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FAUN - Luna-Tour 2015 - Höchst

08.05.2015 | 08:45

20.04.2015, Jahrhunderhalle

FAUN: Fantasievoll – atmosphärisch – unbeschwert – nachdenklich. Alle diese Attribute kommen bei diesem wunderbaren Konzert zum Tragen.

Konzerte von FAUN sind immer ein Eintauchen in mystische Welten und Geschichten aus aller Welt, dargeboten von einer Band, deren Spielfreude mich jedesmal entzückt. Deshalb freue ich mich auch ganz besonders auf die Luna-Tour, die die Faune einmal in ganz anderem Rahmen zeigt: ineiner bestuhlten Jahrhunderthalle, die ein gewisses Theaterfeeling aufkommen lässt. Mit mehrmaligem Gongen wird uns kundgetan, dass wir doch bitte unsere Plätze aufsuchen möchten. Wer jetzt fragend die Stirn runzelt – ein Sitzplatzkonzert mit FAUN? - dem sei gesagt, dass das in diesem Fall wirklich zum Rahmen gepasst hat. So hat jeder die Möglichkeit, das Geschehen auf der Bühne zu genießen.

Das einzige Problem ist natürlich, dass wir Fotografen nicht vor die Bühne dürfen, um die Zuschauer nicht zu stören. Ich hoffe, ich kann trotzdem einen kleinen Eindruck von dem fantasievollen, atmosphärischen Bühnenbild und der tollen Lichtshow vermitteln, auch wenn der allgegenwärtige Bühnennebel doch oft sehr störend ist. Nicht nur für die Fotografen, auch für das Publikum, wenn das Geschehen auf der Bühne eben nur "nebelhaft" zu erkennen ist. Weniger wäre da manchmal mehr gewesen. Was die Zuschauer auch nicht erfreut, sind die Beiden, die rechts und links das komplette Geschehen auf der Bühne filmen. Einmal höre ich sogar eine massive Beschwerde eines Herren. Ich muss sagen, die beiden haben wirklich sehr gestört und das wunderbare Bühnengeschehen massiv beeinträchtigt. Da sollte man sich beim nächsten Mal eine besssere Lösung einfallen lassen. Aber das ist auch das einzig Negative bei diesem Konzert.

In Höchst ist wieder die Cellistin Maya Fridman dabei, sowie Efrén López, der laut Oliver 60 Instrumente spielen kann. Zwei bezaubernde Damen – Masha Shushera und Ayuna – sorgen für verschiedene Tanzeinlagen, mit und ohne Feuer.

Die Gongs sind verstummt, das Licht geht aus, laute Paukenschläge hallen durch den Raum. Die Bandmitglieder betreten nach und nach die Bühne und stimmen sich und uns mit 'Hörst du die Trommeln' auf den Abend ein. Da zucken schon beim ersten Lied die Beine und man möchte am liebsten aufstehen und tanzen. Oliver erklärt uns anschließend, dass man absichtlich ein Sitzkonzert veranstaltet hat, damit man die Augen schließen und die vielen Balladen der neuen CD "Luna" ganz in Ruhe genießen kann. Wer möchte, kann aber selbstverständlich seinen Sitzplatz verlassen und auf den Gängen tanzen.

Nun ja, das gestaltet sich ein wenig schwierig, steht man dann doch den anderen Gästen im Weg. Aber in der Jahrhunderhalle ist seitlich sehr viel Platz und so finden sich im Verlauf des Abends dort viele Leute ein, die sich doch lieber zu Musik bewegen wollen. Allerdings verpassen die dann auch viel vom einmaligen Bühnenbild und den wunderbaren Lichteffekten.

Die sich anschließende "kalte Nacht" erwärmt uns Maya Fridman mit dem Cello, beim 'Menuett' und bei 'Alba' können wir Efrén López an der Afghanischen Rabab bewundern. Wer jetzt aber denkt, dass es an diesem Abend eher besinnlich zugeht, wird sofort eines Besseren belehrt. Bei 'Iyansa' darf sich Rüdiger an der ganz großen Trommel austoben, Efrén bedient das Tamburin und Fiona spielt auf der Fujara Flöte. Eigentlich ist es unnötig zu erwähnen, dass jeder Song mit einem riesigen Beifall belohnt wird. Ich tue das hiermit doch, nicht dass noch ein Leser denkt, das Publikum hätte womöglich still und stumm auf den Stühlen gesessen.

Bevor wir uns in die 'Walpurgisnacht' entführen lassen, unterhält uns Oliver noch mit diversen Ideen für Fruchtbarkeitsrituale, die in dieser Nacht zum 1. Mai stattfinden können: "Also, indem sich das Land mit den Menschen vermählt, die also miteinander arbeiten, also das Land quasi fruchtbar machen, also um es ganz genau zu sagen, die Menschen arbeiten miteinander und machen dann das Land fruchtbar. Es ist halt ein Fruchtbarkeitsritual." Unterstützt wird er dabei von Katja, die meint, dass man das auch als Inspiration nehmen kann. Daraufhin macht sich Gelächter im Publikum breit, besonders als er eine Konzertpause verkündet, für diejenigen, welche es eventuell nicht abwarten können. Zuerst müssen aber alle noch gemeinsam singen. "Der Text ist ganz einfach: "Hey Io!" Im Kopf habt ihr bitte einen Wald, ein Feuer und seid schon im Lendenschurz – oder auch nicht." Weiteres Gelächter. Natürlich klappt das mit dem "Hey Io!" nicht wirklich gleich und so bittet Stephan um mehr Inbrunst. "Stellt euch einfach einen brünstigen Elch vor. Also das Ganze hat auch etwas mit einer Balz zu tun. Stellt euch vor, die Balz um einen brünftigen Elch." Weiteres schallendes Gelächter und spontaner Applaus, was Oliver zu dem Spruch veranlasst, dass man ja die Pause verlängern könnte. Weiter meint er: "Es gibt einen Mann, der bei diesem Lied wenig zu tun hat, das ist Niel Mitra mit seinem magischen Hut. Da ist der Zauberstab Harry Potters nichts dagegen. Er wird einfach seinem nackten Finger in die Höhe strecken und das ist das Zeichen dafür, dass ihr alle – wie die brünstigen Elche (mit einem schiefen Blick zu Stephan) – Hey Io! singt. Ach ja, das Lied heißt übrigens Walpurgisnacht."

Für die 'Walpurgisnacht' werden auf der Bühne von zwei Kapuzengestalten auch passend Feuer entzündet und Masha Shushera zeigt wenig später einen gekonnten Bauchtanz – sehr zum Entzücken des Publikums. Danach verkündet Oliver, dass eine kleine Pause von etwa 20 Minuten kommt – "solltet ihr noch nicht fertig sein, macht einfach länger!" - was natürlich weiteres Gelächter zu Folge hat. Dann wird er aber doch spontan wieder "ernsthaft" und tröstet alle diejenigen, die keine 20 Minuten ohne FAUN sein wollen, dass sie dafür natürlich vollstes Verständnis haben und ganz zufällig etwas vorbereitet haben. Denn draußen gibt ja auch noch einen Stand, an dem man CDs, T-Shirts und Tassen – "wir haben Tassen?!" bekommt. So geht der erste Teil ganz stimmungsvoll mit 'Hymne der Nacht' zu Ende. Dabei hat Maya einen Solopart und "Feuertänzerin" Ayuna sorgt für noch mehr Stimmung. Einfach nur wunderschön.

Nach gut 20 Minuten Pause ruft uns der Gong wieder in den Saal. 'Ne Aludj El', 'Era Escuro' und 'kaRuna' leiten den zweiten Teil ein. Die Musiker sitzen oder stehen im Halbkreis und Ayuna zeigt wieder ihr feuertänzerisches Geschick. Nach diesem kurzen, nachdenklich-besinnlichen Ausflug zeigt uns Stephan während der 'Blauen Stunde', dass er nicht nur Drehleier spielen kann, sondern auch richtig gut singen. Vor 'Frau Erde' ist es im Saal plötzlich ganz leise, auf der Hintergrundleinwand funkeln Sterne, später erscheint ein Baum, dann ein Flügelpaar und zum Schluss Mond und Sonne, während Ayuna mit zwei Mondsymbolen tanzt. Nach 'Wind und Geige' und 'Rhiannon' kündigt Oliver 'Rivers Of Babylon' an. Leichtes Aufstöhnen in der Halle, aber da wiegelt er auch schon wieder ab und meint, dass dies NIE passieren wird! Dafür singt Efrén erstmalig live vor Publikum bei 'Tinta'. Nun ist dies ja ein recht "schmalziges" Liebeslied und so erscheint prompt ein Putzmann, der ebendieses ''Schmalz'' von der Bühne wischt – sehr zur allgemeinen Erheiterung.

Leider ist das auch schon der (fast) letzte Song. Aber FAUN wäre nicht FAUN, wenn sie nicht noch ein oder zwei Zugaben vorbereitet hätten. So wird es mit 'Wenn wir uns wiedersehen' noch einmal fröhlich und außerdem stellt Oliver die Bandmitglieder vor, die dann jeweils einen kleinen Solopart einflechten und natürlich den ihren gebührenden Applaus einheimsen. Beim wirklich allerletzten Lied 'Abschied' kommt ein klein wenig Melancholie auf, was vielleicht auch an dem von Fiona gespielten Dudelsack liegt, der doch schon recht schwermütig klingt. Das hält das Publikum jedoch nicht davon ab, mit Standing Ovations zu zeigen, dass sie von den Darbietungen restlos begeistert sind.

FAUN ist einfach eine tolle Liveband und dieser Abend ist wirklich außergewöhnlich gewesen. Es sei schon einmal verraten, dass es im Oktober einen Tournachschlag gibt, die Termine kann man demnächst auf der FAUN-Website nachlesen.

Setliste: Hörst du die Trommeln, Diese kalte Nacht, Menuett, Alba, Iyansa, Walpurgisnacht, Hymne der Nacht – Pause – Ne Aludl El, Era Escuro, kaRuna, Blaue Stunde, Zeitgeist, Frau Erde, Wind / Geige, Rhiannon, Tinta; 1. Zugabe: Wenn wir uns wiedersehn; 2. Zugabe: Abschied

Redakteur:
Hannelore Hämmer

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