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E - Tropolis Festival 2015 - Oberhausen

11.04.2015 | 15:29

28.03.2015, Turbinenhalle

Am Samstag, den 28.3.2015 ist es endlich soweit. Ich mache mich auf die fast 300 km lange Reise nach Oberhausen, um dort für euch über all die Elektro Größen zu berichten. Meine Favoriten: Nach 20 Jahren will ich LEÆTHER STRIP unbedingt auch mal live sehen und PROJECT PITCHFORK hat mich noch nie enttäuscht. Und CENTHRON soll live ja unglaublich stark sein, das will ich mir dann mal besonders kritisch anschauen.

Kaum angekommen, öffnen sich auch schon die Pforten und die riesige Schlange verschwindet schnell im inneren der Turbinenhalle, so dass der Regen nicht ganz so schlimm ist. Drinnen gibt es Schließfächer für das eigene Hab und Gut. Zahlmittel hier, wie auch bei allen Essens- und Getränkeständen, ist der "BON", welchen man an einer Kasse käuflich erwerben konnte. Die Preise sind mehr als fair und das Angebot an Kuchen, Crepes, Falafel, Schnitzel, Pommes und diversen Alkoholika und Softdrinks sehr vielfältig. Einige kleine logistische Probleme am Pommesstand führen dazu, dass ich mir die ersten Bands hungrig anschauen musste. Die beiden Bühnen sind nur ein paar Sekunden Weg entfernt und trotzdem so getrennt, dass man nur eine Band hört statt einen Mischmasch aus zwei Bands. Denn leider überschneiden sich die Auftritte immer etwa fünf Minuten, gegen Ende sogar 30 Minuten, so dass ich bei SOLITARY EXPERIMENTS nicht mal mehr in den Nebenraum kommen werde, und ich SOLAR FAKE und DE/VISION zugunsten von PROJECT PITCHFORK und VNV NATION ausfallen lassen muss.

Aber nun genug der einleitenden Worte; hier der schonungslose und so gar nicht subjektiv beeinflusste Konzertbericht. Vorhang auf für ...

CENTHRON

Also schon direkt zu Anfang werde ich nun herausfinden, ob sich der ganze Hype um die Bremer wirklich lohnt. Der Bühnenaufbau ist sehr minimalistisch. In der Mitte ein Sythesizer, welcher von zwei Werwolfköpfen gesäumt wird. Das war es dann auch. Der Rest der doch sehr großen Bühne wird von den drei Hauptakteuren eingenommen: Der Sänger ganz in schwarz mit Gasmaske und dort eingebautem Mikro, der Bassist und hinter dem Sythezizer, in hautenges Latex gehüllt groß und schlank, steht als optischer Höhepunkt die Dame, welche für die elektronische Untermalung zuständig ist.

Centhron

Dann um 14 Uhr pünktlich geht es los. Der Sound ist überwältigend gut, die Halle dröhnt und ist trotz der frühen Stunde sehr gut gefüllt. Die Lichteffekte können sich sehen lassen und die drei sind so engagiert, dass es einen gleich mit reißt. Es gibt gut gelaunte Ansagen und enthusiaitisches Entertainment. Nach einigen Songs wird die Maske entfernt und um das zu toppen wird sich auch bald des Oberteiles entledigt. Ja, das sind doch mal nette Aussichten. Bei 'Dreckstück' muss ich dann mein Tanzen und Schreiben koordinieren, da ich nicht mehr so ganz still bleiben kann. In der Disco klingt das nie so gut. Also ab jetzt höre ich CENTHRON nur noch live. Bei 'Biest' kommt das bisher doch eher stillere Publikum nicht um die eine oder andere Hüpfbewegung herum. Die Überraschung des Tages ist aber die Live Parts bei 'Cunt'. Wo andere, größere Bands alles nur samplen würden, gibt es bei der Dame von CENTHRON die Frauenparts des Textes live und lasziv. So geht ein wunderbares sehr lohnenswertes Konzert zu Ende. Fazit: Ja, der Hype ist berechtigt!

PHOSGORE

Nachdem der Applaus an der Mainstage verklingt, renne ich schnell hinüber in die Halle der Second Stage. PhosgoreDort sind die Herrschaften von PHOSGORE schon beim ersten Lied. Auch hier ist der Sound wunderbar. Die Bühne ist bunt erleuchtet und setzt die Akzente auf die beiden Musiker. Sonja am Keyboard und Flo am Computer. Neben altbekannten Songs haben sich die beiden auch etwas Neues einfallen lassen und präsentieren dem freudig tanzenden Publikum die ersten Songs des neuen "Pestbringer" Albums. Zu aller erst der Titeltrack 'Pestbringer'. Es fiepst und piepst in gewohnter Manier und das neue Werk lässt sich gut anhören. Tanzbar wie eh und je und mit den üblichen Textpassagen mit dem verzerrtem Gesang. Bei 'Aggression and Harmony' gibt es dann so viel Nebel, dass man die Bühne kaum noch sieht. Aber hier steht ja auch das Hörvergnügen an erster Stelle und somit genieße ich mal wieder ein paar Tanzminuten die hier erstaunlich nah am Jumpstyle kratzen. Wir werden Lied für Lied gefragt, ob wir noch mehr hören möchten. Offensichtlich darf man das hier als Publikum selber entscheiden. Da das vorangegangene Lied laut Sänger zu "soft" war, gibt es jetzt mal was "härteres". Dieses Stück bietet nun Elemente aus dem Hardstyle und das, was dem Metaller sein Moshpit ist, wird hier nun in der elektronischen Variante ausgelebt. Leider ist dann doch irgendwann mal Schluss mit dem Wünschen von mehr Liedern und ich hechte wieder in die andere Halle.

VOMITO NEGRO

Vomito Negro

Was dank des kreativen Namens eher auf eine mittelklassige Grindcore Band schließen lassen würde, entpuppt sich bei genauerem Hinhören als langsames, synthetisches Gebrumme, welches von sehr harten Vocals immer wieder durchbrochen wird. Neben einem Keyboarder und einem Sänger gibt es dieses Mal auch einen Schlagzeuger, welcher das Projekt live musikalisch begleitet. Der Text wird eher gesagt als gesungen und stellenweise erinnern die Songs an sehr alte PROJECT PITCHFORK Sachen.Bei der Auswahl der Lieder ist es aber auch ein sehr schweres Stück Arbeit, das Publikum zu animieren. Obwohl sich alle wirklich Mühe geben, ist diese Musik nicht sonderlich tanzbar oder hüpfbar und die Zuschauer bleiben sehr ruhig und entspannt.

AMBASSADOR 21

Manches kann man doch nur durch Kunst erklären. Und selbst dann wird es noch sehr schwer. Bei diesem Duo aus Minsk kann man alles schreiben, was man erlebt hat und doch werden die folgende Worte in keinster weise den beiden Künstlern gerecht werden. Ich fange erst einmal mit dem Offensichtlichen an: eine wunderschöne Frau steht in sehr enger und knapper Kleidung vor einem Mikrofonständer. Einige Meter weiter steht ein Mann, ebenfalls in enger Bekleidung vor einem weiteren Mikrofon. Im Hintergrund steht ein Tisch, auf welchem Elektronika aller Art zu finden sind. Soweit die Beschreibung der Dinge, die ich sehe. Nun mal zu dem was ich höre: Kreischen, Brüllen, Schluchzen, simultan und auch abwechselnd, mal laut mal leise, mal tief mal hoch, dazu extrem harte Rhythmen, die disharmonisch und unberechenbar durch den Raum schweben. Auch leichte Einlagen von Punk, 80er Jahre Synthipop und Batcave sind hier in die Stücke eingearbeitet worden. Sekunden später klingt es, als stürze eine Industrieanlage ein, nur um dann von gregorianischen Gesängen gepaart mit Maschinenpressen - Sound und Gekreische abgelöst zu werden. Ein paar Sekunden denke ich an MINISTRY, dann doch eher an eine Großbaustelle.

Eine Melodie ist trotzdem nicht zu erkennen, passend bzw. unpassend dazu bieten die beiden auf der Bühne Verrenkungen, obskure Tanzeinlagen, Ausdruckstänze sowie laszive und recht eindeutige Bewegungen. Mal erinnert das ganze an Roboter, mal eher an Tiere. Der Effekt wird durch das Stroboskop noch hundertmal verstärkt, da man nur jede dritte Bewegung sieht, und der Eindruck krankhafter Zuckungen tritt so noch viel mehr in den Vordergrund. Sie interagieren miteinander, bewegen sich synchron, dann wieder konträr und dann völlig losgelöst von einander. Das Mischpult kommt derweil wohl alleine aus. Nur ab und zu muss ein Knöpfchen gedrückt werden. Die restliche Zeit bleibt für die Interaktion mit dem Publikum.

Überraschenderweise tanzen/bewegen sich einige aus dem Publikum. Ich wüsste nicht einmal, wo und wie ich da anfangen sollte zu tanzen. Wenn man allerdings experimentierfreudig ist und mit der Intention hier was neues zu erleben hergekommen ist, dann hat man sein Ziel erreicht. Sobald man sich darauf eingelassen hat, akzeptiert hat, mit den Konventionen zu brechen ist das hier eine sehr erfüllende Erfahrung. Schaut euch das wirklich nicht unter Drogeneinfluss an: Erstens ist der Ausgang des entsprechenden Trips so absolut gar nicht voraus zu sehen und zweitens verpasst man so eine sehr intensive Erfahrung. Umdrehen und Weggehen ist für mich unmöglich. Noch bei den letzten Klängen bleibe ich fasziniert vor der Bühne stehen.

SPETSNAZ

Spetsnaz

Dank einer großen Video Leinwand und einem zweiten Paar Boxen im hinteren Teil der Halle, kann ich mich nun ein wenig ausruhen und das Geschehen aus gemütlicher Entfernung verfolgen. Jetzt gehört die Halle ganz der Electronic Body Music. Militärhaft und im Kampfschritt geht es sowohl auf als auch vor der Bühne zu. Die Band aus Schweden besteht aus einem Sänger plus Drummer. Das ganze wirkt ein bisschen routiniert und dank der langen Bühnenerfahrung recht professionell. Ruhig, stark und nicht so modern, wie die ersten Bands, geht es handfest an den Maschinensound. Während die Knicklichter sich mal eine Verschnaufpause verdient haben, gibt es für die Marschstiefel der meist älteren und elegant gekleideten Damen und Herren des EBM Genres jede Menge zu tun. Aber was wäre die schwarze Szene ohne diese Neon Farbkleckse, die es auch noch schaffen in den hinteren Reihen eine spontane Choreo zu 'Apathy' auf die Beine zu stellen? Die erprobten Tanzschritte werden zu neuen Combos verarbeitet und siehe da: Es klappt ja auch zu EBM. Da muss ich mich dann beherrschen, um nicht einfach hemmungslos mitzutanzen. Der Spaß den das Duo hat, schwappt auf das Publikum über und am Ende steht nicht eine Person in der Halle mehr still.

TORUL

Neben AMBASSADOR 21 nun der zweite Name heute, der pure Überraschung für mich ist. Da ist ein echter Gitarrist mit auf der Bühne, ein Computer Spezialist und ein Sänger mit einer extrem melodischen Stimme. Man könnte die slowenischen TORUL als die etwas dynamischere und modernere Variante von SISTERS OF MERCY beschreiben. Anscheinend sind sie wohl bekannter als ich angenommen habe, denn der Andrang ist sehr groß und auch die Anzahl der Menschen, die mitsingt und tanzt ist erheblich. Ein wenig erinnert mich die Musik auch an AHA, also definitiv eine Art die 80er wieder aufleben zu lassen im Jahre 2015. Das ist zum träumen, kuscheln, Augen schließen und genießen.

Torul

--- Pause ---

So, wieder aus der Trance erwacht... Es haben sich beide Überraschungsacts für mich als grandios herausgestellt. Jeder der beiden auf seine Art und Weise, und obwohl ich sie als krasse Gegensätze bezeichen würde, sind beide gefühlvoll und berührend auf eine ganz eigene Art.

Bei soviel Rhythmus klatschen nun alle mit, die Halle ist zum bersten voll und quasi alle bewegen sich im Takt. Oh man, diese Stimme. So kraftvoll melodisch und mit diesem unglaublich niedlichen Akzent, da kann sich noch so mancher Sänger live ein Beispiel dran nehmen. Fast so sinnlich wie die Stimme von CHRIS ISAAK... Mit diesen Impressionen und einem Ohrwurm von 'Wicked Game' gehe ich zu...

GRENDEL

Grendel

Es wird bunt und militärisch. Auf der Bühne findet man nun ein paar mehr Instrumente. Keyboard, Computer, Bass und Sänger. Alles in futuristisch angehauchten an MAD MAX Filme erinnernder Aufmachung. Zackig und vergnügt geht es in die erste Runde. Ich schleiche mich mal weiter nach hinten, da hier Tanzen Pflicht ist. Der Sound ist weiter sehr gut, etwas was mich schon den ganzen Tag über positiv überrascht. Souverän und routiniert liefern die Jungs da oben eine Show ab, zu der sie die besten Songs der Bandgeschichte präsentieren. Zu 'Soilbleed' ist es dann soweit: Die Menge probt den Ernstfall und alle tanzen mit nicht gerade platzsparenden Bewegungen. Dynamisch und kraftvoll werden die Zuschauer animiert. Die Zeit geht viel zu schnell rum, aber bei so viel Spaß und so vielen Tanzeinlagen, merkt man kaum wie die Zeit vergeht.

LEÆTHER STRIP

Da ich beim Konzert von SOLITARY EXPERIMENTS nicht mal mehr durch die Türe gekommen bin, hab ich nun genug Zeit, mir in den vorderen Reihen ein Plätzchen zu suchen, von welchem ich meine Vorfreude richtig genießen kann. Gut 20 Jahre musste ich auf diese wunderbare Gelegenheit warten die beiden Dänen live erleben zu können. So bin ich fast so guter Laune wie die beiden Musiker, als sie sich pünktlich um 18:30 Uhr auf die Bühne begeben. Wenn man mal von den harten und düsteren Rhythmen absieht, sind die beiden so unglaublich sympathisch und publikumsnah, dass ich doch eher überrascht bin. Fröhlich und sehr gesprächig führt Claus durch den Abend. Bei 'Strap Me Down' ist es denn um meine Fassung auch geschehen: Gänsehaut Feeling im Kollektiv. Auch wenn das Intro der CD Version leider fehlt, ist der Sound so unglaublich gut, dass ich mich zu Hause wohl wieder schwer an meine Musikanlage gewöhnen werde. Das Publikum ist nun deutlich älter als noch bei GRENDEL, aber tänzerisch steht es den jüngeren Generationen in nichts nach. Um mich herum bewegt sich jeder und selbst die eine oder andere Stimme, die mitsingt kann ich heraus hören. Auf der Bühne tanzt nun auch Claus mit während er singt und animiert die Menge prächtig.

Bei 'Japanese Bodies', einem der bekanntesten Songs des Duos geht es dann sehr schnell und sehr EBM - lastig zur Sache. Und nun passiert das, was ich gerne als „Marschpit“ bezeichne: Die vordere Hälfte der Halle beginnt in der Menschenmenge auf und ab zu marschieren und dabei auch gerne in die umstehenden Personen hinein zu laufen. Da das aber alle machen, entsteht ein Gewirr aus marschierenden und rempelnden Leuten, die so unglaublichen Spaß daran haben, auch mal einen Ellbogen oder einen Fuß abzubekommen. Trotz der drohenden Gefahr, dass mir Jemand auf die Füße tritt, lasse ich es mir ein wenig abseits des Pits nicht nehmen, mit geschlossen Augen den Rest des Konzert zu genießen. Die 20 Jahre warten haben sich mehr als gelohnt und ich denke, dass ich meinen Favoriten des Festivals gefunden habe.

FROZEN PLASMA

Frozen Plasma

Wie war das gerade nochmal mit dem Kollektiv beim Publikum von LEÆTHER STRIP? Die nächste Band weiß darüber ein Liedchen zu singen. Bei FROZEN PLASMA ist es so voll, da ich gut und gerne 20 Minuten zu spät komme, dass ich nur noch ganz oben auf der Empore Platz finde und von dort absolut nichts sehen kann. Naja, macht nichts, ersteinmal schließe ich mich ein paar Tänzern an, die zu 'Tanz die Revolution' ausgelassen und fröhlich genau das machen, was der Song so hergibt: Tanzen und mal wieder alles im Kollektiv erleben. Leider ist der Sound hier oben nicht ganz so gut, so dass ich einige Lieder erst erkenne, als sie schon fast vorbei sind. Ein paar mal hüpfe ich hoch, um einen schnellen Blick auf die Bühne werfen zu können, aber die Versuche sind leider nicht von Erfolg gekrönt. Ich höre jedoch die Animationsversuche des Sängers, der zwischen den Liedern die Menge zum Singen und Tanzen ermutigt. Bei so viel moderner und guter Musik lässt sich das Publikum nicht lange bitten. Einige Lieder sind dann wieder so ruhig, dass es zum Träumen und Rumstehen verleitet. Kombiniert mit den schönen roten und blauen Farben der Lichtshow verleitet das ganze zum entspannten Genießen.

Hier allerdings muss ich nun ein paar Minuten eher gehen, um zu LAIBACH nicht zu spät zu kommen. Also genug mit der Ruhe und rein ins Getümmel.

LAIBACH

Ich beschließe das Konzert von der Pressebühne in der Haupthalle zu beobachten, da es bei LAIBACH eine Videoleinwand gibt und ich mir auch mal die Menge ungestört anschauen wollte. Die Ikonen des EBM aus Slowenien sind seit vielen Jahren eine feste Größe in der Szene, die für ihre militärischen Darbietungen bekannt sind. So laufen in den Videos neben bunten geometrischen Figuren auch Szenen mit Ausschnitten von Paraden und Kampfeinsätzen.

LaibachAuf der Bühne wird es im Gegensatz zu den Vorgängern voller. Neben einem Synthesizer und einer Keyboarderin, dem Sänger und einem weiteren Keyboard gibt es nun auch noch ein riesiges Schlagzeug. Zu 'The Whistleblower' wird das Pfeifen live dargeboten und ebenso live gibt es den wunderschönen Frauengesang der Keyboarderin bei 'No History'. Die Menge ist euphorisch und starrt sehr gebannt auf die Bühne, augenscheinlich zu fasziniert, als dass der Tanzpulk unten schon zu einem Schlachtfeld mutiert wäre. Auf der Leinwand gibt es mittlerweile eine Mondlandung von fliegenden Naziuntertassen zu bewundern, die natürlich am Ende zerstört werden. Zu dieser Darbietung wird es noch ruhiger im Saal, als ich es je für möglich gehalten habe. Langsam wiegen sich die Fans hin und her und und legen ihre ganze Kraft in den tosenden Applaus am Ende des Liedes. Man merkt LAIBACH die jahrelange Bühnenerfahrung an. Die Musiker sind sehr gut eingespielt, der Sound ist perfekt, die Show wurde mit viel Liebe zum Detail kreiert und doch wirken alle entspannt, ruhig und ungezwungen. Ein großartiges Erlebnis, das ich und die vielen anderen Zuschauer noch lange nicht vergessen werden.

PROJECT PITCHFORK

Dann mal los, zu einer meiner absoluten Lieblingsbands ever.... Bevor die Show anfängt, wird noch Jemand aus dem Publikum gewählt, der die Hamburger ansagen darf. Es wird ein junger Mann namens Thomas. Hinter der Bühne werden ihm alle Instruktionen gegeben, die er für diese Aufgabe braucht und als es dann soweit ist, meistert er seinen Auftritt mit Bravour.

"Jetzt kommt PROJEKT PITCHFORK." Live haben die Hamburger mich noch nie enttäuscht, allerdings habe ich die CDs der letzten Jahre nicht mehr so ganz aufmerksam verfolgt. Angefangen hatte für mich 1995 alles mit der "Corps d´amour". Aber ich habe wenig Hoffnung, dass Peter so tief in die Vergangenheit langen würde, um das Publikum im Jahre 2015 zu unterhalten.

So bin ich wenig überrascht, dass die Band 'Timekiller' als Opener gewählt hat, eben doch der Disco und Tanzhit, den alle Welt kennt. Scheint sich wohl irgendwie langsam als Standard einzuschleichen. Ok, zugegeben, 'Timekiller' ist eines der besten Tanzlieder, das sie zu bieten haben und ich hüpfe und singe was das Zeug hält. Dann werden eine paar neuere Lieder zum Besten gegeben, die ich gut, aber nicht überragend finde, aber das ist wohl eher Sentimentalität und Geschmackssache. Ich genieße in der Zwischenzeit den Ausblick auf das extrem vergnügte Publikum und die sehr vergnügte Band. Klar, als Hamburger beschränkt man sich doch eher auf die kleinen Ansagen mit wenigen Worten, aber nichts desto trotz merkt man den Jungs an, dass sie Spaß haben und das nicht zu wenig. Neben zwei Keybords gibt es auch nun ZWEI Schlagzeuge. Und wer sich fragt, wer das außerhalb des Metals und dann gerade im Elektrobereich braucht, der hat noch nie 'Beholder' live gesehen. Peter tanzt als gäbe es kein Morgen mehr und auch das Publikum ist nicht mehr zu halten. Gerade als ich die Gesamtlage so schön ruhig von meiner Balustrade aus genieße, ist das Lied vorbei und dann passiert etwas, was mich völlig von den Socken haut. Schon bei den ersten zwei Tönen reiße ich ungläubig die Augen auf...'Carnival'! Das ist mein Lieblingslied, wenn man mal von 'KNKA' absieht. Und das spielen sie nach mehr als 15 Jahren live hier. Und ich bin dabei. Leider ist der jüngere Rest des Publikums sich der Schönheit des Liedes nicht so bewusst wie ich, was dazu führt, dass viele etwas ruhiger bleiben, als ich mit meiner euphorischen und ekstatischen Stimmung begreifen kann. Dass ich das Lied leider tanzend auf dem Balkon erleben muss, und nicht in der Menge unten, ist der einzige Wermutstropfen. Aber wer kann denn schon mit 'Carnival' rechnen ? Dann ist irgendwann leider alles vorbei und mit einem „Danke Oberhausen“ verabschiedet sich PROJEKT PITCHFORK.

Ich würde sagen, die Herren sind nun quasi gleich auf mit LEATHER STRIP auf meiner Punkte Skala des heutigen Tages. Dicht gefolgt von CENTHRON. Aber schauen wir noch zur "last but not least“ Band des Abends:

VNV NATION

Da ich schon währen der letzten Band eine Freundin unten erspäht habe, die ein sehr großer VNV NATION Fanist, beschließe ich, das Konzert an ihrer Seite in der Menge zu verbringen. Hunderte Gänsehautmomente, viele Lichter und romantische Stimmung sind wohl bei jedem Konzert garantiert. Aber man darf auch nicht großartige Tanzlieder wie 'Control' vergessen. Ich bin gespannt. Unten in der Menge ist es mittlerweile extrem warm und stickig. Es ist unglaublich voll und schon vor Beginn der Musik tanzen die Leute erwartungsvoll in der Menge. Dann betritt ein fröhlicher Ronan die Bühne und los geht es mit 'Legion', sozusagen der musikalische Mittelweg. Die Menge wird langsam warm und wippt von einem Fuß auf den anderen.

Danach heißt das Motto wohl "wach werden" den mit 'Sentinel' wird es eindeutig nicht langsamer. Der leichte EBM Klang freut die vielen Zuschauer und vorne geht es ganz behutsam an die ersten Tanzschritte. Ich versuche vergeblich in der pulsierenden Menge Schreiben und Tanzen zu koordinieren und beschließe, dass Konzert erst einmal zu genießen. Mit 'Testament' werden dann nochmal die BPM erhöht und nun tanzen die meisten um mich herum. Mit 'Illusion' erreicht VNV Nation den absoluten Höhepunkt des Abends und verstohlen wische ich mir eine kleine Träne aus dem Augenwinkel. So unglaublich schön ist die Ballade, untermalt von vielen gelben Lichtpunkten, die aussehen, wie Sterne am Nachthimmel. Der Text ist traurig und hoffnungsvoll zu gleich und so ist es nicht verwunderlich, dass die Menschen nun andächtig der wundervoll sanften Stimme lauschen und in Gedanken versunken sind. Nach viel zu kurzer Zeit ist das Lied leider vorbei, doch der ruhige Sound hallt noch einige Sekunden nach. Mit 'Everything' wird nun das Tempo wieder leicht angezogen und die Menge aus ihrer Trance gerissen. Was eben noch die Hamburger von PROJEKT PITCHFORK sehr wortkarg gemeistert haben, ist nun bei diesem Wahl-Hamburger ganz anders. Obwohl eigentlich aus noch nördlicheren Gefilden, lässt es sich Ronan nicht nehmen, nicht nur zwischen den Liedern Ansagen zu machen sondern auch während der Lieder. So wird man das eine oder andere Mal aus dem Takt gebracht, ist verwirrt beim Mitsingen und hat manchmal das Gefühl, dass das Gerede nicht immer zu der Stimmung des Liedes passt.

VNV Nation

Langsam wird es so unglaublich warm vorne, dass wir beschließen ein wenig nach hinten zu gehen. Gerade fast ganz hinten angekommen und erleichtert über die frische Luft, passiert genau das, was ich befürchtet habe. Der Anfang von 'Space & Time' dringt an meine Ohren und es gibt keinen Weg zurück in die Menge. Ich beschließe auf "unser" Lied für mich und meinen leider nicht anwesenden Mann, dafür umso gefühlvoller zu tanzen, und den neu gewonnen Platz hinten so zu meinem Vorteil zu nutzen. Bei 'Control' tobt die Halle und auch ich nutze jeden Zentimeter Tanzfläche, den ich bekommen kann. Auf der Bühne wird es hingegen ein wenig absurd. Ronan hat wohl Peter (PROJEKT PITCHFORK) im Publikum gesehen und nutzt die Melodie der Lieder als Hintergrund für seine spaßigen Ansagen. "Schmeißt ihn raus, Schmeißt ihn raus....Meine Damen und Herren, Peter Spilles." Oder auch "Peter, Komm auf die Bühne", was dieser sich nur gefühlte 7 mal sagen lässt, bevor er dann tatsächlich hochklettert und von der Bühne aus das Publikum animiert. "Meine Damen und Herren: Das Krümelmonster aus Hamburg"....Äh, ja. Ok, alle haben wohl mächtig Spaß. Nachdem Herr Spilles dann doch irgendwann wieder runter von der Bühne ist, fängt mit 'Perpetual' leider das letzte Lied von VNV NATION und damit auch das letzte Lied des ganzen Festivals an. Arm in Arm wird getanzt und mit ein bisschen Wehmut klingt der Abend mehr als gebührend aus.

Erschöpft aber überglücklich mache ich mich auf den Heimweg und freue mich schon riesig auf nächstes Jahr.

Einen großen Dank an Ekaterina "Darklen" Sirazitdinova für die wirklich tollen Fotos.

Redakteur:
Yvonne Heines

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