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Gamma Ray / Paragon - München

29.10.2002 | 11:49

28.10.2002, Neues Backstage

Die GAMMA RAY-Tour „Skeletons In The Closet” ist aus einer Laune heraus entstanden und zwar durften die Fans per Abstimmung auf der GAMMA RAY-Homepage bestimmen, welche Songs gespielt wurden – und das Volk hat gewählt!
Nur welche Songs von Seiten der Band dann ins Tourprogramm kamen, das war ein bis dato gut gehütetes Geheimnis und so blieb die Spannung bis zum letzten Track aufrecht erhalten.

Doch nun der Reihe nach – als Support konnten die Hanseaten ihre Freunde von PARAGON gewinnen, die immerhin schon seit 1994 existieren und dem Münchner Publikum gut 50 Minuten lang kräftig einheizten. Um 20.25 betraten Andreas Babuschkin, Martin Christian, Claudius Cremer, Jan Bünning und Markus Corby die Bühne. Leider wurde die sonst so agile Band in ihrer Bühnenshow sehr eingeschränkt, denn von der sowieso schon recht kleinen Bühne des neuen Backstages hatten PARAGON lediglich die Hälfte abbekommen (man bedenke allerdings, dass das Drumkit von GAMMA RAY-Taktgeber Dan Zimmermann schon aufgebaut war).
Nun gut, der Platzmangel tat aber der Spielfreude, die die Hamburger an den Tag legten, absolut keinen Abbruch.
Schon der Opener „Thunderstorm“ zeigte den metalsüchtigen Bajuwaren, wo der berühmte Hammer hing. Gnadenloser Power Metal, straighte Riffs und ein absolutes Killerdrumming setzten kopfschüttelnde (oder hört sich „headbangerische“ besser an? *g*) Akzente. Lediglich Frontman Andreas blieb leider – gerade in den höheren Passagen - ein wenig hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Das Hauptaugenmerk in der Setlist war deutlich auf die neue Scheibe „Law Of The Blade“ gelegt, welche mit „Palace Of Sin“, „Armies Of The Tyrant“, „Across The Wastelands“, „Allied Force“ und dem abschließenden Song „Back To Glory“ recht ausgiebig zum Zuge kam. Zu den neueren Tracks gesellten sich dann noch „Dragon’s Flight“ vom „Chalice Of Steel“-Album, das eingangs schon erwähnte „Thunderstorm“ und die beiden „Steelbound“-Stücke „New Dark Age“ und „Reign Of Fear“.
Alles in Allem hätten GAMMA RAY keinen besseren Support für ihre Mini-Tour finden können. Das Münchner Publikum jedenfalls war jetzt schon Feuer und Flamme – stellte sich lediglich die Frage: Würde es zu einem Strohfeuer werden oder sich zu einem gehörigen Waldbrand auswachsen?

Nach 20minütiger Umbaupause betraten GAMMA RAY, bezeichnenderweise mit dem Track „Welcome“, die Bühne und das Backstage verwandelte sich in einen Hexenkessel. Die Hamburger Power Metal-Heroen hatten sich in schwarze Fracks mit dazu (mehr oder weniger) passenden Zylindern gehüllt und warteten mit einem glasklaren Sound und einer eindrucksvollen Lightshow auf.
Schon nach wenigen Minuten war klar: Das würde eine der besten Metalpartys werden, die München seit langem gesehen und gehört hat. Da wurde fast jedes Haupt geschüttelt und die Ärmchen zum Metalergruß in die Höhe gereckt; es wurde gehüpft, mitgesungen und mitgeklatscht, als gäbe es keinen Morgen mehr. Noch während dem zweiten Stück „Gardens Of The Sinner“ wurde das auch der Band klar. Die anfänglich ziemlich überraschten Gesichter wichen einem permanenten Dauergrinsen – insbesondere bei Axtmann Henjo Richter.
Eigentlich wollte Kai Hansen eine kurze Begrüßung nach dem Song loswerden, aber das Münchner Publikum lies ihn ums Verrecken nicht zu Wort kommen. Drei, vier Minuten lang hielten das rhythmische Klatschen und die HEY HEY HEY-Chöre an, bis Kai dann ins Mikro brüllte: „München! Ihr seid supergeil!“ Ach ja, das wiederholte er übrigens etliche Male und er scheute nicht mal den Vergleich zur Premiere mit Hamburg. Irgendwann, ziemlich zum Schluss des Sets, entwich ihm sogar ein „München und Hamburg sind eine Einheit – Metal Unite“-Statement.
Nach dem gelungen Auftakt hatten die Hanseaten ein leichtes Spiel mit dem Publikum und sie steigerten ihre Spielfreude immer mehr.
Die nächsten Songs („Rich And Famous”, „No Return” und „All Of The Damned”) zogen sie an einem Stück durch, bevor das nächste Lob an die ca. 300 Anwesenden gerichtet wurde. Kai versuchte sich des Öfteren am Beckenbauer-Zitat „Schaun mer moi“ und an diversen bajuwarischen Sprechversuchen, welche aber keinesfalls als Lächerlichkeit angesehen wurden, sondern einfach als Ausdruck seiner Begeisterung über das Münchner Publikum.
Und weiter ging es mit der Fan-Vollbedienung à la GAMMA RAY. Es kamen „All Of The Damned” und „One With The World”, bevor Kai dann „Armageddon” ankündigte.
Danach folgte „Heavy Metal Universe” mit dem wohlbekannten Singalong-Spielchen, wobei auch hier Kai Schwierigkeiten hatte, das begeisterte Publikum zu übertönen. Anschließend folgte „Razorblade Sigh“, dann das noch nie live gespielte „Heart Of The Unicorn”, welches von Hansen einwandfrei intoniert wurde.
Im Anschluss darauf fand das (für mich persönlich) absolute Highlight des Abends statt – ein schlichtweg geniales Drumsolo von Dan Zimmermann. Gut und gern 12 Minuten lang verdrosch er - lichttechnisch hervorragend in Szene gesetzt - die Felle, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Egal ob rhythmische Doublebass-Läufe oder scheinbar einfaches Drauflosgedresche, stets war die Harmonie im Druming zu spüren und genau das ist es, was ein Drumsolo ausmacht. Auch Mitklatschspielchen mit dem Publikum ließ Zimmermann nicht aus und steigerte sich sogar noch zum Schluss hin, indem er einen lupenreinen Snare-Part hinlegte, der mir fast die Tränen in die Augen trieb. Ich denke einmal, dass Daniel Zimmermann nicht zu unrecht als einer der besten deutschen Power Metal-Drummer bezeichnet wird – zumindest hatte er erneut bewiesen, dass er zur absoluten Spitzenklasse der Metal-Schlagzeuger gehört.
Und wo wir gerade beim Lobverteilen sind: Ebenso genial waren natürlich Henjo Richter, der mit seiner filigranen Gitarrenspielweise zu begeistern wusste, Kai Hansen, dessen Saitenkünste man ohnehin nicht zu erwähnen braucht und der sich auch stimmlich absolut topfit zeigte, und Bassmann Dirk Schlachter bewies, dass er neben flinkem Bassgezupfe auch noch eine sehr gute Backgroundstimme vorweisen kann. Ein weiterer Hörgenuss waren die Harmonieläufe und doppelt gespielten Soli von Kai und Henjo - ich sag nur "Gänsehaut"!
Weiter ging’s dann mit „Last Before The Storm“, bevor Kai Hansen ein kleines Ratespielchen um den nächsten Song veranstaltete. Nach diversen falschen Antworten wie „Ride The Sky“ und „Heavy Metal Is The Law“ kündigte er „Victim Of Fate“ an und griff somit ganz, ganz tief in die Schatzkiste aus alten HELLOWEEN-Tagen.
Mit „Rising Star” / “Shine On” beschlossen GAMMA RAY ihren offiziellen Set und ließen sich nach gut und gern 5minütigen Applaus und Zugabenrufen erneut auf der Bühne blicken.
Es folgten „The Silence” - welches hervorragend von Kai gesungen wurde - ”Heaven Or Hell” und das von Henjo Richter geschriebene „Guardians of Mankind“.
Erneut ging das Quartett von der Bühne, kam aber kurz darauf wieder zurück. Nach weiteren lobenden Worten über das immer noch frenetische Publikum gaben die Hanseaten „I Want Out“ zum Besten, welches eigentlich nicht zur offiziellen Stelist gehörte. Danach dauerte es noch mal gut und gern 5 Minuten, bis GAMMA RAY sämtliche Hände geschüttelt hatten und sich nochmalig überschwänglich beim Publikum bedankten, ehe sie im Backstagebereich verschwanden.

Müsste man dieses Konzert in einem Satz zusammenfassen, so ließe sich das am besten so erklären: Spielfreude pur, gepaart mit absoluter Professionalität und einem „supergeilen“ Publikum machten diesen Abend zu einer einzigartigen Metal-Party im Münchner Backstage!

Danke GAMMA RAY und PARAGON!

Setlist GAMMA RAY:
Welcome
Gardens Of The Sinner
Rich And Famous
No Return
All Of The Damned
One With The World
Armageddon
Heavy Metal Universe
Razorblade Sigh
Heart Of The Unicorn
Last Before The Storm
Victim Of Fate
Rising Star / Shine On
----------------------------
The Silence
Heaven or Hell
Guardians of Mankind
----------------------------
I Want Out

Redakteur:
Alex Kragl

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