Dream Theater - Böblingen

15.02.2004 | 09:37

24.01.2004, Sporthalle

Auch wenn DREAM THEATER mit ihrem neuesten Album "Train Of Thought" nicht nur auf Gegenliebe gestoßen sind - mir persönlich hat es sehr gut gefallen. Schließlich haben die fünf Ausnahmemusiker aus New York endlich genau die Platte veröffentlicht, die ich mir schon lange von ihnen erhofft hatte, nämlich mit einer Ausrichtung in härtere Gefilde. Und da ihre Konzerte auch in der Vergangenheit immer eine mehr als lohnenswerte Angelegenheit waren, war es natürlich klar, dass ich mir auch dieses Mal ein Konzert ihrer Europa-Tour anschauen musste. Meine Wahl fiel dabei auf Böblingen, auch wenn die dortige Sporthalle nach meiner Meinung nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein exzellentes Konzerterlebnis bietet...

Obwohl ich mich an diesem Abend zunächst mit widrigen Witterungsverhältnissen und schlecht organisierten Akkreditierungsstellen bei gewissen Plattenfirmen herumärgern musste, habe ich es dennoch rechtzeitig in die Halle geschafft und mir bis 20.00 Uhr auch einen ganz passablen Platz gesichert. Pünktlich ging auch das Licht in der Halle aus, und die "An Evening With DREAM THEATER"-Show konnte beginnen. Doch anstatt eines "normalen" Intros flimmerte dieses Mal ein Video über die größte der drei Leinwände, die am Bühnenhintergrund angebracht waren und die während des gesamten Konzerts in das Geschehen miteinbezogen wurden. Das Video zeigte einen historischen Rückblick über die gesamte Bandgeschichte - von den frühen MAJESTY-Tagen bis in das Jahr 2004. Dabei wurde jedes Album - sogar die Live-Scheiben - besonders gewürdigt und mit entsprechenden Videosequenzen untermalt. Schon dieses mehrminütige Vorspiel kam bei den zahlreichen Fans sehr gut an, sodass bei den entsprechenden Songausschnitten lautstark mitgesungen wurde. Genau rechtzeitig, nämlich als man beim Jahr 2004 angekommen war, kam dann auch die Band auf die Bühne, um mit dem Opener des aktuellen Albums, 'As I Am', in das eigentliche Konzert einzusteigen. Die Band - aber das ist ja bei DREAM THEATER nichts Neues - präsentierte sich ausgesprochen spielfreudig und äußerst agil. Sogar Jordan Rudess konnte - dem Drehfuß seines Super-Keyboards sein Dank - seinem Bewegungsdrang nachgeben, und so war Drummer Mike Portnoy wirklich der Einzige, der stillsitzen musste (zumindest mehr oder weniger ;-)). DREAM THEATER ließen mit 'This Dying Soul' gleich noch einen weiteren "Train Of Thought"-Song folgen, ehe sich James LaBrie an das Publikum richtete, und für den Hinweis, dass man nun etwa drei Stunden zusammen verbringen würde, erntete er selbstverständlich tosenden Applaus. Musikalisch ging es anschießend mit 'Caught In A Web' vom "Awake"-Album weiter, ehe auch die etwas umstrittene "Falling Into Infinity"-Scheibe mit 'Peruvian Skies' zu Ehren kam. Danach wurden zunächst zwei Teile des monumentalen 2002er-Titelsongs 'Six Degrees Of Inner Turbulence', nämlich 'War Inside My Head' und 'The Test That Stumped Them All', zum Besten gegeben - zwei weitere Teile ('Goodnight Kiss', 'Solitary Shell') sollten später noch folgen. Mit 'Under a Glass Moon' ging es erstmal wieder weit zurück in der Bandhistorie, bevor mit 'Endless Sacrifice' bereits der dritte aktuelle Song auf dem Plan stand. Das störte das Publikum aber nicht im Geringsten, denn gerade dieser Song wurde ganz begeistert aufgenommen, und es wurde auch lautstark mitgesungen. Der überragende "Scenes From A Memory"-Output wurde im bisherigen Verlauf noch gar nicht berücksichtigt, doch mit 'Finally Free' sollte sich dies ändern. Dabei wurde dieser Song von einem absolut genialen Video begleitet, das mich fast noch mehr in den Bann zog als der Song selbst. Damit verabschiedeten sich DREAM THEATER vorläufig, denn es sollte eine fünfzehnminütige Pause folgen. Damit die Zuschauer bzw. -hörer rechtzeitig wieder an ihrem Platz waren, wurden auf der Leinwand in Form einer Zugabfahrtsmeldung die Minuten heruntergezählt. Das Publikum war dann auch ziemlich pünktlich 'abfahrtsbereit' - lediglich der DREAM THEATER-Express fuhr etwas verspätet los...

Als die Band aber dann doch auf der Bühne war - Jordan Rudess mit einer KISS-Maske (wieso auch immer...) und John Myung mit einem ganz extravaganten Bass -, ging es mit den "Falling Into Infinity"-Song 'New Millennium' weiter. Das nächste "Train Of Thought"-Stück ließ auch im zweiten Teil nicht lange auf sich warten, und so folgte sofort danach 'Honor Thy Father'. Besonders beeindruckend war hier, als bei der Textzeile "Don't cross the crooked step" ein riesiger Kopf auf der Leinwand erschien - quasi eine perfekte Kompositon von Musik und Bild. Da DREAM THEATER dafür bekannt sind, dass sie bei der Songauswahl jedes Album berücksichtigen, durfte natürlich auch das Debüt in der Sammlung nicht fehlen, doch mit 'The Ones Who Help To Set The Sun' folgte ein Song, den ich nicht unbedingt auf der Rechnung hatte. Doch auch wenn diese Nummer etwas überraschend kan, so wurde sie doch nicht weniger begeistert aufgenommen als die vorangegangenen Songs - ganz im Gegenteil. Danach gab es die bereits angesprochenen zwei Ausschnitte aus 'Six Degrees Of Inner Turbulence' zu hören. Bei 'Solitary Shell' hat John Petrucci im Übrigen ganz tief in seinen Gitarrenkoffer gegriffen und eine doppelhalsige Gitarre ausgegraben. Auch danach machten DREAM THEATER mit ihren Unberechenbarkeit weiter, denn wer konnte schon ahnen, dass sie die "Awake"-Trilogie 'A Mind Beside Itself' komplett spielen würden?!? Sie haben es jedenfalls getan, und vor allem bei dem Instrumental 'Erotomania', bei dem das MAJESTY-Logo wild über die Leinwand wuselte, konnten sich die Herren Musiker so richtig austoben. Bei 'Voices' war dann selbstverständlich auch James LaBrie, der überhaupt an diesem Abend eine sehr gute Vorstellung bot - war in der Vergangenheit ja nicht immer so - wieder mit von der Partie. Der dritte Teil, 'The Silent Man' wurde schließlich in einer Stromgitarrenversion gespielt und durch Ausschnitte aus dem zugehörigen Video untermalt. Danach war dan auch schon fast Schluss, denn DREAM THEATER spielten lediglich noch den ausstehenden Song vom aktuellen Album, 'In The Name Of God', aber da dieser mit einer Viertelstunde zu Buche schlägt, ist das ja auch nicht gerade nix. Danach wollten es die US-Amerikaner wie angedeutet eigentlich bewenden lassen, doch das Publikum war damit natürlich nicht einverstanden. Und so hatte die Band kaum eine andere Wahl als noch einmal auf die Bühne zu kommen. Als Zugabe hatten sie sich 'Metropolis - Pt. 1' ausgesucht, und damit rannten sie bei der Zuhörerschaft selbstverständlich offene Türen ein. Während des längeren Instrumentalteils stoppten die Musiker von einem Moment auf den anderen - sehr zur Verwunderung aller -, und Mike Portnoy kam mit einer Geburtstagstorte nach vorne gelaufen. Wie sich herausstellte, hatte John Myung an diesem Abend Geburtstag, und da war dann natürlich auch noch ein Geburtstagsständchen von der gesamten Zuhörerschaft fällig. Ihm war das sichtlich unangenehm, da er seinen gewohnten Blick vom Boden nehmen musste - für einen introvertierten Menschen keine einfache Sache. Als alle Musiker wieder auf ihrem Posten waren, setzten sie den zuvor unterbrochenen Song fort, und zwar natürlich exakt an der selben Stelle. Danach war dann aber endgültig Schluss, denn trotz erneuter Beifallsstürme und "Zugabe"-Rufe ließ sich die Band nicht noch einmal auf die Bühne zurücklocken...

Wie nicht anders zu erwarten, war auch dieses DREAM THEATER-Konzert wieder eine großartige Sache. Über die grundsätzlichen musikalischen Fähigkeiten dieser Band muss sowieso nichts mehr gesagt werden, und auch an diesem Abend waren sie alle fünf (!) in Topform. Auch die Setlist ging - obwohl Songs wie 'The Killing Hand', 'Pull Me Under', 'Take The Time', 'The Mirror', usw., usf. gefehlt haben - mehr als in Ordnung; drei Stunden sind eben viel zu schnell vorbei. Und so kann ich eigentlich nur sagen: Wer dieses - oder auch ein anderes - Konzert von DREAM THEATER nicht miterlebt hat, der hat auf alle Fälle etwas verpasst!


Setlist:

1. As I Am
2. This Dying Soul
3. Caught In A Web
4. Peruvian Skies
5. War Inside My Head
6. The Test That Stumped Them All
7. Under a Glass Moon
8. Endless Sacrifice
9. Finally Free
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10. New Millennium
11. Honor Thy Father
12. The Ones Who Help To Set The Sun
13. Goodnight Kiss
14. Solitary Shell
15. Erotomania
16. Voices
17. The Silent Man
18. In The Name Of God
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19. Metropolis - Pt. 1

Redakteur:
Martin Schaich

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