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Elements Of Rock - Uster (CH)

02.05.2006 | 13:20

22.04.2006, Stadthofsaal

Auf dem EOR ist's wie bei Aldi: Die Leute kommen von der ganzen Welt vorbei. Diese Weisheit lehrte uns jedenfalls ein jugendlicher Einwanderer, der vor der Halle spazierte und erstaunt über dieses Festival und seine vielen, unterschiedlichen Besucher war.
Das Freitagsangebot haben wir leider verpasst, aber Ohrenzeugen nach kamen die jungen, motivierten Ukrainer HOLY BLOOD ziemlich gut an und vor allem ROB ROCK, der Live einfach eine Macht ist, konnte die Meute begeistern. Nicht nur für uns waren jedoch ONCE DEAD der Grund dafür, an diesem Wochenende in die Schweiz zu reisen, denn die eine oder andere Band hat man schon öfter in Deutschland bewundern können und wegen den unbekannteren Truppen reist man letztendlich doch nicht so weit.

SAPHENA
Den Anfang am Samstag machten SAPHENA aus dem Chemnitzer Raum. Diese Formation ist aus der ehemaligen Band BRAIN FAQ entstanden und unter diesem Namen standen sie auch schon mit Bands wie beispielsweise 4LYN auf den Brettern. SAPHENA haben sich dem Metalcore verschrieben, ich hätte sie eher dem New Metal zugeordnet, bin aber in diesem Gebiet auch nicht so gut bewandert. Obwohl die Band ziemlich gut ankam und musikalisch alles im grünen Bereich war, wollte bei mir der Funken einfach nicht überspringen. Ich habe mich während der gesamten Show gefragt, warum das im Falle von SAPHENA so ist. Die deutschsprachigen Texte waren es nicht, aber mir persönlich fehlte vermutlich einfach die Geschwindigkeit und vor allem auch mal eine nette Melodie. Sorry Jungs, das war einfach nicht mein Geschmack, aber ansonsten habt ihr alles richtig gemacht!

IMMORTAL SOULS
Auf die Finnen war ich sehr gespannt, denn mit ihrem teils melodischen Death Metal haben sie einige nette Songs im Gepäck, die live auch gut funktionieren sollten. Jedoch war die gesamte Band an diesem frühen Abend etwas hüftsteif und ich hätte mir schon etwas mehr Spielfreude gewünscht (vielleicht waren die aus Finnland kommenden "Winter Metaller" noch nicht aufgetaut). Was man der Band nicht vorwerfen kann, ist der weniger gute Sound, den sie leider hatte. Dennoch wurden IMMORTAL SOULS beim dankbaren Publikum ziemlich abgefeiert. Besondere Freude kam auf, als sie als letztes ihren (mit Abstand) besten Song 'Snow Soul' ankündigten, wobei stellenweise keine Snare vom Schlagzeug zu hören war. Lassen wir den weniger guten Sound und meine zu hohen Erwartungen außen vor, so kann man den Auftritt als gelungen einstufen.

MAD MAX
Weiter im Kontrastprogramm ging es mit MAD MAX, die vor kurzem noch im Vorprogramm von ALICE COOPER und DEEP PURPLE standen. Nicht nur für mich zählte diese sympathische Truppe zu den Gewinnern des Festivals, denn nicht nur musikalisch hatten die Melodic Rocker einiges zu bieten: Neben ihrer abwechslungsreichen Show, gespickt mit Klassikern aus der über 20-jährigen Bandgeschichte, kam vor allem das freundliche Auftreten der Musiker beim Publikum gut an. Mit Michael Voss haben sie einen richtig guten Frontmann in ihren Reihen, dem es ein Leichtes ist, die Zuhörer zu animieren. Ich hatte mich auf diesen Auftritt mit Poser-Musik aus den 80ern gefreut und wurde nicht enttäuscht. So konnte man sich gut vorstellen, dass diese Band 1986 im Vorprogramm von STRYPER auf ihrer Europatour schon die Menge begeistern konnte. Die Qualität überzeugte auch das jüngere Publikum, das sich ansonsten eher den derberen Klängen verschrieben hatte. Bei der Zugabe machte sich dann wieder das Alter bemerkbar, denn als wir inbrünstig 'Fox On The Run' von THE SWEET mitgröhlten und krächzten, musste ich verwundert feststellen, dass die Nummer dem übrigen Publikum scheinbar doch recht unbekannt war. Als es für uns jedoch kein Halten mehr gab und wir bis zur Bühne vorpreschten, war es eine besondere Freude, dort Christian Rivel (NARNIA) zu entdecken, der bei der Nummer ebenso seinen Spaß hatte wie wir. Absolut gelungener Auftritt, den die Band sichtlich genossen hat und man konnte sie noch den ganzen Abend über gut gelaunt durch die Halle flitzen sehen.

ONCE DEAD
15 Jahre lang habe ich darauf gewartet, die folgende Band einmal live bewundern zu können. 15 Jahre sind lang, wenn es sich dabei um eine der eigenen absoluten Lieblingsbands dreht - und auch wenn VENGEANCE RISING nie Weltrum erreichten, so handelt es sich meiner Meinung nach hierbei zweifellos um eine Formation, die der Weltklasse zuzuordnen ist.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich damals dem Debüt von VENGEANCE RISING entgegenfieberte und schließlich fast zeitgleich im Jahre 1990 "Once Dead" und "Human Sacrifice" in meinen Händen hielt, weil es in Deutschland keinen Vertrieb gab, der das Teil zu einem früheren Zeitpunkt hätte beschaffen können. Über einen Vertrieb aus der Schweiz kam schließlich das Tape von "Once Dead" in mein Haus geflattert und im Jahre 2006 machte ich mich auf den Weg in die Schweiz, um jene Band mit neuem Namen endlich live und in Farbe erleben zu können. Beide Alben (an denen die ONCE DEAD-Musiker mitwirkten) haben die gesamte White-Metal-Szene verändert und Unmengen von Bands beeinflusst. Diese Hammerscheiben (insbesondere "Human Sacrifice") sind unsterbliche Klassiker und müssen sich vor keinem Album der Welt zu verstecken. Ich persönlich finde selbst das stilistisch etwas differenzierte "Reign In Blood" von SLAYER nicht besser. Wer jetzt "Blasphemie!" schreit, der vergleiche mal die Texte beider Alben. ;-)
VENGEANCE RISING waren 1987 zumindest eine der ersten Bands, die mit extremem, Death-Metal-artigem, Gesang auf sich aufmerksam machten. Darum wurde die Band, die sich ansonsten dem Speed und Thrash Metal verschrieben hat (auf "Once Dead" sind ebenfalls Hardcore-Einflüsse zu hören), auch von manch einem als Death-Metal-Band eingestuft. An dieser Stelle muss auf die heutige Besetzung eingegangen werden, denn obwohl Roger Martinez (ehemaliger Sänger, der noch zwei gute Alben unter dem VENGEANCE RISING-Banner herausbrachte, ehe dieser seine Glaubensrichtung änderte und musikalisch nichts mehr auf die Reihe brachte) der Formation nicht angehört und die alten Mitglieder Glen Mancarouso (Drums) und Roger Dale Martin (Bass) vor kurzem ausgestiegen sind, weisen ONCE DEAD eine absolut hochwertige und ebenso interessante Besetzung auf: Da wäre neben den Original-Gitarristen Doug Thieme und Larry Farkas in erster Linie der wieder eingestiegene Bandgründer Glenn Rogers zu nennen. Dieser war außer bei VENGEANCE RISING schon in Bands wie H.E.R.O. und DELIVERANCE aktiv, hat dabei unsterbliche Lieder geschrieben und ist heute neben ONCE DEAD auch bei HIRAX am Start. Beide Bands werden hoffentlich bald ihre neuen Alben veröffentlichen, die durch sein Mitwirken garantiert außergewöhnlich gut ausfallen werden. Diese drei Gitarristen harmonieren unglaublich gut zusammen und konnten auf dem EOR eine Soundwand bilden, die ihresgleichen sucht. Für die Bassposition konnte man kurzerhand Frank Espino von HIRAX gewinnen, der sich wunderbar einfügen konnte und live Akzente setzte. Auch die ehemaligen Mitglieder konnten musikalisch durchweg überzeugen, jedoch scheinen sie mittlerweile nicht mehr allzu viel für extreme Musik übrig zu haben. An den Drums sitzt heute Jim Chaffin, der schon immer zu meinen persönlichen Lieblingsschlagzeugern gehört hat. Was dieser Typ früher bei THE CRUCIFIED eingetrommelt hat, war und ist in diesem musikalischen Bereich (Old-School-Hardcore, Thrash Metal) schlicht herausragend. Somit ist dieser Mann selbst für eine Band wie ONCE DEAD eine Bereicherung. Fehlt noch der Gesangesposten, welcher von Scott Waters (ULTIMATUM) übernommen wurde. Es ist definitiv schwierig, in die Fußstapfen eines Roger Martinez zu steigen, der einfach eine Persönlichkeit war und eine unverkennbare Stimme besitzt. Scott Waters ist jedoch eine gute Wahl als Sänger, denn er ist ein Vollblut-Metaller und konnte sich stimmlich gegenüber der ONCE DEAD-Live-DVD deutlich steigern, was für seinen insgesamt gelungenen Auftritt entscheidend war. Alles in allem also eine All-Star-Band, die imstande ist, live alles platt zu walzen und eine absolute Hammerscheibe zu veröffentlichen. Zumindest was den Auftritt angeht, kann ich dies nach diesem Wochenende bestätigen, womit wir endlich die Einleitung abschließen können...
Es knisterte im Vorfeld und die Vorfreude auf ONCE DEAD war riesengroß. Obwohl das Album "Once Dead" 15 Jahre auf dem Buckel hat, besitzen ONCE DEAD noch viele Fans. Vor der Bühne machten sich die Alt-Metaller breit und konnten die Show kaum erwarten, dahinter die jüngere Fraktion, die neugierig erwartete, was da auf sie zukommen sollte. Schon als die Musiker auf der Bühne ihre Instrumente checkten, war jedem klar, dass nun etwas ganz Besonderes folgen würde und die 15 Jahre Wartezeit wurden einfach aus dem Gedächtnis gestrichen. Jeder fühlte sich heute wie in das Jahr 1990 zurückversetzt - die Bier-Wampe, die dicken Brillengläser, leicht ergrauten Haare oder kahlen Stellen auf dem Schädel mal außer Acht gelassen. Als das Gitarrenintro des unvergänglichen Klassikers 'White Throne' ertönte, gab es kein Halten mehr und Enthusiasmus pur erfüllte die Halle. ONCE DEAD hatten vom ersten Ton an gewonnen und setzten nun ihren Siegeszug fort, denn mit solchen Hits im Gepäck kann man gar nichts falsch machen. Dabei stimmte sogar das Optische und die Band ließ sich von der überschwappenden Stimmung anstecken. So ging es hin und her und auch die angesprochene, große Anzahl junger Musikbegeisterter im Publikum konnte sich dem nicht entziehen. Gerade bei 'White Throne' wurde jede Textzeile mitgegröhlt und auch das darauffolgende 'Can't Get Out' sorgte dafür, dass manch einer nach dem Konzert keine Stimme mehr hatte. Ich selbst schob beim Headbanging die konditionellen Mängel und körperlichen Beschwerden so gut es ging beiseite. So fand ich mich sogar des Öfteren im Moshpit wieder, denn wer, wenn nicht ONCE DEAD, sollte mich heutzutage noch zum Pogen bewegen? An dieser Stelle ein großes Lob an die Fans auf dieser Veranstaltung, die ebenfalls zum Gelingen enorm beitrugen. Nicht nur zahlreich und stimmungsmäßig waren sie ständig auf der Höhe, denn man blieb auch von diesen Vollidioten verschont, welche Pogo mit Boxring verwechseln - ich selbst bin jedenfalls mit zwei blauen Flecken davongekommen. Stimmungsmäßig gab es keinen Abfall und weitere Höhepunkte, wie beispielsweise 'Into The Abyss', bei dessen Intro Larry Farkas seine Gitarre mit einem Geigenbogen bearbeitete, folgten. Absolut herausragende Nummern, wie 'Mulligan's Stew', 'Warfare', 'Human Sacrifice' und die Zugabe 'Burn' sprechen für sich, aber auch das hammergeile 'Beheaded' wurde mit Recht frenetisch gefeiert. Das macht diese geniale Band eben auch aus: Hinter den Überhits stehen noch genügend weitere, erstklassige Songs auf der Liste. Seit dieser Show sind die VENGEANCE RISING-Silberlinge wieder in Dauerrotation und der neue wird heiß erwartet. Diese Band muss man ohne wenn und aber auf dem Zettel haben, und in dieser Form ist es nur eine Frage der Zeit, ehe ONCE DEAD auch in Deutschland live zu bewundern sind. Ich würde es mir unbedingt wieder anschauen!

Setlist (keine Garantie für die Reihenfolge):
White Throne
Can't Get Out
Mulligan's Stew
Beheaded
Warfare
Frontal Lobotomy
Fatal Delay
Into The Abyss
He Is God / Salvation / Receive Him
Human Sacrifice
---
Burn Satan Burn

NARNIA
Es folgten die Schweden NARNIA, die in letzter Zeit häufiger Live zu bewundern waren (zumindest in Deutschland). Ich persönlich habe damals noch MODEST ATTRACTION live erleben dürfen, als die junge und unverbrauchte Band um Christian Rivel und seinen Bruder sich im 70er-Jahre-Sound und -Outfit mit ihrer außergewöhnlichen Spielfreude in die Herzen der Fans spielten. Nach zwei Konzerten in Deutschland gründete Christian Rivel schließlich die Melodic-Metal-Band NARNIA und ist mit dieser seither auch recht erfolgreich. Mit bekannter Spielfreude legten auch NARNIA an diesem Abend los und hatten die Halle sogleich im Griff. Etwas unpassend und amüsant finde ich lediglich, wenn Christian die Fans anfeuert und nach vorne pusht, aber direkt im Anschluss eine gefühlvolle Melodie ins Mikrophon haucht. Obwohl sich das Festival dem Ende neigte, hatte das unglaubliche Schweizer Publikum noch genügend Luft und feierte den Abend mit NARNIA weiter, womit es nicht nur eine gute Ausdauer, sondern auch große Toleranz im Musikgeschmack bewiesen hat.

Die letzte Band des Festivals, INEVITABLE END, haben wir dann wieder verpasst, weil wir uns bereits auf der langen Heimreise befanden. Bleibt mir noch dem Veranstalter zu danken, dass sie (wie im vergangenen Jahr bereits mit BARREN CROSS geschehen) mit ONCE DEAD eine ebenso erstklassige wie kultige Old-School-Band verpflichtet haben. Die perfekte Organisation, das bemerkenswerte Umfeld des Festivals, die sehr gute Atmosphäre, das große musikalische Spektrum, sowie die Auswahl und Spielzeit der Bands sind die Gründe dafür, warum alle Anwesenden begeistert waren. Die Vorfreude und Hoffnungen auf ein EOR 2007 sind groß!

Danke an Stefan Bruhn für die ONCE DEAD Fotos!

Redakteur:
Stefan Lang

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