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Fear Of The Dark-Festival - Offenbach

01.03.2001 | 02:03

23.02.2001, Hafenbahn

Ende Februar, es ist arschkalt draußen, und trotzdem finden sich gut und gerne 500 Metalheads an der Hafenbahn zu Offenbach ein - der Grund? Ein düstermetallisches Package, stilistisch und von den Nationalitäten der teilnehmenden Bands her gesehen bunt gemischt. Man durfte einiges erwarten...

...die Opener DARKWELL jedoch konnten einem echt leid tun. Eigentlich passten die Ösis nichtmal wirklich aufs Billing: Purer Gothic, nur mit Frauengesang unterlegt und musikalisch in Etwa so abwechslungsreich wie die Landschaftsshilouette der Sahara. Die Jungs und das Mädel sind - in den entsprechenden musikalischen Kreisen -
sicherlich ganz gut aufgehoben, aber hier wäre \"Fehl am Platze\" noch milde ausgedrückt.

Ganz anders ihre Landsleute DORNENREICH: Der Auftritt bei den Fear Of The Dark Festivals war die erste Liveperformance der Bandgeschichte - wer dann noch am Ende des Gigs \"Zugabe, Zugabe!\"-Rufe verbuchen kann, darf verdientermaßen von einem Gelungenen Livedebut sprechen. Sogar noch mehr als das, denn dermaßen krank, abgedreht, wirr-eigenständig und doch bangerkompatibel habe ich keine Band aus dem Bereich seit MAYHEM erlebt. Zwar klafft musikalisch noch eine größere Lücke zwischen den Nordlichtern und den Alpenkraxlern, aber wenn DORNENREICH sich in diesem Tempo weiterentwickeln, dauert es nicht mehr lange, bis man ein konstant hohes Niveau erreicht hat. Insbesondere dem Drummer möchte ich an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen, hier fehlt nicht mehr viel bis zur Szenegröße Hellhammer. Aber auch Frontmann/Gitarrero Eviga (der, allem Anschein nach, vor der Show schätzungsweise ein Kilo Koks gesnifft hatte...) bot eine makellos durchgeknallte Performance, wobei er es noch fertigbrachte, böser dreinzuschauen als Peter Tägtgren.
Das Konzept DORNENREICHS ging zu meiner Verwunderung auch fast ohne nennenswerte Mangelerscheinungen auf: Eine Gitarre, Keyboard, Drums - das wars! Und es klang richtig gut. Mir persönlich gefielen die älteren, sehr komplexen Songs besser als jene vom aktuellen „Her von welken Nächten\"-Output, welche doch recht simpel gestrickt sind, aber Eviga verlieh jedem Song eine einzigartige Note: Mal wimmernd, kreischend, brüllend, flüsternd, sprechend - die Stimmvielfalt, mit der die Poesie präsentiert wurde, kannte keine Grenzen.
Wenn man bei den nächsten Auftritten noch etwas selbst- und timingssicherer agiert, bin ich mir sicher, dass man DORNENREICH bald zur Spitze im deutschspachigen Extreme-Metal-Bereich zählen kann.

Was hatte ich mich auf SUIDAKRA gefreut! Doch auf die erste Überraschung (viel zu früh im Billing!) setzte es gleich noch eine zweite - der grottenschlechte Sound, hafenbahntypisch (die Tontechniker mögen sich an dieser Stelle verbal ausgepeitscht fühlen - Anm. d. Verf.). Mir ist es immer noch ein Rätsel, wie man es fertigbringen kann, der vorhergehenden und der nachfolgenden Band einen fast glasklaren, richtig geilen Sound zu verpassen, während SUIDAKRA in einem ekligen Soundbrei fast völlig untergingen. Das ganze keltische Feeling, die Wechsel zwischen schwarzmetallischer Raserei und verträumten Folk-Parts, fast alles ging flöten.
Dennoch brachten es die Mannen um Bandkopf und Gitarrist Arkadius fertig, einen mitreissenden Gig abzuliefern - welcher noch um Längen besser hätte sein können.
Als Opener gab’s ‘Wartunes’ vom aktuellen Album „The Arcanum\", während des gut 45-minütigen Sets ackerte sich die Band durch Stücke von „Lays From Afar\" und dem neuesten Silberling, sogar ein alter Song von „Lupine Essence\" wurde ausgegraben. Höhepunkte waren ‘Gates Of Nevermore’ und der Titeltrack ‘Lays From Afar’, die auch noch einigermaßen hörbar rüberkamen.
Besonders gut gefiel mir neben der Saitenfraktion auch Drummer Möller, dessen cleane Backingvocals mittlerweile ein fester Bestandteil des Sounds von SUIDAKRA sind - und das während des Spielens!

Der Enttäuschung bei SUIDAKRA folgte eine riesengroße, äußerst positive Überraschung aus Schweden: VINTERSORG. Das eigentliche Zwei-Mann-Projekt um Sänger/Basser A. Hedlund ist mittlerweile zu seiner Hauptband geworden (wobei sich allerdings die Frage stellt, wie das Ganze aussehen wird, wenn er als neuer Sänger für BORKNAGAR beschäftigt sein wird - Anm. d. Verf.), und man präsentierte sich mit insgesamt fünf Musikern auf der Bühne als vollwertige Band, und was für eine! Neben einem genialen Sound gab’s auch geniale Songs, wobei das neue Material vom „Cosmic Genesis\"-Album dezent im Hintergrund stand. Stattdessen eine Vollbedienung ohnegleichen, die vom majestätisch-epischen BlackMetal bis hin zu nordischen Folk-Hymmnen zum mitschunkeln reichte. Beim Ohrwurm ‘Till Fjälls’ vom gleichnamigen Debutalbum konnte man sogar die Hafenbahn geschlossen als Chor bewundern - was gerade bei BM-Konzerten doch recht selten vorkommt. Lobend Erwähnt sei hier neben der absolut Makellosen Gesamtperformance von VINTERSORG noch das Bassspiel von Mr. Hedlund: Man merkte doch, dass man es mit perfektionistisch veranlagten Skandinaviern zu tun hatte, die an diesem Abend mit Abstand die Gewinner waren.

GRAVEWORM aus Tirol waren der Headliner - eigentlich logisch, läuft die Tour ja unter dem Namen „Fear Of The Dark - Festivals\". Verwunderlich jedoch, wenn man die restlichen Bands dieser Tour sowie das aktuelle Album der Italiener betrachtet: SUIDAKRA und ganz besonders VINTERSORG wären im Billing nach GRAVEWORM deutlich besser plaziert gewesen. Und „Scourge Of Malice\" ist ein solides Stück DarkMetal geworden, aber mehr auch nicht. Das zeigte sich bei neuen Stücken wie ‘Unhallowed By The Infernal One’ oder ‘Demonic Dreams’ sehr deutlich: Viel zu kraftlos, zu uneigenständig und zu ziellos kamen die Songs rüber, während Kracher wie ‘A Dreaming Beauty’, ‘Nocturnal Hymns’, ‘Behind The Curtain Of Darkness’ oder ‘Prophecies In Blood’ von genialen „As The Angels Reach The Beauty\"-Album richtig geil rüberkamen, wie schon auf der Tour mit AGATHODAIMON vor einem Jahr. Aber überhaupt hatte die Band auf der Bühne relativ wenig mit jener zu tun, die Anno 2000 noch einen richtig guten Gig ablieferte - im Vorprogramm! Anstelle leicht schüchtern agierender Musiker, die noch den Merchandise-Stand selbst betreuten, stand nun die geballte Arroganz auf der Bühne, statt einer Band, die sich über jeden Einzelapplaus tierisch freute, nun eine Band, welche die Fans zu einer Zugabe auffordern musste. Gerechtfertigte Arroganz ist ärgerlich, aber vielleicht noch verständlich. Nur GRAVEWORM haben den Mund deutlich zu voll genommen - denn so groß und so gut, wie sie an diesem Abend gerne hätten sein wollen, waren sie beileibe nicht. Ohne das absolute Drum-Tier Martin wären GRAVEWORM allerhöchstens musikalisches Mittelmaß!
Da verstehe ich auch die Hälfte der Anwesenden, die nach VINTERSORG schnellstens die Hafenbahn verließen - die gar schreckliche Coverversion von IRON MAIDENS ‘Fear Of The Dark’ wäre Grund genug gewesen.

Unterm’ Strich wars ein richtig guter Düstermetall-Abend, der einige Überraschungen parat hatte - sowohl positiv als auch negativ. Und ich kann nur einen Tipp geben: Schaut euch VINTERSORG beim Wacken Open Air an!

Redakteur:
Rouven Dorn

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