Dream Theater - Erlangen

16.11.2007 | 20:55

22.10.2007, Heinrich-Lades-Halle

Dream Theater Konzert in Erlangen mit Symphony X als Vorband

Bereits die Nachricht, dass DREAM THEATER und SYMPHONY X in Erlangen spielen würden, ließ mich schon durchdrehen. Eine kleinere Studentenstadt wie Erlangen und so große Bands zusammen, das wirkte dann ein bisschen unwirklich. Ebenso wie die Auflage, keine Fotos schießen zu dürfen (was leider auch für die Presse galt) und die hohen Merchandisepreise, die so auch noch nie in einem Erlanger Konzert zu sehen waren, ganz zu schweigen von der gewaltigen Masse an Menschen, die sich bereits Stunden vor dem Auftritt vor der Halle versammelt hatten.

Dass diese Bands dann auch noch im selben Raum spielen würden, in der ich meine Abschlussprüfung geschrieben hatte, grenzte fast an das Unwirkliche. Doch bereits in dieser Ankündigung zeigte sich bereits, dass eine Mehrzweckhalle wie die Heinrich-Lades-Halle wohl nicht ganz der richtige Ort für ein Konzert in diesem Ausmaß sein würde.

Und schon bei SYMPHONY X zeigten sich die ersten Probleme der viel zu großen Halle: Wer nicht zum eigenen Schutz mit Ohrenstöpseln zum Konzert erschienen war, musste erstmal aus dem starken Hall, den die große Halle mit sich brachte, die Instrumente als auch den Sänger herausfiltern. Da die Zeit für das Konzert leider nur auf 45 Minuten begrenzt war, gelang es auch den anwesenden Tonmeistern nicht, das Ganze in ein halbwegs hörbares Maß zu bringen. Für diejenigen mit Ohropax war es allerdings ein hervorragendes Konzert, was nicht nur an der atemberaubenden stimmlichen Leistung von Russel Allen lag, der an diesem Abend so manche Stellen auf den CDs überbieten konnte, auch das Publikum ging begeistert mit. Obwohl das etwas härtere Riffing von SYMPHONY X nicht bei jedem anwesenden seine Zustimmung fand, ging doch so manches Haupthaar in den Senkrechtflug, und besonders bei neueren Songs wie 'Inferno (Unleash The Fire)' oder 'Paradise Lost' stimmten eine Menge Fans in den Text mit ein. Auch wenn nach kurzer Zeit wieder Schluss war und viele, viele Songs keine Beachtung in der Setlist fanden, hätte der Einstieg bandtechnisch gar nicht besser gewählt sein können.

Den größten Teil des Abends nahmen aber natürlich DREAM THEATER für sich ein, und auch ein sehr, sehr großen Teil der Bühne. Zu Anfang sah man davon zwar nichts, aber sobald die Ampel am oberen Teil der Bühne von Rot auf Grün geschaltet hatte, gab es zu den Tönen von 'Also sprach Zarathustra' von Richard Strauss die gesamte Einrichtung der Bühne zu bestaunen, während auf der Leinwand dahinter der obligatorische Rückblick über das Schaffen von DREAM THEATER darstellte. Die meiste Fläche nahm die Deko im Stil des aktuellen Albums "Constant Motion" ein, ein nicht minder beachtlicher Teil wurde für das Schlagzeug von Mike Portnoy gebraucht, der sich sogar ein kleinen Punchingball leisten konnte, falls es dem Trommelmaestro mal langweilig werden würde. Auch die vielen Keyboards für Jordan Rudess, drei an der Zahl, kosteten einiges an Platz. Nachdem die Jubelstürme endeten und die Aufmerksamkeit auf die Musiker gerichtet war, begann der Abend, der unheimlich stark von neueren Werken gefüllt war. Neben den "Systematic Chaos"-Krachern 'Constant Motion', 'The Dark Eternal Night' sowie das komplette 26-minütige (!) 'In The Presence Of Enemies' war auch die "Six Degrees Of Inner Turbulence" mit 'Blind Faith' vertreten, "Train Of Thought" gab sich mit 'Endless Sacrifice' die Ehre und "Octavarium" schlug mit 'Panic Attack' zu Buche. Da ist es schade, dass von den alten Sachen nur 'Surrounded' von "Images And Words" und 'Home' von "Metropolis Pt. 2" gespielt wurden. So gab sich im Hauptset mehr die harten Knaller die Bühnenpräsenz als die lockeren, alten Sachen. Doch auch das neuere Liedgut kam gut an, dafür sorgten neben der unglaublichen Spielkunst der anwesenden Musikern mit starker Betonung auf Rudess und Petrucci, die sich immer wieder Solotechnisch hervor taten, auch die Untermalung der Songs durch Filme auf der Leinwand hinter den Musikern. Egal ob psychedelische Farbenspiele, eine animierte Version des Plattencovers oder ein Spielfilm zu 'Home', wer es schaffte, die Finger von den wilden Flitzattacken abzuwenden, durfte sich an einer großen Zahl an visuellen Untermalungen erfreuen. Höhepunkt des Ganzen bildete der animierte Zeichentrickfilm zu 'Dark Eternal Night', der einen Kampf von DREAM THEATER gegen einen Menschenkontrollierenden Wolf darstellt und in seinem Zeichenstil kleinen Kindern ohne Frage Albträume bescheren würde. Die Musiker selbst waren ebenfalls in Höchstform: Egal ob der in seinem eigenen Bassspiel gefangene John Myung, der faszinierend agile James LaBrie oder der immer gut gelaunte und lockere Mike Portnoy, zusammen mit dem bereits erwähnten Rudess und Petrucci bildete die Band eine hervorragende Einheit auf der Bühne, die man so erst livehaftig richtig bemerken konnte. Auch abseits der Bühne ließ sich eine große Zustimmung für die Band beobachten, die neben Applausstürme und Textsicherheit auch die entsprechende Andacht entgegen brachte, wenn Petrucci wieder für seine Soli in die Saiten griff. Ebenfalls bemerkenswert: das unglaubliche Rhythmusgefühl von DREAM-THEATER-Fans. Denn beim obligatorischen Mitklatschen der Songs im Rhythmus fiel kein einziger aus dem Takt und das Geräusch ertönte wie aus einer Hand.

Obwohl die Band diesmal auf den abendfüllenden Stil früherer "An Evening with DREAM THEATER"-Konzerte verzichtet hatte und die erste Stunde von ihrer Vorband bestreiten ließ, war der Auftritt trotzdem ziemlich erschöpfend. Spätestens bei der Zugabe, ein Medley aus 'Trial Of Tears', 'Finally Free', 'Learning To Live', 'In The Name Of God' und 'Octavarium', fiel einem auf, wie lange der Abend schon andauerte. Und auch wenn man sich schon durch zwei Stunden mit Mitsingen, Applaudieren und begeistertem Staunen gekämpft hatte, traurig war es doch, als James LaBrie das Ende des Konzertes ankündigte. Bleibt nur zu hoffen, dass die nächste Tour wieder in die beschauliche Universitätsstadt kommt.

Intro: Also sprach Zarathustra
Constant Motion
Panic Attack
Blind Faith
Surrounded '07
The Dark Eternal Night
Home
Endless Sacrifice
In The Presence Of Enemies
---
Zugabe:
Medley (Trial Of Tears/Finally Free/Learning To Live/In The Name Of God/Octavarium)

Redakteur:
Lars Strutz

Login

Neu registrieren

Wir verwenden Cookies, um unsere Website besser gestalten und verbessern zu können. Diese nutzen wir unter anderem für die Reichweitenmessung und zu Marketing- und Optimierungszwecken. Durch die weitere Nutzung der Website stimmst Du der Verwendung von Cookies zu (weitere Informationen gibt es hier).