Dream Theater / Pain Of Salvation - Böblingen

13.02.2002 | 12:22

08.02.2002, Sporthalle

Wenn sich die New Yorker von DREAM THEATER in meine Gegend verirren, dann darf ich da natürlich nicht fehlen - auch wenn mir ein Konzert pro Tour ja reicht! ;-) Nachdem ich die letzten Male jeweils bis nach München gefahren bin, habe ich mir diesmal die Sporthalle in Böblingen als Schauplatz für diesen potentiellen Konzertleckerbissen ausgesucht. Da ich diese Location bisher noch nicht besucht hatte, war ich gespannt, was man denn von einer Sporthalle konzerttechnisch erwarten könnte. Und meine Skepsis war im Nachhinein auch gar nicht so sehr unbegründet - wie sicherlich jeder bestätigen kann, der schon einmal bei einem Konzert dort gewesen ist. Denn die Bühne ist dort an einer der Längsseiten aufgebaut - auf der anderen Seite befindet sich die Tribüne (die von den weniger standfesten Besuchern auch gerne in Anspruch genommen wurde). Dadurch geht auf beiden Seiten sehr viel Platz auf beiden Seiten verloren, und durch die Größe der Halle ergeben sich dann Probleme, einen guten Sound hinzubekommen. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich mich am 8. Februar mit einem wirklich schlechten Sound herumquälen musste, aber als perfekt konnte er auch nicht bezeichnet werden.

Doch bevor DREAM THEATER die Bühne betraten, durfte sich zunächst ihr Support, PAIN OF SALVATION, dem recht zahlreichen Publikum (eine Prognose erspare ich mir und euch, da Schätzen noch nie zu meinen Stärken gehört hat ;-)) präsentieren. In Insiderkreisen haben sich die fünf Schweden bereits einen Namen gemacht, aber einem Großteil der Anwesenden war das Songmaterial dennoch nicht sehr geläufig. Aber das schien PAIN OF SALVATION nichts auszumachen, oder aber die Schweden sind dies nicht anders gewohnt. Auf alle Fälle legten sie nach dem obligatorischen Intro mit "Used", dem Opener ihrer vorletzten Platte "The Perfect Element Pt. 1", sehr eindrucksvoll los. Gerade die drei Jungs an den Gitarren waren ständig in Bewegung und steckten dadurch das Publikum ziemlich schnell mit ihrer guten Laune an. Zu Beginn gab es zwar ein paar kleinere Probleme mit dem Gesang - man konnte ihn zunächst nur erahnen -, aber diese wurden relativ schnell abgestellt. Beim anschließenden "Fandango" (von der aktuellen "Remedy Lane"-CD) war dann alles im grünen Bereich, und die Schweden rockten unbekümmert weiter. Das Stage-acting der Jungs ist sowieso sehenswert, insbesondere das von Johan Hallgren (g.), der neben den beiden hünenhaften Gildenlöw-Brüdern richtig mickrig erscheint und dadurch einen gewissen Rumpelstilzchen-Eindruck erweckt. Aber auch sonst zeigen sich PAIN OF SALVATION immer wieder von ihrer humorvollen Seite. Beim anschließenden "Ashes" lassen sie beispielsweise ihr Band-Maskottchen über der Bühne hin- und herbaumeln (es war mir jedoch nicht möglich zu erkennen, was denn dieses Stofftier darstellen sollte ;-)). Dass die Schweden zum Innovativsten gehören, das die Progressive-Szene zur Zeit zu bieten hat, unterstrichen sie beispielsweise dann auch bei "Undertow", als Kristoffer Gildenlöw kurzerhand seine Bassgitarre gegen ein Cello austauschte. Anschließend folgte das ziemlich komplexe, stark an FAITH NO MORE erinnernde "Beyond The Pale" vom aktuellen Output, ehe fast die gesamte Band die Bühne verließ. Doch der Auftritt von PAIN OF SALVATION war noch nicht vorbei - wie man hätte meinen können -, denn der Keyboarder leitete nun den nächsten und zugleich letzten Song ein: "Inside" (vom "One Hour By The Concrete Lake"-Album). Nachdem das Schlagzeug und etwas später auch die Gitarren eingesetzt hatten, setzten die fünf Jungs nun zum ultimativen Endspurt an - allen voran der Sänger Daniel Gildenlöw, der nun seine Gitarre abgelegt hatte und nun seinem Bewegungsdrang richtig nachgeben konnte. Auch wenn das Publikum zunächst nicht besonders mit dem Songmaterial von PAIN OF SALVATION vertraut war, so konnten die Schweden während ihres 45-minütigen Auftritts vor allem aufgrund ihrer Spielfreude und ihrer unbändigen Energie doch recht viele Sympathiepunkte sammeln, und dementsprechend wurde die Band auch mit einem frenetischen Beifall bedacht.

Nach einer etwa halbstündigen Umbaupause war es Zeit für DREAM THEATER, das schon gut gelaunte Publikum entsprechend weiter zu begeistern. Das sollte jedoch kein größeres Problem darstellen, da die Band schon sehr enthusiastisch empfangen wurde - als Intro fungierte das "Finally Free"-Outro (!) von der "Scenes From A Memory"-Platte, zu dessen Klängen sowohl das Keyboard als auch das Schlagzeug enthüllt wurden. Diese beiden Instrumente waren auch wirkliche Hingucker: das Schlagzeug vor allem wegen seiner gigantischen Ausmaße (dass es Mike Portnoy dennoch perfekt beherrscht, ist ja hinlänglich bekannt), und das Keyboard war auf einem silbernglänzenden, drehbaren Fuß angebracht, so dass Jordan Rudess einige Bewegungsfreiheit hatte (diese nützte er auch entsprechend aus). DREAM THEATER legten - wie eigentlich nicht anders zu erwarten - mit "The Glass Prison" vom aktuellen Album "Six Degrees Of Inner Turbulence" los, und aufgrund dieses fulminanten Auftaktes hatten die US-Amerikaner ihr Publikum von Beginn an fest im Griff. Diese relativ harte Gangart, vor allem aufgrund des Drummings von Mike Portnoy und des Riffings von John Petrucci, wurde mit dem nächsten Song, dem "Awake"-Opener "6:00", konsequent fortgesetzt. Danach folgte mit "Beyond This Life" vom "Scenes From A Memory"-Meisterwerk ein etwas gemächlicheres, wenngleich auch ziemlich komplexes Stück, ehe dann das "Falling Into Infinity"-Album in Form des sehr ruhigen "Hollow Years" zu Ehren kam. Dieses Album ist meiner Meinung nach das schwächste von DREAM THEATER, aber da dies der einzige Song dieses Outputs bleiben sollte, konnte man darüber locker hinwegsehen, vor allem auch deshalb, weil im Anschluss daran einer der Höhepunkte der Show folgen sollte. Denn mit "Take The Time" spielten Mike Portnoy & Co. einen "Images And Words"-Song, den ich auf den letzten DREAM THEATER-Konzerten sehnsüchtig vermisst habe. Und nach der hier dargebotenen Version - u.a. wurden auch immer wieder ganz gekonnt RUSH-Passagen ("Working Man", "By-Tor") eingebaut - ist mir auch klar, weshalb dieser Song eigentlich in keiner Setlist fehlen darf. Es war hier auch mehr als offensichtlich, wie großartig Jordan Rudess und John Petrucci aufeinander eingespielt sind und wie sie sich nahezu blind verstehen. Danach kam wieder ein aktueller Song, nämlich "Misunderstood", an die Reihe, bevor es mit "Lie" (vom "Awake"-Album) wieder sehr rifflastig wurde. Als ich dann anschließend die ersten Töne von "Another Hand" hörte, kannte meine Begeisterung (und nicht nur meine ;-)) keine Grenzen mehr, denn insgeheim hatte ich schon gehofft, dass sie wieder einmal "The Killing Hand" vom hervorragenden Debüt "When Dream And Day Unite" spielen würden. Da damals aber noch ein anderer für den Gesang zuständig war, war ich sehr gespannt, wie sich denn James LaBrie gerade bei den höheren Passagen anstellen würde. An manchen Stellen wurde zwar schon klar, dass er sich in den tieferen Regionen heimischer fühlt, aber im Großen und Ganzen war seine Leistung in Ordnung (zum Teil mag das auch daran gelegenen haben, dass der Song teilweise "überarbeitet" wurde und dadurch auch sonst etwas anders klang). Danach folgte wieder ein Song vom überraschend stark vertretenen "Awake"-Album, doch ehrlich gesagt hatte ich mit "Lifting Shadows Off A Dream" nicht wirklich gerechnet, auch wenn es natürlich schön war, diesen Song wieder einmal live zu erleben. Im Anschluss daran gab es dann ein "Scenes From A Memory"-Doppelpack zu hören, nämlich das gänsehauterzeugende "Through My Words" und das auch auf CD nachfolgende "Fatal Tragedy". Da aller guten Dinge drei sind, spielten DREAM THEATER dann noch einen weiteren Song vom aktuellen Output, und zwar "The Great Debate". Dieser Song stellte sich ebenfalls als ausgesprochen live-tauglich heraus, wobei gerade bei den anfänglichen, eingespielten Sprachsamples durch entsprechende Lichteffekte eine angemessene Stimmung erzeugt wurde. Mit dem stellenweise recht orientalisch klingenden "Home" kehren die US-Amerikaner dann wieder zum "Scenes From A Memory"-Album zurück, das neben "Awake" schwerpunktmäßig behandelt wurde. Mit diesem Song beendeten DREAM THEATER dann auch ihren Auftritt (zumindest hatten sie das vor). Doch das Publikum war damit nicht so ganz einverstanden, denn es hatte noch nicht genug und wollte noch den einen oder anderen Song hören. Den anschließenden Zugabenteil leitete John Petrucci mit einem Gitarrensolo ein (jeder Kommentar zu seiner Klasse ist mehr als überflüssig!), das dann in "Scarred" übergeht. Diesen "Awake"-Song hatte ich zwar auch nicht unbedingt auf der Rechnung, aber in der hier gespielten Fassung - am Ende wurden u.a. wieder einige RUSH-Zitate ("2112: Grand Finale") eingebaut - war er auf alle Fälle ein weiteres Highlight dieser Show. Da störte es dann auch niemand, dass John Petrucci - vertieft in sein Gitarrenspiel - den Percussionständer von James LaBrie umgetreten hat, so dass dieser in Mike Portnoys Schlagzeug gefallen ist - nobody's perfect! ;-) Danach werden bei "The Spirit Carries On" noch einmal ruhigere Töne angeschlagen (das sind die Momente, in denen man auch als Nichtraucher ein Feuerzeug zur Hand haben sollte ;-)). Den endgültigen Abschluss stellt dann der "Images And Words"-Hit "Pull Me Under" dar, der von der Zuhörerschaft wieder einmal begeistert aufgenommen wird. Die anschließenden Beifallsstürme kennen kein Halten mehr, doch zu einer weiteren Zugabe lässt sich die Band nicht mehr bewegen - nach knapp 170 Minuten ist das auch durchaus verständlich.

Abschließend lässt sich eigentlich nur noch sagen, dass dieses Konzert absolut super war und wohl schon jetzt zu den Highlights des noch jungen Jahres gehören wird. (Das wird mir sicherlich jeder der Anwesenden bestätigen - wer anderer Meinung ist, soll sich ganz schnell bei mir melden! ;-)) - Der einzige Kritikpunkt, den ich noch anführen muss, bezieht sich auf die Merchandising-Preise: 35-40 EUR für ein T-Shirt - das ist in meinen Augen alles andere als akzeptabel! Wo soll denn das noch hinführen?


Setlist Dream Theater:

The Glass Prison
6:00
Beyond This Life
Hollow Years
Take The Time
Misunderstood
Lie
The Killing Hand
Lifting Shadows Off A Dream
Through My Words
Fatal Tragedy
The Great Debate
Home

Scarred
The Spirit Carries On
Pull Me Under

Redakteur:
Martin Schaich

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