FIVE FINGER DEATH PUNCH, UPON A BURNING BODY und POP EVIL - Köln

27.03.2014 | 20:25

22.03.2014, E-Werk

Ein Abend voll modernem Metal, der so einige grundsätzliche Einsichten ermöglicht.

Es kam im Laufe meiner Karriere als fleißiger Konzertgänger sehr häufig vor, dass ich die Halle angetan, wenn nicht sogar begeistert, verlassen habe; hin und wieder bin ich jedoch auch mal unzufrieden. Manche Abende enden mit einem großen Fragezeichen über den Kopf, weil ich einfach nicht weiß, was ich vom Gesehenen bzw. Gehörten halten soll. Und extrem selten passiert es, dass mir Antworten auf diese schwierigen Einschätzungen in den Sinn kommen: Der Begriff "Erkenntnis" ist da nicht allzu weit hergeholt. Dieser Samstagabend im Kölner E-Werk hatte all diese Aspekte auf einmal zu bieten und veranlasst mich daher zu einem kleinen, höchst subjektiven Rundumschlag in Sachen "Modern Metal". Da ihr sicher alle die gängigen Argumente kennt und selbst eine Meinung zu diesem Thema habt, brauche ich hier keinen unnötigen Abriss vorab zu schreiben, sondern begebe mich lieber unmittelbar in medias res.

Zu Beginn des Abends offenbart sich allerdings erst einmal ein sich mittlerweile häufendes Problem: Die auf den Tickets und der Homepage der Location angegeben Zeiten bzgl. Einlass und Beginn stimmen nicht. Somit steht die erste Band nicht um 19 Uhr, sondern erst eine volle Stunde später auf den Brettern. Das allein ist aber nicht genug, denn zusätzlich gibt es eine weitere Truppe, dessen Existenz auf dieser Tour zumindest mir verborgen blieb: POP EVIL aus Michigan eröffnet den Abend. Auch dieser Fakt wäre für sich genommen noch hinnehmbar, wenn dann nicht so eine unglaubliche Grütze an meine Ohren dringen würde. Man kann der Band zugute halten, dass sie ihre Instrumente einigermaßen beherrscht und selbstbewusst auftritt. Dass Gitarre, Bass und Schlagzeug hier aber derart missbraucht werden und ein zuviel an Ego furchtbar nervig sein kann, steht dann aber auf der anderen Seite. Sämtliche Songs sind - im besten Fall - durchschnittlicher Einheitsbrei des amerikanischen Alternative-Rock/Metals, wie man ihn schon tausendfach gehört hat. Hier werden nichtssagende Riffs mit viel zu dickem Sound in 08/15-Schemata gepresst, so dass auch der (ziemlich gute) Sänger mit seinen Allerweltsmelodien nichts mehr herausreißen kann. Solche Musik ist gemacht für den höchst oberflächlichen Konsum, der maximal das Tanzbein für drei bis fünf Sekunden, jedoch niemals das Herz erreicht. Zu allem Überfluss findet sich die Band selbst noch so furchtbar toll, dass man ob dieses Rockstargehabes nur genervt mit dem Kopf schütteln kann - der Schlagzeuger verwechselt den Gig sogar mit seiner Turnstunde. Diese Band ist weder POP (da wäre mir jeder x-beliebige Chart-Künstler lieber!) noch EVIL (der Belzebub persönlich soll euch holen!), sondern nur eines: Überflüssig hoch siebzehn. Anstatt mir diesen Mist noch einmal zu geben, zahle ich lieber 70€ für NICKELBACK und schwenke dort mein (nicht vorhandenes) Feuerzeug zu den schlimmsten aller Radio-Schnulzen. POP EVIL? "Rock" bzw. "Metal" zum Abgewöhnen.

Um fair zu sein, muss ich gestehen, dass diese Meinung sicher nicht das gesamte (im Übrigen schwer zu kategorisierende) Publikum teilt. Es gibt schon ein paar Leute, die Spaß an dem Dargebotenen haben, jedoch nehmen die positiven Reaktionen meiner Wahrnehmung nach mit der Zeit deutlich ab; und das spricht dann irgendwie auch Bände. Fast genau so verhält es sich beim Auftritt der folgenden fünf Herren von UPON A BURNING BODY. Wieder möchte ich erst die Haben-Seite hervorheben: Dort stehen sicheres Instrumentalspiel (ist das bei "Profi-Bands" überhaupt noch erwähnenswert?), stylisches Äußeres (Hemd, Weste und Krawatte ist mal eine nette Abwechslung) und coole, texaspatriotische Note. Ihr merkt, die wesentlichen Sachen fehlen allesamt. So ist auch der Gig von UPON A BURNING BODY ein Beispiel für all das, was im modernen Metal falsch läuft. Hier wird billigste Deathcore-Stangenware zwar kompetent, aber letztlich doch vollkommen blass präsentiert. Die Breakdowns sind so etwas von künstlich in die Lieder "eingebaut", dagegen wirkten meine Lego-Ritterburgen als Dreijähriger wie homogene Konstruktionsmeisterwerke. Hier ein Blastbeat, da ein bisschen Gebrüll, dann wieder ein Breakdown: Leute, wenn es eurer Meinung nach nicht darauf ankommt, diese Einzelteile sinnvoll und in einem Fluss zusammenzusetzen, dann spielt demnächst doch einfach fünfzig verschiedene Parts ein und lasst diese von einem dressierten Affen zusammensetzen. Ich würde vermutlich keinen Unterschied merken. Über die nicht vorhandenen songwriterischen Kompetenzen hilft dann auch kein noch so drückender Sound hinweg. Das ist einfach schlecht! Und um das an dieser Stelle einmal deutlich zu machen: Ich bin grundsätzlich ein großer Freund der harten, modernen Musik. Doch so einen gesichtslosen Quark brauche ich genau so sehr wie eine Hodentorsion. Das einzige, was mir von diesem Auftritt wirklich im Gedächtnis bleiben wird, sind die coolen Klamotten, "Texas is best!" und mein unglaublicher Frust. Ganz großes Tennis, UPON A BURNING BODY.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal während eines Konzertes aufgrund des Konzertes so schlecht gelaunt war. Es ist jetzt nicht so, dass ich von den Vorgruppen Riesiges erwartet hätte, aber trotzdem frustriert es mich, zu sehen, was für Bands die Möglichkeit bekommen, sich vor einer so großen Band wie FIVE FINGER DEATH PUNCH zu präsentieren. An dieser ist es nun nämlich, den Abend zu retten. Um das Resultat an dieser Stelle einmal vorwegzunehmen: Das schaffen die fünf Amerikaner ziemlich problemlos. Sie zeigen, warum sie in Amerika riesengroß und in Europa zumindest auf dem Weg dahin sind. Das ist auf der einen Seite die ziemlich unkonventionelle Erscheinung (Kleiderordnung war gestern!) und das sympathische Auftreten (Ivan Moody ist ein ganz großer Entertainer!), auf der anderen Seite aber insbesondere die musikalische Qualität, die hier klar sticht. Die ersten Songs zeigen wunderbar, dass knackig arrangierte Metal-Songs mit alternativem, amerikanischem Anstrich durchaus kurzweilig sein dürfen. Die Songs sind eingängig ohne Ende, so dass man auch ohne Liederkenntnis problemlos mitgehen kann, und trotzdem nicht sofort langweilig. Hier treffen feine Riffs auf eine nette Rhythmusgruppe und großartigen Gesang: Ivan Moody trifft in jeder Lage ausnahmslos jeden Ton und veredelt damit die Songs zu wirklichen Hymnen. Auch der Rest der Band liefert eine tadellose Performance ab, die von Spaß geprägt ist.

Somit ist es kein Wunder, dass die Stimmung im gesamten E-Werk absolut ausgelassen ist und man endlich Musik auf die Lauscher bekommt, die diesen Namen auch verdient. Insbesondere in der ersten Hälfte ist das Energie-Level FIVE FINGER DEATH PUNCHs extrem hoch. Im Mittelteil wird mit zwei aufeinanderfolgenden "Balladen" ('Remember Everything', 'Battle Born') etwas das Tempo herausgenommen, komisch ist jedoch, dass die Betriebstemperatur vom Beginn mit den letzten Songs (inklusive des finalen 'The Bleeding') nicht mehr ganz erreicht wird. Trotzdem bereitet mir und allen anderen der Auftritt des Fünfers eine Menge Freude, der noch durch nette Kleinigkeiten wie Publikumsspielchen, lustige Ansagen oder das Tragen eines DFB-Trikots ergänzt wird. Nachdem die letzten Töne verklungen sind, verlasse ich die Halle, bin mit der Musikwelt wieder im einigermaßen Reinen und frage mich: "Warum nicht gleich so?" FIVE FINGER DEATH PUNCH hat alles richtig gemacht und mich für die zwei vorherigen Stunden entschuldigt. Was Spreu und was Weizen ist, war nie klarer als heute Abend. Immerhin.

Setlist: Under And Over It, Burn It Down, Hard To See, Lift Me Up, Bad Company (BAD COMPANY-Cover), No One Gets Left Behind, Burn MF, Remember Everything, Battle Born, Coming Down, Never Enough, Mama Said Knock You Out (LL COOL J-Cover), Here To Die, Far From Home, The Bleeding.

Redakteur:
Oliver Paßgang

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