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Euroblast-Festival 2014 - Köln

12.10.2014 | 14:16

03.10.2014, Essigfabrik

Das Progressive Metal-Event des Jahres geht in die 10. Runde. POWERMETAL.de ist bei der Mega-Party wieder dabei.

FREITAG

AYAHUASCA (Foto links)... Der Name lässt ruhige, psychedelische Melodien vermuten. So setze ich mich gemütlich mit meinem Schreibwerkzeug auf den Boden, und genieße die frühen Mittagsstunden. Die sieben Herren kommen zum großen Teil sehr farbenfroh auf die Bühne und haben zusätzlich zu den Drums noch zwei Percussion Sets aufgestellt. Das Intro beginnt mit Dschungel- und Waldgeräuschen, Vogelgezwitscher und Blätterrauschen. Jetzt noch einen Tee und gemütlich zuschauen - denke ich... Doch das, was mir jetzt geboten wird, belehrt mich eines Besseren: Die Tribal-Drum-Klänge am Anfang, die beiden perfekt eingespielten Perkussionisten, der Rhythmus des Liedes und die Stille in den kurzen Pausen der Trommler. Sitzen bleiben wird unmöglich, ich bin hin und weg. Als dann das Lied an Fahrt gewinnt und durch melodisch harten Gesang sowie zwei Gitarren und einen Bass unterstützt wird, stellt sich spontan Gänsehaut ein. Irgendwo zwischen MINISTRY und SEPULTURA rocken sich die Kölner durch ihr Konzert. Dynamisch, gut gelaunt, super eingespielt, publikumsnah und mit einer netten Performance. Mittlerweile ist es halb voll in der Halle geworden und das Publikum ist begeistert. Der Wechsel zwischen ruhigen Parts, zum Teil von Geigenmusik untermalt, und kraftvoll gegrowlten Passagen ist fantastisch. Die Band bedankt sich immer wieder und schafft es so fröhlich und ehrlich auf der Bühne Spaß zu haben, dass alle von dieser Laune angesteckt werden. Ich will mehr davon!

[Yvonne Päbst]

Ganz "ungewohnt" geht es nicht mit Djent oder Prog weiter, sondern mit technisch versiertem Death Metal: FUCK YOU AND DIE (Foto links) macht mächtig Alarm und stellt etliche Blast-Beat-Rekorde auf. Die Band aus dem Schwarzwald mit drei DER WEG EINER FREIHEIT-Musikern zelebriert teils NECROPHAGIST-affinen Death Metal mit feinen melodischen Soli, andererseits haut die Band dem Publikum auch ein paar Grindcore-Batzen vor den Latz, die wiederum eher an NAPALM DEATH erinnern. Trotz der relativen Sonderstellung freuen sich viele ob des krassen Sounds des Quintetts. Als ob es selbstverständlich wäre, wechseln alle Musiker bis auf den Drummer irgendwann die Instrumente und zocken astreinen Black Metal. Irgendwie belustigend und bewundernswert zugleich. Ich hätte allerdings gerne mehr vom aktuellen Album "Elements Of Instability" gehört.

[Jakob Ehmke]

CARCER CITY prügelt sich in typischer Metalcore-Manier durch das Set. Kurze, knappe Riffs mit generischen Akkorden. Das Schlagzeug gibt brav den Takt an, der sehr häufig wechselt. Nur selten findet man eine eingängige Passage im Song. Gegrowle wird von Klargesang abgelöst, aber auch das kennt man schon von vielen Bands. Routiniert und technisch gut spielt CARCER CITY das Konzert runter und nach einiger Zeit bildet sich sogar ein Moshpit in der Halle. Als wäre das nicht schon genug, dirigiert sich das Publikum am Ende sogar selbst eine Wall of Death zusammen. Sie fällt sehr klein aus, aber das ist angesichts der Größe des Publikums auch nicht verwunderlich. Hauptsache, die Fans haben ihren Spaß.

[Yvonne Päbst]

MODERN DAY BABYLON (Foto links) ist spontan eingesprungen, ein Umstand der mich sehr freut, das aktuelle Album "Travelers" ist immerhin mein Nummer-Eins-Album aus 2013. Die Tschechen geben eine Lehrstunde in Sachen Instrumental Djent/Progressive Metal, immer mehr Gäste kommen in die Halle und bleiben stehen, um sich das Groove-Spektakel anzuschauen. Die schiere Energie des Schlagzeugers ist geradezu ansteckend. Auch die Bewegung des Publikums wird immer ausgefallener, vom leichten Kopfnicken bis zum Ganzkörpereinsatz ist alles zu sehen. Definitiv ein Highlight des Festivals!

[Jakob Ehmke]

Wir bleiben im ähnlichen Metier, denn auch mit CHIMP SPANNER gibt es instrumentale Finesse zu bestaunen. Allerdings mit höherem Ambient-Faktor als bei MODERN DAY BABYLON. Sehr tight und mit toller Gitarrenarbeit arbeitet sich die Band um Mastermind Paul Ortiz durch die Songs des Debüt-Albums "At The Dream's Edge" und der aktuellen EP "All Roads Lead Here". Ihre Musik lädt zum Träumen und Abgehen gleichermaßen ein, allerdings finde ich die Showeinlagen des Schlagzeugers Boris etwas übertrieben, aber das mögen andere sicherlich auch anders sehen. Dennoch ein toller Auftritt!

[Jakob Ehmke]

Nach den weite Wellen schlagenden Auftritten vor zwei Jahren ist AGENT FRESCO (Foto links) mit Sicherheit eine der am stärksten erwarteten Bands. Heute haben die Isländer die große Bühne, die volle Aufmerksamkeit – und landen den nächsten Volltreffer. Es gibt wohl keine andere Gruppe, die während des normalen Euroblast-Programms soweit außerhalb des eigentlichen Spektrums des Festivals unterwegs ist, aber das scheint weder Musiker noch Fans zu stören. Diese lauschen nämlich den Klaviertönen zu 'Anemoi' und lassen sich anschließend von der feinen und doch so eindringlich emotionalen Stimme von Sänger Arnór Dan Arnarson entführen. Aber dies ist nur eine der vielen Facetten von AGENT FRESCO, im nächsten Moment rockt die Band nämlich (durchaus gewollt schief), was die Saiten hergeben. Die Musikalität ist den einzelnen Protagonisten in jedem Moment anzumerken, genau so wie ihre Freude darüber, beim Euroblast aufspielen zu dürfen. Auch wenn jeder gebotene Song etwas für sich hat, ist 'A Long Time Listening' aufgrund dieser omnipräsenten Melodie mit Sicherheit derjenige, der mit am längsten in der Ohrmuschel wiederhallt. Neue (und richtig gute!) Songs werden ebenfalls präsentiert, bevor 'Eyes Of A Cloud Catcher', sicher der Hit schlechthin, ein richtig tolles Konzert beendet, das auf jeder Ebene unglaublich viel zu bieten hatte. Die entsprechenden Publikumsreaktionen und die Vorfreude auf den Akustikgig morgen lassen nicht lange auf sich warten.

[Oliver Paßgang]

Es fängt ruhig an bei AGENT FRESCO. Balladenartig, mit Klavierbegleitung. Sehr melodisch. Der Pianist wird zum Gitarristen umfunktioniert und dann nimmt das Tempo und die Rockigkeit stark zu. Der klare Gesang des sympathischen Isländers ist umwerfend. Unglaublich in seiner Musik versunken, verzaubert er alle mit seiner Stimme. Zu den Songs tanzt er introvertiert und dezent. Trotzdem nimmt seine Präsenz auf beeindruckende Weise die ganze Bühne ein. Seine Natürlichkeit und seine Höflichkeit machen ihn zum geborenen Sänger. Auch der Gitarrist und Bassist spielen ihre Instrumente technisch auf einem sehr hohen Niveau; da fällt es auch gar nicht auf, dass die beiden die meiste Zeit auf ihrem Platz stehen bleiben. So, wie man sich introvertierte Nordländer vorstellt. Ganz anders Herr Anarson. Er gibt alles auf der Bühne und das Publikum dankt ihm mit tosendem Applaus und lautem Gejubel. Bei 'A Long Time Listening' singt der ganze Saal mit. Selbst unsere Fotografin tanzt. Chillig und langsamer geht es weiter. Der Gitarrist wird wieder zum Pianist und es wird Zeit die Augen zu schließen und die Musik zu genießen. Nach einem großartigen Auftritt verlässt eine überglückliche Band die Bühne. Der Beifall dauert noch sehr lange an, denn eigentlich will keiner so recht gehen.

[Yvonne Päbst]

Gefrickel. Ein Wort würde im Prinzip reichen, um angemessen über ein Konzert von EXIVIOUS zu berichten. Denn genau das ist es, was die vier sachlichen, nüchternen Typen auf der Bühne praktizieren. Man bekommt viel Krummes, Schiefes und Wirres in Perfektion, was selbst dann noch genau so wirkt, wenn man die Songs einigermaßen kennt. Technisch lässt die Band nichts anbrennen und auch der Sound ist absolut top, dennoch muss man sich voll konzentrieren, um der Musik einigermaßen vergnügt folgen zu können. Headbangenpassagen sind genau wie schöne Stellen so selten wie Oasen in der Wüste – und müssen dementsprechend bis zum Letzten aufgesaugt werden. Auffällig ist heute der Leerlauf zwischen den einzelnen Songs, bei dem man merkt, dass diese Instrumentaltruppe keinen wirklichen Frontmann hat; man könnte es charmant oder aber auch unprofessionell nennen. Aber das sei nur die Randnotiz eines Auftritts, der zum Ende hin nochmal richtig Fahrt aufnimmt: Wo andere sphärische Bands einen vom Himmel, dem Ozean oder dem Weltraum träumen lassen, sind die Assoziationen bei EXIVIOUS nicht so klar zu verorten. Interessanter, ordentlicher Gig!

[Oliver Paßgang]

Der massive Sound VILDHJARTAS bringt die Essigfabrik zum Einbrechen - steht zumindest zu befürchten, zudem bringen ständige Circle-Pits die Menge zum Kochen. Wirklich ärgerlich ist, dass die beiden Gesänge nicht gut abgemischt wurden, und zudem mit einem nervigem Störgeräusch daher kommen. Instrumental hingegen ist das Ganze absolut brachial; ich sehe nicht nur Köpfe, sondern ganze Körper moshen. Schade nur, dass der Gesang nicht optimal ist, so bleibt ein fader Beigeschmack der Show, auf die ich mich sehr gefreut habe.

[Jakob Ehmke]

Für alle Technik-Verrückten ist ANIMALS AS LEADERS (Foto links) wohl das Festival-Highlight überhaupt. Tosin Abasi ist zweifelsohne ein Szene-Guru, erfreut sich allerhöchster Beliebtheit und holt mit seiner Mannschaft nun endlich den Auftritt nach, der vor zwei Jahren abgesagt werden musste. Man könnte meinen, dass es eine Last darstellen kann, wenn einem eintausend Leute genaustens auf die Finger schauen, während man grenzwertig schwierige Griffbrettakrobatik zelebriert – hier und heute lassen sich die drei Herren jedoch nicht aus der Ruhe bringen und zu keinem einzigen hörbaren Fehler hinreißen. Man weiß auch gar nicht genau, wie man ein solches Konzert verleben soll. Sich in die Musik einfinden und irgendwie abgehen (auch wenn sich gefühlt alle paar Sekunden die Taktart ändert)? Oder die seltene Chance nutzen und diesem Meister des Fachs beim Zaubern zuschauen? Da ich kein absoluter Freak der Gitarrentechnik bin, habe ich persönlich mich für ersteres entschlossen, wenngleich auch ich teils gar nicht anders kann, als mit offenem Mund dazustehen. Das liegt aber für mich unerwarteterweise gar nicht mal nur an den beiden Herren an den 7-, 8- und 9-Saitern, sondern insbesondere auch am Kollegen im Hintergrund, der die Schießbude mit einem Punch bearbeitet, der jeder Beschreibung spottet. Dieses instrumentale Trio kann technisch alles, präsentiert Songs aus allen Phasen (wobei auffällt, dass Songs von "The Joy Of Motion" deutlich eingängiger daherkommen) und jeder Härte-Kategorie und erfüllt, nein, übertrifft damit zumindest meine Erwartungen deutlich. Songs oder Technik; wer auf modernen, progressiven Metal steht, der kann nicht nur so einiges entdecken, sondern vor allem ganz tief eintauchen. Die Zugabe 'CAFO' macht zum Schluss dann lustigerweise noch deutlich, dass selbst solch ein technischer Overkill noch "Hits" hervorbringen kann.

[Oliver Paßgang]

HIER geht's zum Samstag!

Redakteur:
Jakob Ehmke
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