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ECLIPSE, XTASY - Siegburg

30.01.2018 | 16:37

24.01.2018, Kubana

So geht eine mitreißende Rockshow!

Auf der Suche nach perfektem, melodischen Hard Rock? Dann führt ganz klar kein Weg an den Schweden ECLIPSE vorbei, denn mit ihren beiden letzten Scheiben "Armageddonize" und "Monumentum" hat die Truppe um Fronter und Produzenten-Tausendsassa Erik Martensson in den letzten Jahren zwei Silberlinge veröffentlicht, die zum Besten gehören, das ich seit langem in diesem Sektor gehört habe. Doch nicht nur auf Platte macht das sympathische Quartett aus Stockholm eine gute Figur, auch auf europäischen Bühnen haben sich die Jungs inzwischen als Headliner und Support von Bands wie den Rock-Dinos AEROSMITH mit ihren schweißtreibenden Shows einen Namen gemacht. Angesichts dessen konnten wir uns das Konzert im Siegburger Kubana auf dem zweiten Teil der Tour zum aktuellen Silberling "Monumentum" natürlich nicht entgehen lassen, um uns auch selbst mal ein Bild von den Bühnenqualitäten der Skandinavier zu machen.

Wie üblich geht es aber natürlich erst einmal mit einer Vorband los, die sich daran versuchen darf, das bereits zahlreich anwesende Publikum auf Temperatur zu bringen. Für diese Aufgabe fiel die Wahl auf der aktuellen Tour auf die spanischen Female-Fronted-Rocker XTASY, deren Debütalbum "Revolution" von Erik Martensson produziert wurde und die seither immer wieder mit ECLIPSE auf Tour waren. So recht verstehen kann ich das angesichts der Leistung des Quintetts um Fronterin Silvia Idoate allerdings nicht, denn auch wenn die einzelnen Musiker technisch einiges auf dem Kasten haben, will während des gesamten Sets einfach keine echte Stimmung aufkommen. Zum großen Teil liegt das wahrscheinlich am Songmaterial, das ganz klar im AOR verwurzelt ist und leider trotz aller Gitarren-Akkrobatik die ganz großen Hooklines vermissen lässt, die für diese Genre entscheidend sind. Wenig hilfreich ist da auch die hüftsteife und viel zu routiniert wirkende Show, bei der sich mir irgendwie der Eindruck aufdrängt, dass die Musiker nicht wirklich hinter den eigenen Kompositionen stehen. Klar werfen sich Silivia und ihre Jungs in eine Pose nach der anderen, doch wirkliche Leidenschaft sieht anders aus. Vielleicht hat die Truppe im stressigen Tour-Alltag auch heute einfach einen schlechten Abend erwischt, aber egal wie man es dreht und wendet, Siegburg bekommt von XSTASY jedenfalls keine Ekstase präsentiert, sondern eher biedere Hausmannskost. Dementsprechend verhalten fällt auch der Schlussapplaus aus, mit dem die Spanier nach gut 45 Minuten aus dem Kubana verabschiedet werden.

Glücklicherweise kann sich der Fünfer aber beim Headliner der Tour abschauen, wie es richtig geht, denn die Schweden ECLIPSE haben das Publikum direkt vom Opener 'Vertigo' an fest in ihrer Hand. Erik Martensson fegt dabei wie ein Derwisch über die Bühne und schleudert sein rotes Mikrofonstativ wie eine Peitsche über seinem Kopf umher, während seine Mitstreiter mit fetten Riffs und einem tighten Groove das Tempo vorgeben. Ganz besonders auffällig ist dabei Drummer Philip Crusner, der mich mit seiner Stick-Akkrobatik und seinem Dauergrinsen irgendwie unweigerlich an Animal aus der Muppet Show erinnert. Jedoch im positiven Sinne, denn seine blendende Laune überträgt sich nicht nur auf die Bandkollegen, sondern auch blitzschnell auf das Publikum, das den Vierer nach jedem Song lautstark feiert.

Die Jungs aus Stockholm können inzwischen aber auch aus dem Vollen schöpfen, denn gerade mit den letzten beiden Silberlingen haben sie eine ganze Stange von Rock-Hymnen abgeliefert, die allesamt geradezu wie gemacht sind für die Bühne. Egal ob 'Bleed & Scream', 'The Storm' oder das brandneue 'Jaded', hier zündet einfach jeder Song. Doch nicht nur mit durchgetretenem Gaspedal machen die Schweden eine gute Figur, auch die ruhigen Töne liegen ihnen, was Fronter Erik und Gitarrist Magnus Henriksson mit einem kleinen Akustik-Set beweisen, das sie als Duo zur Mitte des Konzertabends hin präsentieren. Ganz besonders mitreißend fallen dabei 'Killing Me' und 'Battlegrounds' im Unplugged-Gewand aus, wobei gerade Letzterer für den wohl größen Gänsehaut-Moment des Abends sorgt, als das Publikum die Mitsing-Passage des Tracks der Band auch nach dem Ende des Songs lautstark entgegenschmettert. Das bringt dann sogar einen so erfahrenen Fronter wir Herrn Martensson ein wenig aus der Fassung. Doch dieser Moment hält nur kurz an, denn schon beim folgenden 'The Downfall Of Eden' hat sich Erik wieder gefangen und präsentiert den Hit der aktuellen Scheibe "Monumentum" mit der gewohnten Souveränität.

Wer nun aber glaubt, dass die Jungs damit ihr Pulver verschossen haben, der liegt meilenweit daneben, denn der folgende Rock-Stampfer 'Black Rain' toppt seinen Vorgänger noch einmal und erntet dementsprechend auch verdienterweise den bisher lautesten Applaus des gesamten Abends. Ein kurzers Gitarren-Solo, bei dem Magnus noch einmal all sein Können an der Sechssaitigen präsentiert darf, bietet dann noch einmal eine kurze Verschnaufpause, bevor dieser kurzweilige Konzertabend mit 'Blood Enemies' und 'Stand On Your Feet' sein vorläufiges Ende findet. Ohne Nachschlag wird das Quartett aber natürlich von den Zuhörern nicht entlassen und die Rufe nach einer Zugabe werden prompt mit 'I Don't Wanna Say I'm Sorry' und 'Never Look Back' entsprechend energisch beantwortet. Fertig sind die Schweden damit aber noch nicht, denn natürlich fehlt noch das unvermeindliche 'Runaways', mit dem ECLIPSE vor zwei Jahren beim Vorentscheid für den Eurovision Songcontest in ihrem Heimatland angetreten sind und das seither das Ende einer jeden Show markiert.

Unter dem Strich bleibt damit ein rundum gelungener Konzertabend, der bei mir eigentlich nur eine Frage zurücklässt, warum die Jungs nicht auch hierzulande inzwischen deutlich größere Hallen füllen? In Sachen Rockshows ist dieser Auftritt jedenfalls schon jetzt ein Anwärter auf mein Konzert des Jahres. Ganz beendet ist der Abend damit übrigens noch nicht, denn nach einer kurzen Verschnaufpause finden sich die Jungs auch noch am Merchandise-Stand ein, um geduldig jeden Wunsch nach einem Autogramm oder Foto zu erfüllen. Auch das unterstreicht noch einmal den mehr als sympathischen und starken Eindruck, den der Vierer heute hinterlassen hat.

Redakteur:
Tobias Dahs

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