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FREIWILD, GOITZSCHE FRONT, ARTEFUCKT - Frankfurt am Main

25.04.2018 | 20:08

21.04.2018, Festhalle

Ausverkaufte Festhalle! In Frankfurt sorgt FREIWILD für ordentlich Zunder und große Gefühle.

Eigentlich ist es egal, ob man sie verdammt oder verehrt: Denn dieses Eingeständnis MUSS man ihnen machen. Ein Konzert von FREIWILD ist ein besonderes Erlebnis mit einer einzigartigen Stimmung - auf der "Rivalen und Rebellen"-Tournee, auf der die Deutschrocker die größten Hallen der Republik füllten und nicht wenige davon sogar ausverkauften, umso mehr.

Ein volles Haus erwartet die Jungs aus Brixen etwa in Frankfurt, wo schon Stunden vor Konzertbeginn die ersten Fans in Richtung Festhalle pilgen. Wer sich ungestört die volle Dosis FREIWILD geben will, muss verhältnismäßig früh da sein - so zeigt sich am grandios durchstrukturierten Showtruck mit einer Bandbreite an exklusivem Tour-Merch und den Ständen des FREIWILD Supporters Club ein ums andere Mal die dichte Vernetzung der Band mit ihren Fans und die reibungslose Organisation. Auch bei den hitzigen Temperaturen wird hier schon lange vor Showbeginn eine kleine Party gefeiert. Wer alleine kommt, bleibt nicht lange alleine und ehe man es sich verieht, wird man auf ein Bier oder einen hessischen Bembel eingeladen.

Derart offen heißen die Besucher in der Frankfurter Festhalle auch die erste Band des Abends willkommen. Während bei den ersten Shows der "Rivalen & Rebellen"-Tournee STUNDE NULL das Konzert eröffnete, lädt ARTEFUCKT in Frankfurt zum Pogen, Headbangen und Tanzen ein. In Leipzig lösten schließlich die Rheinberger ihre Labelkollegen ab. Den zahlreichen ARTEFUCKT-Shirts und der Lautstärke, mit welcher die Konzertbesucher die Band feierte, nach zu urteilen spielten sich die Deutschrocker schon in den vorausgegangenen Shows in die Gehörgänge und Herzen der Publikums. "Manifest" lautet der Titel des Debüt-Albums, welches die Jungs vergangenen Sommer auf den Markt warfen und das die Setliste von ARTEFUCKT in Frankfurt maßgeblich bestimmt. Gesetzt wird auf rotzige Gitarren, ordentlich Druck und energiegeladene Soli in Titeln wie 'König der Welt' und einem ausdrucksstarken Frontmann, der das Publikum mit unverblümten, offenen Ansagen und Gedanken wie etwa zu 'König der Welt' schnell auf seine Seite und auf die seiner drei Mitstreiter zieht. Klar im typischen Deutschrock angesiedelt, wirkt ARTEFUCKT jedoch mitnichten wie eine Kopie oder im schlimmsten Falle langweilig. Stattdessen überzeugen die Jungs in einer herausfordernd kurzen Spielzeit und werden auch in Zukunft hoffentlich noch einiges von sich hören lassen.

Sich anstrengen, um zu überzeugen? Diese Zeiten hat die nachfolgende Band schon lange hinter sich gelassen. Denn schon bevor GOITZSCHE FRONT die Bühne der Frankfurter Festhalle betritt, dampft die Luft in der großen Konzertlocation - kaum geht das Licht aus, werden erste Stürme der Begeisterung wach. Ohnehin gilt es an dieser Stelle anerkennend zu bemerken: Die gekommenen Fans überzeugen trotz ungemeiner Hitze mit ebensolcher Ausdauer wie später ihre Idole auf der Bühne. Die Deutschrocker aus dem Osten der Republik überzeugen durch ihre markante Art und Weise dabei sofort, kaum, dass sie im Rampenlicht stehen. Ob es nun die klare Botschaft von Drummer Tom "TT" Neubauer, der ein "FCK NZS"-Shirt trägt oder die schier unglaubliche Bühnenpräsenz von Pascal "Bocki" Bock, der seine persönliche Höchstform schon beim ersten Titel 'In Alter Manier' erreicht: Die GOITZSCHE FRONT zeigt sich in Frankfurt als Bollwerk, das ohne Kompromisse über das laute Grundrauschen in der Festhalle hinwegtönt und sämtliche Zweifel an einen fulminanten Abend einfach vom Tisch fegt. Selten wurde eine Spielzeit, die nur sechs Songs zulässt, derart effektiv genutzt.

Wer sich zwei derart livestarke Vorbands einlädt, muss natürlich umso überzeugender liefern: Dementsprechend gespannt wird der Auftritt des Headliners erwartet. Laut wird es dabei schon kurz vor dem Headliner, als 'The Kids Aren't Alright' aus den Boxen schallt und die ganze Festhalle den Hit von THE OFFSPRING mitsingt. Derart viel Begeisterung scheint auch die Crew mitzureißen: Der Lichtler von FREIWILD sorgt während des Songs für eine kleine Lichtshow - der erste von vielen Gänsehautmomenten, welche der nachfolgende Auftritt mit sich bringen wird. Denn kurz darauf steht FREIWILD in den Startlöchern und sorgt gleich mit dem Opener 'Rivalen & Rebellen' für staunende Gesichter. Ein Podest hebt Sänger Philipp Burger an den Anfang eines Stegs in der Mitte der Bühne. Diese Konstruktion erlaubt, zusammen mit der Mehrdimensionalität der zwei-etagigen Bühne, eine umso dynamischere Liveshow. Vor allem bei den schnelleren Nummern können sich die Bandmitglieder auf der weitläufigen Bühne vor dem giftgelben Banner austoben. Und nicht nur FREIWILD selbst: Spätestens nach 'Yeah Yeah Yeah' sind alle in der Frankfurter Festhalle klatschnass geschwitzt. "Ihr müsst mir aber schon versprechen, dass ihr alle heute noch duschen geht!", ruft Philipp Burger nach den ersten zwanzig Minuten. "Nicht, dass wir am Ende Sammelklagen aus ganz Deutschland bekommen!"

Damit sich auch wirklich niemand verkühlt, heizt FREIWILD den Fans zu dem (live unglaublich starken) 'Antiwillkommen' mit einer aufsehendserregenden Pyroshow noch einmal ordentlich ein, inzwischen läuft der Schweiß schon bei der minimalsten Bewegung. Zusammen mit 'Wenn mein Licht erlischt', bei dem der Frontmann sich ganz gefühlvoll am Piano präsentiert und eine neue Facette seiner Stimme enthüllt, und 'Es geht hier um mein Leben' stehen diese drei Songs als Trio stellvertretend für die immense Bandbreite an Elementen, mit denen die Band aus Südtirol ihre Show anreichert. Denn während FREIWILD zu letztem Song auf der Bühne abrockt, fliegen auf der Leinwand hinter den Musikern immer wieder Bilder von Spruch-Tattoos und FREIWILD-Tattoos ein. Zwangsläufig kommen die Jungs auch auf ihre Heimat zu sprechen; ein Thema, welches Philipp Burger kurz abhandelt und lieber die Titel für sich sprechen lässt. Auch 'Südtirol' und 'Auf zum Schwur' haben ihren Weg in die Setliste gefunden - wie das Bühnenbild ist auch die Auswahl der Songs maßgeblich von "Rivalen & Rebellen" geprägt, insgesamt elf Titel der neuen Platte spielt FREIWILD in Frankfurt. Darunter auch ein Titel, den sie in der Main-Metropole gefühlt alle mitsingen können: Der Lautstärke nach zu urteilen gehört 'Fick dich und verpiss dich', der einigen wohl aus der Seele spricht, zu den Publikumslieblingen. Nach dieser Eskalation fällt es FREIWILD sichtbar schwer, den Auftritt und den euphorisierenden Abend zu beenden. Doch irgendwann hat auch die beste Party ihr Ende. Und so entlassen die Jungs ihr Publikum nach einer schweißtreibenden, energetisierenden Show zurück in den Alltag. Die meisten der Konzertbesucher tragen noch nach Verlassen der Festhalle ein breites Grinsen im Gesicht - 'Antiwillkommen'? Das ist FREIWILD in Frankfurt ganz sicher nicht.

Setliste FREIWILD: Rivalen & Rebellen; Wir bringen alle um; Frei.Wild; LUAA Rock ,N' Opposition; Yeah Yeah Yeah; Herz schlägt Herz; Wir reiten in den Untergang; Alleine nach vorne; Antiwillkommen; Wir brechen eure Seelen; Verbotene Liebe, Verbotener Kuss; Es geht hier um mein Leben; Südtirol; Hab keine Angst; Wenn mein Licht erlischt; Auf zum Schwur; Fick dich und verpiss dich; Unvergessen, Unvergänglich, Lebenslänglic; Zugabe: Arschtritt; Zusammen und Vereint; Und ich war wieder da; Das Land der Vollidioten

Redakteur:
Leoni Dowidat

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