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FINNTROLL, TÝR, SKALMÖLD - Speyer

28.10.2013 | 19:13

27.09.2013, Halle 101

Unterhaltsam bis niveauvoll: Die Vielseitigkeit des Folk-, Viking- und Pagan Metal vereint in einem gelungenen Konzertabend.

Das exotische Bandpaket startet mit den Isländern von SKALMÖLD. Das Sextett beginnt gleich gefällig mit ihrer Mischung aus Viking und Folk Metal, die vom Publikum erstaunlich gut angenommen wird – wenn man die frühe Stunde bedenkt und dass den meisten Zuhörern isländisch eher weniger geläufig ist. So habe auch ich ein wenig Schwierigkeiten, die Songs auseinander zu halten. Das ändert aber nichts daran dass die Mucke richtig stark ist und besonders Sänger Björgvin Sigurðsson und Bassist Snæbjörn Ragnarsson (Gesundheit! Der Lektor) für ausgesprochen gute Stimmung sorgen. Zwei Songs erkenne ich dann doch und zwar 'Kvadning' von der ersten Scheibe "Baldur" und 'Gleipnir' vom "Börn Loka"-Album. Nach einer knappen halben Stunde räumen die Jungs dann die Bühne und haben sich auf jeden Fall für weitere Auftritte empfohlen.
[Martin Schneider]

Nach dem sympathischen Auftritt von SKALMÖLD kommen die nächsten Insulaner dran. Von Island geht es zu den Färöern und TÝR darf die Bretter betreten. Mit "Valkyrja" hat die Band ein richtig starkes neues Studioalbum in der Hinterhand, welches die Ausrichtung der letzten zwei Scheiben mit den Anfangstagen ein Stück weit vereint, mithin die jüngste Entwicklung sinnvoll abrundet. Dementsprechend macht die Hälfte des Sets auch "Valkyrja"-Material aus. Den Einstieg bilden 'Hold The Heathen Hammer High', das neue, den meisten vom Video sicher schon bekannte 'Blood Of Heroes', sowie 'By The Sword In My Hand'. Der Sound ist sauber und differenziert, die Band super aufeinander eingespielt und die Reihen vor der Bühne werden zusehends dichter. Mit 'Mare Of My Night' und 'Valkyrja' gibt es wieder aktuelles Material, bevor 'Sinklars Visa' das älteste Stück des Abends sein darf. Mit dabei hat man Aushilfsschlagzeuger Amon Ellingsgaard, der für den kürzlich ausgestiegenen Kari Streymoy den Tour-Ersatz spielt und diesen Job ohne Fehl und Tadel versieht. Überhaupt, ohne Fehl und Tadel ist ein gutes Stichwort: Technisch und von der Darbietung her lässt die Truppe um Mastermind Heri Joensen nichts anbrennen. Heri als ohnehin sympathischer Frontmann wird als Sänger immer besser (auch wenn einige Passagen in 'By The Sword In My Hand' etwas daneben klingen und er generell rauer singt als auf Platte), Terje ist ohnehin ein sehr guter Solo-Gitarrist und Bassist Gunnar gibt den dauergrinsenden Aktivposten. Mr. Joensen erntet auf das Fragespielchen, wer hier sei um - neben den anderen Bands - TÝR zu sehen, lauten Applaus. (Wozu sollten die denn sonst da sein? War da gleichzeitig noch eine Kälberauktion, oder was? Der Lektor). Das Publikum ist wohl zufrieden, die Band ist mit ihrem aktuellen Kurs erfolgreich. Fans, die die Band aus ihrer Frühphase kennen, vermissen aber diverse Songs der ersten drei Alben. Denn mit 'Another Fallen Brother' und 'Shadow Of The Swastika' ist der Auftritt schon zu Ende. Ein schönes Konzert, dem der Wunsch, die Bitte und der Befehl folgt, dass man diese Band doch bitte in Zukunft keine 45 Minuten Gast-Shows spielen lässt. Die Färöer sind definitiv in der Headliner-Riege angekommen.
[Christian Schwarzer]

Nachdem TÝR eine glanzvolle Performance abgeliefert hat, leert sich die Halle ein wenig. Es scheint, als wären viele Leute nur für die Färinger gekommen oder die Leute wurden mit der grausamen Musik, die während der Umbauphase lief, vertrieben. Das heißt aber nicht, das jetzt mehr Platz in den vorderen Reihen herrscht, ganz im Gegenteil, es wird eher ein Zwangskuscheln. Es erschallt ein kurzes Intro, bevor die Finnen sich endlich auf die Bühne begeben. Erstaunlicherweise tragen alle Bandmitglieder diese putzigen Ohren, welche auch auf dem Promobild ihrer aktuellen Scheibe "Bloodsvept" zu sehen sind. Bevor man diese Informationen überhaupt verarbeiten kann, ertönt das Titellied ihres neuen Studioalbums. Der Sound ist in Ordnung und auch das Publikum kommt schnell in Stimmung. Wer FINNTROLL kennt, weiß dass Mitsingen immer so eine eigene Sache ist, da man sich nicht der englischen Sprache bemächtigt. So, nochmal zu den Ohren: Ich habe die Herren schon letztes Jahr gesehen und da sahen sie alle irgendwie normaler aus. Wer auch immer diesen "Imagewechsel" vorgeschlagen hat, sollte sich im Klaren darüber sein, dass ich die Menschen auf der Bühne da oben doch nicht mehr ernst nehmen kann, wenn sie aussehen wie Elben. Da es niemanden zu stören scheint, soll ich mich wohl damit auch abfinden. Die Setlist besteht zum größten Teil aus den neuen Songs und so erfreut man sich an 'Mordminnen', eine swingartige Nummer, und 'Skogsdotter'. Für eine gewünschte Wall Of Death kramt man den Song 'Midnattens Widunter' dann aus. Und ja, das klappt sogar wirklich halbwegs gut und niemand wird dabei verletzt. Man schunkelt und setzt noch eine Polonaise hinten dran, alles in allem also ordentliche Feierstimmung da vorne. Mit der steigenden Temperatur kommt es auf der Bühne auch zum erhöhten Verlust von Kleidung, zur Freude der weiblichen Zuschauer. Es erschallt mit 'Under Bergets Rot' nun einer der vielen Bühnenklassiker und irgendwie singen die Leute nicht beim Chor mit. Trotz Bemühungen der anderen Bandmitglieder ist das Publikum eher mit Bangen und Im-Pit-Laufen beschäftigt. Es scheint, als würde die Luft bei manch einem schon raus sein, denn zu 'Skövlarens Död' ist auch nicht mehr viel Bewegung zu sehen. Trotzdem machen die Herren oben unbeirrt weiter und ziehen sich nach zehn Songs kurz zurück. Als Zugabe ertönen 'Nattföd' und 'Trollhammeren', und siehe da, plötzlich ist wieder Leben in der Bude. Abgesehen von den Öhrchen haben die sieben Trolle wieder ein sauberes und gutes Konzert abgeliefert. Daumen hoch dafür.
[Hang Mai Le]

Redakteur:
Christian Schwarzer

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