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GRAND MAGUS - Köln

22.11.2017 | 18:42

10.11.2017, Essigfabrik

Metal vs. Metal - Steel meets Steel!

Was spielten in den vergangenen Monaten für tolle Bands in der Kölner Essigfabrik? FEAR FACTORY, SEPULTURA und MINISTRY hier, OVERKILL, AMORPHIS und CROWBAR dort – die Location ist für Konzerte dieser Art einfach wie gemalt. Und so verwundert es auch nicht, dass an dem heutigen Freitag auch nicht gerade wenige Besucher das folgende Package sehen möchten. Also geht es nach dem wohlverdienten Feierabend in die schmucke Essigfabrik, um mit den Australiern von ELM STREET ein wenig zu bangen, den Belgiern von EVIL INVADERS zu moshen und letztendlich mit den epischen Chören und anmutigen Klängen der Schweden von GRAND MAGUS zu träumen. Multikulti also heute im Herzen Kölns – der Abend kann beginnen.

Zunächst macht ELM STREET genau das, was ein Support-Act tun sollte – es heizt dem Publikum ordentlich ein. Mit zwei Alben auf der Habenseite sind die Jungs um Frontmann und Sänger Ben Batres längst nicht mehr so grün hinter den Ohren und zocken ihr halbstündiges Set auch mehr als souverän herunter. Auch wenn man durchaus gern mehr von den Jungs aus Down Under gehört hätte, sorgten Songs wie 'Kiss The Canvas', 'Heartracer' oder der etwas klischeebehaftete 'Metal Is The Way'-Abschluss samt Fronter im Publikum schon für den einen oder anderen Applaus. Bestimmt hat das Quartett heute ein paar Fans hinzugewonnen, auch wenn der Funke nicht bei allen so richtig überspringen wollte.

Doch spätestens bei der nächsten Band entwickelt sich ein absolutes Feuerwerk. Ja, ich möchte ehrlich sein – ich habe mich heute mehr auf EVIL INVADERS als auf GRAND MAGUS gefreut. Zu geil finde ich das Zweitwerk der Belgier, zu genial dröhnen immer noch Songs wie 'As Life Slowly Fades', 'Broken Dreams In Isolation' und 'Oblivion' aus den Boxen, zu heftig entwickelt sich der innere Circle-Pit bei Klassikern wie 'Raising Hell' oder 'Stairway To Insanity' – für mich ist EVIL INVADERS die Speed-Metal-Band der Stunde. Sie hat sich hörbar weiterentwickelt und stolziert dennoch unheimlich erhaben und wild im Underground herum. Da geht einem Genre-Fan wie mir einfach nur das Herz auf. Und da ich heute die Truppe um Frontwüterich Joe das erste Mal sehe, hält sich die Vorfreude kaum noch in Grenzen.

Und was soll ich sagen? Die Jungs übertreffen meine Erwartungen. Der Sound ist druckvoll und stark, das Stageacting weder steril-langweilig noch übermotiviert-wild und die Songauswahl – alle oben genannten sind vertreten – ein absoluter Volltreffer. Gut, so kann man bei erst zwei Alben und einer EP auch noch nicht viel falsch machen. Und trotzdem ist diese wohl überlegt: Man merkt eben, dass die neuen Songs eine gewisse Reife haben, die älteren Stücke jedoch von dieser gewissen Unbekümmertheit strotzen. Dem Kölner Publikum gefällt es, der Band gefällt es, mir gefällt es – "Feed Me Violence" ist einfach ein bockstarkes Thrash-/Speed-Metal-Album geworden und es freut mich ungemein diese Songs auch live zu hören und genießen zu können. Der innere Schweinehund wird zumindest für knapp 50 Minuten von der Leine gelassen und zumindest diesmal habe ich es wirklich bereut, keine lange Mähne mehr zum Schütteln zu haben.

Keine Matte zum Schütteln hat auch JB Christoffersson, Frontmann der Epic-Metaller GRAND MAGUS. Und trotzdem sind die folgenden Zeilen voller Erhabenheit bespickt. Obwohl "Sword Songs" schon anderthalb Jahre auf dem Buckel hat, laufen die Songs immer noch wie Öl herunter – 'Varangian', 'Forged In Iron - Crowned In Steel' und 'Freja's Choice' haben sich schon damals perfekt ins GRAND MAGUS-Songarsenal eingefügt, mit diesem Album erklommen die Schweden wieder einmal eine weitere Sprosse der Leiter der ewigen Epik. Anmutige und erhabene Chöre hier, epische und fast schon geniale Melodien hier – die Essigfabrik erstarrt bei GRAND MAGUS zu Ehrfurcht. Richtig, die Kölner fressen der Band nahezu aus der Hand, erweisen sich als äußerst textsicher bei etwas älteren Stücken wie 'Steel Versus Steel' und 'Arv' und mit bandeigenen Klassikern der Marke 'Valhalla Rising' oder auch 'Silver Into Steel' kann GRAND MAGUS auch an diesem frischen Novemberabend nicht falsch machen.

Und so neigt sich ein wirklich toller Abend mit ordentlichem ELM STREET-Schwermetall, waghalsigem und wahnsinnigem Speed-Metal der EVIL INVADERS-Truppe und den letzten Tönen vom GRAND MAGUS-Klassiker 'Hammer Of The North' langsam dem Ende. JB, FOX und LUDWIG sind sichtlich glücklich, das Publikum bei bester Laune gehalten zu haben, und verabschieden sich doch allmählich in den wohlverdienten Feierabend.

Ich selbst blicke auf einen rundum geglückten Abend zurück. Ich habe mit ELM STREET nicht nur eine junge, talentierte Truppe und mit EVIL INVADERS eine meiner derzeitigen Genre-Lieblinge gesehen, sondern konnte mich auch einmal mehr vom Anmut und der Macht aus dem Schwedischen Stockholm überzeugen. GRAND MAGUS ist einfach eine absolute Bank und dank eines tollen Sounds und einem Publikum auf Augenhöhe spielten auch die anderen Faktoren eine nicht unwesentliche Rolle.

Trackliste: I – The Jury, Varangian, On Hooves Of Gold, Steel Versus Steel, Forged In Iron – Crowned In Steel, Ravens Guide Our Way, Freja's Choice, Iron Will, Like The Oar Strikes The Water, Arv, Triumph And Power, Valhalla Rising, Silver Into Steel, Hammer Of The North

Redakteur:
Marcel Rapp

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