Fields Of Rock - Njimegen (NL)

12.08.2005 | 16:13

18.06.2005, Goffert Park

Das Fields Of Rock Festival bekam dieses Jahr die Gelegenheit, nach 2 Jahren wieder einmal ein Mörderbilling des Rocks aufzustellen. Dieses Jahr war das Motto: Geschichtsstunde für's Volk

Die Organisatoren des Dynamo Open Airs scheinen sich mit dem Team des Fields Of Rock Festivals im Streit um den indiskutabel für Oneday-Festivals perfekten Goffert Park in Njimegen auf einen Deal eingelassen zu haben. So wechselten sich die Festivals in den letzten drei Jahren mit der Besetzung der schönen Grünanlage ab, und während das Dynamo in den Jahren ohne Goffertpark irgendwelche Behelfsmäßigen Ersatzlocations präsentierte, machte das Team von Mojo Concerts einfach ein Jahr Pause.
Dieses Jahr war wieder das Fields Of Rock Festival an der Reihe, und im Gegensatz zum Festival 2003, wo STRAPPING YOUNG LAD, MARILYN MANSON, MINISTRY und NILE die Bühnen verwüsteten, war das Billing dieses Jahr etwas seichter gestaltet. So durften Acts wie VELVET REVOLVER, AUDIOSLAVE, TEAM SLEEP, MOTÖRHEAD und die altehrwürdigen BLACK SABBATH dieses Jahr etwas gemäßigtere Klänge in die Baumkronen pusten, während MACHINE HEAD, SLAYER, SOULFLY und CHIMAIRA sicher gingen, dass auch Fans der härteren Gangart nicht zu kurz kamen. Um das letzte Jahr ohne FOR auszugleichen wurden gleich drei Bühnen aufgebaut, auf denen rund 23 Bands das 50.000 Köpfe zählende Publikum unterhalten durften.

Rein organisatorisch gab es keine großen Unterschiede zum Dynamo Open Air, die Holländer scheinen in Sachen Festivalgestaltung keine großen Kompromisse zu machen. Fressbuden jeder Art gab es zuhauf, das Bier war wie immer in niederländischen Gefielden mehr als nur Geschmackssache (aber nicht so teuer wie man denken könnte), und das Wetter war absolut perfekt.
Sommer, Sonne, Rock'n'Roll!


ALTER BRIDGE:

CREED sind tot. Was so wohl auch besser ist, denn ohne die Schmerzrocker CREED kommt man in den Genuss der viel freieren ALTER BRIDGE, zu denen der ehemalige Gitarrist Mark Tremonti und der Drummer der erstgenannten Band gehört.
Auf dem Festival konnte man sich zudem von der Qualitäten der Rockband als Live-Entertainer überzeugen. Schnell kam man zu der Erkenntnis, dass mit ALTER BRIDGE eine Band als Opener verheizt wurde, welche die Menge schon auf eine Art und Weise fesselte, die mehr Wert war als ein 13-Uhr-Gig.
Dass die Band es mit ihrem Debut "One Day Remains" schafft fünfzig Minuten vollzuhauen, darf als ein Tropfen auf den heißen Stein gewertet werden, aber die Musik welche die vier da produzierten überschwemmte das Volk quasi mit durchgerockter Harmonie. Ganz großes Ohrenkino direkt am Anfang des Festivals sorgte dafür, dass kein Schwein mehr an einen Menschen namens Scott Stapp dachte, und ALTER BRIDGE auch über dem großen Teich für Aufhören sorgten.
(Michael Kulüke)


METAL CHURCH:

Spätestens seit ihrem sagenhaften Auftritt auf dem letztjährigen Rock Hard Festival sind METAL CHURCH wieder in aller Munde, und die Gewissheit, dass man mit den Jungs um Mastermind Kurdt Vanderhoof endlich wieder rechnen kann, ist sehr beruhigend. Weniger beruhigend war hingegen die Tatsache, dass ich noch draußen am Einlass anstehen musste, als die Band mit 'Ton Of Bricks' ihr Set startete. Auch 'Start The Fire' ging noch an mir vorbei, dann aber durfte ich endlich in den Genuss eines kurzen, aber sehr intensiven Gigs kommen, dem vor allem der größte Teil des Old-School-Publikums beiwohnte. Und genau jenes ergriff dann auch bei Nummern wie 'Gods Of Wrath', 'Watch The Children Pray' und 'Metal Church' die Initiative und unterstützten den neuen Sänger Ronny Munroe lauter als ich das zu diesem frühen Zeitpunkt erwartet hätte. Viel besser hätte man das Motto "A Heavy Day In The Park" jedenfalls kaum umsetzen können. Starker Gig einer wiedererstarkten Band!
(Björn Backes)


PAPA ROACH:

Man mag zum One-Hit-Wonder PAPA ROACH stehen wie man mag, live sind die Jungs auf jeden Fall eine Macht, und nachdem ich bei Rock am Ring schon durchaus positiv von den Qualitäten der Amis überrascht war, haben sie mich hier in Nijmegen vollends weggeblasen – und das bei der brütenden Hitze. Ja, die Hitze, die machte einem schon zu diesem frühen Zeitpunkt zu schaffen, und trotzdem ließ sich das Publikum nicht nehmen zu hüpfen was das Zeug hält. PAPA ROACH hielten sie alle in Bewegung, und das hat die Band in erster Linie ihrem leicht bekloppten, aber stets aktiven und schlussendlich auch geilen Frontmann Jacoby Shaddix zu verdanken, der den Fans ordentlich was vorturnte. Von allen Musikern hat der Gute heute mit Sicherheit die größten Strecken auf der Bühne zurückgelegt, wusste dabei aber auch schnell, dass er die Meute im Griff hatte.
Mittlerweile haben PAPA ROACH jedoch auch genügend Hits, um den Fans eine gute Dreiviertelstunde lang einzuheizen. Sehr gut gefielen mir diesbezüglich auch die neuen Songs von "Getting Away With Murder", insbesondere der Titelsong. Die richtigen Bonbons wie 'Broken Home' durften jedoch auch nicht fehlen, wurden aber schön über den ganzen Set verteilt. Am Ende stand natürlich wieder 'Last Resort', zusammen mit dem QUEENS OF THE STONE AGE-Cover 'Feel Good Hit Of The Summer' das Highlight der gesamten Show.
PAPA ROACH haben sich einmal mehr prächtig verkauft, und hält man sich mal die Energie des Quartetts aus Sacramento vor Augen, wünschte man sich, dass so manche Bands sich hier mal ein Beispiel nehmen würden. Beide Daumen hoch, das hat Spaß gemacht!
(Björn Backes)


MOTÖRHEAD:

Man soll es kaum für möglich halten, aber zum ersten Mal in meinem Leben haben mich MOTÖRHEAD enttäuscht. Es mag daran liegen, dass ich die Band in letzter Zeit enorm oft gesehen habe, aber es bleibt auch nicht abzustreiten, dass Lemmy und Co. Heute nur ihre Routine-Aufgabe erledigt haben, in Sachen Spiellust aber nicht ganz auf der Höhe waren. Schön hingegen war, dass MOTÖRHEAD mal ein bisschen Abwechslung in ihr ansonsten ziemlich steifes Set brachten. Dazu gehörten dann sowohl neue Stücke wie 'Killers' (cool) und 'In The Name Of Tragedy' als auch Überraschungen wie 'I Got Mine' und 'Dancing On Your Grave' – alles Stücke, die man noch nie oder nur äußerst selten live vorgestellt hatte. Aber obwohl das Trio eigentlich die Überraschungen auf seiner Seite hätte haben sollen, verpufften ihre Songs irgendwie. Da fehlte der Rotz und die Energie, und auch wenn Lemmy relativ gut gelaunt war, so konnte er seine Stimmung nicht in die fehlende Spielfreude umwandeln. Natürlich waren die Fans begeistert, als man mit 'Ace Of Spades' und 'Overkill' die größten Klassiker wie immer zum Schluss auspackte, aber den recht durchschnittlichen Gesamteindruck dieses Gigs machten selbst diese ziemlich flott gespielten Nummern (überhaupt legte man ein gehöriges Tempo vor) nicht mehr wett. Mal sehen, ob man bei der Jubiläumstour im Spätjahr wieder eine agilere Band sieht...
(Björn Backes)

Setlist:
Dr. Rock
Stay Clean
Love Like A Reptile
Killers
Over The Top
No Class
I Got Mine
In The Name Of Tragedy
Dancing On Your Grave
Power
Going To Brazil
Killed By Death
Ace Of Spades
Overkill


SLAYER:

Die Metal-Urmacht SLAYER war bei soviel Geschichte auf dem Festival natürlich mit von der Partie, und schlugen dem Publikum von der ersten Sekunde an 23 Jahre geballter Energie um die Ohren.
Dass man bei Kerry King und Konsorten keinen Augenschmaus erwarten brauchte, und das Sehwerkzeug einfach nur dazu da war um sicherzugehen, dass man nicht umgemosht wurde, war natürlich so gut wie jedem bekannt. SLAYER betraten die Bühne, die Band ging ab, das Volk auch, und damit hatte es sich. Dass die so langsam ergrauende Band aber in Sachen Sound keinerlei Kompromisse machte, spiegelte sich in den Gesichtern einiger Festivalbesucher wider, welche die amerikanische Legende wohl zum ersten Mal auf der Bühne sahen.
'Angel Of Death', 'Dead Skin Mask' und 'Disciple' waren dabei, sowie die Massenverrenkungssongs 'Show No Mercy', 'South Of Heaven' und der Ausputzer 'Raining Blood', eigentlich die Songs die immer für zufriedene Gesichter sorgten. Genau eine Stunde zockten Araya und Co. ihr Set erbarmungslos schnell durch, und man sah sich am Ende mit einem Haufen ratloser Gesichter konfrontiert, die wohl alle die schnellste Stunde ihres Lebens durchgemacht hatten.
(Michael Kulüke)


VELVET REVOLVER:

Was habe ich mich darauf gefreut, endlich VELVET REVOLVER live zu sehen. Der Grund ist nicht etwa ihr Erstlingswerk "Contraband", sondern dass es mir endlich vergönnt war, GUNS'N'ROSES, beziehungsweise was davon übrig ist, auf der Bühne zu sehen. Dieses Empfinden schien der Großteil des Publikums zu teilen, und genau das wurde der Band zum Verhängnis. "Contraband" ist ein solides Stück Rock und das Konzert war ebenfalls solide. Aber VELVET REVOLVER sind nun einmal die Überbleibsel von zwei Legenden, eben GUNS'N'ROSES und STONE TEMPLE PILOTS. Die Erwartungen sind dementsprechend riesig und die Band kann sie bislang nicht erfüllen. Klar, das Konzert hat Spass gemacht, auch wenn sich der eine oder andere wahrscheinlich gefragt hat, warum zur Hölle Fronter Scott Weiland in einer Pseudo-Marschmusikanten-Uniform auf der Bühne herumhampelte. Das Publikum saß zum großen Teil im Gras, guckte Slash bei der Arbeit zu und nickte bei den durchaus gefälligen Songs mit. Wie schnell kam aber Bewegung in die Massen, als mit 'It's so easy' und 'Mr. Brownstone' zwei G'N'R Klassiker gespielt wurden. Leider legte sich die Euphorie sogleich wieder, als wieder VELVET REVOLVER-Stücke gezockt wurden.
Fazit: Ein gutes Rock-Konzert mit ganz großen Stars auf der Bühne, aber es ist mehr als fraglich, ob die Band jemals aus dem übermächtigen Schatten ihrer Vergangenheit treten kann. Schade eigentlich.
(Karin Dahinden)


CHIMAIRA:

Die mittlerweile nichtmehr so neue Neukommerband CHIMAIRA ist beständig dabei, ihren Idolen von SLAYER nachzueifern, was man sich bei der intensiven und einnehmenden Liveshow der Clevelander nur zu gut vorstellen kann. Legendär ist immer noch ihr Auftritt auf der Roadrunner Roadrage 2003, als Mark Hunter und Co. in der Position des Openers ihren Nachfolgebands SPINESHANK und ILL NINO die Tour versauten indem sie das Publikum schon am Anfang zum Stimmungshöhepunkt peitschten. Zum mittlerweile vierten Mal hatte ich das Vergnügen mir meine neue Lieblingsneukommerband live reinzuziehen, und wie schön ist doch das Gefühl, wenn derbst hohe Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern noch getoppt werden!
So zockten die Amerikaner ohne langes Federlesen ein Set von der Wand, dass die Luft unter dem riesigen Zelt der Tent Stage binnen Sekunden in ein glühendes Mischmasch aus verdampftem Schweiss und brennendem Klang verwandelte. Mit den Krachern des Albums "The Impossibility Of Reason" fuhr die Band natürlich das sichere Gleis und ließ den Mob vor der Bühne immer wieder zu neuen Höchstformen auflaufen, und selbst Songs der etwas progressiver geratenen neuen Scheibe "Chimaira" konnten sofort begeistern. Dabei zeigte sich die Band in ihrer Stärke als schlichte Metalband: auf die Bühne stellen, abrocken, und wieder verschwinden! Genau eine Stunde hatte die Band zur Verfügung, was die Band auch ohne Umschweife voll ausnutzte und sich als Souverän der Stimmungsmacherei zu präsentieren. Zwar war der Sound der Tent Stage etwas gedrückt und weniger klar als auf der Hauptbühne, dafür machte die Band das ganze mit noch mehr Druck wieder wett und hinterließ nach einer Setlist der Kracher wie 'Power Trip', 'Nothing Remains', 'Cleansation' und 'Sp Lit' durchgehend zufrieden ausgepowerte Gestalten vor der Bühne.
(Michael Kulüke)

AUDIOSLAVE:

Nach wie vor bin ich mit den beiden AUDIOSLAVE-Alben nicht so richtig warm geworden. Zweifelsohne spielt die Ex-Mannschaft von RAGE AGAINST THE MACHINE zusammen mit ihrem neuen Frontmann Chris Cornell gute, moderne Rockmusik, aber in Sachen Intensität reichte das noch lange nicht an alte Glanztaten heran, was mir bisher so von AUDIOSLAVE zu Ohren gekommen war. Dies sollte sich heute jedoch ändern, denn live geht das Quartett mächtig ab. Chris Cornell brauchte ca. zehn Sekunden, da fraßen ihm die Leute bereits aus der Hand. Unglaublich, wie der Mann das hinbekam. Er stieg auf die Bühne, forderte die Menge mit einer lässigen aber bestimmten Aussage heraus und ergatterte lautstarken Jubel. Und dieser Jubel ebbte auch während der gesamten Show nicht mehr ab, aber AUDIOSLAVE spielten heute auch keinen gewöhnlichen Set. Nachdem die band mit den beiden SOUNDGARDEN-Klassikern 'Spoonman' und natürlich 'Black Hole Sun' schon ein wenig Vergangenheitsbewältigung betrieben hatten, griff man mit dem Doppelschlag 'Bulls On Parade/Sleep Now In The Fire' und dem lautstark begleiteten 'Killing In The Name Of' (Gänsehaut!) so richtig an. Die Fans dankten es mit stehenden Ovationen und nicht mehr aufhörendem Applaus – aber den hatten sich AUDIOSLAVE auch redlich verdient. Schade eigentlich nur, dass es Cornell nicht mehr gelang, die Leute die neuen Stücke mitsingen zu lassen, die trotz der hier von mir entdeckten Klasse im Zuge des Klassikerreigens leider ein wenig untergingen. Aber wen stört das schon nach so einer genialen Show?
(Björn Backes)

Setlist:
Set It Off
Show Me How To Live
Spoonman
Like A Stone
The Worm
Be Yourself
Gasoline
Doesn’t Remind Me
Bulls On Parade
Sleep Now In The Fire
Black Hole Sun
Shadow Of The Sun
Killing In The Name Of
Cochise


MACHINE HEAD:

Eine bessere Band als CHIMAIRA kann sich Robb Flynn gar nicht gewünscht haben, denn die Stimmung vor dem Gig der Neo-Thrash-Ikone MACHINE HEAD war zum Überkochen aufgeheizt. So hatte die Band auch selten leichtes Spiel als sie die Bühne betrat, und konnte direkt da anfangen wo die Nachwuchs-Götter aufgehört hatten: bei der absoluten Ausschöpfung jeglichem Adrenalins das noch unter dem Zelt vorhanden war. Das einzige Problem der Band war die Tatsache, dass man nur zwanzig Minuten hatte bis BLACK SABBATH auf die Hauptbühne kamen, und so zog es einen Teil des Publikums (mich insklusive) viel zu früh von der Bühne weg. Aber was man bis dahin zu hören bekam war atemberaubend. Mit 'Old', 'Bay Of Pigs', 'Imperium' und 'Nothing Left' brachte man die Luft zum überkochen (glaubt mir, es gibt einen Aggregatszustand nach gasförmig!), und 'Supercharger' sorgte dafür dass das Bretterwerk unter den Füßen des Publikums auf eine verdammt harte Probe gestellt wurde. Musikalisch einwandfrei klotzte die Band einen Song nach dem anderen durch und ließ das Volk an der eigenen guten Laune teil haben, als Flynn sich immer wieder in seinen Ansagen für die fantastische Stimmung bedankte. Für die knapp zwanzig Minuten, in denen ich MACHINE HEAD bestaunen durfte, bekam ich eine Packung um die Ohren, die so manche Band in einer Stunde nicht zustande bringt.
(Michael Kulüke)


BLACK SABBATH:

Den Höhepunkt der Geschichtsstunde Fields Of Rock bildeten wohl ohne Zweifel die ersten Metaller des Planeten: Ozzy Osbourne, Bill Ward, Geezer Butler und Tony Iommi.
BLACK SABBATH haben sich, aus welchen Gründen auch immer, in ihrer Ur-Besetzung zusammengetan, um ein paar Festivals der Welt mit ihrer Anwesenheit zu beglücken, und im Vorneherein betrachtet konnte eigentlich nichts schiefgehen. Die Anlage des Festivals hat sich als extrem tauglich bewiesen, das Wetter war perfekt, die Stimmung im bunt gemischten Volk ebenfalls, und mit BLACK SABBATH wurde einem ein Haufen von Evergreens der Metalgeschichte versprochen.
So war die Skepsis, die sich in fast jedem Gesicht auf dem Festivalgelände widerspiegelte, nach einer halben Nanosekunde nach Auftreten der Band verflogen, und das Gejubel wollte gar nicht aufhören. Vorfreude ist doch immer die schönste Freude, denn von der Nachfreude war nach anderthalb Stunden nicht mehr viel zu merken.
Dabei war die musikalische Darbietung mehr als nur zufriedenstellend. Butler und Co. kredenzten dem anwesenden Volk ein Panakustium aus BLACK SABBATH-Sound das keine Fragen offen ließ, die Qualität war makellos, und die Stimmung, welche die Musik rüberbrachte ließ keinen Zweifel mehr daran dass da Rockgiganten auf der Bühne standen.
Wäre da nicht dieser fürchterliche, kleine, fiese Mann gewesen, der sich Frontmann schimpft.
Man mag von Ozzy Osbourne halten was man will, seine Sangesstimme ist legendär, seine Eskapaden genauso, aber sein Rumgehampel auf der Bühne des Fields Of Rock Festivals war nur noch peinlich. In der strikten Auffassung, dass das Volk gefälligst zu seiner Band abzugehen hatte, versuchte Mr. Osbourne hartnäckig mit schrillen Ansagen Bewegung in das Volk zu bringen, welches sich ebenso hartnäckig weigerte zu der Musik irgendwelche unangebrachten Bewegungensversuche zu unternehmen. Klar, Rhythmus haben BLACK SABBATH, und Energie ohne Ende, aber das was den meisten Besuchern wichtig war, war die Stimmung, welche die Musik rüberbrachte. Und genau diese düstere Stimmung, die das Markenzeichen seiner Band ist und war, machte Ozzy mit seinem Rumgekasper kaputt. Dabei war die Setlist überwältigend. Das Pflichtprogramm in Form von 'Fairies Wear Boots', 'Paranoid', 'Electric Funeral' und 'Iron Man' war dabei, sowie die Knaller 'Dirty Women', 'Symptom Of The Universe' und 'The Wizard', perfekt rübergebracht von Bill Ward, Tony Iommi und Geezer Butler. Ozzys Sangeskunst war natürlich auch nicht schlecht, aber man begann nach einer Viertelstunde einen Hass auf diese Rumgequäke zwischen den Songs zu schieben, was dem Frontmann sofort jeder Sympathie entledigte. Irgendwann sparte sich der Großteil des Publikums einfach die Reaktion auf Mr. Osbourne, und jubelte nur noch zu den Instrumentalparts auf. Die anderthalb Stunden waren dabei der perfekte Beweis dafür, wie man den Genuss von dermaßen genialer Musik wie der von BLACK SABBATH durch beständiges "Party!"-Gejammer zunichte machen kann.
(Michael Kulüke)

Ja, ich gebe es zu: ich verehre Ozzy Osbourne, ganz gleich, welche nervigen, fast schon unausstehlichen Sachen er sich in den letzten Jahren hergegeben hat. Diesen Mann auf der Bühne herumhampeln zu sehen ist immer wieder ein Vergnügen – und war für mich auch der eigentliche Grund, diese Festival zu besuchen!
Und dann kamen sie: ganz locker und nach dem üblichen Intro wackelte Ozzy als Erster auf die Bühne, feuerte die Fans mit seinen typischen Shouts an und hatte ein ziemlich breites Grinsen auf dem Gesicht stehen. Der Meister war wieder da, zwar bei weitem nicht mehr so gut in Form wie zu der Zeit, an dem die heute gespielten Klassiker entstanden sind, aber immerhin wieder ein ganzes Stück besser als auf der Reunion-Tour, bei der ich BLACK SABBATH zweimal in recht durchschnittlicher Form erleben durfte bzw. musste.
Heute gab sich die Band alle Mühe, und an der instrumentellen Darbietung eines Toni Iommi oder eines Geezer Butler gab es absolut nichts auszusetzen. Die gestandenen Herren spielten ihre alten Hits genau so perfekt wie anno dazumal, legten überraschend viel Spielfreude an den Tag und rangen sich selber ab und zu sogar mal ein Grinsen ab – ja, selbst der düstere Gitarrist lachte an diesem Abend bzw. am späten Nachmittag, an dem die Hitze einen immer noch quälte.
Doch dagegen hatte Herr Osbourne ja das passende Mittel. Immer wieder füllte ihm ein Roadie die bereitstehenden Wassereimer neu, die Ozzy dann in die Menge schüttete. Oder besser gesagt: er versuchte, die Leute nass zu machen, schaffte dies aber manchmal nicht, weil die Distanz zwischen Bühne und Publikum – knapp drei Meter – für den in die Jahre gekommenen Ozzy gar nicht mal so einfach zu überbrücken war. Aber das war Herrn Osbourne egal, und verpeilt wie der gute Mann nun mal ist, machte er statt des Publikums einmal den Kameramann samt seinem teuren Equipment nass. Dieser regte sich zwar direkt auf, konnte aber auch schnell wieder beruhigt werden. Doof nur, dass Ozzy ihm, gerade nachdem er sein wertvolles Gerät gesäubert hatte, erneut eine Breitseite mit dem Wassereimer verpasste...
Aber kommen wir mal zur Musik, und die konnte an diesem Abend wirklich überzeugend dargeboten werden. Keine Ahnung, ob hinter der Bühne wieder jemand bei den Vocals aushalf, aber die Stimme von Ozzy klang heute so gut wie schon lange nicht mehr. Und auch der Sänger selber wirkte überraschend fit nach seinem schweren Unfall im letzten Jahr. Viel wichtiger noch: Ozzy hatte seinen Spaß, trieb seine üblichen Spielchen und zeigte mehr als einmal seinen Allerwertesten. Manchmal übertrieb er es zwar dann auch, aber so und nicht anders ist nun mal unser geliebter Ozzy.
An der Songauswahl gab es an diesem Abend nichts zu mäkeln, sieht man mal von dem Fakt ab, dass mein persönlicher Favorit 'Sabbath Bloody Sabbath' nur kurz angespielt wurde. Dafür gab es aber dann mit 'Fairies Wear Boots', 'Into The Void' und 'Symptom Of The Universe' die passende Entschädigung. Mit 'The Wizard' hatte man dann auch eine echte Überraschung im Gepäck. Ob Ozzy das Intro mit der Mundharmonika dabei selber gespielt hat, bleibt zwar zu bezweifeln, aber es machte etwas her, den Mann vor allem auch in den Moment mit der Mundharmonika herumwedeln zu sehen, in denen er eigentlich hätte spielen müssen. Natürlich flog das Teil später ins Publikum und keiner redete mehr darüber.
Ansonsten war alles beim Alten, nur dass BLACK SABBATH heute wirklich gut in Form waren. 'Paranoid' und die übliche Zugabe 'Children Of The Grave' bildeten schließlich den Abschluss eines sehr gelungenen Auftritts, der trotz aller Befürchtungen mein persönliches Wochenend-Highlight bleiben sollte.
(Björn Backes)

Setlist:
N.I.B.
After Forever
War Pigs
Fairies Wear Boots
Dirty Women
Symptom Of The Universe
Sweet Leaf
Electric Funeral
Iron Man
Into The Void
Black Sabbath
The Wizard
Sabbath Bloody Sabbath (Intro)
Paranoid
---
Sleeping Village
Children Of The Grave


RAMMSTEIN:

Die mittlerweile nicht mehr ganz so Neue Deutsche Härte hielt mit der Gallionsfigur RAMMSTEIN Einzug auf dem holländischen Festival, und das Rätsel um die Begeisterung für die deutsche Band war ziemlich schnell im Dialog mit einem niederländischen Landsmann geklärt: während man hierzulande darüber fachsimpelt was zum Teufel Till Lindemann und Genossen mit ihren Texten meinen, freut man sich ab der Grenze einfach nur über die industriell angehauchte Mucke und den lustigen Klang der ruppig dahingeschnalzten deutschen Sprache. Alles klar?
Der holländische Fanclub auf jeden Fall hatte es gut, so wurde das Areal vor dem Wellenbrecher geräumt und nur für Mitglieder zugänglich gemacht. Als RAMMSTEIN dann endlich auf die Bühne kamen, war der Applaus erst einmal groß, und die Erwartungen sowieso. Ob die Leute jetzt wegen der Musik oder der Bühnenshow gekommen waren, war einerlei, RAMMSTEIN stellten trotz anfänglich erbärmlicher Soundqualität beide Gruppen zufrieden. So wurde die Bühne immer wieder in gleißenden Flammenschein gehüllt, und die Band trat in gewohnt abgefuckter Kostümierung zutage. Der Opener des neuen Albums "Reise, Reise" mit dem gleichen Titel eröffnete auch die famose Show des Sextetts und läutete ein Fest für Augen und Ohren ein. Dass die Bühne immer wieder mal in bunten Lichtern aufging verlor bald an Reiz, jedoch hatten die kleinen Schauspielchen der Band auch was für sich (zu 'Mein Teil' wurde Basser Riedel in einen Topf verfrachtet und immer wieder mal mit dem Flammenwerfer beschossen, während er zu 'Seemann' mit dem Gummiboot eine Reise über das Volk wagte), und sorgten durchgehend für große Augen. Die Setlist war eine gute Zusammenstellung aus bekannteren Hits der Band und den schwereren Songs der Band. So wurde 'Amerika' abgefeiert, während 'Bück dich' für die beste Stimmung beim holländischen Publikum sorgte (der Song brachte für die Band den Durchbruch bei unseren niederländischen Nachbarn). Mit 'Du riechst so gut' und 'Asche zu Asche' wurden Songs der "Herzeleid" präsentiert, durch 'Engel' und 'Küss mich' die "Sehnsucht", und durch die Burner 'Feuer frei' und 'Sonne' gab es Liedgut der "Mutter" zu hören. Durch die zunehmende Dämmerung wurde die Licht- und Feuershow zu einem echten Aushänger des Festivals erhoben, und RAMMSTEIN sorgten durchgehend für einen mehr als nur zufriedenstellenden Ausklang eines großartigen Festivals!
(Michael Kulüke)

Redakteur:
Michael Kulueke

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