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Dying Fetus - Karlsruhe

21.05.2007 | 16:03

04.05.2007, Substage

Bericht über das Never Say Die!-Fest am 04.05.07 mit SKINLES, DYING FETUS usw.

Beim Never Say Die!-Fest im Substage in Karlsruhe gab es sechs Bands zu bestaunen und ingesamt gehörig einen auf die Omme - mit DYING FETUS und SKINLESS waren zwei absolute Killerbands am Start! Here we go:

Den Anfang machte die Berliner Band WAR FROM A HARLOTS MOUTH, die den Zuschauern musikalisch einen kunterbunten Stilmischmasch unterjubeln wollte. Aber dieser Versuch scheiterte weitgehend, denn die meisten Passagen der Tracks klangen allzu oft einfach nur zusammengepuzzelt, und der rote Faden war nie erkennbar. Die aggressiven Kreischbrüllvocals von Shouter Steffen waren zwar ganz unterhaltsam, und einzelne Gitarrenpassagen klangen auch mal ganz fett. Aber die verschlüsselten, ziellos wirkenden Tracks machten nicht nur mir, sondern auch dem Rest des Publikums wenig Spaß. Zwischendrin gab es mal einige jazzige Parts, die durchaus anspruchsvoll wirkten, aber in den Songs einfach deplaziert waren. Erwähnenswert ist noch das lustige Posing des schlaksigen Bassisten Filip, der das Bein stets in die Höhe schwang und auch sonst das Zwerchfell mit unterhaltsam schrägem Gepose strapazierte. WAR FROM A HARLOTS MOUTH waren weder Fisch noch Fleisch und für mich die mit Abstand bescheidenste Band des Billings.

ION DISSONANCE aus Kanada spielten als nächste Band gegen 19:15 Uhr auf. Für die Band aus Montreal war es übrigens der erste Auftritt auf europäischem Territorium überhaupt. Und die Herren hauten dem Publikum nicht gerade leicht verdaulichen, langsameren und groovebetonten Death Metal mit Metalcore-Einschlag um die Ohren. Der interessanteste Musiker von ION DISSONANCE ist auf alle Fälle der bullig wirkende Bassist Xavier St-Laurent, der seiner Viersaitigen stets coole und auch ziemlich fette Linien entlockte. Trotz sauberer Performance, insbesondere an Bass und Schlagzeug, vermochten es ION DISSONANCE nicht wirklich, das Publikum zu begeistern. Gründe hierfür könnten auch das Fehlen prägnanter Melodien im Sound der Kanadier sowie der extrem spartanische Einsatz einer Leadgitarre als Melodieinstrument gewesen sein. Zwischendrin war die Bassgitarre "tot", was die Band mindestens die Spielzeit für einen weiteren Track kostete. Der Auftritt wirkte mit zunehmender Dauer leider etwas langweilig auf mich. Mehr als Anstandsapplaus konnten ION DISSONANCE beim Publikum leider nicht verbuchen.

Erster Höhepunkt dieses Death-Metal-Schlachtfestes war eindeutig der Auftritt der Death-Grinder von CATTLE DECAPITATION, die einen energiegeladenen und mitreißenden Gig ablieferten. Schlagartig füllte sich der Raum vor der Bühne und es wurde auch kräftig mitgemosht. Sänger Travis Ryan verblüffte mit ziemlich extremen und eindringlichen Kreischvocals und entpuppte sich während der Ansagen als sympathischer und witziger Frontmann. Musikalisch ein hervorragender Gig, bei dem ich lediglich an einigen Stelle eine zweite Gitarre vermisst habe, die zusätzlichen Druck macht. Besonders cool war auf alle Fälle die äußerst zackig gebretterte Abrissbirne 'The Decapitation Of Corpses' sowie das ultrabrutale 'Bukkake Tsunami'. Wer der Mann an der Viersaitigen war, weiß ich allerdings nicht. Bassist Troy Oftedal war es jeden falls nicht. Egal, der farbige und unbekannte Bassist lieferte einen klasse Job ab und sorgte für mächtigen Groove mit schnellen, gezupften Basslinien. CATTLE DECAPITATION haben einen tighten Auftritt aufs Parkett gelegt, der absolut sehenswert war!


Setlist (nicht vollständig):

Success Is...(Hanging By The Neck)
Bukkake Tsunami
The Decapitation Of Corpses
Total Gore
Karma Bloody Karma


Jetzt waren DEAD TO FALL am Zug und stimmten das Publikum gleich mal mit einem schmissigen "We’re DEAD TO FALL, smoke some fuckin' hash!" ein. Was DEAD TO FALL auf die Beine stellten, war solide, aber nicht weltbewegend. Groovebetonter Death Metal, der allerdings nur selten aus dem Schatten des Durchschnitts heraustrat. Zwischendrin gab's teilweise recht wilde Moshpits, die gerade den Fotografen im Publikum das Leben schwer machten ... danke auch! Gespielt haben die Herren unter anderem 'The Eternal Gates Of Hell'. Der Auftritt war durchaus kurzweilig, mehr aber auch nicht.

Doch was jetzt folgte, war für mich die Überraschung des Abends! Die mir bis dato unbekannten US-Deather SKINLESS (die bereits seit 1992 aktiv sind!) knüppelten in der folgenden Dreiviertelstunde so ziemlich alles in Grund und Boden! Meine Fresse! Extrem brutaler Death Metal wie aus dem Bilderbuch mit permanent vorhandenen Blastbeats und irrwitzigen Gitarrensoli von Gitarrist Noah Carpenter. Frontmann Jason Keyser hat eine Stimme wie ein Stier und brüllt beziehungsweise growlt alles in nieder. Geil! Auch der Sound beim Auftritt von SKINLESS war sehr druckvoll. Zwischendrin beschwor der Frontmann das Publikum noch wildere Moshpits zu erzeugen, und zu guter Letzt gab's auch noch eine metallische Version des JACKSON-Videoclips "Thriller" nachzustellen. SKINLESS kamen beim Publikum derart gut an, dass sogar noch eine Zugabe gespielt werden musste. Welche Songs SKINLESS geknüppelt haben? Keine Ahnung! Ich hab' das Geröchel nicht so gut verstanden ... auf alle Fälle hat die Band zumindest den zweitbesten Auftritt des Abends hingelegt und sind eine der intensivsten Death-Metal-Bands, die ich je live bewundern durfte. Hört euch doch mal was von SKINLESS an! Dürfte auch auf CD ziemlich killen.

Nach einer recht langen Umbaupause war es nun an der Zeit, dass DYING FETUS noch einen draufsetzten. Mit 'Homicidal Retribution' vom neuen Album "War Of Attrition" machte die Band unmissverständlich klar, wo hier der Hammer hängt. Die Performance des Quartetts war derart auf den Punkt gespielt und brutal, dass einem glatt die Spucke wegblieb. Kein Witz! Wer jemals Bassisten Sean Beasley oder Gitarristen John Gallagher bei abfahrenen Hammerings/Tappings aufs Griffbrett geschaut hat, weiß, was ich meine! DYING FETUS boten einen coolen Querschnitt ihres musikalischen Schaffens und knüppelten Abrissbirnen wie 'Justifiable Homicide' oder dem extrem groovebetonten 'Praise The Lord' (Killer!) mit unglaublicher Präzision herunter. Genau so muss Brutalo-Death-Metal klingen! Da das Publikum auch nach über einer Stunde Spielzeit noch ausgesprochen fit war, und nicht aufhörte, eine Zugabe zu fordern, grub man mit 'Skullfucked' sogar einen sehr alten Song vom ersten Studioalbum 'Purification Through Violence' (1996) aus. Dann war allerdings Schicht im Schacht. Leider! Denn solch intensive und brutale Gigs sieht man nicht alle Tage.


Setlist (nicht vollständig):

Homidical Retribution
Justifiable Homicide
Rape Upon The Altar
One Shot one Kill
We Are Your Enemy
Pissing In The Mainstream
Kill Your Mother/Rape Your Dog
Neuer Track von "War Of Attrittion"
Praise The Lord (Opium Of The Masses)
Vengeance Unleashed
Fate Of The Condemned
Killing On Adrenaline
-----------
Skullfucked


Insgesamt war das Never Say Die!-Fest ein runde Sache, obwohl sich mit WAR FROM A HARLOTS MOUTH und ION DISSONANCE auch zwei musikalisch nicht leicht verdauliche Gruppen ins Billing geschlichen hatten. Aber allein SKINLESS und die mächtigen DYING FETUS lieferten derart großartige Auftritte ab, dass allein diese beiden Acts den Eintrittspreis rechtfertigen könnten. Die übrigen Bands waren durchaus in Ordnung, und ich stelle mir schon jetzt die Frage, wer denn beim hoffentlich nächsten Mal mit von der Partie sein wird!

Redakteur:
Martin Loga

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