautischen Seemännern um Käpt'n AHAB zu. Mit dem bärenstarken Album "The Divinity Of Oceans" im Gepäck bietet sich dem Publikum im Metropolis eine wahrhaft stürmische Reise durch die weite See. Zwei mal zwei macht vier, in diesem Fall sind es zwei alte und zwei neue Songs, die von den Abenteuern in den düsteren Welten des verlangsamten, eindrucksvollen, gleichsam majestätisch ruhigen Doom berichten. Gerade live fällt auf, dass die teils erdrückenden Melodien von dem energischen Schlagzeugspiel von Corny Althammer leben und dadurch erst ihre massive Wucht entfalten.

Wenn man den Blick über das Publikum schweifen lässt, so bietet sich ein interessantes Bild: Während die einen mit offenen Augen staunen oder gar ihr Haupthaar schütteln, träumen sich andere mit geschlossenen Augen in die Musik hinein. Ergriffen scheint aber so gut wie jeder zu sein.

Leider endet das epische Doom-Gewitter viel zu schnell mit 'The Hunt' von "The Call Of The Wretched Sea". Zufrieden sind jedoch alle, und wenn der Eindruck nicht täuscht, nimmt die Verteilung der AHAB-Shirts im Laufe des Abends gar inflationäre Züge an. "Sail And Kill" eben.
[Julian Rohrer]

Schon der Umbau von AHAB zu DORNENREICH weckt Vorfreude: Ein Barhocker steht einsam auf der Bühne, davor ein Mikro. Akustikshow, könnte man meinen. Und in der Tat: DORNENREICH betreten kurze Zeit später unter lautem Jubel die Bühne und setzen ohne große Umschweife zum ersten, akustisch vorgetragenen Song 'Drang' an. Das Publikum ist von der ersten Sekunde an begeistert, und es scheint es nicht zu kümmern, ob die Musik gerade ruhig und atmosphärisch oder wild und brachial ist: Gebangt und getanzt wird immer.

Die Atmosphäre hüllt einen schnell ein und trägt das Publikum auf "Nachtreisen" davon. Nach dem sanften Einstieg folgen härtere Lieder, darunter viele alte Klassiker wie 'Lebend lechzend Herzgeflüster', 'Der Hexe flammend’ Blick' oder 'Grell und dunkel'.

Bei 'Eigenwach' gibt es speziell für die Münchner Show eine Überraschung: Der ausgebildete Opernsänger Thomas Helm – waschecht metallisch mit einem ULVER-Shirt angetreten – unterstützt die Österreicher auf der Bühne mit vollem Gesang und bleibt bis zum Ende der Show als vierter Mann auf der Bühne. Das heißt, genau genommen kommt er erst mit 'Grell und dunkel' richtig an, da es während 'Eigenwach' noch Probleme mit dem Sound gibt und man keinen Ton von ihm hört.

Unabhängig von diesen Problemen zwischen Kunst und Technik wird der Monolog in 'Grell und dunkel' vom Publikum mitgesprochen, geflüstert, gekreischt und geschrien. Während eines kurzen Soundchecks singt Thomas Helm in bester Dickinson-Manier diverse Töne an, welche das Publikum nachzusingen versucht - und dabei kläglich scheitert. Thomas winkt nach dem zweiten Versuch mit dem Kommentar "hoffnungslos!" ab und gibt sich schließlich mit dem Sound zufrieden.

Nach 'Trauerbrandung' gehen die Musiker schnell von der Bühne, lassen sich aber auch nicht lange um eine Zugabe bitten, sondern treten mit 'Wer hat Angst vor Einsamkeit' zum Finale wieder auf. Die opernhafte Unterstützung verleiht dem Song eine ganz andere Wirkung, sehr hymnisch und stimmungsvoll.
[Tim Starck]

Irgendwie hat es ja was, wenn man zu herrlich christlichen Zeiten aus einem Club rauskommt. Doch wenn das so extrem auf die Spielzeiten der Bands drückt, stellt man sich schon Fragen. Auch das interessante Publikum, das quasi mit den letzten Tönen DORNENREICHs in die Halle strömt, wirft die eine oder andere Frage auf, und zwar nach Stil, Benehmen und ... ach egal, lassen wir das. Solch ein Package auf Tour macht richtig Laune und zeugt davon, dass auch drei mehr oder weniger unterschiedliche Bands mit einem größtenteils unterschiedlichen Hörerkreis von vorne bis hinten überzeugen kann. Und so bleibt festzuhalten: Ich will mehr – und zwar bald!

Redakteur:
Julian Rohrer

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