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FIVE FINGER DEATH PUNCH, MEGADETH - Oberhausen

08.03.2020 | 19:55

08.02.2020, König Pilsener Arena

Got Your Six!

Es ist Samstagnachmittag, Anfang Februar, und nach einem Interview mit dem BAD WOLVES-Frontmann schlendert man noch ein paar Minuten durch das Oberhausener Centro. Viele Fans mit FIVE FINGER DEATH PUNCH- und MEGADETH-Shirts kreuzen unsere Wege und so langsam steigt auch meine Vorfreude auf den heutigen Abend.

Natürlich sind die Preise unfassbar happig – für Getränke, Shirts und anderes Merchandise. Aber liebe Leute: 40€ für ein Bandshirt? Ihr habt doch wohl den Knall nicht gehört! Natürlich kommen auch einige Experten nun auf den Trichter getreu dem Motto "Ja, dann hol dir doch keins?". Großartiges Totschlagargument, aber auch ich kleide mich gerne mit Shirts meiner Lieblingsbands, doch irgendwann hört nicht nur der Geldbeutel, sondern auch das Verständnis auf. Doch kommen wir zum Wichtigem, der Musik.

Heute sind wir in der König-Pilsener-Arena im Herzen Oberhausens. FIVE FINGER DEATH PUNCH hat ihre Sprösslinge BAD WOLVES mit im Schlepptau. Und zu meiner großen Überraschung geben sich im Vorfeld auch Dave Mustaine und Co. die Ehre und fügen sich ins Billing. MEGADETH selbst kann davon nur profitieren und neue, jüngere Fans dazugewinnen, die primär für den Alternative Metal der anderen Bands unterwegs sind. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was sich heute Abend so ergibt, und so nehmen wir unsere Plätze ein, trinken noch einen Schluck Bier und drehen uns um Viertel vor sieben langsam Richtung Bühne.

Die Amis BAD WOLVES haben sich hierzulande vor allem durch das 'Zombie'-Cover, im Original von THE CRANBERRIES, einen (äußerst emotional behafteten) Namen gemacht und veröffentlichten erst im Oktober ihr neues Album "N.A.T.I.O.N.". Heute fungieren sie als Anheizer und machen ihre Sache pünktlich ab 18:50 Uhr mehr als ordentlich. Von Minute zu Minute verdichten sich allmählich die Reihen und Fronthüne Tommy Vext macht gleich zu Beginn deutlich, dass wir es heuer mit einem Heavy-Metal-Konzert und keiner Justin-Bieber-Show zu tun haben.

Gesagt, getan, denkt sich der Sänger, und ist von der ersten bis zur letzten Minute der große Aktivposten bei BAD WOLVES. Doch dass der Springinsfeld bei all der Bewegung auch gut bei Stimme ist und hervorragend mit seiner Instrumentalmannschaft harmoniert, beweisen uns 'No Messiah' und 'Learn To Live', ehe er das Oberhausener Publikum Willkommen heißt.

Bei 'Remember When' begrüßt er auch die Anhängerschaft – das Wolfspack – der Band und animiert die gesamte KöPi-Arena nicht zum letzten Mal zum Klatschen und Headbangen. Der Sound, zumindest mit zunehmender Spieldauer, sowie Lichtshow machen eine gute Figur und unterstreichen die Atmosphäre am heutigen Abend der Superlative.

Mit 'Killing Me Slowly', 'Sober' und 'I'll Be There' folgen weitere "N.A.T.I.O.N."-Songs, ehe es zum Ende hin ziemlich gefühlsbetont wird. Bei 'Zombie' gehen viele Handylampen und Feuerzeuge Richtung Himmel, es wird lautstark mitgesungen und nicht nur Vext bekommt eine dicke Gänsehaut. Nach rund 45 Minuten ist der Auftritt leider vorbei, doch die Alternative-Metaller werden sicherlich heute einige Fans dazugewonnen haben und versprechen, bald die deutschen Städte wieder unsicher machen zu wollen.

Setliste: No Messiah; Learn To Live; Remember When; No Masters; Killing Me Slowly; Sober; I’ll Be There; Zombie

Die gute Nachricht vorab: Dave Mustaine ist vollständig vom Krebs geheilt. Das ist schon einmal das Allerwichtigste! Im Sommer des vergangenen Jahres wurde seine Kehlkopfkrebserkrankung publik, doch scheinbar hat MegaDave ein derart starkes Durchsetzungsvermögen, dass wir Anfang 2020 sagen dürfen, dass Mr. MEGADETH krebsfrei ist. Doch die Therapien haben ihre Spuren beim Blondschopf hinterlassen, das merkt man auch beim Oberhausen-Gig der Amis. Doch eins nach dem anderen.

Die Umbaupause nach BAD WOLVES ist angenehm kurz und bevor man sich wieder zu seinem Platz bewegt, geht das heutige Spektakel auch in die nächste Phase. Optisch hat MEGADETH eine Menge zu bieten: Ein nostalgisches Bühnenbild, eine gute Lichtshow und die hiesigen LED-Wände sorgen für das optische Aha-Erlebnis, ein entsprechender Blick auf die Setliste dann auch für das musikalische. Eröffnet wird standesgemäß mit 'Hangar 18', ein Klassiker durch und durch, doch auch bei der x-ten MEGADETH-Show kann ich mich mit dem "Rust In Peace"-Bollwerk als Opener nicht so recht anfreunden.

Hinzu kommt zumindest heute ein etwas unbefriedigender Sound, der jedoch nicht über die gelungene Songauswahl hinwegtäuschen soll. Nach dem noch aktuellen 'The Threat Is Real' sowie dem hundeschnauzekalten 'Sweating Bullets' geht es in der Historie noch weiter zurück und 'Wake Up Dead' darf brillieren. Obwohl der Funke nicht zur Gänze überspringen will, vom durchwachsenen Klang mal ganz zu schweigen, und Dave selbst bei einigen Songs etwas schwammig singt, kommt auch 'Trust' zumindest bei einigen Arenabesuchern recht gut an.

Der doch arg ergraute Herr Mustaine zieht sich öfter ein wenig zurück, lässt seinen Mitstreitern somit viel Spielraum zur freien Entfaltung, speziell Kiko Loureiro weiß dies umzusetzen, doch auch Ellefson David zeigt sich an diesem Samstagabend von seiner spielfreudigen Seite. Der Menge gefallen im Weiteren das noch aktuelle Titelstück sowie – Überraschung, Überraschung! – 'The Conjuring', ehe der gesanglich doch etwas eingeschränkter Mustaine mit 'Symphony Of Destruction' den Klassiker-Endspurt einläutet.

Doch was wäre eine MEGADETH-Show ohne 'Peace Sells' und last, but not least: 'Holy Wars... The Punishment Due'? Die Menge in der KöPi-Arena geht gut ab, dank entsprechender Visualisierung kommt auch ein Hauch von Atmosphäre auf und Dave selbst verspricht, bald wieder zu kommen. Wir sind gespannt und wünschen auch an dieser Stelle weiterhin alles Gute! Ein solider Gig also mit dezenten Abzügen in der B-Note.

Setliste: Hangar 18; The Threat Is Real; Sweating Bullets; Wake Up Dead; Trust; Dystopia; The Conjuring; Symphony of Destruction; Peace Sells; Holy Wars... The Punishment Due

Nun ist es pickepacke voll in der Arena und um kurz vor halb zehn ist die Spannung am Limit. Das Intro beginnt, der Vorhang fällt und FIVE FINGER DEATH PUNCH legt los: Mit 'Lift Me Up' beginnt der Auftritt gleich mit einem Bollwerk nach Maß. Die Lichtshow holt das Beste heraus, ein knackiger und klarer Sound hier, Pyro- und 3D-Effekte dort, bereits früh gehen Moody und Co. auf Nummer sicher, dass jeder der Anwesenden heuer auf seine Kosten kommen wird.

Weiter geht es mit 'Trouble' und einem Song, der allen Berufstätigen aus der Seele sprechen sollte: 'Wash It All Away'. Und noch ein kleines Wort zu den Personalien: Gitarrist Jason Hook musste sich einige Tage zuvor die Gallenblase operativ entfernen lassen, sodass Andy James (SACRED MOTHER TONGUE und enger Freund der Band) ihn für die letzten Europa-Dates ersetzt. Ein toller Zug, denn James selbst fügt sich hervorragend ein.

Moody selbst ist auch heute wieder kaum zu bändigen: Wie ein Flummi titscht er von links nach rechts, animiert komplett Oberhausen zum Klatschen, Mitsingen und Genießen der heutigen FIVE FINGER DEATH PUNCH-Show. Keine Ahnung, woher "Ghost" die Kondition nimmt, doch selbst nach dem drölftigsten Sprint über die Bühne, hält er die Töne mühelos und macht sowohl beim Shouten als auch bei den etwas gefühlvolleren Gesangseinlagen eine sichere Figur.

Flammen lodern, die Stimmung kocht, die komplette Halle frisst den Amis aus der Hand. Diese bedanken sich mit dem superben 'Jekyll And Hyde', 'Sham Pain' inklusive goldenem Glitzerregen sowie dem 'Bad Company'-Cover, bei dem Ivan noch einmal seinen langjährigen Freund und heutigen Aushilfsgitarristen Andy vorstellt. Und wer ihm eine missglückte Kleiderwahl heute attestiert: Musik hört man nicht mit den Augen!

'Burn It Down' und vor allem 'Got Your Six' sorgen dann wieder für enorme Bewegung im Publikum und auch Chris Kael sowie BAD WOLVES-Manager Zoltan Bathory zeigen sich wie erwartet von ihrer Schokoladen-Headbang-Seite. Ach, was sage ich, die komplette Band ist ein immens eingespielter Haufen, der die KöPi-Arena in ein absolutes Tollhaus verwandelt. Natürlich spielen ihnen dabei Sound und Lichtshow in die Karten, doch der Sacramento-Fünfer kitzelt heute auch die verstecktesten Synapsen und ist bockstärker denn je.

Bei 'The Tragic Truth' machen es sich Zoltan und Ivan auf den Sesseln gemütlich und sorgen für gemütliches Balladenfeeling, ehe sie die lautstarke Gesangsunterstützung im Publikum bei 'Wrong Side Of Heaven' genießen dürfen. Band und Fans spielen sich eh formidabel die Bälle zu, sodass auch 'Battle Born' oder 'Blue On Black' – damals mit Brian May (QUEEN) und dem Blues-Rock-Musiker KENNY WAYNE SHEPHERD entstanden – für Furore sorgen. Zwischenzeitlich darf sogar Managerin Constance der Band eine Plakette für die erste "Sold Out"-Show auf dieser Tour überreichen. Wir gratulieren!

Es folgen 'Coming Down', 'Never Enough', ein angenehm kurzes, kraftvolles Drum-Solo von Charlie "The Engine" Engen und mein persönlicher Wegblas-Moment: 'Burn MF'. Selten zuvor wurde ich von einem Song, der derart druckvoll, vehement und wütend vorgetragen wurde, so geplättet wie an diesem Samstagabend. Bei jedem "Burn" untermalen Pyro-Effekte wie Bösartigkeit und Zerstörungskraft dieses Wortes, selbst Tage später muss ich mit mir kämpfen, nicht in Sprachlosigkeit zu versinken.

Ich brauche eine Pause und nach einiger Zeit zum Durchschnaufen gibt es nicht nur mit 'Inside Out' einen kleinen Vorgeschmack auf das neue Album "F8", sondern auch für ein Geburtstagskind im Publikum die wohl weltgrößte Geburtstagstorte, indem Ivan die Halle animiert, alle Feuerzege und Handylichter anzumachen und dabei Happy Birthday zu singen. Was wir dann von den oberen Rängen aus sehen, ist Gänsehaut pur. Derweil richtet der Fronter noch ein paar emotionale Worte an das Publikum und erwähnt seine nunmehr zweijährige Alkoholabstinenz.

Ein bisschen Musik gibt es nach dieser Gefühlsachterbahn auch noch: 'Under And Over It' kommt recht gut an, doch allem Anschein nach hat die Halle nur auf 'The Bleeding' gewartet. Oberhausen, you want it? You get it! Und so verabschiedet sich FIVE FINGER DEATH PUNCH nur wenige Minuten nach diesem Grande Finale unter lautem Applaus, noch lauteren Sprechchören und 'House Of The Rising Sun' vom Band und wir treten noch recht geplättet und baff langsam die Heimreise an.

Setliste: Lift Me Up; Trouble; Wash It All Away; Jekyll And Hyde; Sham Pain; Bad Company; Burn It Down; Got Your Six; The Tragic Truth; Wrong Side Of Heaven; Battle Born; Blue On Black; Coming Down; Never Enough; Burn MF; Inside Out; Under And Over It; The Bleeding

Wir fassen zusammen: Dass MEGADETH lediglich als Support-Act fungiert, ist allein vom Namen her doch außergewöhnlich. Doch in Anbetracht der Größe einer Band wie FIVE FINGER DEATH PUNCH doch künftig normaler als man denkt. So konnten Dave und Co. sicherlich das eine oder andere jüngere Gemüse, das eher im Alternative-Metal-Sektor unterwegs ist, mit ihrer Musik begeistern, wenngleich es auch - so viel möchte ich euch mit auf den Weg geben - wesentlich besser geht. Und so habe ich auch durchaus schon einen besseren Sound in der König-Pilsener-Arena mitbekommen als am heutigen Abend.

Und trotzdem hat mich die Show umgehauen: BAD WOLVES war ein Anheizer nach Maß, stilistisch nicht weit von Herrn Bathory und Konsorten entfernt, zugegeben, doch hab ich den leisen Verdacht, als ob in den kommenden Jahren die Truppe durchaus ihre eigene Headliner-Tour auf die Beine stellen könnte. MEGADETH spielte solide, nicht überragend, aber auch nicht schlecht. Und dann war da noch das Finale Grande: FIVE FINGER DEATH PUNCH. Ich denke noch Tage später an den Auftritt zurück und fühle mich erneut geplättet.

Spielfreude, Sound, Lichtshow und Emotionalität waren durch die Bank weg überragend. Doch gibt es noch eine Steigerung dieser Wertung? Wenn ja, dann hätte sie Ivan Moody verdient. Der Musiker übermächtig, die Person so nah. Mit welcher Gewalt er die Texte ins Mikro brüllte, mit wie viel Gefühl er über die schwierigen Zeiten in seinem Leben sang, wie unheimlich charmant er zwischenzeitlich die Songs einleitete und wie viel Witz er auch an den Tag legte, hier gehen beide Daumen hoch für einen Frontmann nach Maß. Das soll die Leistung seiner Hintermannschaft nicht schmälern, denn nur als Ganzes allein funktioniert FIVE FINGER DEATH PUNCH.

Der Heimweg ist recht still - von der Arena zum Auto, von Oberhausen nach Recklinghausen. Doch es ist eine angenehme Stille, die besagt, dass nicht nur wir beide, sondern alle Anwesenden ob der Leistung ein wirklich denkwürdig gutes Konzert gesehen haben. Das nenne ich mal Werbung für BAD WOLVES und MEGADETH, für FIVE FINGER DEATH PUNCH und das neue Album "F8", für Metalkonzerte im Allgemeinen!

Ein großes Dankeschön an Stefanie Büttner für die hervorragenden Fotos!

Redakteur:
Marcel Rapp

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