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German Swordbrothers Festival - Lünen

24.03.2015 | 19:55

14.03.2015, Lükaz

Traditionsherz, was willst du mehr?

Zugegeben, die letzten Ausgaben dieses Festivals waren schon amtliche Erfolge, doch dieses Jahr sollte alles in den Schatten stellen. Das Billing sah schon unglaublich viel versprechend aus und alle Bands sollten auf der ganzen Linie punkten, doch was wäre das Lükaz ohne Publikum? In diesem Sinne sorgte auch ein mit knapp 380 Metallern auch fast ausverkauftes Haus dafür, dass die vierte Ausgabe des German Swordbrothers Festival als voller Erfolg verbucht werden konnte.

Und die Vorzeichen standen alles andere als schlecht, wenn man einen Blick auf das Billing wirft: BLIZZEN und STALLION sorgen als Vertreter der "Young & Wild"-Generation für eine ordentliche Portion Heavy-/Speed-Metal, bei IRON THOR darf man sich auf eine mehr als unterhaltsame Show freuen und auf die SAVAGE GRACE-Magie von MASTERS OF DISGUISE kann man sich eh blind verlassen. Mit den Hamburgern PARAGON bekommt das Lükaz außerdem einen fetten Teutonen-Metal-Anstrich und die Kalifornier OMEN braucht man wohl keinem der Anwesenden heute groß vorstellen, der Name spricht für sich. Doch dazu später mehr.

Beste Parkmöglichkeiten, geräumige Hallen, kühles Bier und toller Sound, das Lükaz im Herzen von Lünen lässt auch am heutigen Abend keinerlei Wünsche offen. Einzig und allein der Absprung zweier Händler, die man eigentlich auf dem kleinen Metal Markt vermutet hat, sorgt für einen winzigen, wirklich winzigen Wehrmutstropfen. Die mehr als fairen Merchandise-Preise der jeweiligen Bands, die Verköstigungsmöglichkeiten und natürlich die Bands per se sollen dennoch für einen denkwürdigen, weil ungemein geglückten Abend sorgen.

Pünktlich um 17 Uhr entern die Jungs von BLIZZEN die heiligen Hallen. Und zur allgemeinen (positiven) Verwunderung ist das Lükaz auch schon mehr als ordentlich gefüllt. Ein toller Sound, eine mehr als engagierte, spielfreudige Truppe und ein feierwütiges Publikum, der Abend wird gleich zu Beginn in die richtige Richtung gelenkt. Die Hessen jedenfalls, die in knapp einem Monat ihre Debüt-EP "Time Machine" an den Mann bringen werden, knallen mit einer amtlichen, traditionellen Heavy- und Speed-Metal-Faust lautstark auf den Tisch. 'Strike The Hammer', 'Pile On The Pressure', 'Time Machine' und 'Gone Wild' machen hier und heute sehr viel Spaß. Die Riffs sitzen, den oft so üblichen Blutdurst junger Bands vermischt das Power-Quartett souverän mit spielerischem Know-How, BLIZZEN hinterlässt einen rundum sympathischen, eingespielten Eindruck. Nach diesem tollen Auftritt stehen Frontmann Stecki und seine Mannen am Merchandise-Stand zudem jedem Fan Rede und Antwort und bei mehr als fairen 10€ für BLIZZEN-Shirts kann selbst ich mein Portemonnaie nicht stillhalten. Ein sehr guter Opener, der seiner Rolle als Anheizer mehr als gerecht wird und Lust auf mehr macht.

Nach angenehm kurzer Überbrückungszeit findet sich das Publikum in Valhalla wieder, als IRON THOR, die von Jon Mikl Thor unterstützte Tribute-Band aus Gelsenkirchen, an der Front erscheint. Bei den "Messengers Of Thor" ist die Marschroute von Anfang an klar: Muscle-Rock mit bester Unterhaltung. Frontmann Ikon, Son Of Thor, ist auch optisch entsprechend gekleidet und schießt mit seinen Mitstreitern und THOR-Klassikern wie 'Only The Strong', 'Warhammer' und 'Thunder On The Tundra' den Donnervogel ab. Das Lükaz wird trotz zwischenzeitlichem Mikro-Problem bestens unterhalten und spätestens als zwei Walküren zur Band stoßen und eine durchaus ansehnliche Figur machen, bekommt auch das männliche Publikum seine Hingucker. Ikon setzt sich immer wieder in Szene, alle "Swordbrothers & Axegrinder" feiern, grölen die alten Hits fleißig mit und nach gelungener Wrestlingeinlage kehren die vier THOR-Tributler zurück nach Valhalla (wenig später ins Publikum) und machen Platz für...

...MASTERS OF DISGUISE. Und die letzte SAVAGE GRACE-Besetzung legt mit ihrem Frontmann Alexx Stahl einen absoluten Siegeszug hin. Lünen ist verzückt, wie tight und präzise diese Combo ihr Set durchzockt. Ob sie nun Songs ihres Debüts "Back With A Vengeance" ('The Omen', 'For Now And All Time', 'Alliance'), ihres aktuellen Albums "The Savage And The Grace" ('Judgement Day', 'The Enforcer', 'Conquering The World' gleich zu Beginn) präsentiert oder der großen Band aus Kalifornieren mit dem unfassbar geilen 'Into The Fire' oder dem Abschluss 'Bound To Be Free' ein Denkmal setzt, das Lükaz ist fest in der Hand von MASTERS OF DISGUISE. Souverän und absolut erhaben auf der einen, zugleich auch immens spielfreudig und mit jeder Menge Energie auf der anderen Seite, hier schmilzt jeder US-Metal-Fanatiker dahin. Stahl trifft jeden Ton, die Instrumentalmannschaft spielt sich in Rage, das Publikum reckt die Fäuste in die Höhe und ich bekomme auch Stunden später den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Freunde, das war bärenstark!

Doch auch STALLION kann punkten. Die sympathischen Senkrechtstarter aus Baden-Württemberg können auch heute wieder einige Fans dazugewinnen. Mit 'Rise & Ride' beginnt das muntere Treiben, das das Lükaz in Bewegung setzt. Pauly und Co. schaffen es mit Leichtigkeit, wie eigentlich alle Bands zuvor und später auch, die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer zu bekommen, die sich an tollen Darbietungen von 'Wild Stallions', 'Killing Time', 'The Devil Never Sleeps' und 'Canadian Steele' erfreuen dürfen. Nieten, Leder und Tempo hier, Melodien und tolle Hymnen dort, STALLION setzt den Aufwärtstrend der letzten Monate gnadenlos fort. Hier reift etwas Großes heran. Denn neben dem spielerischen Know-How weiß sich die Band auch neben der Bühne sehr gut zu verkaufen.

Auf die nun folgenden PARAGON-Jungs freue ich mich persönlich am meisten, beehrten die Hamburger Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Monaten doch nicht allzu oft mit ihrer Anwesenheit. Aus diesem Anlass haben sich Buschi und seine Mannen etwas Besonderes für Lünen einfallen lassen: Neben den ersten fünf Songs der "Law Of The Blade"-Scheibe wird auch Ex-Klampfer Günny Kruse noch einmal in Aktion treten. Man merkt, dass sich PARAGON momentan in den Arbeiten zum neuen Album befindet, die Truppe wirkt ungemein eingespielt und prügelt mit Leichtigkeit die Songs in die Menge. Beginnend mit dem satten 'Abducted', 'Palace Of Sin' und dem Riff-Monster 'Armies Of The Tyrant' feiert sie einen tollen Einstand, die Songs drücken wie Sau. Frontmann Buschi tanzt und brüllt sich die Seele aus dem Leib, ist sehr gut bei Stimme und feuert das Publikum an, sich bei den folgenden 'Law Of The Blade', 'Legacy' oder dem neueren 'Tornado' lautstark zu beteiligen. Mit 'Steelbound', 'Hellgore' und 'Impaler' wird das Niveau locker gehalten, die Jungs haben sich die Rosinen aus ihrer langen Diskographie für Lünen herausgepickt. Und obwohl Buschi den vielen "Zugabe"-Rufen nachgibt und 'Thunderstorm' zum Besten geben will, ist aus zeitlichen Gründen nach 'Masters Of The Sea' leider Schluss für PARAGON. Schade, aber Spaß gemacht hat der knapp einstündige Gig dennoch allemale.

Doch nun schlägt die Stunde einer Band, an der die Veranstalter schon lange dran waren. Und wer sollte diesem Abend geeigneter die Krone aufsetzen als "mighty" OMEN? Da stampfen die alten, aber immer noch äußerst vitalen Herren auf die Bühne: Steve Wittig an den Drums, Andy Haas an seinem Axtbass, Klampfhexer Kenny Powell zumindest noch am Anfang im Kettenhemd und ein stimmlich und stimmungsmäßig bestens aufgelegter Kevin Goocher.

Eben jener Kevin Goocher lässt es sich am Anfang auch nicht nehmen, dem deutschen und speziell dem anwesenden Publikum für die jahrelange Unterstützung zu danken und mehrmals mit der ersten Reihe abzuklatschen. OMEN ist auch nach wie vor top in Form und pfeffert dem proppevollen Lükaz die Hymnen reihenweise um die Ohren: 'Last Rites', 'Make Me Your King', 'Warning Of Danger' sorgen ebenso für Freudensprünge wie 'Don't Fear The Night', das Kevin mit seinem rockröhrigen Töchterchen zum Besten gibt. Es liegt diese gewisse Magie in der Luft, die eben nur Bands wie eben OMEN aufleben lassen können. Die Band grinst und hampelt sich mit Herzblut um den Verstand, allen voran Rampensau Kenny, der es sich am Ende nicht nehmen lässt und ein Bad in der Menge genießt. Ja, heute Abend wird gefeiert, nicht nur den 30. Geburtstag der "Warning Of Danger"-Platte, und der guten, alten Zeit gehuldigt, die OMEN passend mit 'Ruby Eyes (Of The Serpent)', 'Termination' und 'Battle Cry' vertont. Nach knapp anderthalb Stunden verlassen die vier Kalifornier ausgelaugt, aber glücklich und zufrieden die Bühne. Schließlich ist man gemeinsam mit MASTERS OF DISGUISE auf Tour, da müssen noch einige energische und spielerisch eindrucksvolle Auftritte absolviert werden.

Hier und heute jedoch bekam das Lünen-Publikum einen Leckerbissen nacheinander mundgerecht serviert. BLIZZEN und STALLION gehört die Zukunft, MASTERS OF DISGUISE kann Großes erreichen, IRON THOR ist Unterhaltung pur, PARAGON macht sehr große Lust auf das neue Album und OMEN ist eben OMEN. Was soll ich euch noch sagen? Die, die da waren, haben auch Tage später noch ein äußerst zufriedenes Grinsen im Gesicht und alle anderen eben Bissspuren im Allerwertesten. Ich freue mich jedenfalls schon auf März 2016, wenn das German Swordbrothers Festival im Lükaz in Lünen in die fünfte Runde geht, mit einer perfekten Location, einer sehr familiären Atmosphäre und, so weit vertraue ich an dieser Stelle den Veranstaltern Christian Ernsting und Volker Raabe, einem Billing ganz nach traditionellem Geschmack. Eben jenen möchte ich an dieser Stelle ein großes Lob für den reibungslosen Ablauf eines rundum geglückten Festivals aussprechen. Bis nächstes Jahr, Swordbrothers- and sisters!

Redakteur:
Marcel Rapp

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