top banner 158
side banner 159

Eminenz/Purgatory - Berlin

16.01.2008 | 06:35

12.01.2008, Knaack

Der Pille hat Geburtstag - und Berlins Hartwurst-Szene erscheint in Größenordnungen. So lässt sich in Kurzform jener kühle Samstagabend im Berliner Knaack-Club beschreiben, in dem der bekannte Inhaber der nahe gelegenen Metal-Kneipe "Access" wie jedes Jahr seinen Geburtstag feiert. Obwohl, ist Pille wirklich so bekannt? Zumindest seinen Namen will er nicht öffentlich lesen. Macht aber nix, denn seit Jahren sorgt er über sein Projekt Blackland für derbe Klänge in der Berliner Konzertlandschaft. Zu seinem Ehrentag hat er gleich vier Bands eingeladen.

Den Beginn machen dabei VINTHAR aus Berlin, die mit symphonischem Black-Metal-Klängen um die Gunst der zahlreich erschienenen Zuschauer buhlen. Das gelingt nicht bei allen: Süffisant merkt eine Freundin die Austauschbarkeit des Sounds im Vergleich zu anderen, ganz ähnlich gestrickten Kapellen an. Doch haben die sechs Musiker auch einige treue Fans im Schlepptau, die VINTHAR gebührend feiern. Ähnlich zweigeteilt verläuft der Gig von MORVAN, die ebenfalls ihre hauptstädtische Anhängerschaft mitgebracht haben. Sie zocken äußerst old-schooligen Death Metal mit einer Prise Thrash. Optischer Mittelpunkt ist dabei Frontmann Tyrannizer, der sich stilecht eine Pornobrille auf die Nase geschnallt hat und damit versteht zu posen. Doch wirken die Songs von MORVAN nach spätestens einer Viertelstunde doch noch zu altbacken und manches Mal ein wenig zu holprig, um auch Neuhörer der Berliner begeistern zu können. Ihre Fans frohlocken trotzdem.

Mehr Substanz versprühen an diesem Abend allerdings die Sachsen. Mit EMINENZ und PURGATORY sind zwei Urgesteine der sächsischen Szene im preußischen Berlin zu Gast - und auch diese beiden Bands haben eine Menge Leute aus der Heimat mobilisieren können. So ergibt sich eine hübsche Situation der sprachlichen Zweigleisigkeit, weil ganz schön viele Fans an diesem Abend nicht im strammen Berlin-Slang, sondern in breitem Säääxy-Dialekt parlieren. Auch PURGATORY. Zumindest klingt es witzig, wenn der äußerst stämmige Frontmann Dreier - wie immer trägt er stolz sein "Gott ist heute nicht hier"-Shirt - das neue Album "Cultus Luciferi - The Splendour Of Chaos" mit sehr breiter Betonung ankündigt. In ihrem Set beschränken sich die Sachsen allerdings nicht nur auf die bald erscheinende Scheiblette, sondern spielen im Gegenteil noch sehr viel mehr Material des vorigen "Luciferianism"-Albums. Kracher wie 'Bloodsoil Revelation', 'Death World Struggle' oder das an AMON AMARTH gemahnende 'Seeds Of Annihilation' reihen sich so aneinander. Die Fans kommen nun zum ersten Mal richtig aus sich heraus, die Anzahl geschüttelter Haare vervielfacht sich. Was auch logisch ist, denn PURGATORY stehen schon seit mehr als einem Jahrzehnt für richtig guten und extremen Death Metal. Besonders das technisch äußerst anspruchsvolle Drumming begeistert - ein feines Geburtstagsgeschenk für den Pille, das mit EMINENZ aber noch getoppt wird.

Lange sind die sächsischen Black-Metal-Heads ja nicht sooo übermäßig ernst genommen worden. Diese Zeiten sind vorbei. In Berlin zeigen EMINENZ, wie sehr sie künstlerisch gewachsen sind - und dass sie durchaus mit noch größeren Bands mithalten können. Das Sextett versteht es inzwischen, selbst den Songs aus den Anfangstagen wie 'Dark Millenium' einen äußerst dynamischen Live-Kick zu versetzen. Allerdings liegt auch bei EMINENZ der Fokus auf ihrer aktuell selbstbetitelten Comeback-Scheibe "Eminenz", die sie nach rund fünf Jahren des Darbens im vergangenen Jahr veröffentlicht haben. Auf dem Album haben sie etliche Songtitel nach bekannten Bands benannt - und die Stücke mit Namen wie 'Marduk', 'Infernal Majesty' oder das an eine sehr bekannte US-Band angelehnte 'The Return Of The Four Horsemen' kommen äußerst gut an, weil sie auf kluge Weise mitreißenden Black Metal mit Keyboard-Klängen und einem Hauch Death Metal verbinden. Dazu wirkt die Darbietung auf der Bühne durchaus gekonnt: Zwei der EMINENZ-Schergen spielen in Kettenhemden, dazu hat der kräftige Frontmann Leviathan sein schönstes Corpse-Paint aufgepinselt und über sich eine ordentliche Pulle Kunstblut ausgequetscht. Nur die vielen Eistee-Dosen auf der Bühne fallen ein wenig aus dem grandiosen Black-Metal-Rahmen heraus ... doch nicht lange, dann ereilt auch EMINENZ der Durst nach Bier. Denn nach dem Gig findet im "Access" die große Aftershow-Party statt, während der kollektiv und mit Nachdruck auf Pille angestoßen wird. Ein Geburtstag nach Maß.

Redakteur:
Henri Kramer

Login

Neu registrieren