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Fuck The Commerce VIII - Luckau

26.05.2005 | 14:22

05.05.2005, Mehrzweckanlage

Fukk Se Kommörz ist gut,
Heimstatt der todesmetallischen Brut,
Wie jedes Jahr Anfang Mai,
Bricht er da los, der killende Sturm aus Blei,
Vermischt mit Ravioli, Tabak und Bier,
Hier wird der Fan zum moshenden Tier,
Niemand braucht hier Seife oder Haarspray,
We are all here the friends of the harder gangway...
(Unbekannter Fan, versunken im Schlamm, 5. - 7. Mai 2005, Luckau bei Cottbus)

Selbst die poetischen Triebe werden beim Fuck The Commerce in diesem Jahr geweckt. Denn wer zwischem dem 5. und 7. Mai die "Mehrzweckanlage" in Luckau besucht hat, der weiß danach, was ein echtes Todesblei-Festival ist. Es lässt sich berichten von eisigen Stürmen aus Regen, die selbst gestandene Metalheads in die Knie zwingen können, aber auch von welterweckenden Konzerten, die dann doch wieder die letzten Lebensgeister aktivieren. So zwängen sich die Fans tagelang ein Bier nach dem anderen in die Körper hinein, trinken heißen Met, naschen von den Dönern und von der Pizza, stinken gemeinsam auf dem geteerten Platz vor der Hauptbühne. Der Kampf beginnt am Mittwochabend...
(Henri Kramer)

Nachdem das eigene Zelt steht und die ersten PET-Biervorräte ins Partyzelt verschleppt worden sind, macht der WACO JESUS-Drummer auf sich aufmerksam. Laut "Weed!" brüllend grast er die Tische ab, doch niemand kann ihm helfen, auch nicht, als er die Zollkontrollen verflucht. Ein vergnügungssüchtiger Geselle im besten Sinn, der seinen Alkoholismus ebenso wie die roten Haare mit seinen irisch-schwedischen Wurzeln erklärt. Aha! Gleich mal wieder was gelernt und hinterher noch über den Buschfunk erfahren, dass die Franzosen AL BUNDY und die Amis DIVINE EMPIRE ausfallen, weil sie nicht da sind - sie durften nicht aus den USA ausreisen. Soso. Speziell Jason Blachowicz sollte nach Ansicht der Behörden in Florida verbleiben - Bewährungsauflagen. Böse Jungs! Dafür springen FUNERUS ein, doch dazu wenig später mehr.
(Gretha Breuer)

HEXENHAMMER dürfen den Reigen des diesjährigen FTC eröffnen. Wer dabei an Black Metal denkt, wird veranstaltungstypisch gleich eines Besseren belehrt. Brutalen Death Metal amerikanischer Schule haut der Opener den bisher gierig wartenden Gästen um die Ohren. Kein Wunder, bildet dieser Gig doch den Abschluss einer kleinen Europatour mit INCANTATION, CATASTROPHIC und JUNGLE ROT, auf der die im Februar erschienene Scheibe "Divine New Horrors" vorgestellt wurde. Leider verschlingt der zelttypische Sound die technischen Feinheiten dieses Erstlings, so dass am Ende nur der Eindruck eines brachialen Festivalauftakts hängen bleibt.
(Thomas Fritzsch)

Ein sphärisches Intro täuscht darauf die Lauscher nur kurz, denn der rasante deathmetalige Einstieg macht schnell klar, wo GODDAMNED X hin wollen - Richtung Old School. Bei 'The Last Temptation' von der "Marching Through The Inferno" kommt noch ein bisschen Thrash dazu und die Füße wippen mit. Vor der Bühne wird sparsam gebangt. Trotz der selbst im Zelt eisigen Temperaturen ist der Oberkörper auf der Bühne entblößt, nur die Flying V-Gitarre wärmt. 'Death Metal Boogie', den einige unumstößlich für den 'Cashmere Boogie' halten, mündet in Zugabe-Rufe, die aber lediglich mit Bier-Geschossen ins Publikum belohnt werden.
(Gretha Breuer)

Als nächstes präsentiert sich mit FUNERUS die zweite Kapelle besagter INCANTATION-CATASTROPHIC-Tour. Blickfang für alle, die mit dem Rücken zum Bierstand stehen, ist die rothaarige Bassistin, welche die crushing Vocals übernimmt - was für ein gedärmschneidendes Organ! Tempomäßig schaltet man im Vergleich zu den vorherigen Bands einen Gang zurück, was aber der Tanzbarkeit keinen Abbruch tut. So finden sich auch gleich fünf bis zehn Bereitwillige vor der Bühne zusammen, um den Rasenverfall im Moshpit zu beschleunigen. Nach schleppenden Basspassagen und bestimmt fünfminütigem Gitarrensolo gipfelt der Gig in einer Pose aus gekreuzten Gitarrenhälsen und mit dem Gefühl, 15 Jahre zurück gebeamt worden zu sein.
(Thomas Fritzsch)

US-Death mit Grunzern, die in Schreie münden, bietet INCANTATIONs John McEntee. 'Twisted Sacrilegious Journey Into Our Darkest Neurosis' lässt die mächtigen Growls zur Geltung kommen und die langsamen Parts befähigen sogar mit unaufhaltsam näher rückender Matschbirne vereinzelt zum Bangen. Auch Mc Entee scheint zu wissen, dass es jetzt nur noch bergab gehen kann und bedankt sich schon mal brav bei Deutschland, das ihm bis zum Mischpult stehend lauscht. Weiter hinten wird auf den Bierbänken getanzt. Wir sind doch nicht auf der Wies'n! Oder? Neee, da gibt's keine rasenden Thrash-Kracher. 'Blasphemous Cremation' mit seinem harmonischen Anfang und der grunzenden Weiterführung taugt dazu, McEntees Aufforderung "Mosh, motherfuckers!" zu befolgen, denn die Doom-Anteile ermöglichen die Teilnahme auch bei fortschreitender Trunkenheit; das Publikum steht drauf. Trotz Kopf-Chaos fällt bei INCANTATION das Chris Barnes-Phänomen auf: Alles könnte noch viel schöner sein, wäre der Gesang variabler. Doomig-bedrohlich mit Moshparts zwischendrin geht's weiter, dann gibt's noch was auf die Grindcore-Rüben. Extrem abwechslungsreich war das und jetzt muss mehr Met her...
...wenn jetzt noch alles stimmt, was die Suff-Sauklaue hergibt, stehen nun DARKFALL aus Österreich auf der Bühne und beginnen mit dem SEPULTURA-Cover 'Desperate Cry'. Zackig! Begeisterte, respektive sturzbetrunkene Banger. Ansage auf Österreichisch. "Tschuldigung, aber mehr geht heut nicht". Der Met-Becher steht am nächsten Tag jedenfalls noch im Vorzelt ...
(Gretha Breuer)

Redakteur:
Henri Kramer

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