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GOTTHARD und PRETTY MAIDS - Ulm

09.03.2017 | 21:00

11.02.2017, Ratiopharm-Arena

25-Jahre-Sause mit leicht gebremstem Schaum.

Die Schweizer sind eine Rockinstitution in unserem Nachbarland. Mit dem zwölften Album wird das 25-jährige Bestehen gefeiert, was sich auch in der Setliste der Tour widerspiegeln soll, die die Eidgenossen mit zahlreichen Stopps einmal quer durch die Republik führt.

Doch zu einer Feier lädt man sich Gäste ein und was bietet sich da mehr an, als hübsche Mädchen? Und deshalb dürfen die Dänen PRETTY MAIDS die Party eröffnen. Die Jungs sind ein Phänomen, ich habe bereits zahlreiche Auftritte gesehen und nie haben sie mich enttäuscht. Anno 2017 dürfte ihnen das auch nicht leichter fallen, haben sie doch mit "Kingmaker" ein großartiges aktuelles Album in der Hinterhand. Oder besser derer drei, denn die Alben seit 2010 gehören zu dem Besten, was PRETTY MAIDS bisher aufgenommen hat. So verwundert es nicht, dass die Setliste heute hauptsächlich aus diesen drei Alben besteht und die ersten fünf Stücke gleich einmal aus dieser Phase der Band stammen, die die Band adäquat repräsentiert, wie mir scheint, denn den Fünf macht das Ganze augenscheinlich viel Spaß. Besonders im Rampenlicht stehen natürlich die beiden Gründungsmitglieder Ronnie Atkins, ein wirklich bemerkenswerter Sänger, und Gitarrist Ken Hammer, der völlig entspannt mit einem Hut der Marke "Kreuzung zwischen Glammercowboy und deutschem Tourist auf Malle" Hit um Hit aus seinen Saiten zaubert. Doch kann eine Band auch nach vierzehn Alben nicht umhin, ihre alten Klassiker auszupacken, und so werden die EP "Red Hot And Heavy" und das erste Album "Future World" natürlich auch noch bedacht und sorgen für entsprechende Stimmung in der Halle. Nach sechzig Minuten ist Schluss und PRETTY MAIDS hat es dem folgenden Headliner sehr schwer gemacht, ihren Auftritt zu toppen. Na, mal sehen.
Setliste: Mother of All Lies; Kingmaker; Face the World; Rodeo; I.N.V.U.; Bull's Eye; Little Drops of Heaven; Back to Back; Red, Hot and Heavy; Love Games; Future World

Zeit für die Hard Rock Macht aus dem Alpenland! Unter großem Applaus betritt GOTTHARD die Bühne und legt mit einem Package aus dem neuen Album los. Das ist jetzt aber eher unter normal einzuordnen, so würde jede Tour beginnen. Natürlich sind die beiden Lieder 'Silver River' und 'Electrified' die Topsongs des guten, aber nicht herausragenden neuen Silberlings, aber wie es scheint, kennt noch nicht jeder das Album. Jedenfalls geht die Stimmung gleich ein paar Stufen rauf als 'Hush' intoniert wird und der gesamte Saal mitsingt. Trotzdem: Liegt es an mir, oder ist die Stimmung irgendwie gebremst? Bei den PRETTY MAIDS war die begeisterte Menge kleiner, aber enthusiastischer. Für GOTTHARD sind alle da, aber eher abwartend. Die Band post zwar und bemüht sich, aber auch auf der Bühne scheint irgendwie die große Begeisterung zu fehlen. Zumal erst noch die neue Single 'Stay With Me' folgt, bevor mit 'Mountain Mana' erstmals in die Trickkiste der Bandgeschichte gegriffen wird. Tatsächlich steigt die Stimmung und auch drei relativ neue Stücke von "Bang" und "Firebirth" können den Pegel halten, aber das folgende Keyboardsolo, das neben überflüssig auch noch nicht besonders gut ist, tötet die Stimmung wieder. Natürlich ist klar, wozu es notwendig ist, denn nun folgt der Acoustic-Teil der Show, doch wird ein solcher Teil üblicherweise eingestreut, wenn das Publikum schon mal eine Pause braucht. An der Stelle sind wir aber noch nicht. Noch lange nicht. Acht Stücke, davon sechs aus den letzten vier Jahren, das ist in Ordnung, aber nicht ausreichend Vorbereitung für den ruhigen Teil und ganz sicher keine besondere "wir sind 25 Jahre alt"-Songauswahl. Aber das kann ja noch kommen.

Der Akustic-Teil enthält dann auch ein paar Schmankerl wie 'Angel' vom selbstbetitelten Debüt und zwei der schönsten Akustiksongs der Band vom mittlerweile zwanzig Jahre alten "G", die Sänger Nic Maeder sehr gut präsentiert und auch leicht abwandelt und sich so von Originalsänger Steve Lee absetzt. Trotzdem fehlt der Angelegenheit ein wenig der Drive und dass ein neuer Song von "Silver" und ein Gitarrensolo folgen, sorgt auch nicht für Euphorie. Zwei weitere Lieder, die zwei noch nicht geehrte Alben ins Rampenlicht stellen, dann folgt ein Drumsolo und nimmt wiederum die Fahrt aus dem Gig. Und nach nur zwei weiteren Stücken, die übrigens Volltreffer sind - sind sie doch 'Standing in the Light' und 'Anytime Anywhere' - ist Schluss.

GOTTHARD war heute Abend gut. Aber mehr auch nicht. Ich hatte irgendwie ein größeres Jubiläumsfeuerwerk erwartet und die Stop-And-Go-Taktik bei der Setliste hat mich nicht so überzeugt. Immer, wenn das Publikum richtig abging, setzte die Band einen Stopper in Form eines Solos, auf die ich übrigens weitgehend hätte verzichten können, am liebsten zugunsten von 'Sister Moon', 'Bang' und 'Shangri-La'. Das hätte den Gig sicher bereichert, genauso wie man vielleicht auf 'Miss Me' von "Silver" zugunsten eines weiteren Klassikers hätte verzichten können. So erscheint die Tour nicht als etwas Außergewöhnliches, sondern eben als Tour zum aktuellen Album. Als solche war der Auftritt gut. Mehr aber auch nicht. Vielleicht sollte ich GOTTHARD wieder auf einem Open Air sehen so wie 2015, als die Band gehörig abgeräumt hat und auch viel größere Spielfreude versprühte. Vielleicht hatte GOTTHARD heute einfach nicht den besten Tag, so etwas kommt auf jeder Tour vor. Und vielleicht waren einfach meine Erwartungen zu hoch, weil ich weiß, das die Jungs noch mitreißender sein können. Aber einen Besuch heute hat sicher niemand bereut. Daher: Bis zum nächsten Mal.
Setliste: Silver River; Electrified; Hush; Stay With Me; Mountain Mama; Remember It's Me; Feel What I Feel; What You Get; Keyboard Solo; One Life, One Soul (Acoustic); Let It Be (Acoustic); Angel (Acoustic); Heaven (Acoustic); Miss Me; Guitar Solo; Top of the World; Lift U Up; Drum Solo; Standing in the Light; Anytime Anywhere

Redakteur:
Frank Jaeger

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