Dream Theater, Pain Of Salvation - Oberhausen

10.02.2002 | 09:25

09.02.2002, Arena

Als ich hörte, dass DREAM THEATER in der Oberhausener Arena spielen, war ich doch etwas erstaunt, fasst diese Halle doch etwa 12.000 Leute. Und der erste Gedanke beim Eintreten in die Halle war auch ein stupides 'Woow, ist das riesig!'. Aber die Rechnung des Management ging auf, war die Halle inkl. der unteren Sitztribüne doch extrem gut gefüllt. Ob das nun sechs, sieben, achttausend oder noch mehr Leute waren, vermag ich nicht zu sagen. Aber die Düsseldorfer Philipshalle hätte wohl schon Probleme bekommen. Für die Größe der Location waren die Eintrittspreise mit 24,-€ an der Abendkasse und die Getränkepreise mit 3,-€ für eine 0,5l Cola doch angemessen. Und im Gegensatz zu den Docks in Hamburg, beginnt das Konzert hier auch pünktlich um 20.00 Uhr und mit PAIN OF SALVATION betritt die abgefahrenste, aufregendste und eigenständigste Prog-Band dieser Zeit die Bühne.

Die fünf Schweden sind keine Prog-Band wie jede Andere. Neben den deutlichen Einflüssen aus dem Crossover und Alternative-Bereich, ist es vor allem die Energie auf der Stage, die sie von den meisten anderen Bands deutlich unterscheidet. Am auffälligsten ist dabei, der wie Rumpelstilzchen rumhampelnde Gitarrist Johan Hallgren. Ständig ist er in Bewegung und spielt dabei auch noch eine sehr gepflegte Gitarre und glänzt mit erstklassigen Backingvocals; wie z.B. beim Setopener "Used". Auch die beiden hünenhaften Gildenlöw-Brüder tragen zu einer gelungenen Show bei. Bassist Kristoffer bangt unentwegt seine wilde Mähne, während Mastermind Daniel mit Gitarre eher zurückhaltend wirkt und mich ein wenig an Mikael Akerfeldt (OPETH) erinnert. Doch spätestens, wenn Daniel sein Saiteninstrument beiseite legt (wie beim Setabschluß "Inside"), rennt er wie von der Tarantel gestochen über die Bühne und geht völlig in der Musik auf. Hammer!
Ach ja, die Musik. In den 45 Minuten Spielzeit überzeugen die Schweden mit Intensität (bei "Undertow"), Spielwitz (bei "Fandango"), wunderbaren Gesangsharmonien (bei "Ashes"), (w)irren Breaks und Komplexität (bei "Beyond A Pale") und Energie (bei "Nightmist"). Überhaupt sitzt da jeder Ton, passt jedes Break und das Alles gibt – zumindest wenn man die Songs ein paar Mal gehört hat – immer Sinn. Dazu ist Daniel auch noch ein guter Entertainer. Seine gesungene Einlage, dass es Shirts und CDs der Band am Merchandise-Stand gibt, wird mit einem Lächeln und einer Menge Beifall versehen. Logisch, dass neben dem Rezensenten auch die Halle begeistert ist. Wenn PAIN OF SALVATION auf dieser Tour nicht zig neue Fans gefunden haben, ist die Erde eine Scheibe und ich mutiere zum Boygroup-Fan. Ganz GROSS!

DREAM THEATER hatten mich in Hamburg nicht 100%tig überzeugt, da vor allem James LaBrie stimmlich alles andere als in Topform war. Also war ich gespannt, ob sich James steigern konnte und ob die Band wirklich eine völlig andere Setlist spielt. Wie in Hamburg fungierte erneut das völlig unglaubliche "The Glass Prison" als Opener. In glasklarem Sound ballerten einen nach etwa 1,5 Minuten die Riffs von John Petrucci und das Monsterdrumming von Bandmotor Mike Portnoy einfach um. Die Halle stand bei dem Auftakt natürlich sofort Kopf. Und das James LaBrie in den tieferen Tonlagen ein großartiger Live-Sänger ist, hat er schon in Hamburg bewiesen. Diese Darbietung war verdammt nahe an perfekt. Und wer dann noch John Myung auf die Finger schaut, dürfte bei der Geschwindig- und Geschmeidigkeit eben dieser einen Schwindelanfall bekommen. Das folgende "Burning My Soul" behielt die harte Linie von des Openers bei. Was dann kam, haute mich völlig aus den Turnschuhen. Wurde "The Killing Hand" in Hamburg von James noch ziemlich verhunzt und nur von Jordan Rudess genialen Keys gerettet, so schienen die Herren Portnoy und Petrucci James die hohen Tonlagen verboten zu haben. James sang streckenweise rau und aggressiv, dann wieder soulig warm, während erneut Jordan mit wahnwitzigen neuen Keysounds diesem Monument neues Leben einhauchte. Aber auch die Soli von John Petrucci klangen stellenweise deutlich anders als auf dem Silberling. Was für eine Version! Dann folgte der erste andere Song im Set. "Under A Glass Moon"! Jeder Song von "Images And Words" ist genial, drum erübrigt sich hier jeder Kommentar. Mit "Lifting Shadows Off A Dream" hatte ich dann überhaupt nicht gerechnet und war hoch erfreut ihn mal wieder live erleben zu dürfen. "Surrounded" bereitete dann die nächste Gänsehaut, die auch bei "Through My Words" nicht nachließ. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich James LaBrie noch nicht einen echten Patzer geleistet und die höchsten Tonlagen gemieden, was sich enorm aufwertend auf seine Sangeskunst niederschlug. Das nach "Through My Words" "Fatal Tragedy" folgen würde, war klar. Eines von zwölf Meisterwerken auf "Scenes From A Memory". Grandios vor allem die Riffs von John Petrucci, der sich wieder extrem extrovertiert zeigte und mächtig poste und bangte. Cool. Überhaupt waren es erneut die Herren Petrucci und Portnoy, die auffällig oft im Mittelpunkt standen und das Herz der Show waren. Gerade in den Instrumentalteilen ist dies extrem auffällig. Warum dann der Frontmann zum Percussion-Dienst am Bühnenrand verdonnert wird, ist mir bis heute unklar. Denn gehört hat man ihn auch diesmal wieder nicht mit seinem Tamburin. Es folgte dann mal wieder ein Stück vom neuen Meisterwerk "Six Degrees Of Inner Turbulence". Und auch der Viertelstünder "The Great Debate" konnte die schon Halle mitreißen, als wäre es ein alter Klassiker. Weiter ging es mit "Another Dimension" vom LIQUID TENSION EXPERIMENT, wo ja gleich drei Schauspieler des Traumtheaters nebenher beschäftigt waren (haben ja bekanntermaßen aus genau diesem Grund das Projekt an den Nagel gehangen – d. Verf.). Es ist einfach ein Hoch- und Hörgenuss diesen vier Musikern auf der Bühne zuzusehen. Dies sind deutlich die Momente, wo ich merke, dass DREAM THEATER keinen Sänger brauchen, um mich zu begeistern. Auch wenn James LaBrie seinen Job heute sehr gut macht und vergleichsweise selten Töne nicht trifft und ohrenfeindlich durch die Speaker gerauscht kommt.
Hatten die New Yorker in Hamburg noch auf Soloeinlagen verzichtet, kommt nun John Petrucci zu seinen Ehren. Und was soll ich sagen? Der Mann ist der personifizierte Gitarrengott. Punkt. "Scarred" ist die nächste Überraschung der Setlist und wird mit Zitaten aus RUSH's "2112" beendet. Grandios! Zu diesem Zeitpunkt sind übrigens schon 100 Minuten gespielt, aber ans aufhören wird hier nicht gedacht. Statt dessen wird erstmalig auch verbal mal auf das neue Album aufmerksam gemacht und mit "Blind Faith" der dritte und letzte Song des Werkes vorgestellt. Wie die Reaktionen waren? Na ja, wie immer halt. Euphorie pur!
Das Jordan Rudess seinem Vorvorgänger Kevin Moore mindestens das Wasser reichen kann, war für mich schon auf der letzten Tour klar geworden. Doch nach seinem atmosphärischen, einfühlsamen, verspielten, stimmigen und abwechslungsreichen Solo kam ich zu dem Schluss, dass dieser Mann besser ist als Kevin Moore. Dieser Mann ist der personifizierte Keyboardgott. Meine Freundin bezeichnet ihn passender als Pianisten. Auch wieder wahr. Weiter ging es mit den fröhlichen Überraschungen. "Lines In The Sand" war so ziemlich der letzte Song mit dem ich gerechnet hatte. Die Backingvocals übernahm John Petrucci (auf dem Album von Doug Pinnick (KINGS X) eingesungen). Der Song kam mir ebenfalls deutlich umarrangiert vor. Gerade die Gitarren waren aggressiver und auch nicht mehr so merkwürdig alternativ gestimmt. Geile Version.
Bis hierhin war dieses Konzert schon 100% besser als Hamburg, aber was dann folgte übertraf meine kühnsten Erwartungen. Und das, obwohl es die selben Songs waren.
Bei "Pull Me Under" bebt die Halle. Klar. Plötzlich ein Break, kurze Pause und ich traute meinen Ohren nicht. Es ertönten die ersten Riffs von..... "Master Of Puppets"! Und nein, sie beschränken sich nicht auf eine instrumentale Version. James mimt seinen Namensvetter und bringt den Song tatsächlich aggressiv rüber. Und es ist ein unglaublich gutes Gefühl diesen Song live mal ohne Timingschwankungen am Schlagzeug zu hören. Überhaupt lassen DREAMTALLICA das Original ganz schön blass aussehen. Geil! Tja, dann gehen die Herren nach 150 Minuten von der Bühne, um nach kurzem Geschrei wieder zu kehren. "Home" ist schon wegen dem orientalischen Touch genial und mir wird in dieser Sekunde ein fataler Fehler bewusst, auf den ich hier nicht näher eingehen möchte. Bei "The Spirit Carries On" flippt eine kleine, zierliche Person neben mir völlig aus, springt ihren Freund an (nicht mich! ;-)), singt jede Silbe lauthals mit und tanzt freudestrahlend auf und ab. Muss ich erwähnen, dass ca. 5.000 Feuerzeuge an waren? Was für ein intensives Meisterwerk! Zu diesem Zeitpunkt spüre ich meine Füße nicht mehr, aber das Ende naht mit "Take The Time", indem erneut gekonnt RUSH-Parts eingebaut werden. Diese spielerische Leichtigkeit wie die Herren immer wieder andere Songs in ihre einbauen, ist einfach unwiderstehlich. Tja, und dann war es vorbei. Nach 185 (!!!) Minuten. Minutenlange Standing Ovations begleiteten die völlig ausgepowerte Band und jeder in der Halle dürfte sicher gewesen sein, dass dies eines der besten Konzerte in diesem Jahr war.


SETLIST PAIN OF SALVATION

Used
Fandango
Nightmist
Ashes
Undertow
Beyond A Pale
Inside


SETLIST DREAM THEATER

The Glass Prison
Burning My Soul (original 96 version)
Another Hand
The Killing Hand
Under a Glass Moon
Lifting Shadows Off a Dream
Surrounded
Through My Words
Fatal Tragedy
The Great Debate
Another Dimension (LTE)
Solo John Petrucci
Scarred
2112: Grand Finale (RUSH)
Blind Faith
Solo Jordan Rudess
Lines in the Sand
Pull Me Under
Master of Puppets (METALLICA)
Pull Me Under (Reprise)

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Redakteur:
Peter Kubaschk

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