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GHOST, CANDLEMASS - Hamburg

15.03.2019 | 16:28

18.02.2019, Sporthalle

Geisterstunde(n) in Hamburg!

Ich muss gestehen, dass ich erst interessiert war, diese Tour zu besuchen, als CANDLEMASS als Support bekannt gegeben wurde. Die Doom-Legende habe ich das letzte Mal in einer Halle in der Hansestadt gesehen im Jahr 1987, als sie mit SAVATAGE und KING DIAMOND getourt ist. Das war eines dieser Konzerte, die man niemals vergisst. Nun, mit Ur-Sänger Johan Längquist und einem tollen Album im Köcher, dürfen die fünf Schweden im Vorprogramm auf großen Bühnen ihre schweren Geschütze auffahren und gewinnen hoffentlich noch ein paar neue Fans hinzu. Ich bin natürlich in erster Linie gespannt, wie Johan 33 Jahre nach "Epicus Doomicus Metallicus" stimmlich unterwegs sein wird. Als dann nach dem klassischen Intro 'Marche Fenebre' fulminant mit dem Brecher 'Well Of Souls' ins Programm gestartet wird, sind sofort alle Zweifel verflogen. Der gute Mann ist sensationell bei Stimme und weiß obendrein auch optisch zu gefallen. Weiter im Text geht es mit 'Dark Reflections', bevor man mit 'Astorolus, The Great Octopus' einen Song des bis dahin noch nicht erschienen neuen Albums vorstellt. Die Anwesenden, von denen bestimmt die Hälfte nicht weiß, welche Legende sie da vor sich hat, gehen gut mit und die Eingeweihten schrauben sich fröhlich die Rübe vom Hals. Es ist aber auch eine wahre Freude, wenn man sogar den kaum wiedererkennbaren Leif Edling endlich mal wieder auf einer Bühne sehen darf. Da sogar der Sound für die Sporthalle recht gut ist, steht der finalen Doom-Abfahrt in Form von 'Mirror, Mirror', 'A Sorcerer's Pledge' und natürlich 'Solitude' nichts im Wege. Gerade bei der zweiten Nummer bin ich in einer Livesituation immer begeistert, weil das entenpellende Ende nicht den grausamen Fade-Out-Tod der Studioversion stirbt, sondern von ein paar Hundert Kehlen lautstark mitgesungen wird. In dieser Form darf die Band gern noch eine Weile unterwegs sein und ich drücke uns allen die Daumen, dass dies gesundheitlich für alle Beteiligten auch möglich sein wird.

Setliste: Marche Fenebre; Well Of Souls; Dark Reflections; Astorolus, The Great Octopus; Mirror, Mirror; A Sorcerer's Pledge; Solitude

Nach einer entspannten Umbaupause geht es bei GHOST mit einem stimmungsvollen Intro los, bevor die Herrschaften nach 'Ashes' gleich mit dem aktuellen Hit 'Rats' die Halle auf Arbeitstemperatur bringen. Sofort fällt der für Sporthalle extrem druckvolle und auch gut ausbalancierte Klang auf, der vor allem den Gitarren sehr viel Freiraum lässt. Dann ist natürlich das gigantische Bühnenbild ein visueller Augenschmaus, so dass die Stimmung sofort grandios ist. Der Cardinal macht kaum Ansagen und unterhält uns eher durch exaltiertes Herumstolzieren und seine überzogene Gestik. Als dann mit 'Cirice' einer der Klassiker vom Kracher "Meliora" losgeht, zaubern zwei der Gitarren-Ghouls ein Saitenbattle auf die Bretter, das sich sehen und hören lassen kann. Jeweils am entgegengesetzten Ende auf einem Podest stehend duellieren sich die beiden mit immer neuen Saitenhexereien und beziehen auch das Publikum immer wieder gekonnt mit ein. Die Nummer selbst toppt die eh schon großartige Stimmung in der Menge. Und weil es gerade so schön ist, folgt mit 'Miasma' das Instrumental mit dem Saxophon-Part. Als wäre das nicht schon akustisch toll, wird auch hier optisch noch eine Schippe drauf gepackt. Der Mainman kommt umgezogen und mit einem güldenen Instrument auf die Bühne zurück und bläst uns gehörig den Marsch. Fett!

Zum Runterkommen folgt nun eine tolle Akustikversion von 'Jigolo Har Megiddo', bei welcher die drei (!) Klampfer zeigen können, wie gut sie wirklich sind. Entenparka. Mehr kann ich dazu kaum schreiben. Dazu ihr Sänger in weißem Outfit. Surreal. Logisch, dass hier die ganze Halle mitsingt. Anders wäre auch komisch. Das fröhlich-okkulte Trippel 'Pro Memoria', 'Witch Image' und 'Life Eternal' beendet den ersten Teil der Show und hinterlässt die Menge gut aufgewühlt, da vor allem die letzte Nummer noch mal mächtig Dampf machen kann.

Da kann es nach einer kleinen Verschnaufpause stimmungsvoll mit 'Spirit' weiter gehen. Der Zeremonienmeister ist nun in rot gewandet und die in fieses Grün getauchte Bühne schafft eine schön gespenstische Aura für diesen Smasher. Offenbar will man nun den wahren Höllenzinnober starten, denn die nächsten Nummern steigern sowohl akustisch wie auch visuell das bisher Gebotene, bis bei 'Year Zero' dann wahrlich der ganz heiße Scheiß losbricht. Die Flammen auf der Bühne beim Chorus sind so hoch, dass sogar bei uns Kaminfeuer-Feeling aufkommt. Als wäre es nicht eh schon heiß in der Bude. Die bunt gemischte Fangemeinde singt fröhlich tanzend "Hell Satan – Archangelo" und auf der Bühne lebt ein Tobias seinen Rock 'n' Roll-Zirkus-Traum. Momente für die Ewigkeit.

Nachdem wir alle fröhlich nach dem Onkel mit dem Huf gerufen haben, folgt konsequent 'He Is'. Man merkt, die Kollegen auf der Bühne haben sich etwas bei der Songreihenfolge gedacht. Das gleißende blau/weiße Licht passt erneut perfekt und als anschließend die ersten Akkorde von 'Mummy Dust' erklingen, frage ich mich, weshalb die meisten Metalkonzerte in dieser Location so einen beschissenen Klang hatten. Es scheint ja auch anders zu gehen. Das am Ende einsetzende Konfetti, welches sich als Mumienstaub über dem Publikum niederlässt, erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre. Der Hexenkessel ist gar.

Der finale Part beginnt mit einer exzessiven Fassung von 'If You Have Ghosts', bei welcher alle Nameless Ghouls einzeln vorgestellt werden. Das ist die einzige Phase der insgesamt 150 Minuten Spielzeit, die mir etwas langatmig vorkommt. Dann gibt es den letzten Nackenschlag mit 'Dance Macabre' und 'Square Hammer'. Die Halle steht noch einmal Kopf und das Licht geht aus. Nach einer weiteren extrem unterhaltsamen Einlage des Cardinals gibt es als finales Finale noch 'Monstrance Clock'. Gigantisch!

Man kann von GHOST halten, was man will, diese Show setzt Maßstäbe. Auch wenn alles einstudiert ist, wirkt es zu keiner Minute statisch. Alle Beteiligten scheinen Spaß auf der Bühne zu haben und genau dieses Gefühl springt sofort auf die Zuschauer über. Da man dann auch noch mit so einem Soundbild und einer derart grandiosen visuellen Umsetzung um die Ecke kommt, kann ich nur "Chapeau!" schreiben und froh sein, die Band noch einmal so nah gesehen zu haben.

Redakteur:
Holger Andrae

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