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GHOST, DEAD SOUL - Hamburg

06.01.2016 | 11:39

10.12.2015, Markthalle

"Black To The Future" Tour

Das hatte ich auch schon lange nicht mehr: Eine ausverkaufte Markthalle! Klar, in den Hochzeiten der traditionellen Stromgitarren-Musik habe ich hier etliche Konzerte in genau dieser Atmosphäre erlebt, aber in letzter Zeit eher nicht. Dass ausgerechnet bei den knuffigen Kollegen der skandinavischen Senkrecht-Okkultainer von GHOST diese ehrwürdigen Hallen pickepacke voll werden würden, hätte ich vor wenigen Monaten noch nicht erwartet. Irgendwas machen die Herrschaften wohl richtig, denn sie haben auch mich mit ihrem aktuellen Album "Meliora" komplett am Angelhaken. Fand ich die Band zuerst noch "nett", tat ich sie schnell als Hype ab, nur um das zuerst gehörte 'Mummy Dust' als "zu poppig" abzustempeln. Als ich dann allerdings 'He Is' das erste Mal hörte, war ich vom ersten Ton an fasziniert. Das Album kam in die Sammlung und läuft nun regelmäßig. Diese einzigartige, düstere Stimmung, eingebettet in mystische, aber irgendwie betörend klingende Melodien, schafft sonst kein anderes Album der Neuzeit. Es stand schnell fest: Die Band möchte ich noch einmal live erleben, denn das erste Mal sah ich GHOST als Support von TROUBLE in der kleinen Markthalle nebenan. Das fand ich schon sehr gut, obwohl ich die Band an sich damals eher nicht so stark fand. Um so gespannter bin ich heuer. Wird es ein hippes Hype-Konzert ohne Tiefgang oder ein mystisches Ritual mit magischer Ausstrahlung?


Aufgrund der Arbeitszeiten in meinem realen Leben verpasse ich die Vorband komplett, bekomme aber aufgrund meiner bestens platzierten Begleiter trotzdem einen exquisiten Sichtplatz vor dem Mischpult. Optimale Bedingungen also. Die Stimmung in der Halle ist super, das Publikum sehr gemischt. Logischerweise sieht man sehr viel Dunkelvolk, ein paar Metaller und überraschend viele Damen. Okkultismus macht wohl sexy. Das ellenlange Intro mit Choralgesängen bringt die Spannung auf den Siedepunkt bis die Band mit 'Spirit' formidabel in ihren Set einsteigt. Auffallend ist der extrem gute Klang, der alle Instrumente schön transparent und druckvoll zur Geltung kommen lässt. Das hört man in der Markthalle selten. Die Menge ist sofort begeistert und verfolgt gebannt das Geschehen auf der Bühne. Dreh-und Angelpunkt ist natürlich der Papa, der zunächst in einer etwas abgespeckten Papst-Kostümierung auftritt und der mit seinen gewohnt spartanischen Gesten versteht die Menge zu dirigieren. Er scheint Spaß zu haben. Mit 'From The Pinnacle Tot he Pit' geht man im Folgenden gleich mal einen Zacken heftiger zu Werke und schnell sieht man etliche, wackelnde Köpfe. Auch auf der Bühne. Relativ schnell entledigt sich Papa Eremitus III seiner Kopfbedeckung und zelebriert nun einem Dompteur gleich seine Schäfchen. Der musikalische Reigen jongliert fröhlich durch alle drei Alben der Band, ohne dass es irgendeine Schwachstelle zu geben scheint. Es scheint völlig egal zu sein, welchen Song die Band anstimmt: Die Menge tobt. Das mag für die musikalische Qualität sprechen, aber wenn ich höre, wie sie alle die ersten Worte von 'Con Clavi Con Dio' mit gröhlen, glaube ich, dass das Image hier nicht gänzlich unwichtig ist. Die gelungenen Bühnenaufbauten unterstützen die leicht morbide Stimmung, die dem Songmaterial innewohnt, aber die Ansagen und Gesten des Zeremonienmeisters lassen wenig Zweifel daran, wie ernst es der Band mit diesem Image ist. Kurzweiliges Entertainment heißt die Marschrichtung. Natürlich sind wir heute Abend froh, dass wir die Geister haben. Da passt der großartige Roky-Koffer natürlich ganz hervorragend. Aber das kommt erst kurz vor Toreschluss. Zwischendrin gibt es beim eingangs erwähnten 'He Is' meterdicke Entenpelle und das vormals verschmähte 'Mummy Dust' rockt ganz gewaltig jeden Popo. Nach dem bereits erwähnte 'If You Have Ghosts' gibt es als Rausschmeißer noch das aus allen Kehlen mit gesungene 'Monstrance Clock'. Ich denke, dies war die letzte Chance diese Band in so einem kleinen Rahmen zu erleben und ich bin sehr froh, diese Option wahr genommen zu haben. He Is!

Setlist: Spirit; From The Pinnacle To The Pit; Ritual; Con Clavi Con Dio; Per Aspera Ad Inferi; Body And Blood; Devil Church; Cirice; Year Zero; Spöksonat; He Is; Absolution; Mummy Dust; Ghuleh/Zombie Queen; If You Have Ghosts; Monstrance Clock

Redakteur:
Holger Andrae

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